USA 2003
Originaltitel:Kill Bill: Vol. 1
Alternativtitel:Kill Bill: Volume 1
aka. Quentin Tarantino's Kill Bill: Volume One
Länge:106:11 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Quentin Tarantino
Buch:Quentin Tarantino, Uma Thurman
Kamera:Robert Richardson
Musik:RZA, Takeshi Kobayashi, D.A. Young, The 5.6.7.8's u.a
SFX:Jason Gustafson
Darsteller:Uma Thurman, David Carradine, Lucy Liu, Daryl Hannah, Vivica A. Fox, Michael Madsen, Michael Parks, Sonny Chiba, Chiaki Kuriyama, Julie Dreyfus, Gordon Liu Chia Hui, Jun Kunimura, Kazuki Kitamura, Akaji Maro, Michael Bowen, Yuki Kazamatsuri, Larry Bishop, Shun Sugata, Chris Nelson, Yoshiyuki Yamaguchi, Stevo Polyi
Vertrieb:Miramax/Buena Vista
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Spanisch
Specials:
  • Making of - Die Ästhetik der Rache (22:06 Min.)
  • 2 Musikvideos von "5,6,7,8's" (5:52 Min.)
  • Kill Bill Vol.1 Teaser (1:50 Min.)
  • Kill Bill Vol.1 Bootleg Trailer (2:34 Min.)
  • Kill Bill Vol.2 Teaser (0:58 Min.)

Ihr Codename: Die Braut (Uma Thurman). Ihr Schicksal: der Tod. Doch ganz so einfach will es die professionelle Killerin ihren Schlächtern nicht machen. Nachdem ihre ehemaligen Kollegen O-Ren Ishi (Lucy Liu), Vernita Green (Vivica A. Fox), Budd (Michael Madsen) und Elle Driver (Daryl Hannah) ihre Hochzeitsgesellschaft in einem Massaker enden ließen, sie geschändet und blutüberströmt am Boden liegt, jagt ihr Gangster-Boss Bill (David Carradine), von dem sie schwanger ist, noch eine Kugel in den Kopf. Wie durch ein Wunder bleibt die Braut am Leben, fällt aber ins Koma. Für lange Zeit. Nach vier Jahren wacht sie unerwartet wieder auf und hat nur noch ein Ziel: Rache nehmen. Rache an dem Todeskommando, das sie liquidieren sollte. Rache an Bill, der den Auftrag dazu gegeben hatte. Nachdem die Braut sich von ihren Lähmungserscheinungen erholt hat, und einen widerwärtigen Krankenhauspfleger seinem gerechten Schicksal zuführt, kann ihr Rachefeldzug beginnen...

6 Jahre mussten wir auf Quentin Tarantinos nächsten Geniestreich warten. Die Erwartungen waren angesichts seiner bisherigen Werke Interner Link"Pulp Fiction" und dem etwas zu dialoglastigen Interner Link"Jackie Brown" hoch, so dass er schon etwas ganz Besonderes präsentieren musste. Mit "Kill Bill" verwirklichte er letzten Endes seine persönliche Hommage an das Eastern-Kung-Fu-Kino der 60er und 70er Jahre, dem er schon in der ersten Szene mit dem Logo der Shaw Brothers, das wohl prägendste Studio dieser Ära, Tribut zollt. So einfach wie der Titel ist auch der in Eastern oft verwendete Plot "Wunsch nach gnadenloser Rache" um die Black Mamba (Uma Thurman, wegen ihrer Schwangerschaft verschob Tarantino den Dreh extra um Jahre, bis sie wieder in Form war), die während ihrer Hochzeit vom Deadly Viper Assassination Squads nebst Ehemann, Priester und Trauzeugen getötet wurde und aus dem Koma erwacht ist, um ihre ganz persönliche Shitlist, auf der an letzter Stelle der titelgebende Bill (David Carradine) stehen wird, abzuarbeiten. Von ihm bekommt man im ersten Teil freilich, abgesehen von seinen Händen noch nichts zu sehen, so dass allein schon aus diesem Grund die Spannung auf den zweiten Teil gewaltig ist.



