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FR, ESP, USA 1999
Originaltitel:Ninth Gate, The
Alternativtitel:Neuvième porte, La
aka. Novena puerta, La
Länge:127:34 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Roman Polanski
Buch:Arturo Pérez-Reverte, John Brownjohn, Enrique Urbizu, Roman Polanski
Kamera:Darius Khondji
Musik:Wojciech Kilar
SFX:Duboi, Effets Films, Mikros Image, Sony Pictures Imageworks, Éclair Numérique
Darsteller:Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner, Barbara Jefford, Jack Taylor, José López Rodero, Tony Amoni, James Russo, Willy Holt, Allen Garfield, Dominique Pozzetto, Jane Bradbury
Vertrieb:Kinowelt
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu, En), DTS-ES 6.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Lederbuch
DVD-Start:17.08.2007 (Kauf)
Specials:
  • 36seitiges Booklet
DVD 1:
  • Trailer dt. (1:36 Min.)
  • Trailer engl. (1:41 Min.)
  • Audiokommentar
  • Isolierte Musikspur
  • Making Of (2:00 Min.)
  • Fotogalerie (39 Bilder)
  • Weitere Highlights:
    • Mr. und Mrs. Smith (0:38 Min.)
    • Good Night, and Good Luck. (2:33 Min.)
    • Am Limit (1:28 Min.)
    • Bobby (2:08 Min.)
    • The Fountain (2:24 Min.)
    • Dead Man (2:16 Min.)
DVD 2:
  • Inside Roman Polanski (7:12 Min.)
  • Im Gespräch mit Roman Polanski (31:42 Min.)
  • Interviews (10:24 Min.)
  • Interview mit Roman Polanski (4 Seiten)
  • Storyboard-Film-Vergleich (2:24 Min.):
    • Szene 8: Der Tod eines Freundes
    • Szene 14: Fargas' Exemplar
    • Baroness Kesslers Ablehnung
    • Auf der Suche nach Antworten
    • Verfolgung von Liana Telfer
    • Ich habe es zuerst gesehen
  • Galerie der satanischen Holzschnitte (19 Bilder)
  • Produktionsnotizen (4 Seiten)
  • Filmografien:
    • Roman Polanski (3 Seiten)
    • Johnny Depp (3 Seiten)
    • Emanuelle Seigner (1 Seite)
    • Lena Olin (2 Seiten)
    • Frank Lagella (2 Seiten)
  • TV-Spots (0:56 Min.)
  • Weitere Highlights:
    • Das Leben nach dem Tod in Denver (2:01 Min.)
    • Suicide Kings (1:49 Min.)
    • Nachts, wenn Dracula erwacht (3:13 Min.)
    • Hitchcock Collection (0:30 Min.)
    • The Blair Witch Project (0:35 Min.)
    • Jim Jarmusch Collection (2:54 Min.)
    • Blow (2:07 Min.)
    • Before Night Falls (2:05 Min.)
    • The Ice Harvest (2:14 Min.)
Der Buchexperte Dean Corso (Johnny Depp) erhält von einem reichen Sammler ein okkultes Buch aus dem 17.Jahrhundert mit dem Auftrag, die zwei restlichen Ausgaben des Werkes aufzutreiben und miteinander zu vergleichen. In allen drei Exemplaren sollen verschiedene Hinweise enthalten sein, die zusammengetragen den versteckten Schlüssel zu Luzifers Reich in sich bergen.
Als Novum in der jüngeren Horrorfilmgeschichte muss ohne weiteres Roman Polanskis "The Ninth Gate" genannt werden. Sich ganz von modernen effekthaschenden Inszenierungen lösend, gelingt dem polnischen Regisseur ein zutiefst klassischer, gruseliger Horrorthriller, der in seiner Zeitlosigkeit auch noch in vielen Jahrzehnten für Gänsehaut sorgen wird - eben genau wie "Rosemary's Baby". Obwohl er sich lediglich auf einen Handlungsstrang aus Arturo Pérez-Reverte konzentrierte und den Rest strich, gelang ihm hier die wohl beste Roman-Adaption seit "Der Name der Rose".


