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UK 2002
Originaltitel:Alone
Länge:88:45 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:keine Jugendfreigabe
Regie:Philip Claydon
Buch:Paul Hart-Wilden
Kamera:Peter Thornton
Musik:Jim Betteridge, Carver
SFX:Craig Chandler, Alan Church
Darsteller:John Shrapnel, Miriam Margolyes, Laurel Holloman, Isabel Brook, Caroline Carver, Claire Goose, Susan Vidler, Claudia Harrison, Rick Wakeman
Vertrieb:Legend/Universum
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu, Eng), DTS 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:KeepCase in Pappschuber
DVD-Start:05.01.2004 (Kauf)
Specials:
  • Kapiteleinleger
  • Audiokommentar des Regisseurs
  • The Making Of Alone (60:01 Min.)
  • Original-Trailer (1:24 Min.)
  • Dt. Trailer (1:24 Min.)
  • Dinner-Szene: Erweiterte Version (2:26 Min.)
  • Claydons Hochschulabschlussfilm "5 Shades" (11:09 Min.)
Alex hat Stimmen im Kopf - seit dem Tod seiner Eltern leidet der Teenager unter einer schizophrenen Zwangsneurose, hat panische Angst vor Keimen und Frauen. Der freundliche Rat seiner sonst wenig behilflichen Therapeutin, die Herzensdame einfach klassisch zum Essen einzuladen, hat fatale Folgen, denn Alex hat eine ganz eigene Art, zu Tisch zu bitten. So scheitert auch dieser Ausbruchsversuch aus seiner bedrückenden Einsamkeit an seiner Unwissenheit - ein Fehler, der seiner Angebeteten das Leben kosten kann ...
Über "Alone" viel Worte zu verlieren, ist eigentlich nicht sehr sinnvoll, denn wie will man ein eigenwilliges Spektakel an audiovisuellen Effekten schon beschreiben, wenn ihre Wirkung doch kaum auf HTML zu bringen ist? Nun, einige Elemente des Films sind durchaus greifbar und im klassischen Serienkillerthema verwurzelt. Dazu gehören die Grundzüge des Killers, dessen Identität bis zur letzten Minute gewahrt wird, obwohl gut drei Viertel des Filmes aus seiner Perspektive heraus eingefangen wurden. So könnte man "Alone" tatsächlich als Verfilmung der Anfang der 90er Jahre aufkeimenden Egoshooter und späteren Actionadventure ansehen, nur dass man hier einen sehr eingeschränkten, engen Blickwinkel aufgesetzt bekommt, der die "Identifikation" mit dem Killer erleichtern soll. Bewegungen und alltägliche Abläufe werden authentisch aus seiner Sicht geschildert, meist sieht man also nur sein Gegenüber und ein paar Hände, gehüllt in Handschuhe. Denn "Alex", die Person, die man höchstens schemenhaft zu Gesicht bekommt, leidet anscheinend unter einer Vielzahl von Phobien. Eine davon muss wohl eine ängstliche Abneigung gegenüber jeglicher Form von Schmutz sein, denn sein Wohnraum gleich einem desinfizierten OP-Saal. Akribisch genau plant sie ihren Tagesablauf, der in sich stets wiederholenden Bildern die bedrückende Einsamkeit und Isolation vermittelt.
