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USA 1981
Originaltitel:Southern Comfort
Alternativtitel:Kommando Bravo
Länge:101:13 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Walter Hill
Buch:Michael Kane, David Gilder, Walter Hill
Kamera:Andrew Laszlo
Musik:Ry Cooder
SFX:Lawrence J. Cavanaugh
Darsteller:Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Franklyn Seales, T.K. Carter, Lewis Smith, Les Lannom, Peter Coyote, Alan Autry, Brion James
Vertrieb:e-m-s
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph) & 1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Stereo)
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
  • Trailer
  • Biografie & Filmografie "Walter Hill"
  • Trailershow:
    • Shiri
    • Beyond Re-Animator
    • Colour of the Truth
Ein neunköpfiger Reservistentrupp der Nationalgarde trifft sich im sumpfigen Niemandsland von Louisiana zu einem Manöver. Doch als sie mitten im Sumpf auf eine wilde Ansiedlung von einheimischen Hinterwäldlern treffen und diese durch ein tragisches Missgeschick gegen sich aufbringen, wird aus dem Manöver ein blutiger Überlebenskampf. Mit kaum scharfer Munition bewaffnet, versuchen die Reservisten aus dem undurchdringlichen Sumpfgelände zu entkommen. Aber einer nach dem anderen fällt der unbarmherzigen Menschenjagd zum Opfer...
The rebel of yesterday, tomorrow's fool
Who are you kidding being that cool?
- Iron Maiden

Patriotismus ist eine Tugend die mit Vorsicht zu genießen ist. Gibt ein Deutscher in der Öffentlichkeit bekannt, dass er stolz auf sein Land und seine Fahne sei, wird man nicht nur von oben bis unten mit bösen Blicken bestraft, sondern im schlimmsten Fall wird einem noch eine braune Gesinnung unterstellt. In Amerika sieht dies etwas anders aus, da gehört Patriotismus zur "Pflicht". Jeder "gute" Amerikaner ist stolz auf sein Land und neben einem gesunden Patriotismus gibt es immer wieder extreme Patrioten, deren Vaterlandsstolz über den gesunden Menschenverstand hinaus wächst. Dann gibt es aber auch Menschen wie Michael Moore und eben Walter Hill, die man durchaus als Überpatrioten bezeichnen könnte, dennoch der US-Regierung und deren freien Geist erstickenden Machterhaltung ein Dorn im Auge sind. Sie sind Menschen, die sich in Hollywood über die Innen- und Außenpolitik kritisch äußern, ohne sich dabei aber von der Presse einer Hexenjagd unterziehen lassen zu müssen. Ganz im Gegenteil zu den deutschen Hollywood-Regisseuren wie Wolfgang Petersen und Roland Emmerich, die dem Wort Patriotismus eine neue Dimension der Peinlichkeit gegeben haben, ist Walter Hills 80er Actionthriller "Southern Comfort" ein Film, der unter die Haut geht und sich weit entfernt vom üblichen Hollywood-Pathos. Inspiriert von John Boormans "Beim Sterben ist jeder der erste" und John Fords 1934 entstandenen Klassiker "Die vermisste Patrouille" ist "Southern Comfort" einer der wohl besten, wenn nicht sogar der beste Film Hills, der ohne die Hollywood typische Effekthascherei eine psychologisch korrekte Studie über die Eskalation von Gewalt darstellt. Hill zielt hier nicht nur auf das Vietnam-Problem ab, sondern allgemein auf das US-Millitär, welches immer wieder in fremde Territorien eindringt, sich dort ohne jegliche Rechte bedient. Sollten es einmal auf Gegenwehr treffen, lässt man nicht weniger als einen Haufen Tote zurück, um sich danach als missverstandene Helden feiern zu lassen.



"Southern Comfort" oder auch "Die letzten Amerikaner" genannt, ist ein typisches Beispiel dafür, dass Menschen Stresssituationen kaum gewachsen sind und an einem gewissen Punkt der Selbsterhaltungsdrang größer ist als der Zusammenhalt in der Gruppe oder das Bewahren des kühlen Menschenverstandes. Hill würfelt hier eine Truppe zusammen, die unterschiedlicher nicht hätte sein könnte. Jeder von ihnen ist auf seine Weise ein Extremist und aus den verschiedensten Gründen bei den Reservisten. Der eine hat schon die Nutten klar gemacht, um sich das Wochenende einmal ohne seine Frau zu amüsieren, der andere ist ein ehemaliger Vietnam-Veteran (Fred Ward), der heimlich mit scharfer Munition herumläuft, der nächste ein typischer "Ich will mal schauen"-Typ und ein anderer will einfach nur angeben und etwas Krieg spielen, was zur Folge hat, dass er im Reservisten-Camp wie wild mit Platzpatronen herumballert.
Hill zeigt uns das wahre Gesicht amerikanischer Reservisten. "Normale" Menschen spielen Krieg, die Waffe als Ersatz für zu klein geratene Körperteile und das Gehirn auf Sparflamme. Man ist sich seiner Verantwortung zu keiner Zeit bewusst, sondern sieht alles als Spiel. Als der Haufen Reservisten der Nationalgarde Louisiana auf ihren Weg durch ein Sumpfgebiet auf ein unvorhergesehenes Hindernis stößt, kommt es schnell zum Eklat. Anstelle den auf der Karte nicht verzeichneten Fluss zu umgehen oder einfach Boote anzufordern, "leihen" sie sich die Boote der Cajun-Trapper und hinterlassen einen Zettel. Eine tolle Idee, fremdes Eigentum einfach zu "borgen" und bestimmt kein Beinbruch, würde nicht einer der Reservisten mit seiner mit Platzpatronen gefüllten M60 auf einen Trapper schießen. Dass dieser Scherz von den Trappern nicht verstanden wird, liegt auf der Hand und so erschießt man kurzerhand den Kommandanten der Truppe, der zudem noch der einzige in der Truppe war, der so etwas wie Autorität und gesunden Menschenverstand ausstrahlte.
Von nun als geht es bergab und der Zuschauer bekommt einen Schlag nach den anderen ab. Die "Weekend Warrior" gehen von nun an durch die Hölle und jeder von ihnen geht anders mit dieser neuen Situation um. Führerlos und verfolgt von den Trappern bekommen sie vom Vietnam-Veteranen jeder eine Handvoll Kugeln und machen sich samt toten Kommandanten (Peter Coyote) auf den Weg zurück ins Camp, ohne zu wissen wohin sie gehen. Als wäre ihr Unvermögen in einer Truppe zusammen zu halten nicht schon schlimm genug, so fangen sie sich nach und nach an selbst zu dezimieren. Erst sind es kleine Streiterein, aber als man dann einen Trapper gefangen nimmt, gibt es für niemanden mehr einen Weg zurück.
Von nun an splittet sich der Trupp in zwei Hälften. Die eine verkörpert den Typus des stolzen Amerikaners, welcher den Cajun-Trapper (gespielt von Brion James) gefangen nimmt. Die andere Gruppierung an Soldaten, in denen noch ein Funken Verstand steckt, wehrt sich gegen die Vorgehensweise des restlichen Trupps. Doch egal auf welcher Seite sie stehen, sie alle sind zum Tode verurteilt und geraten in ein mörderisches Spiel der Trapper, die in den Sümpfen Heimvorteil haben.

