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USA 2003
Originaltitel:Master and Commander: The Far Side of the World
Länge:132:34 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Peter Weir
Buch:Patrick O'Brian, Peter Weir, John Collee
Kamera:Russell Boyd
Musik:Iva Davies, Christopher Gordon, Richard Tognetti
SFX:WETA Studios
Darsteller:Russell Crowe, Richard Stroh, Paul Bettany, Billy Boyd, James D'Arcy, Lee Ingleby, George Innes, Mark Lewis Jones, Richard McCabe, Robert Pugh, David Threlfall, Max Benitz, Chris Larkin, Ian Mercer, Max Pirkis, Jack Randall, Thierry Segall, Edward Woodall, Dave Kelsey, Russell Overton, Anup Sugunan
Vertrieb:Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
DVD 1:
  • Inside Look - "I, Robot"
Bonus DVD:
  • Making of - Die Hundert Tage (69 Min.)
  • Im Kielwasser von O'Brian (21 Min.)
  • Dokumentation "Cinematic Phasmids" - Visuelle Effekte (30 Min.)
  • Sound Design (17 Min.)
  • HBO Special (26 Min.)
  • Bisher unveröffentlichte Szenen (32 Min.)
  • Bildergalerie
Es ist das Jahr 1805, die napoleonischen Kriege sind längst losgebrochen und die französische Marine ist eine ernsthafte Bedrohung für die Flotte seiner Majestät. Einer der Kapitäne des Empire ist Captain Jack Aubrey (Russell Crowe), der die HMS Surprise befehligt. Ihm untergeben ist eine relativ junge und unerfahrene Crew und sein einziger älterer Freund ist der Schiffsarzt Maturin. Da wird die Surprise auf den Weiten des Pazifiks von dem französischen Schlachtschiff Acheron beinahe in Fetzen geschossen. Kaum noch schwimmfähig, rettet sich das Schiff mühevoll nach Galapagos, wo dem rachedurstigen Aubrey ein Tarnplan einfällt, wie er dem überlegenen Franzosen beikommen könnte ...
Nicht jeder Film braucht eine großartige Exposition, keine lange Charaktereinführung, Beschreibung des Szenarios. Manchmal genügt eine kurze Einblendung. Das Jahr ist 1805, das Schiff heißt "HMS Surprise" und das Ziel heißt "Archeron" und kommt aus Frankreich. Hinein ins Vergnügen.
"Master und Commander" ist die Verfilmung eines der Bücher aus der gleichnamigen Erfolgsreihe. Es ist nicht das erste und nicht das letzte und das merkt man trotz aller Bemühungen ziemlich deutlich. Obwohl alles relativ frisch rüberkommt, ist es ungewohnt, einfach mal so in die Handlung hineingeworfen zu werden. Wir sind schon auf See, das Ziel bekannt und jetzt geht es uns wie jedem der überwiegend jungen Matrosen und Offiziere auf dem Schiff von Lucky Jack.
Der wird von Russel Crowe("Gladiator") gegeben und hat ebenfalls keinen heroischen Auftritt, wie überhaupt nichts hier Hollywoodesque bemüht oder forciert aussieht. Crowe tritt einfach aus der Kabine an Deck, als zum Gefecht gerufen wird. Offensichtlich macht Peter Weir ernst und präsentiert dem Publikum einen hinreichend realistischen Blick in den Seealltag des frühen 19. Jahrhunderts. Und der kommt beachtlich authentisch daher.
Die Kamera schwelgt in Schiffsaufnahmen, auf Deck, unter Deck, Enge, Muffigkeit, harte Arbeit, wildes Wetter. Da können Abenteuerfans mit einem letzten Hauch von Realismus endlich wieder so richtig genießen. Das gilt ganz besonders für die Seegefechte, denn kaum fünf Minuten im Film, wird unsere "Surprise" von den Franzosen überrascht und zu Klump geschossen. Wahrlich zu erleben natürlich nur in Dolby-THX-Surround, wenn die dicken Kugeln große Stücke aus dem Schiffsrumpf fetzen und uns die Splitter direkt ins Gesicht pusten; wenn es kracht und dampft und Matrosen wie wild durch die Luft gewirbelt werden. Einmal am Anfang und einmal am Ende geht es zur Sache, beim zweiten Gefecht komplett mit Entern und Infight, ansonsten stellt sich der Film als eine Rekapitulation der vielverfilmten Katz-und-Maus-Situation dar, in der zwei Taktierer sich gegenseitig belauern. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, genauso wie die Tatsache, dass man die Tricks des Films eben NICHT sehen kann, was ihn über alle Maßen stärkt.
Weniger orginell, sondern mehr ein Konglomerat aus bekannten Seefahrerideen (dank des Realismus erlaubt das Skript keine echten Kapriolen), ist der Rest des Plots. Alle Zutaten sind zusammengeworfen: ein fieser Sturm, ein menschliches Notopfer, eine Amputation, eine Flaute, Seemannsaberglaube, ein Selbstmord, etwas Spannung zwischen dem Kapitän und dem Arzt, alles schön der Reihe nach abgearbeitet. Nur einmal schlägt der Film etwas aus der Art, wenn Arzt Maturin sich mittels Spiegel selbst eine Kugel herausoperiert, ohne mal vor Schmerz aufzuschreien. Der amputierte Junge biss ja wenigstens auf ein Kantholz!
Was zu kurz kommt, sind Charakterisierungen. Crowe erhält etwas Platz und löst seine Aufgabe mit rauem Charme brilliant, aber die junge Besatzung (darunter "Pippin" Billy Boyd) ist größtenteils austauschbar, wenn auch einige Darsteller eine gute Szene zugeteilt bekommen. Das Ende, das auch noch eine mögliche Fortsetzung andeutet, leitet dann vollends über in das Gefühl eine Ausschnittzeitreise präsentiert zu bekommen. Die einzige Folge einer (prachtvollen) TV-Serie, die man zufällig sehen konnte ...