Augenblicke werden übergangslos durch Jump Cuts aneinander gereiht, schroffe Wechsel zwischen Nah- und Detailaufnahmen werden ohne jegliches Heranzoomen vorgenommen. Man bekommt dadurch einen gefilterten Eindruck der Dinge um Alex herum, der durch die vielen eingesetzten Soundeffekte zu einem intensiven Psycho-Cocktail vermischt wird. Wo einige Filme an der Einbindung der Sounds scheitern, weil sie dadurch zu übertrieben auf einen neumodischen Techno-Stil geeicht werden, gelingt das schwierige Unterfangen bei "Alone" zweifellos. "Stimmen zu hören" mag plakativ und abgenutzt erscheinen, der insgesamt etwas zu wenig beleuchtete Hintergrund von Alex erfährt durch die ins Gedächtnis zurückgerufenen Schlüsselereignisse bzw. die Stimmen ihrer Eltern einige neue Details. So wurde Alex offenbar von ihrem Vater (??) sexuell missbraucht, soviel lässt sich mit Sicherheit aus den eindringlichen Bedrohungen und lauten Schreien heraushören, die sich immer wieder unters Geschehen mischen. Dadurch vertieft sich auch das psychologische Profil, denn Alex scheint eine Abneigung gegenüber körperlicher Liebe zu haben, sucht aber die Zuneigung zu seinen Opfern, schleicht ihnen unbemerkt hinterher, um sich in deren Nähe nicht mehr so allein zu fühlen und seinen Voyeurismus auszuleben. Seine Unfähigkeit soziale Kontakte zu knüpfen und sein falsches Verständnis von Liebe führt teilweise zu morbiden, stets tödlich endenden Zusammentreffen mit dem "Objekt der Begierde". So zieht er aus den Treffen mit seiner Psychiaterin die Information, Liebe würde durch den Magen gehen und er solle seiner Angebeteten doch ein romantisches Dinner bieten, und daraus schlussfolgert er, sein Opfer zu Tode zu füttern. Nur eine der Sequenzen, die durch die Hilflosigkeit des Opfers und den subjektiven Sichtwinkeln verstörend auf den Zuschauer einwirken wird.
Seine psychische Betreuerin, Miriam Margoyles, die sich mir immer noch durch ihren Auftritt in "End Of Days" als diabolische Ziehmutter eingebrannt hat, darf hier einen der wenigen komischen Momente als selbstsüchtige, unfähige Psychiaterin übernehmen, die mit ihrer Dekadenz einen wunderbaren Kontrast zum mitreißenden Schauerspiel der Alex umgebenden Kälte beiträgt. Einen weiteren lustigen Moment füllt der notgeile Nachtwächter im Krankenhaus aus, das war es dann aber schon mit Auflockerungen. Den Rest füllen die klaustrophobischen Visionen von Alex und zwei Ermittler aus, die auf der Spur nach dem Täter ihre eigene Freiheit aufgeben müssen - ein weiterer Punkt, der den Titel des Filmes anspricht. Dabei wird im optischen wie auch erzählerischen Stil des unter dem Deckmantel sehr schlichten "Serial Killer"-Themas eine Einheit gewahrt, dafür sorgt das ungleiche Zusammenspiel des alteingesessenen Detectives Hannah (John Shrapnel, bekannt aus "Gladiator") und seinem aufmüpfigen Polizei-Zöglings Jen (Isabel Brook, in ähnlicher Rolle in "Faust - Love Of The Damned" zu sehen), welches die gleich sterile und unbarmherzige Atmosphäre vermittelt, wie die Beobachtungen des Killers.
Das Interessante an diesem Werk ist aber nicht nur die Umsetzung des Stoffes, sondern auch sein Entstehungsprozess. "Alone" erblickte als Kopfgeburt der Produzenten John Hough und David Ball Ende 1999 das Licht der Welt. Mit der fixen Idee, innerhalb von 14 Monaten einen "fear movie" zu erstellen, schlossen sie eine Wette über den symbolischen Betrag von 1 Pfund ab, der vorgab, einen fertigen Film bis zum 31.12.2000 vorbereitet zum Kinostart vorzulegen - und dies mit einem Taschengeld-Budget unterhalb von 100000 Pfund. Engagiert wurde kurz nach der Erstellung eines Skripts der bis dato unbekannte Nachwuchsregisseur Philip Claydon, der zuvor noch keinen Spielfilm gedreht hatte und zum Produktionsbeginn gerade einmal 24 Lenze zählte. Von seiner Seite darf man in Zukunft bestimmt noch einiges erwarten, sollte das Drehbuch stimmen ...

Zwar 1.85:1, aber nicht anamorph ist das Bild und erreicht deswegen auch nicht die Werte der technisch besseren Variante. Trotzdem wird ein gutes Ergebnis erzielt, auch beim Aufzoomen, denn das Material besitzt eine gute Ausgangsschärfe und keinerlei nennenswerte Bildfehler oder ein Rauschen. Das Farbbild ist stark unterkühlt und oft bläulich unterlegt, passt sich also der rauen Gefühlswelt des Films an, der Kontrast aber bewegt sich immer auf gutem Niveau und ist auch nicht zu hart gewählt, sondern sehr natürlich. Da man auch keine Nachzieheffekte sieht und die Kompression ohne erkennbare Ausfälle arbeitet, sind 4 Punkte gerechtfertigt.