Polanski erklärt nicht viel, lüftet nur wenige Geheimnisse und überlässt dem Zuschauer das Mitdenken. "The Ninth Gate" ist gleichermaßen spannend wie atmosphärisch und gruselig. Schon mit seinem kribbeligen, schon allein zig Fragen aufwerfenden Intro, sorgt er für reichlich Neugierde. Doch bis die befriedigt wird, soll es etwas dauern ...

Dean Corso (Johnny Depp, "The Astronaut's Wife", Interner Link"From Hell") ist in dieser Bücherschnitzeljagd die Hauptfigur. Der "Bücher-Dealer" ist gleichermaßen gefühlskalt wie skrupellos, verfügt jedoch über ein ungeheures Bücherwissen. Der gesellschaftliche Außenseiter lebt nur für den schnöden Mammon (auch wenn er nicht danach aussieht), ist stets zur Stelle wenn wertvolle Büchersammlungen aufgelöst werden und bescheißt mögliche Erben nach Strich und Faden. Diese moralische Unabhängigkeit und die Gier nach Geld macht ihn für den reichen Büchersammler Boris Balkan (Frank Langella) so wertvoll. Wem kann man besser vertrauen, als einem Mann, dessen Loyalität man sich erkaufen kann?


In seinen Diensten macht Corso sich nach Europa auf, um die Echtheit eines raren Sammlerstücks Balkans mittels eines Vergleichs zu überprüfen. Lediglich zwei weitere Exemplare sind noch von diesem Buch existent. Es ist eine Anleitung um den Teufel zu beschwören ... Wenige Stunden nach Aushändigung des Buches findet er seinen Kollegen tot vor und zwar in einer Pose, wie sie auch das Buch zeigt ...

Das soll aber erst der Anfang einer Reihe mysteriöser Vorfälle sein. In Europa haftet sich eine geheimnisvolle Frau an seine Fersen, die ihm zwar hilfreich zur Seite steht, jedoch ganz eigene Ziele verfolgt. Vorher kennen gelernte Charaktere geben sich als etwas völlig anderes zu erkennen. Dem bald von einer Angstparanoia befallenen Corso kommt zurecht das alles nicht ganz geheuer vor. Ist hier etwa Magie im Spiel?


"The Ninth Gate" ist bis in die kleinste Nebenrolle ideal besetzt. Neben der wirklich extrem unheimlichen Emmanuelle Seigner ist natürlich Johnny Depp, der sich inzwischen zu oft in plumperen Mainstreamfilmen wiederfindet (Braucht er das Geld?), als ein Ausnahmedarsteller zu finden. Wie er sich in die Figur des Büchersöldners versetzt und ihm trotzdem noch seinen schrägen, leicht strangen Stempel aufdrückt, ist einfach grandios. Nuanciert spielt er den etwas schludrig-schlampigen Corso, der bald nicht nur des Geldes wegen quer durch Europa jagt.

Angesichts der Polankski'schen Inszenierung stellen sich mir bei jedem erneuten Ansehen die Nackenhaare auf. So schlicht und einfach "The Ninth Gate" auch gemacht ist, er ist perfektes Gruselkino, das gar nicht mal erschreckt, aber eben mit seiner großartigen Atmosphäre den Zuschauer voll und ganz in seinen Bann zieht. Polanski sieht sich keinem Erfolgsdruck ausgesetzt und unterliegt damit nicht den Restriktionen des Mainstreams. Er kann seine Vision so umsetzen, wie er sie vorgesehen hat, kein Produzent pfuscht ihm rein und so spürt man in jeder Sekunde die Liebe zum Stoff.


