Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
USA 2002
Originaltitel:29 Palms
Alternativtitel:Twenty-nine Palms
Länge:89:27 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Leonardo Ricagni
Buch:Tino Lucente
Kamera:Horacio Maira
Musik:Mario Grigorov
SFX:Jim Staples, Paul Staples
Darsteller:Jeremy Davies, Chris O'Donnell, Rachael Leigh Cook, Jon Polito, Michael Rapaport, Bill Pullman, Keith David, Russell Means, Michael Lerner, Litefoot, P.J. Byrne
Vertrieb:I-On
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu, Eng), Dolby Digital 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase im Schuber
DVD-Start:15.07.2004 (Verleih) / 30.08.2004 (Kauf)
Specials:
  • Trailer 1 (1:22 Min.)
  • Trailer 2 (1:52 Min.)
  • Filmografien:
    • Rachael Leigh Cook (2 Seiten)
    • Jeremy Davies (1 Seite)
    • Keith David (5 Seiten)
    • Chris O'Donnell (1 Seite)
    • Michael Rapaport (3 Seiten)
    • Russell Means (1 Seite)
    • Jon Polito (4 Seiten)
    • Bill Pullman (3 Seiten)
  • Trailershow:
    • Undead (2:30 Min.)
    • Love Bites (1:47 Min.)
    • Resurrection Of The Little Match Girl (1:56 Min.)
    • Bichunmoo (2:20 Min.)
    • H (1:12 Min.)
Der "Drifter" hat wirklich nen schlechten Tag: Eine Truppe rothäutiger Gangster, die ihn für einen Spitzel halten, martern seine Frau und ihm bleibt um seines Skalps Willen nur die Flucht in die Wüste. Bei seinem Weg durchs staubige Nirgendwo namens 29 Palms entdeckt er zufällig in einer Bushaltestelle eine Tasche mit 50000$ - eben jene Summe, die von einem um seine Investitionen bangenden Kasinoboss auf seinen Kopf ausgesetzt ist. Die bunte Jagd um den Inhalt der Tasche kann beginnen, denn neben einem Auftragskiller, dem rechtmäßigen Besitzer der Tasche, finden sich bald die verschiedensten Charaktere ein, die sich mit dem Gedanken durchaus anfreunden könnten, demnächst um 50 Riesen reicher zu sein ...
Was man mit einer Kamera, wenig Geld und einer handvoll staubiger Sets filmisch so alles auf die Beine stellen kann, bewies Robert Rodriguez 1993 mit seinem Debut "El Mariachi". Leonardo Ricagnis Independent-Produktion setzt auf ähnliche Umstände, greift aber auf bestens bekannte Namen in der Darstellerliste zurück und inszeniert die Hatz nach einer mit 50000-US-Dollar gefüllten Tasche für die "Pulp Fiction"-Fangemeinde, angereichert durch eine stilistische Zitatesammlung aus Oliver Stones "U-Turn". Auch dort fing man beiläufig die kulturelle Verelendung der indianischen Wurzeln Amerikas ein, das aber nur am Rande, denn auch in "29 Palms" spielt dies keine größere Rolle.


