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USA 1976
Originaltitel:Obsession
Länge:93:56 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Brian De Palma
Buch:Brian De Palma, Paul Schrader
Kamera:Vilmos Zsigmond
Musik:Bernard Herrmann
SFX:Joe Lombardi
Darsteller:Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Wanda Blackman, Stanley J. Reyes, Stocker Fontelieu, Sylvia Kuumba Williams
Vertrieb:e-m-s/Anolis
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Dt.), Dolby Digital 5.1 (Eng)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Trailer, dt. (1:30 Min.)
  • Trailer, engl. (1:45 Min.)
  • Bildergalerie (26 Bilder)
  • Dokumentation "Obsession Revisited" (35:53 Min.)
Das Leben von Michael Courtland, einem Geschäftsmann aus New Orleans, zerbricht, als man seine Frau Elizabeth und seine Tochter Amy kidnapped, und beide aufgrund einer gescheiterten Lösegeldübergabe sterben. 15 Jahre später trifft er auf einer Reise nach Florenz auf Sandra. Nicht nur das Sandra seiner Ex-Frau wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, ihre erste Begegnung findet auch in derselben Kirche statt, wo Courtland vor Jahren Elisabeth kennenlernte. Erst verliebt Courtland sich in Sandra, dann jedoch verwandelt sich die Liebe in Obsession, als er in ihr mehr und mehr seine verstorbene Frau wieder zu erkennen meint.
- "Du liebst immer noch Elizabeth, oder nicht? Und darum willst du mich. Wie ist sie gestorben?" (Sandra)
- "Ich habe sie getötet." (Michael)