Für Corso scheint dieser Auftrag ein Pakt mit dem Teufel (??) zu sein. Man lauert ihm auf, er stellt seltsame, auf einen bekannten rothäutigen, behörnten Herrn hindeutende Unterschiede zwischen den Büchern fest und wird immer wieder seinem Auftraggeber konfrontiert. Der ist zwar nie greifbar, scheint ihn jedoch auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Zwischendurch versucht man immer wieder ihm das Buch abzunehmen. Um die richtige Antwort zu erhalten, kommt er meist nur Sekunden zu spät. Wer ist ihm immer einen Schritt voraus?
Nur langsam kommt er hinter das Geheimnis des Buches und stößt dabei nicht nur auf einen uralten Satanskult. Doch was ist wirklich und was unwirklich? Ist hier nun schwarze Magie im Spiel oder nicht? Das wird, genau wie die Interpretation des Endes, der Phantasie des Publikums überlassen. Seine Neugier und seine nun aufkeimende Besessenheit hinter das Geheimnis des Buches zu kommen sind die Triebfedern für Corsos Handeln. Längst nicht mehr an seine Entlohnung deckend, taucht er tief in eine okkulte, unwirkliche Welt ein, um dort endlich Antworten zu finden?!


Einen Bärenanteil an der fesselnden Atmosphäre hat auch die Optik des Films. Hier dominieren meist altmodische Gemäuer - meist aus vergangenen Jahrhunderten. Eben die Zeit, aus der auch das Buch stammt. Dies fördert, dank Kameramann Darius Khondji (Interner Link"Se7en", Interner Link"Alien: Resurrection") eine unbestimmbare Leere hervor. Ein Gefühl der Einsamkeit, des Alleinseins mit etwas Übernatürlichem, etwas Bösem, ist dadurch stets präsent.

Das beste Material hat für die DVD von Kinowelt sicherlich nicht zur Verfügung gestanden. In diesem Falle war ja eigentlich ein vorzügliches Bild zu erwarten, was aber nicht ganz geklappt hat. Der anfänglich unruhige Bildstand erweist sich später als unscheinbar, dafür treten aber in einigen Szenen vermehrt Defekte auf, während in den meisten anderen Szenen kaum etwas davon zu sehen ist. Auch das Rauschen verschafft in dieser Klasse doch einige Qualitätsschwankungen, weil es etwas kräftiger zugange ist, als gewöhnlich. Das mag dann auch ein wenig den Detailgrad einschränken, der über ein gutes Niveau nicht recht hinauskommen will. In diesem Bereich wird man sicherlich nicht enttäuscht sein, nur gibt es noch genügend Potenzial, es noch besser zu machen, wie einige Hintergründe des sonst filigranen Bildaufbaus zeigen. Die Farben wurden bewusst reduziert und auch der Kontrast neigt eher zu seichten Tönen. Ein heller Morgen überstrahlt daher schon mal und dunkle Szenen, die relativ selten vorkommen, tragen nicht immer den richtigen Schwarzwert. 4 Punkten wird es aber gerecht.


Bei vergleichsweise ruhigen Filmen wie "Die 9 Pforten" nutzt man wegen der relativ selten auftretenden Effekte meist die Musik, um Opulenz und Räumlichkeit zu erzeugen. Das gelingt nur bedingt in diesem Beispiel, da sich selbst die Musik nicht derart dynamisch und brachial durchsetzt, wie man das vielleicht erwartet. Trotzdem setzen viele Passagen mit der Kraft einer symphonischen Vertonung ein. Etwas verschenkt ist vielleicht der DTS-Ton, der einen zusätzlichen Center-Kanal im Effektbereich besitzt, diesen aber nicht unbedingt benötigt hätte. Wirklich hervorstechende oder gar richtig bewegliche Effekte sind nur selten existent, weswegen man sich schon freut, dass ein wegfahrendes Auto die hinteren Lautsprecher aktiviert. Keinerlei Probleme bereiten Hoch-, Tiefton und der Dialogbereich. Das englische Original mag etwas schärfer klingen, was aber nicht heißen muss, dass bei der deutschen Variante grundsätzlich etwas falsch gemacht wurde.

