Einst zeugte die blutrünstige Mörderpuppe Chucky mit ihrer ebenso durchgeknallten Braut Tiffany einen Sohn, Glen. Der, mittlerweile verwaist, macht sich nach Hollywood auf, wo man gerade einen Film über die todbringenden Abenteuer seiner Eltern dreht. Und wie es sich für einen guten Sohn gehört, erweckt Glen seine Erzeuger kurzerhand wieder zum Leben.
Eine schlechte Idee, wie sich herausstellt, denn Mama und Papa beginnen zum Entsetzen des Sprösslings sofort mit einer neuen Killer-Tour. Als sich Chucky dann zu allem Überfluss auch noch mit der friedfertigen Natur seines Sohnemanns konfrontiert sieht, hängt erwartungsgemäß der Haussegen schief. Tiffany hingegen schwebt im siebten Himmel, als sie erfährt, wer die Hauptrolle in der Verfilmung ihres Lebens spielt: Ihre Lieblingsschauspielerin Jennifer Tilly. Und die lernt die kleine, aber feine Puppenfamilie bald näher kennen, als ihr lieb ist ...
Die Horror-Ikonen der modernen Zeit haben alle etwas gemeinsam: Sie sind unkaputtbar und irgendwie aus der Filmwelt einfach nicht wegzudenken, selbst viele Jahre nach ihrem Erstauftritt. Michael Myers, der Urvater aller Slashermovie-Killer z.B. bereitet sich derzeit, ca. 27 Jahre nach
"Halloween", für seinen mittlerweile achten Filmauftritt (im neunten
"Halloween"-Film) vor. Jason Vorhees, der Killer der vor fast 25 Jahren das erste Mal an einem
Freitag den 13. im "Camp Crystal-Lake" wütete, schlachtet sich, Gerüchten zu Folge, nun bald durch ein Drehbuch von
Quentin Tarantino. Und der 1988 entstandene
"Chucky"? Nun der hat derzeit echte Vatersorgen am Hals, wenn er sich, in seinem aktuellen (fünften) Film,
"Chucky's Baby" um sein Kind kümmern muss. Herausgekommen ist dabei eine unterhaltsame Horror-Comedy im bekannten Chucky-Stil, die aber einen mächtigen Schönheitsfehler aufweist!
Aber erst einmal zu den guten Dingen, denn die überwiegen ja doch. Die Story z.B. ist, wie schon beim Vorgänger, herrlich auf Chucky und seines Gleichen zugeschnitten worden, wobei dieses mal der Hang zur gewollten Selbstverarschung merklich hoch geraten ist. Chucky und seine Braut Tiffany sind die Stars in ihrem eigenen Film, zusammen mit
Jennifer Tilly (die sich natürlich selbst spielt). Da Jennifer aber nach Höherem strebt als nur einen billigen Horrorfilm, steigt sie aus dem Projekt aus, um sich für die Rolle der Jungfrau Maria zu bewerben. Chucky und Tiff haben dagegen vor, endlich aus ihrem Plastikkörper zu kommen und wollen dafür Jennifers Körper gebrauchen. Und dann ist da auch noch das Kind, welches sich nicht entscheiden kann, ob es nun gut oder böse bzw. Mädchen oder Junge ist. Eben allerhand Probleme für unsere liebste Mörderpuppe. Wie es zu einem ordentlichen Chucky passt, so ist auch das Drehbuch zu
"Chucky und seine Braut" herrlich absurd ausgefallen und nur so vollgestopft mit schrägen Ideen der unterhaltsamsten Sorte. Größere Innovationen sollte man zwar keine erwarten und auch mit der Logik hapert es hier und da, aber das ist man ja bei Horrorfilmen heutzutage eh schon gewohnt.