"Your name is Buck, right? And you're here to fuck, right?" - The Bride

Inszenatorisch entfernt sich Tarantino völlig vom Stil seiner früheren Werke, wenn man mal von der durch Einblendungen klar gemachten Kapitelunterteilung, das Wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Locationerklärungen, sowie der bekannten "Red Apple"-Werbung und dem Kofferraummotiv, absieht. Hier erweist er sich als Kenner jeglicher Kultfilme, denen er ausführlich seine Referenz erweist, um schon zu Beginn ein hohes Tempo vorzulegen. Jedes Kapitel besitzt seinen eigenen Stil, angefangen beim noch recht realitätsnahen, ersten Racheakt im Haus von Vernita Greens (Vivica A. Fox) bis zum abstrakten, bluttriefenden, aber schlichten Anime mit Italowesternmusikbegleitung zur Filmmitte hin, hat hier jeder Part seine eigene Stimmung und Atmosphäre, über der Tarantinos Einfallsreichtum kreist.
Bei all seinem Hang zur Hommage vergisst er aber nie seinen, eigenen, etwas makaberen Humor treu zu bleiben, welchen er aber nicht immer passend platziert. Ist die urplötzliche Unterbrechung für einen Kaffeeumtrunk in Greens Haus zu Beginn noch eine überraschende wie amüsante Idee, so erweist sich in einer späteren Episode, in der die Black Mamba aus dem Koma erwachend, einem nekrophilen Vergewaltiger die Unterlippe abbeißt als ein wenig befremdend und schrill, schon fast als ein Zugeständnis an den Mainstream, um ihn mit grotesken Einfällen zu unterhalten.
Keine Figur scheint hier zufällig oder überflüssig, sondern mit Bedacht gewählt, bekommen sie doch alle ihre eigene Geschichte, die den Film auf diese unglaubliche Länge wachsen lassen. Die interessantesten Charaktere Budd (Michael Madsen, mit dessen Charakter Tarantino genüsslich und bewusst spielt) und Elle Driver (Daryl Hannah) werden jedoch, trotz süchtig machender Kurzauftritte, erst im zweiten Teil in aller Ausführlichkeit behandelt. Neben diesen Exzentrikern erscheint die gleich zu Beginn abgefertigte Vernita Green schon fast wie eine Eintagsfliege ohne sonderliches Profil. Insbesondere, wenn im Finale die eindrucksvolle Go Go Yubari (Chiaki Kuriyama, variiert ihre Rolle in Interner Link"Battle Royale" kaum und erinnert thematisch an Interner Link"Fudoh") gegen Black Mamba, die im Finale eine an Bruce Lees Trainingsanzug in Interner Link"Game of Death" erinnernde Kluft trägt, antritt und ihr sogar Respekt zollt. Übrigens der wohl am besten choreographierte, nicht aber am besten gefilmte Kampf, den wohl Uma Thurman und Lucy Liu zu verbuchen haben. Ihre leider viel zu kurze und unspektakuläre Konfrontation, verpackt Tarantino, schon fast einem Gemälde gleichend, in eine Winterlandschaft, von der das rote Blut sich wie ein klarer Kontrast abhebt, wobei er aber nicht vergisst, diesmal richtig platziert, einen Funken Humor mitschwingen zu lassen. Als große Schwäche erweisen sich, zumindest in der deutschen Synchronisation, die Dialoge, die bei weitem nicht die Klasse seiner früheren Werke erreichen, obwohl solch ein Mammutdialog über eigentlich triviale Dinge mehrmals deutlich auszumachen ist, dabei aber seine pointenreiche Klasse vermissen lässt. So ist der Auftritt Michael Parks, der hier seine Rolle aus Interner Link"From Dusk Till Dawn" wieder aufleben lässt, für Kenner ein nettes Wiedersehen, doch der darauf folgende Dialog mit Sohn Nr.1 am Tatort dröge und ohne Klasse, hinterlässt schon fast den Eindruck von Füllmaterial, um die Mammutlänge zu erreichen.