Wie man schon im lautstarken Menu erkennen kann, wird hier beim Ton ordentlich gerockt. Zwar nicht so deftig, dass der Staub mal wieder aus den Boxen gepustet wird, aber für eine kleinere Produktion doch ordentlich bassstark und klar. Die Unterschiede zwischen deutschen Dolby Digital 5.1 und DTS sind nicht so interessant, hier meinte ich ein wenig mehr Tiefton beim DTS wahrnehmen zu können, möglicherweise ist er aber auch nur ein wenig lauter. Dem englische Track dagegen fehlt in diesem Bereich gegenüber den deutschen Pendants ein wenig die Puste, außerdem scheint er beispielsweise im Intro ein wenig mehr zu hallen, was ein wenig mehr Raumklang vorgaukelt. Tatsächlich wirkt er wesentlich offener auf den hinteren Kanälen und bindet mehr Effekte mit ein, die ein sehr gutes Ergebnis beim Hörer erzielen. Aber auch der deutsche Ton lässt die Effekte in allen Ecken herumfegen, dank des tollen Sounddesigns, der eine Vielzahl von schrägen Tönen bereitstellt. Untertitel gibt es in deutscher und englischer Sprache, jeweils in einer Variante, die sich beim 16x9-Aufzoomen des Bildes innerhalb des sichtbaren Bereiches oder teilweise außerhalb (für Besitzer eines 4:3-TV-Gerätes) befindet.
Bevor wir zum Bonusmaterial kommen zuerst 3 Worte zum Cover: Es ist grauenhaft. Nicht im Sinne eines primitiver Bildstückelung wie beispielsweise vom "Designer" ADI, sondern einfach unpassend. Fünf nebeneinander stehende Gesichter auf schwarzem Untergrund, man möchte gleich an "Scream 3" oder "Düstere Legenden" denken, die ähnlich einfache Fratzencover nahmen. Zum Glück wird die DVD in einem Pappschuber mit anderem Motiv geliefert. Auf der DVD befinden sich eine ganze Menge Materialien, so z.B. der Audiokommentar vom Regisseur, der zwar etwas monoton vorgetragen wird, aber dennoch informativ ist. Das einstündige Making Of zeigt das gesamte Produktionsteam von der Pre-Production, über das eigentliche Filmen bis hin zur Nachbearbeitung und ist äußerst unterhaltsam ausgefallen. Weiter geht's mit zwei Trailern und der wirklich verstörenden Dinner-Szene, die nur teilweise als Standbilder in den Film einfloss und hier in voller Länge zu sehen ist. Im Making Of ist sie übrigens auch am Ende dran. Claydens Studentenfilm "5 Shades" zeigt in stroboskopischen Aufnahmen eines jungen Mannes, der zu psychedelischen Tönen durch die Stadt irrt, seine (vermutliche) Jugendliebe wiedertrifft und mit ihr herumtollt. Das Ganze ist unterlegt mit Edgar Allan Poes Gedicht "Alone", welches ja auch Verwendung im Hauptfilm fand und derart ungreifbar und hektisch experimentell geschnitten, dass ich doch direkt die Epilepsie-Warnung zu Beginn vermisse.

Man sollte sich nicht von den teilweise vernichtenden Kritiken beeindrucken lassen, die in der IMDB.com abgedruckt sind, "Alone" hat etwas weitaus besseres verdient, als heruntergeputzt zu werden wie eine billige "Sieben"-Kopie, denn allein die fetzige Optik und die depressive Stimmung dürfte für bekömmliche Serienkiller-Kost sorgen. Die deutsche DVD von Legend ist wirklich sehr gut gelungen, auch die Extras werden den Zuschauer nach dem Film noch lange unterhalten. Übrigens ist eine um ca. 20 Minute längere Fassung als US-DVD erhältlich, die vor allem auf Festivals gezeigt wurde. Nichtsdestotrotz ist diese DVD hier ungeschnitten, nur vom Regisseur und NICHT vom Verleih/Vertrieb etwas gestrafft.


Film++++--
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus++++--


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