Den größten Teil des Films nimmt aber dieses mal die mustergültige Selbstverarsche von
Jennifer Tilly ein. Selten hat ein Star so viel Mut zur filmischen Selbstverstümmelung bewiesen, wie die Tilly hier. Nicht nur dass sie sich als garstiges Miststück spielt, der wirklich jedes Mittel recht ist um an eine Rolle zu kommen, nein, sie muss sich auch noch, als Stimme von Puppe Tiffany, ständig selbst an Bein pinkeln und sich als "gierige Schlampe" etc. bezeichnen. Und das sind wirklich nur einige Beispiele des wohl schrägsten und bösartigsten "Selbst durch den Kakao Ziehen" aller Zeiten. Jedenfalls kann die Oscar-nomminierte
Tilly hier viele Lacher auf ihr Konto verbuchen lassen und dürfte sich somit den Spott der Kollegen entgültig entzogen haben. Denn wer veräppelt jemanden, der sich schon mal permanent selbst geopfert hat? Eben!
Dazu kommen dann natürlich auch noch unzählige Filmzitate, die der Filmkenner mit wohlwollen aufnehmen dürfte. Das fängt schon beim genial inszenierten Prolog an, der sich gleich einmal vor dem Gründer aller Schlitzer tief verbeugt:
John Carpenter und seinem
"Halloween". Wie

schon beim Myers-Film, so läuft auch diese Szene hier in der Perspektive des Mörders ab, sprich aus dem Blinkwinkel einer Puppe. Des weiteren darf sich Chucky, in bester
"Mission Impossible"-Manier, über einem seiner Opfer abseilen und im Finale den bösen Jackie aus
"Shining" mimen, wie er sich mit einem Beil durch eine Tür schlägt. Und das sind nur drei von unzähligen Filmen, die hier meist wirklich liebevoll und gekonnt auf die Schippe genommen werden.
Aber natürlich dürfen auch Chucky und Gefolgschaft selbst nicht vergessen werden. Viel böser Witz spielt sich wieder auf der Leinwand ab, wenn Chucky die Mordslust überkommt und er sein zwiespältiges Kind auf seine Seite ziehen will. Dabei geht es natürlich niemals zimperlich zur Sache und somit verliert schon mal der ein oder andere seinen Kopf, wird jemand mit Salzsäure übergossen oder Ähnlichem. Dazu immer ein flotter Spruch auf Chuckys oder Tiffs Lippen und schon ist dreckige und blutige Unterhaltung vorprogrammiert. Und spätestens wenn uns ein wichsender Chucky vor die Augen geführt wird, dürfte selbst der letzte noch ernst gebliebene Zuschauer losprusten.
Schade nur, dass der Streifen diese konsequente Boshaftigkeit nicht durchgängig beizuhalten versucht. Denn zwischen Chucky, Tiff und ihrem geschlechtslosen Kind kommt es im Laufe des Streifens leider immer wieder zu einigen Reibereien, die aber leider nicht auf eine komische oder überzogene Art und Weise inszeniert wurden, sondern irgendwie 'ne Spur zu ernst auf den Zuschauer wirken. Der/die gutmütige Glen/da heult z.B. ständig, pinkelt sich ein oder versteht die Welt nicht mehr, wenn er/sie sich zwischen seinen Eltern entscheiden muss. Grotesker Humor bleibt bei diesen Szenen weitgehendst auf der Strecke, womit es dem Zuschauer fast so vorkommt, als wolle Regisseur und Drehbuchschreiber
Don Mancini hier noch einen Familiendrama-Part (zwischen Puppen) mit hineinbringen. Und das kann doch nun eigentlich wirklich nicht sein, zumal es wirklich in keinster Weise zum Restgeschehen passt. Aber nun gut, verdaulich ist es allemal.
Was die Inszenierung des Puppenspektakels anbelangt, kann man aber wieder nur Positives berichten. Das Puppenspiel von Chucky, Tiffany und Neuling Glen/da ist, wie schon bei den Vorgängern, wieder einwandfrei ausgefallen, genauso wie das Design der Figuren. Hier steckt wirklich viel Liebe zum Detail drin, was man auch in jeder Szene spürt. Dazu bekommt der Zuschauer einen wirklich stimmigen Score zu bieten und einige herbe Spezialeffekte, die auch nicht unbedingt von schlechten Eltern sind. Für einen Film dieser Art, ist das Ganze jedenfalls absolut solide und wohlwollend ausgefallen.