Mit "Die letzten Amerikaner" erschaffte Hill einen ruhigen, sich langsam steigernden Thriller, der den Zuschauer bis zum Finale im Cajun-Dorf nicht mehr los lassen wird. Hier steht nicht die Action im Vordergrund, sondern die Psyche der Menschen und auch wenn Hill seinen Charakteren nicht ganz soviel Lebens einhauchen konnte, wie man es sich gewünscht hätte, wird diese kleine Manko durch die erstklassische Darstellung der Protagonisten wieder wett gemacht. Und wenn dann zum Schluss die letzten Überlebenden in das Cajun-Dorf kommen, welches aus friedfertigen Bauern und deren Familien besteht, die unsere erschöpften "Helden" freundlich aufnehmen, zeigt man uns deutlich, dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt und kurbelt in den letzten 10 Minuten den Spannungsbogen noch einmal enorm an und konfrontiert die Überlebenden in einer friedlichen Idylle getränkt mit schräger Zydeco-Musik mit den letzten Trappern, die ihr Werk vollenden wollen.

"Southern Comfort" ist ein Meisterwerk seiner Zeit, ein nahezu perfekter und kompromissloser Thriller, wie man ihn heute kaum noch zu Gesicht bekommt, was zum einen daran liegt, dass man sich nach dem 9.September anscheinend als Amerikaner verpflichtet fühlt, sein Land als Helden darstellen zu müssen. Politisch korrekt nennt man das wohl und davon ist Walter Hills Film meilenweit entfernt und wirkt deshalb so ehrlich und zu keinen Zeitpunkt aufgesetzt, auch wenn man sich nicht vorstellen kann, dass die Menschen nach nur wenige Stunden so abdrehen können...



Die e-m-s-DVD liegt uns einmal in einem anamorphen 16:9-Format auf der einen Seite und einer Open Matte-Version auf der anderen Seite des Silberlings vor. Die Farbgebung der Widescreen-Variante gibt sich sehr kühl und passt zur kalten, brauen Sumpflandschaft. Nur der Kontrast ist hier deutlich undifferenzierter als in der Vollbild-Fassung. Die Detailschärfe ist bis auf wenige Ausnahmen als recht gut zu bezeichnen, die Kompressionen leisten ebenfalls eine gute Arbeit und so werden wir von Blockrauschen oder Artefaktebildung weitgehend verschont. Lediglich leichtes Rauschen macht sich über die gesamte Laufzeit des Films bemerkbar, stört aber nicht weiter.
Die Bildqualität der Vollbild-Fassung erscheint auf den ersten Blick als identisch ist aber deutlich heller und farbintensiver als die Widescreen-Version. Auch wirkt das Bild eine Spur schärfer, weist dafür aber leichte Bewegungsunschärfen auf. Ingesamt können beide Varianten überzeugen, bei der anamorphen Version scheint im Nachhinein noch mal mit Filtern gearbeitet worden zu sein.
Der deutsche Stereo Track kann ebenfalls überzeugen und wartet mit einer guten Dialogverständlichkeit und einer sauberen Musikwiedergabe auf. Rauschen oder Störungen konnten nicht ausgemacht werden. Der englische Track wirkt im Musikbereich etwas lauter, unterscheidet sich ansonsten aber nicht sonderlich vom deutschen Ton. Leider gibt es keine deutschen Untertitel und als Zusatzmaterial wird uns lediglich der "Originaltrailer", eine "Bio-/und Filmografie" von Walter Hill und eine e-m-s-"Trailershow" geboten.

Auch wenn das Zusatzmaterial etwas spärlich ausgefallen ist, können wir Walter Hills Klassiker jeden Fans von ehrlichem Kino wärmstens empfehlen. Die Bild- und Tonqualität sind für einem knapp 23 Jahre alten Film wirklich gut geworden und kann sich sehen lassen. Ob im anamorphen Widescreen-Format oder Bildschirm füllend, "Die letzten Amerikaner" ist ein Film der zu begeistern weiß und in keiner Sammlung fehlen sollte. Da stört es auch nicht, dass man nicht auf das alte Kinoplakat für das Cover zurück gegriffen hat ...


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++---
Bonus+-----


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