Der oft erwähnte, zitierte und berüchtigte Härtefaktor erweist sich enorm und gibt den befremdlich hohen Grad an Gewalt im asiatischen Kino mitreißend wieder. Insbesondere das Finale hat es in sich. Blut spritzt wie aus Fontänen aus abgeschlagenen Gliedmaßen, Stümpfen und aufgeschlitzten Bäuchen. Augäpfel werden herausgerissen und Wasserbecken verwandeln sich in einen blutigen See, während der Boden sich langsam in einen roten Teppich der Gewalt verwandelt. Ohne Rücksicht auf Verluste hält Tarantino ins Geschehen, dem sich kein Zuschauer entziehen kann, sofern er den Kinosaal nicht verlässt und nutzt die vom chinesischen Regisseur Chang Cheh erfundene Technik, die Schauspieler mit Blut gefüllten Kondome auszustatten, ekstatisch. Zu Beginn noch in Farbe, später mit S/W-Filter, vermittelt besonders das Finale, in dem Black Mamba gegen die "Crazy 88 Fighter" (imho waren es weniger) antritt, ein kurioses Bild der plakativen, comichaften Gewaltdarstellung des ehrwürdigen Easternkinos, so dass insbesondere Genrefans hier der Speichel auf die Hose tropfen dürfte, auch wenn Tarantino sich bei der Choreographie oft etwas zu modernen Elementen wie hektischer Schnitttechnik und Close Ups bedient, die keinesfalls zur sonst recht altmodischen Inszenierung zählen.



"To get Even? Even-Steven? I would have to kill you, go upstairs, kill little Nikki, then wait for the good Doctor Bell to come home, and kill him. THAT'd be even. That'd be about square ..."< - The Bride

Die Musik war schon immer ein, wenn nicht das Markenzeichen seiner Filme, welche seinen Werken seinen letzten Feinschliff gab und so verwundert es auch kaum, dass er hier ebenfalls mit viel Fingerspitzengefühl die richtigen Töne findet und dem Film mit ihnen Tempo wie Rhythmus vorgibt. Allein schon bei Nancy Sinatras Bang Bang zu Beginn und während einer Sequenz, in der Lucy Liu mit ihrer Gefolgschaft zur Musik Hoteis, bekannt aus dem Trailer, in Zeitlupe durch einen Gang laufen, stellen sich die Nackenhaare hoch. Genrekenner werden aber sicher noch viele weitere Musikstücke wieder erkennen, die mir, abgesehen von Daryl Hannahs Pfeifen des "Twisting Nerve" Themes, obwohl oft schon mal gehört, weitestgehend verschlossen blieben, ihren Zauber trotzdem entfalten konnten.
Da "Kill Bill" ein eindeutig von Frauen dominierter Film ist, sind deren schauspielerischen Leistungen besonders hervorzuheben. Uma Thurman (arbeitete mit Freund Tarantino die Idee aus) macht als gnadenloser Racheengel eine gute Figur wie schon lange nicht mehr und vermittelt eine spürbare Ballung von Hass, Wut und unbezähmbaren Kampfesmut. Einen fast schon ebenbürtigen Gegenpol bietet da Lucy Liu, ständig beherrscht, unterkühlt und überlegen, wenn es sein muss aber genauso zielstrebig, sticht sie, fast immer in weiß gekleidet, nicht nur optisch aus dem Film heraus. Dagegen wirken Vivica A. Fox und Julie Dreyfus schon fast wie eine nette Salatbeilage während eines Drei-Gänge-Menüs. Unvergesslich bleibt, selbst für mich als Easternallergiker, der Cameo der lebenden Legende Sonny Chibas als Schwertmeister, der mit seinem/seiner unglaublichen Charisma und Präsenz selbst mit Unkenntnis beschlagenen Zuschauern schnell klar macht, dass er jemand ganz besonderes ist, während er nebenher noch asiatische Tugenden vermittelt.
Bei all seiner längst fälligen Ehrerbietung (ohne die Kreativität des asiatischen Kinos wäre Hollywood nie zu dem geworden, was es jetzt ist) für das Easternkino bleibt "Kill Bill" dennoch, wenn auch nur leicht, hinter Tarantinos anderen Meisterwerken zurück und kann so wohl nur von Genrefans als unumstößliches, perfektes Meisterwerk ohne Fehl und Tadel in den Himmel gelobt werden. Das relativ banale Drehbuch wird nur durch seine Verschachtelung interessant, ist ansonsten nur ein simpler Racheplot, bei dem jedes Opfer vorher seine Geschichte bekommt und wenig später gerichtet wird. Doch trotz dieser Geschichten will kein so rechtes Interesse für die Figuren aufkommen, die scheinbar in ihrem Zustand konserviert bleiben und keine Entwicklung vollziehen. So präsentiert Tarantino zwar ungemein viel Eyecandy, das den Zuschauer beim Kinobesuch hinwegfegen dürfte, aber näher betrachtet, auch aufgrund fehlender Dialogklasse wenig Substanz unter dieser hübschen Oberfläche besitzt, was einen, wenn auch entfernten Vergleich mit der gängigen Mainstreammethode "Optik herrscht! Wer braucht schon Tiefe..." zulässt.