Laut Aussage von Regisseur de Palma entstand "Schwarzer Engel" im Einfluss aus Hitchcocks "Vertigo" (1958). Kurz nach einer erneuten Sichtung des Filmes waren er und Drehbuch-Komplize Paul Schrader derart beeindruckt von dessen Thriller, dass sie sich entschieden, die Idee für ein eigenes Projekt zu adaptieren. Das wirft nun die Frage auf, in wie weit dieser fast 20 Jahre später produziert Film sich seine Eigenständigkeit bewahrt oder den Zuschauer noch angenehm im Stil eines Thrillers unterhalten kann. Er kann, soviel ist sicher, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den nicht unbeträchtlichen Teil, der das Vorbild schon kennt. Zwar ist das Grundschema hier ähnlich geartet und manch einer wird wohl wissen, worauf das Ende hinausläuft, aber bei "Schwarzer Engel" ist im übertragenen Sinne der Weg das Ziel.
Beginnend im Jahr 1959 verfolgen wir den Werdegang des von Grund auf guten Geschäftsmannes Michael Courtland, der sein Glück im Familienleben sucht, in einer liebevollen Frau und Tochter findet und auch beruflich in Kooperation mit seinem Freund und Partner Robert auf dem besten Wege ist, ein erfolgreiches und erfülltes Dasein zu führen. Mit Strahlemann-Image, der später den Rachekurs einschlägt, hat der Charakter rein gar nichts zu tun, auch wenn das bis hierhin so klingen mag. Denn die Stimmung ist von der ersten Sekunde an bis wie aus einem Guss gefertigt. Schon die ersten Minuten verkünden, wenn auch nur unterschwellig in dem damals für einen Oscar nominierten Score, eine tragisch-träumerische Stimmung, die ein wenig Unheil verkündet. Melancholische Romantik und trügerische Glückseligkeit spiegelt sie wieder, nie aber auflockernde, schon gar nicht erhellte oder heitere Passagen. Ohne die an Genialität grenzenden Kompositionen von Bernard Herrmann, der sich schon für "Vertigo" verpflichtet lies, wäre der im Original betitelte "Obsession" wohl halb so viel Wert gewesen, so einzigartig passt er sich dem Film und der jeweiligen Stimmung an. Man könnte fast meinen, zuerst wäre der Score, dann der Film entstanden.
Natürlich wendet sich bei solcher einer Untermalung alles bald zu einem schlimmen Umbruch hin, der das Leben von Courtland entscheidend beeinflussen wird. Das Ausmaß dieser Katastrophe wird auch dem Zuschauer erst recht spät bewusst, daher möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel davon vorweg nehmen, außer dass Courtlands Schicksal von nun unter keinem guten Stern verläuft. Denn 15 Jahre nach der missglückten Geiselnahme, der seine Frau und seine Tochter zum Opfer fielen, ist Courtland ein anderer Mensch, der sich selbst die Schuld gibt - schließlich befand sich im Lösegeldkoffer auf Anraten der Polizei kein Geld sondern ein Peilsender und bedrucktes Papier. Und so ist knapp 15 Jahre später aus dem einst von seinem Freund und Geschäftspartner als "letzten Romantiker" Bezeichneten ein leicht ergrauter, zurückgezogener Mann geworden, der keinen Funken Lebenslust mehr versprüht.
Umso befreiender wirkt der Mittelteil, in dem de Palma den Hauptakteur ein Déjà vu der besonderen Art erleben lässt: Er trifft wie von Geisterhand gelenkt in einer italienischen Kirche auf die junge Sandra Portinari, der seiner verstorbenen Gattin verblüffend ähnlich sieht. Natürlich baut sich daraufhin eine Romanze auf, die sich in Richtung der titelgebenden, zwanghaften Beziehung entwickelt. Bis dahin bleibt noch ein wenig Zeit fürs gegenseitige Kennenlernen, was zu meiner Freude nicht derart schnulzig wie diese widerwärtigen Hugh Grant-Komödien ausfällt, wahrscheinlich weil man auch hier spannend inszeniert, gleich einem Traum, der jeden Moment zu zerplatzen zerdroht. Mehr sollte man an dieser Stelle kaum verraten vom weiteren Hergang des Films, der in meinen Augen so stimmungsvoll angelegt ist, dass er auch die wenigen Makel bestens überspielt. Der ist beispielsweise in dem schwierigen Unterfangen verborgen, eine so langen Zeitabschnitt im Film zu verwirklichen, denn schon der Alterungsprozess einiger Darsteller, besonders des souverän agierenden Lithgow, wirkt unglaubwürdig. Vielleicht kann man sich aber auch darauf einigen, dass dies die verträumte Optik mit vielen langen Kamerafahrten wieder wett macht. Wenig Schnitte, dafür beispielsweise ein Dialog, bei dem die Kamera zwischen den Darstellern hin und zurück schwenkt oder der eindrucksvolle Abschluss mit der sich mehrmals um das "Schlusspärchen" drehenden Kamera sorgen für eine ruhige, atmosphärische Thrillerunterhaltung mit depressiven Einschlag, auch wenn der Schlussteil wenig überraschend hereinbricht.