Es beginnt doch ordentlich wirr, was uns hier aufgetischt wird. So soll es auch sein, denn das verspricht eine spätere Auflösung der Charaktere und Verhältnisse, die den Zuschauer bei der Stange halten soll. Auch die stetig wiederholten Rückblenden (sehr Stone artig; da verwette ich mein linkes Ei, dass man sich dort ein Beispiel genommen hat) dürften später für den nötigen "Aha"-Effekt sorgen, wenn sich das verworrene Gefüge nach und nach entflechtet. Inmitten der plötzlich hereinbrechenden Ereignisse, die keinerlei Zeit für Erklärungen lassen, findet sich der stoische Outlaw Jeremy Davies ("Soldat James Ryan", auch hier noch etwas grün hinter den Ohren) wieder, der seinen Schicksalschlag noch nicht verkraften hat und nun wie ein Blatt im Wind hin- und herschwingt - in einem kräftigen Sturm wohlgemerkt, ausgelöst durch Verrat, Intrige und natürlich die Macht des Geldes. Sein Überlebenswille ist nur etwas geknickt, dumm ist das Kerlchen aber keineswegs, denn als er nach kurzer Zeit an die Tasche gelangt, weiß er natürlich, sich gegen seine Mitbuhler zu erwehren, schließlich hat er nichts mehr zu verlieren. Doch hier gibts schon die erste Unachtsamkeit (auch wenn die erst beim zweiten Anschauen so richtig auffällt): Woher weiß der vom Skript nur als "Drifter" Bezeichnete überhaupt, dass sich Geld in der Tasche befindet oder sucht er darin nur etwas Warmes zum Anziehen?
Wurscht! Für genügend Ablenkung sorgen nämlich das kesse Indianerpüppchen Rachael Leigh Cook, der bis in die Socken korrupte Streifenbulle Michael Rapaport, Chris O'Donnell als fein gezwirnter Killer mit der Lizenz zum Eiswürfelpissen, Keith David als ahnungsloser, aber endcooler Sheriff eines Wüstenkaffs, die menschliche Zielscheibe in Form des schmierigen, dafür aber arg gebeutelten John Polito und der spleanige Ticketverkäufer Bill Pullman, der mehr Macken hat als eine Jahresversammlung der schrillsten Talkshowgäste - mehr Szenen für diesen Mann bitte! Mehr oder weniger gezielt geht jeder der Jagd nach den Moneten nach und man trifft sich hier und da meist zufällig zu einem kleinen Plausch unter Feinden oder nem fiesen Shootout. Letzteres ist eigentlich gelogen, denn bis auf zwei Schießereien im Kasino und vorm Bushäuschen, bei der Pullman mit der Pumpgun unterm Tresen mal fix die Bodyguards des Oberhäuptlings auseinander nimmt, wedelt man etwas unbeholfen mit den Ballermännern herum - zumindest verständlich, denn keiner der acht Hauptcharaktere wäre ernsthaft dazu im Stande abzudrücken, das verbietet die Gutmütigkeit, denn letztlich sind es doch alle nur Kleinganoven oder zu unbedeutenden Gemeinheiten verleitete Individuen.


Könnte alles ganz gut funktionieren, wären da nicht ein paar eklatante ABER: Zum einen kommt von den Figuren zu wenig, als dass die grobe Charakterisierung Anlass für eine Bindung zu ihnen geben würde, auch wenn die darstellerische Leistung durchaus überzeugend ist. Mit anderen Worten: Das Schicksal der Figuren war mir recht schnuppe, umso besser, dass nicht wenige von ihnen einem leisen Abgang zum Opfer fallen. Dafür muss man das lausige Skript (oder hat man einfach nur nicht alle Szenen realisiert?) zur Verantwortung ziehen, denn nach der ersten halben Stunde hat die Chose leider ihr Pulver verschossen und lässt die versammelten Charaktere nunmehr nur noch à la "Rat Race" das Hütchen- (bzw. Täschchen-)Spiel exerzieren. Dabei findet man nicht immer den geeigneten Mittelweg zwischen Humor, Gewalt, Action und intelligenter Dialoge, wie man es beispielsweise von Tarantino gewohnt wäre. Da ist nicht, rein gar nichts, was der Story noch einmal einen 180-Grad-Dreher verpasst, denn wer von Anfang an aufpasst (bzw. mehrmals durchspult), der entlockt der zugegeben verwirrenden Geschichte zum Ende hin keine Geheimnisse mehr. Die anfängliche Spannung verpufft wie ein einzelner Wassertropfen in der heißen Wüstensonne, die hier eher mitteleuropäisches Herbstklima vermittelt. Die komödiantischen Aspekte sind eher rar gesät, die meisten guten Szenen gehen aufs Konto von Bill Pullman, weswegen mir die nachdenkliche unheimlich ernste Stimmung gegen Ende auch nicht sonderlich zusagt - das wirkt zu aufgesetzt. Schade, war vielversprechend ...