Was die Schauspieler-Leistungen angeht, wird dagegen nur Mittelmaß geboten, sieht man mal von Hauptdarstellerin
Tilly ab. Wie schon weiter oben erwähnt, spielt sie ihren Part, der chronologisch eitlen und unsympathischen Tilly mehr als überzeugend. Eine wunderbare Verhohnepiplung ihrer selbst, optimal vorgetragen. Alle anderen Darsteller wirken dagegen blass und lustlos. Vor allem der Rapper
Redman sollte nicht noch einmal probieren zu schauspielern!
Als bekannt wurde, dass die Firma
Highlight Film von
"Chucky's Baby" lediglich die US-Kinofassung veröffentlicht und nicht die Unrated-DVD-Version, war das Geschrei wieder groß und die Fans drohten virtuell wie so oft mit Kaufboykott. Nicht dass
Highlight und auch wir ganz

genau wissen, dass die Unkenrufe einiger wenige kaum etwas bewirken, kann man den ganzen Tumult, der von diversen Forenbesucher wieder gemacht wurde, nicht so wirklich nach vollziehen. Ganz klar, eine an Gore bzw. wichtigen Szenen angereicherte Version wäre natürlich wünschenswert gewesen, aber im Falle "Chucky 5" darf man die Unrated-Version durchaus als Bauernfängerei bezeichnen.
Erst einmal wurde gerade mal eine Sequenz wirklich neu eingefügt, die andere Szene ist eine alternative Sequenz der Masturbationsszene, welche für ein R-rated etwas abgeschwächt werden musste. Unserer Meinung nach absolut lächerlich, denn man sieht bei beiden nichts, aber auch rein gar nichts. Hier ist sogar die R-rated-Version besser, da man nicht eine Hand inkl. quietschendem Geräusch hört (man sieht nichts und zudem erscheint das alles recht albern; siehe Bild), sondern Chuckys Gesicht. So erscheint die Szene wesentlich witziger. Die andere Szene ist nur ein etwas verlängertes Ende für die ganz Begriffsstutzigen, welche anscheinend das Ende in der R-rated-Version nicht verstanden haben. So kann man sagen, dass die Kinofassung definitiv die bessere Version ist, weshalb es keinen Grund gibt, sich die US-Version für viel Geld zu kaufen, außer man ist Jäger und Sammler.


Natürlich ist es schade, dass die beiden Szenen nicht zumindest als Bonusmaterial auf der DVD zu finden sind und auch insgesamt sind die Extras für eine aktuelle Produktion wie
"Chucky's Baby" recht mager ausgefallen. Neben dem obligatorischen Trailer und der
Highlight-Trailershow,

sowie dem besonderen Filmtipp, der aus dem
"Fantastic Four"-Trailer besteht, finden wir unter "Hell-Iday" ein nettes Feature, welches aber rein informativ nichts zu bieten hat. Knapp 4 Minuten lang dürfen wir der Puppenfamilie beim Betrachten ihrer Urlaubsfotos zuschauen. Doch auch wenn dieses Goodie keine Infos enthält, ist es zum einen sehr witzig und zum anderen recht originell geworden und noch wirklich gut umgesetzt. Unter "Besetzung" finden wir vier Biografien und im 4minütigen Fake-Interview für einen US-TV-Sender dürfen
Jennifer Tilly, Chucky und Tiffany zu Wort kommen. Viel mehr Substanz bietet auch das 18 Minuten lange Making of nicht, welches sich zu Beginn überwiegend mit den ersten Teilen der Serie beschäftig und viele Filmausschnitte zeigt. Insgesamt gibt es auch hier nur wenig Infos für Chucky-Liebhaber und die Statements und Kommentare der Personen im Making of bleiben allesamt recht oberflächlich und sinnfrei, das Featurette offenbart aber ein paar interessante Einblicke in die Tricktechnik der Reihe. Der Audiokommentar von Regisseur
Don Mancini und Darstellerin
Jennifer Tilly ist hierbei aber auch nicht viel informativer ausgefallen und klingt mehr nach einem reinen Spaßkommentar, bleibt aber dennoch unterhaltsam. Leider gibt es keine deutschen Untertitel, wobei die restlichen Specials allesamt untertitelt wurden. Wer dann noch ein wenig sucht, der findet ein Easter Egg, in dem eine "geschnittene Szene" und eine "Selbstparodie" von
Jeniffer Tilly enthalten sind. Insgesamt leider recht oberflächlich, hier wäre bestimmt mehr machbar gewesen.