Wie viele bereits wissen, wurde "Master & Commander" in diesem Jahr für 10 Oscars nominiert, darunter auch in der Kategorie "Beste Tonabmischung". Dass man diesen Oscar schlussendlich mit nach Hause nehmen konnte, werden diejenigen unter euch, welche den Film bereits in ihrem Heimkino genießen konnten, durchaus nachvollziehen können. Selten gab es so eine harmonische und vor allem dynamische Tonabmischung wie hier zu hören. Man fühlt sich in das Geschehen hinein versetzt und auch wenn sich der Hauptteil des Filmes auf offener See abspielt, ist die Soundabmischung vielseitiger als bei vielen anderen "Referenz"-DVDs. Alle Kanäle werden hier perfekt genutzt und selbst in ruhigen unspektakulären Szenen wirkt der Ton sehr räumlich. Das liegt unter anderem daran, dass die Effektlautsprecher immer im Einsatz sind. Ob es das Peitschen der Meere ist, das Knarren des Holzes oder Pfeifen des Windes. Hier wurde alles perfekt und authentisch wieder gegeben, sodass es eine Freude ist, diesem Abenteuer bei zu wohnen. Aber wir wollen uns ja nicht nur den Wind um die Ohren wehen lassen, sondern Action erleben - und die kracht dann auch gewaltig. Allein die Kanonenschläge strapazieren den Bass ordentlich und machen aus dem Wohnzimmer ein Schlachtfeld, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Der Bass wirkt extrem satt und bringt die Wände zum Wackeln und treibt die Nachbarn zur Verzweiflung. So eine räumliche und vor allem druckvolle wie dynamische Klangkulisse haben wir schon lange nicht mehr gehört und da ist es kaum erwähnenswert, dass wir es zudem mit einer hervorragenden Dialogverständlichkeit und einer perfekten Musikabmischung zu tun haben. Hier gibt es wirklich nichts zu bemängeln und die DTS-Spur klingt noch mal eine Spur weiträumiger und somit besser als die Dolby-Digital-Spur. Heimkino-Herz, was willst du mehr?!
Das Bild kann die hohen Erwartungen leider nicht erfüllen. Das heißt nicht, dass die Bildqualität schlecht ist, aber sie ist weit genug von der Referenz entfernt. Zum einen wäre hier die Schärfe, die zwar ein durchweg gutes Niveau erreicht, aber größtenteils zu weich und verwaschen erscheint. Zwar gibt sich das Geschehen recht wechselhaft, aber richtig detaillierte Szenen gibt es nicht und auch die Kantenschärfe ist nicht perfekt und zeigt deutliche Überstrahlungen. Ein weiteres Problem, wenn nicht sogar das größte, ist das Bildrauschen. Da wir hier viel Rauch, Nebel oder Himmel zu Gesicht bekommen, fällt das Bildrauschen besonders stark auf und kann schon etwas stören, vor allem, weil es nicht bei einigen wenigen Szenen bleibt, sondern recht dominant ausgefallen ist. Dafür gibt es aber einen hervorragenden Kontrast, der selbst in den dunkelsten Szenen nicht in die Knie geht und auch die überwiegend kühle Farbgebung ist gut ausgefallen. Die Kompressionen leisten ein gute Arbeit und Defekte waren kaum auszumachen. Trotz der Schwächen in der Schärfe und dem Rauschen ist das Bild als gut zu bezeichnen, allerdings hätte man sich beim Transfer etwas mehr Mühe geben können. So bleibt hier leider die Höchstnote verwehrt.