Das Bild der DVD macht sich alle Mühe, beim Zuschauer einen möglichst nostalgischen Eindruck zu hinterlassen - um es mal blumig auszudrücken. Denn tatsächlich dürften die Unterschiede zu einem remasterten Werk aus den späten 50ern oder den frühen 60ern kaum auffallen. Ein nur sehr schwach farbiges Bild steht in einigen Szenen (komplette Einleitung) im Kontrast zu hervorgehoben, klaren Farbtönen (man beachte das Rot auf dem Schiff während der Geldübergabe), und die stets stark überstrahlenden weißen Flächen versetzen uns noch ein wenig weiter als ins Entstehungsjahr 1976 zurück. Ein gut ersichtliches Bildrauschen (wurde mit Sicherheit schon bearbeitet, was man anhand eines leicht stockenden Bildes in Bewegungen sieht), muss man bei diesem Alter schon hinnehmen, es sei denn das Studio steckt Unsummen von Geld in dessen sorgfältige Bearbeitung, aber gerade die Schärfe ist wechselhaft, von gut bis mangelhaft ist alles vertreten. So erkennt man beispielsweise beim Zoom auf die Lösegeldforderung zu Beginn der 9. Minute erst recht spät, welche Buchstaben dort zusammengeklebt wurden. Laut Kameramann Zsigmond legte man nach dem Dreh sogar eine Unschärfemaske über das Material, um den Teil des Films, der im Jahr 1959 spielt, älter aussehen zu lassen. Nachdem man bemerkte, dass die Unterschiede zum zweiten Teil zu groß würden, verwischte man auch dieses Material. Beim Kontrast sind ebenfalls deutliche Abstriche zu machen, denn in vielen Szenen beschleicht den Zuschauer das Gefühl, das Geschehen würde zu dunkel dargestellt. Daher ist die Detaildarstellung in dunklen Szenen auch nur mittelmäßig schlecht, einige Szenen sehen sogar unwürdig aus für eine DVD, wie z.B. der extrem milchige Schwenk über den Park in der 21. Minute. Die gute Nachricht: Kratzer oder Bildfehler wird man bei dieser anamorphen Abtastung kaum wahrnehmen. Insgesamt 3 Punkte, inkl. dem Bonus für das betagte Ausgangsmaterial.
Dass aus einem alten Monoton nicht mehr allzu viel zu machen ist, dürfte verständlich sein. Der deutsche, auf die Stereolautsprecher gelegte Ton überrascht weder, noch enttäuscht er. Klar verständliche Sprache, wenn auch integriert in ein insgesamt etwas dumpfes und mit leichten Verzerrungen verunreinigtes Klangbild, und eine Geräuschkulisse mit einem akzeptablen Rauschverhalten stellen eine solide Leistung dar. Der englische Track erstrahlt sogar im 5.1-Gewand. Das wirkt sich kaum auf die Surroundkulisse ein, denn die ist bis auf den Musikeinsatz praktisch nicht vorhanden, aber der hervorragende Score gewinnt dadurch nicht nur an Klangqualität in Form von verbesserter Höhen- und Tiefenwiedergabe, auch die Dynamik erstreckt sich wunderbar von sehr leise eingesetzten Streichern bis hin zum wuchtigen, komplett eingesetzten Orchester. Trotz insgesamt herabgeregelten Lautstärke-Level - die Dialoge beispielsweise werden im Original sehr viel feiner und klarer eingesetzt - sind einige Effekte hier deutlich stärker zu vernehmen, so beispielsweise die Explosion gegen Ende der 19. Minute. Für den O-Ton stehen auch deutsche Untertitel zur Verfügung (aufgefallen ist mir hier nur die fehlende Übersetzung des Funkspruchs im Observationsfahrzeug), was ich insgesamt gegenüber dem deutschen Ton vorziehen würde.
Im Bonusteil befinden sich 2 Trailer, eine Bildergalerie mit Aushangmaterial und ein halbstündiges Making Of, welches deutsch untertitelt wurde. Dieses erwähnt viele Fakten aus dem Entstehungsprozess anhand von Szenenausschnitten, vermittelt durch die Aussagen des Casts, des Regisseurs, der Produzenten, des Kameramanns und vieler Weiterer. Untermalt wird das Ganze wie auch die Menus durch den Soundtrack des Filmes.

De Palmas Low Budget-Thriller (Produktionskosten von etwa 250000 Dollar) bildet mit einer handvoll Charakteren, verkörpert von überdurchschnittlichen Darstellern, eine atmosphärisch dichtes Psycho-Drama mit nur einer einzigen Actioneinlage - für heutige Verhältnisse beinahe undenkbar, nicht zuletzt deswegen aber heute ein Klassiker. An das mäßige Bild dieser DVD gewöhnt man sich recht schnell, der dt. Ton ist wenig bewegend, dafür aber der Englische im 5.1-Mix. Wer also Interesse am Film hat, der darf beruhigt zugreifen, die deutsche Anolis-DVD besitzt sogar ein ordentliches Making Of.


Film+++++-
Bild+++---
Ton++----
Bonus+++---


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