Mehr machbar gewesen wäre mit Sicherheit auch beim Bild, aber das auch nur minimal, denn was uns
Highlight hier vorlegt verdient unseren ganzen Respekt und ist bis auf kleine Mängel in der ansonsten nahezu perfekten Schärfe wirklich ausgezeichnet geworden. Satte und kräftige Farben, ein ausgewogener Kontrast mit ein toller Schwarzwert, der selbst in dunklen Szenen alle Details offenbart, sowie ein nahezu rauschfreies Bild zeichnen diesen anamorphen HD²-Transfer aus. Zudem gibt so gut wie keine Defekte, die Kompressionen arbeiten stets unauffällig und Blockrauschen ist nur in wenigen Sequenzen zu sehen. Auch wirkt das Bild sehr detailliert und in Nahaufnahmen sogar gestochen scharf und überwiegend sehr plastisch. Jedoch schafft es diese überwiegend gute Schärfe nicht, den ganzen Film über anzuhalten und so wird das Bild hin und wieder deutlich unschärfer und weicher, was auch der Ausschlag dafür ist, keine volle Punktzahl zu verteilen. Dennoch ein mehr als gelungener Transfer, der endlich mal wieder zeigt, dass das HD²-Logo nicht umsonst die DVD ziert.
Akustisch erzielt man zwar nicht ein ganz so gutes Ergebnis wie beim Bild, dennoch dürfen wir mit der Dolby Digital-Abmischung recht zufrieden sein. Der vorhandene DTS-Ton offenbart dieses mal sogar einen kleinen Vorteil gegenüber der Dolby-Variante. Anstelle einfach nur lauter zu wirken, klingt das ganze Geschehen etwas klarer und präziser, was wirklich eine Seltenheit ist. Die Dolby-Spur erscheint

minimal dumpfer. Insgesamt erscheint der Dolby sowie der DTS Track für einen Horrorfilm gelungen und offenbart vor allem in den ersten Minuten eine Räumlichkeit, welche in diesem Genre seinesgleichen sucht. Alle Kanäle werden perfekt eingesetzt und der Effektbereich bekommt eine Menge zu tun. Man denkt förmlich, die Spermien würden einen um die Ohren sausen und das kurz darauf folgende Gewitter offenbart einen druckvollen Tiefenbass. Danach flacht das Klangbild aber deutlich ab und leistet überwiegend Centerarbeit, welche aber wirklich gut geworden ist. Sobald es aber in die Vollen geht sorgt die Klangkulisse für ein paar direktionale Überraschungen und auch der Score, sowie die Umgebungsgeräusche lassen eine immer noch angenehme, obgleich etwas zu frontbetonte Räumlichkeit aufkommen, welche durch eine hervorragende Dynamik und guten Effekteinstreuungen überzeugen kann. Jedoch kommt das gesamte Spektrum zu keinem Zeitpunkt an die ersten Filmminuten heran. Der englische 5.1 Track klingt noch einmal etwas lauter und natürlicher in den Dialogen, welcher sich recht harmonisch in das Klangbild einpassen. Dank optionaler deutscher Untertitel darf die Originalfassung also der wirklich guten deutschen Sprachfassung vorgezogen werden. Weiterhin sollte man bei dieser Edition das wirklich toll animierte DVD-Menü erwähnen, sowie das beiliegende 4seitige Booklet mit Filmografien, welches die technisch nahezu einwandfreie DVD-Umsetzung abrunden.


"Chucky's Baby" ist eine unterhaltsame Schlachterplatte mit viel schwarzem Humor und einer der bösartigsten und konsequentesten Selbstverarschungen aller Zeiten geworden. Wenn
Jennifer Tilly sich ständig selbst durch den Dreck zieht ist das Lachen groß und wenn Chuckys Lust zu Morden beginnt, dann ebenfalls. Nur das Familiendrama zwischen Chucky, Tiffany und ihrem zwittrigen Kind stört auf die Dauer. Ansonsten dürften aber alle Chucky-Fans soweit zufrieden sein! Horror-Comedy-Freaks sowieso!