Die Optik ist weniger sepia- und sonnengebräunt als es bei den meisten Road Movies der Fall ist. Vielmals ist das Geschehen durch seine Blautönung sogar deftig kalt. "29 Palms" spielt mit diesen Farbfiltern und erzeugt innerhalb kurzer Zeit oftmals zwei gegensätzliche Stimmungen. Nur ist in einigen Szenen der Kontrast nicht ganz so gut angepasst, denn der Schwarzwert tendiert doch in hin und wieder ins Gräuliche. Die Schärfe ist erwartungsgemäß meistens gut, kleinere Defizite werden zuerst in der Detailschärfe sichtbar, was aber sicherlich auch ein Zugeständnis an die Budgetgrenze ist. Das Bild ist natürlich sehr fehlerfrei, ein leichtes Rauschen überzieht den Horizont, woran man sich aber kaum stoßen wird und die Kompression arbeitet dem guten Bild durch ein anständiges Encoding zu.
Zum Ton kann ich vorerst nur sagen: Willkommen zum Themenabend "Wie erstelle ich eine Synchronisation, die der Atmosphäre des Films entgegenwirkt?" Also wirklich, kaum einer der Darsteller bekommt eine Stimme zugeteilt, die nur ansatzweise über den B-Movie-Bereich hinausgeht. Zudem werden immer wieder die falschen Stimmen ausgewählt. Bestes Beispiel stellt der Sicherheitsmann des Kasinos dar, der ziemlich stark in die Comic-Ecke gedrückt wird. Natürlich hat seine Figur etwas Witziges, aber im Vergleich zum rauchigen Originalsprecher verliert man viel Coolness und beim stark lispelnden Arzt im Krankenhaus verpasst die Synchro gleich eine ganze Stange an guten Gags. Wie auch immer, die technischen Qualitäten des deutschen 5.1-Tones lassen sich nicht verleugnen, hier darf man sogar von einem ausgesprochen gelungenen Mix reden, der Druck (auch wenn hier noch etwas mehr geht), Klarheit und Räumlichkeit vereint. Die Musik setzt sich kraftvoll auf den Rear Speaker fest, trommelt den Laden richtig gut durch und wird ergänzt durch einfache Umgebungsgeräusche wie Windrauschen oder Zirpen, wie sie eben in der Wüste auftreten. Da hat der englische Ton kaum was entgegen zu setzen, nicht nur weil er nur Stereosignale wiedergibt, sondern auch weil die Verständlichkeit durch dumpfe Stimmen und ein leichtes Rauschen etwas getrübt wird. Deutsche Untertitel sind zuschaltbar.
Das Bonusmaterial ist etwas armselig mit gerade einmal 2 Trailern zum Film und einer Biografie zu den wichtigsten Darstellern, welche nicht einmal für die jeweilige Person einzeln anwählbar ist. Der Rest sind Trailer zum I-On-Programm und ein Pappschuber mit dem Covermotiv, in dem die DVD geliefert wird - so macht sich das Ding wenigstens schön in der Vitrine.


Lauer Roadmovie, der sich unterhaltungstechnisch zwar 90 Minuten ganz wacker schlägt, von dem man aber sehr viel mehr Witz, Pepp und auch Inhalt erwartet hat. Und das nicht etwa auf Grund von windigen Werbekampagnen und großer Vorabberichterstattung, sondern einfach durch die Erwartungen, die der Film selbst zu Beginn setzt und an denen er kläglich versagt. Die deutsche DVD von I-On hat alle Qualitäten, die man sich für den gemütlichen Heimkinoabend wünscht, nur mit den Extras ist man sehr sparsam umgegangen. Eine Empfehlung möchte ich aussprechen, wenn der Inhalt weniger wichtig als der Stil ist, dann fährt man mit "29 Palms" wahrscheinlich sogar recht ordentlich.


Film+++---
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+-----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.