In Sachen Gestaltung ist dem Anbieter Kinowelt wahrhaft etwas Großes gelungen, das dem Einheitsbrei aus KeepCase, Stahlummantelung und Hartbox zeigt, wo's langgeht: Die zwei DVDs sind verpackt in einer Art Spezialanfertigung in Form eines Buches (Hardcover-Einband). Innerhalb dieses Buches sind auf der ersten und letzten Seite die Steckplätze für die Discs angebracht, während der Innenteil ein Booklet enthält, auf dessen 36 dicken Seiten nicht nur Biografien zu Johnny Depp und Roman Polanski abgedruckt sind, sondern auch einige interessante Details aus dem Buch, das im Film eine Hauptrolle spielt. So wird dessen Herkunft erläutert und die Unterschiede der neun Holzschnitte erklärt, wobei das Bild selbst natürlich auch abgedruckt ist. Auf überflüssiges Material wie eine Kapitelangabe oder Erklärungen der DVD verzichtet man zugunsten der Authentizität des Booklets glücklicherweise. Das wird mittels einem hinten angeklebten Beipackzettel erledigt, den man gern entfernen kann.


DVD 1 bietet neben dem Trailer in zwei Sprachen einen Audiokommentar des Regisseurs an, der deutsch untertitelt wurde. Polanskis Stimme klingt vielleicht etwas gebrechlich, er bereitet aber auf charismatische Art und Weise die Produktion des Filmes auf. Dabei zieht der langjährige Regisseur Querverweise zu früheren Werken, ordnet "Die neun Pforten" in seine persönliche Historie ein und erzählt, wie sich das Filmschaffen beispielsweise in Europa oder in Amerika auswirkt. Einige Andeutungen, die im Film gemacht werden, erklärt er auch, andere lässt er aus, so dass man etwas abwarten muss, um etwas mehr über Emmanuelle Seigners Rolle zu erfahren. Vielleicht macht sich hier auch der Sachverhalt bemerkbar, den Polanski an anderer Stelle erklärt: Leute beim Film haben manchmal Probleme unter der Aufsicht naher Verwandter zu arbeiten - Seiger ist seine Gattin. Interessant zu wissen ist übrigens, dass Polanski einige Nebenrollen mit Personen besetzte, die eigentlich hinter der Kamera arbeiten, dann aber unverhofft zu einem sehr späten Spielfilmdebut verholfen bekommen. Die gesamte Filmmusik, mit der Polanski (entgegen einiger anderer Werke) sehr zufrieden ist, wird ebenfalls als isolierte Tonspur angeboten, dort aber nur im Stereomodus. Völlig neben der Spur ist das lediglich 2minütige Making Of, das sicherlich im Auftrag der Filmproduzenten entstand und neben einigen kurzen Kommentaren jede Menge Filmszenen aneinanderreiht, die Glauben machen sollen, man hätte es mit einem düsteren Action-Film zu tun. Die DVD schließt mit einer Bildergalerie, die erst zum Schluss interessant wird, und einer Trailershow.
Wie die Resteverwertung aussieht, zeigt DVD 2, dass mit "Inside Roman Polanski" und "Interviews" gleich zweimal Szenen aus dem vorangegangenen Making Of aufgreift, aber jeweils noch etwas mehr mit unterbringen kann. Da kann das halbstündige Interview schon mehr überzeugen, weil es Themen übergreifend mit dem Regisseur kommuniziert. Das als "Interview" gekennzeichnete Extra ist eher eine Sammlung kurzer Gedanken von Polanski zur Romanvorlage des Films inkl. einem Produktionsfehler auf der ersten Seite. Während die Storyboard-Vergleiche mit einer Gesamtspielzeit von knapp 3 Minuten sehr schnell vorbei sind, kann man beim Punkt "Galerie der satanischen Holzschnitte" etwas länger verweilen. Hier werden die Holzschnitte in ihren Versionen in Vergrößerungen verglichen. Zwar kommen auf den Zuschauer noch Produktionsnoitzen und ein paar Biografien in Textform zu, aber das richtige Making Of fehlt irgendwie.


Roman Polanski gelang mit "The Ninth Gate" ein, heute kaum noch für möglich gehaltener, schwer atmosphärischer Horrorthriller, der ganz auf "blood and gore" verzichtet und dafür raffiniert den Zuschauer zum Miträtseln und Mitfiebern einlädt. Angesichts der düsteren Bildkomposition, den tollen schauspielerischen Leistungen und Polanskis Willen sich hier einfach nicht an Bekanntem zu halten, kann nur eine Empfehlung ausgesprochen werden.


Film+++++/
Bild++++--
Ton++++--
Bonus++++--


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Neun Pforten, Die
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