Kommen wir nun zum Bonusmaterial, welches hier komplett auf einer Bonus-DVD vorliegt. Auf der DVD mit dem Hauptfilm befindet sich lediglich ein zweiminütiges Special zu Will Smith und dem zu diseem Zeitpunkt noch nicht erschienenden SF-Actioner "I, Robot".
Das Zusatzmaterial der Bonus-DVD erstreckt sich auf knapp drei Stunden Laufzeit und keine der vorliegenden Dokumentationen haben irgendwelche Hänger. Die erste Dokumentation mit dem Titel "Die Hundert Tage" beträgt eine Laufzeit von gut und gerne 69 Minuten und ist mit Abstand das Beste auf der ganzen Disc. Hier wird uns ein sehr ausführlicher Blick in das Filmprojekt geboten. Kommentiert wird das Ganze von Peter Weir, welcher uns alle wichtigen Aspekte des Films erläutert, so dass hier kaum noch Fragen offen bleiben.
In der nächsten Dokumentation mit dem Namen "Im Kielwasser von O'Brian" erzählt uns der Regisseur knapp 19 Minuten lang über die filmische Umsetzung von Patrick O'Brians Buch und welche Probleme es mit der Umsetzung des Skriptes gab. Der nächste Menüpunkt ist "Featurettes", unter dem man drei sehr informative und vor allem interessante Dokus findet. Einmal "Cinematic Phasmids", in welcher man sich gut eine halbe Stunde mit den Effekten in "Master & Commander" beschäftigt. Hier wird die Entstehung der Computereffekte und der Schiffsmodelle durchleuchtet und unter "Sound Design" finden wir eine 17-minütige Dokumentation über die aufwendigen Toneffekte im Film. Untermauert wird das Feature mit einer Sounddemonstration, in der man sich einen Kanonenschuss aus verschiedenen Positionen anhören kann. Hier wurde ein Schuss mit unterschiedlichen Mikrofonen auf verschiedenen Entfernungen aufgenommen. Wer also schon immer wissen wollte, wie der Ton in den Film kommt und wie aufwendig das Ganze ist, sollte dieses Feature auf keinen Fall verpassen. Zum Schluss gibt es dann die 25 Minuten lange "HBO First Look"-Dokumentation. Diese fürs Fernsehen produzierte Werbepromo ist nichts anderes als ein kurzer Zusammenschnitt der langen Dokumentation und der zwei Featurettes.
Da einige Szenen mit mehreren Kameras gefilmt wurden, werden uns im "Multi-Angle-Feature" drei Szenen gezeigt, die man aus verschiedenen Kameraperspektiven begutachten kann. Weiter geht es mit sechs nicht verwendete Szenen, welche aber leider nicht vom Regisseur kommentiert werden. Zum Schluss gibt es dann noch eine umfangreiche Bildergalerie mit vielen Zeichnungen, die das durchaus überragende Bonusmaterial abrunden. Einziger Wermutstropfen ist das Fehlen eines Audiokommentars und des Originaltrailer. Ansonsten wirklich hervorragend, da kann sich so manches Label eine Scheibe von abschneiden. Man sollte 20th Century Fox aber nicht zuviel loben, denn oft genug hat man sich bei angeblichen "Special Editions" nicht gerade mit Ruhm bekleckert und zumindest im Menüdesign sollte man sich mehr Mühe geben.

"Master and Commander" hat seine technischen Oscars sicher verdient und der eine oder andere mehr, wäre sicher auch nicht verkehrt gewesen. Es ist ein spannender, heutzutage fast retro wirkender Historienabenteuerfilm, aber sicher kein überragendes Drama. Dagegen muss man jedoch konstatieren, dass man solche Filme heute einfach zu selten sieht und für so intensive und sorgfältige Unterhaltung im Zeitalter von "Van Helsing" dankbar sein sollte.
Die Überschrift "Special Edition" lügt diesmal nicht, denn zufälligerweise ist hier auch eine gute Special Edition drin. Der Ton ist bombastisch und das Bonusmaterial bis auf zwei kleine Punkte einfach Spitze. Das Bild ist hier zwar der einzige wirkliche Schwachpunkt, aber immer noch gut genug von einer rundum gelungenen DVD zu sprechen.


Film++++--
Bild+++++-
Ton++++++
Bonus+++++-


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Master and Commander
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