"It all depends on when do you want to die? Tomorrow? The day after tomorrow?" - The Bride

Dank Kameraikone Robert Richardson ("Platoon", "Casino", Interner Link"U-Turn") gelang dem berechnenden Quentin Tarantino ein visuelles Meisterwerk, das bei seinen eingefleischten Fans sicherlich für Verzückung sorgen dürfte und viele verschiedene Stile zu einem Gesamtwerk zusammenführt. "Kill Bill" ist von Anfang bis Ende eine, mit authentischen Sets versehene Hommage ans asiatische Kino, wobei ich das Flair von Italowestern, wie auch den Zauber und die Einzigartigkeit der Vorbilder aber weitestgehend vermisst habe. Trotz seiner optischen Superlative wie den Schwertkämpfen ist dieses ambitionierteste Werk gleichzeitig sein schwächstes, dem ich eventuell Zugeständnisse bezüglich der Gewinnspanne erst nach Kenntnis des zweiten Teils unterstellen möchte, da einige Szenen ein wenig wie Füllstoff wirkten und längere Dialoge nicht die Ausgefeiltheit seiner früheren Werke besaßen.

Obwohl man sich bei der Buena Vista-DVD in gewissen Punkten verarscht vorkommt (dazu später mehr), kann man mit dem Ergebnis des anamorphen Widescreen-Bildes mehr als zufrieden sein. Satte und kräftige Farben treffen auf einen hervorragenden Kontrast, der jedoch in einigen Sequenzen etwas zu steil wirkt, dies ist jedoch mehr ein Stilmittel Tarantinos als ein Fehler der DVD. Die Detail- und Kantenschärfe ist ebenfalls sehr gut, obgleich letzteres durch Nachschärfung etwas flimmert. Das Rauschen wurde hervorragend eliminiert und greift nur minimal die Detailschärfe an. Fehler in den Kompressionen waren keine auszumachen, ebenso wenig wie Defekte oder Verschmutzungen. Verdammt gut das Ganze.
Ebenso wie das Bild macht der Ton einen wirklich guten Eindruck. Hier werden alle Kanäle vorbildlich genutzt. Ob es nun die hervorragenden Musikstücke sind oder die Kampfsequenzen, alles wurde perfekt abgemischt und stellt ein wirklich schönes Klangbild dar, mit einer guten Dialogabmischung. Lediglich der Effektbereich hätte etwas mehr zum Einsatz kommen dürfen, ansonsten aber eine tolle Leistung. Die DTS-Spur klingt etwas lauter und ist im Hochtonbereich etwas klarer, ansonsten wie immer kein Unterscheid zur Dolby Digital-Variante.
So kommen wir jetzt aber zum schlechten Teil der DVD, dem Zusatzmaterial. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Beste daran ist das 22-minütige "Making of", was zum typischen PR-Charakter mit einigen Infos, Interviews und Blicke hinter den Kulissen aufwarten kann. Der Rest besteht aus 3 Trailer und zwei Musikvideos der japanischen Band "5,6,7,8's" die auch im "Making of" Erwähnung finden. So, dass war es dann auch schon mit dem Bonusmaterial. Klar, es wird gemunkelt, dass sobald Teil 2 auf DVD kommt, es eine Art Extented Version von beiden geben wird, die als ein Film, in einer anderen Schnittfassung und mit neuen Szenen durchlaufen wird, aber sogar die unzensierte, in der großen Kampfszene colorierten und mit einigen Szene mehr ausgestattete Japan-DVD war umfangreicher in punkto Zusatzmaterial und für einen angegebenen UVP von rund 25,99 ? ist das schon ein starker Tobak. Auch die DVD-Hülle ist ein Witz, so bekommen wir ein durchsichtiges Amaray geboten und auf der Rückseite des Cover ist nichts, nichtmal ein Bild oder eine Kapitelübersicht wie z.B. bei den Fox-DVDs. Da merkt man schon deutlich, dass man zum Start von Teil 2 nur eben schnell eine DVD raushauen wollte um die Kasse klingeln zu lassen.

Zumindest sind Bild und Ton auf einem hohen Niveau und bis eine bessere deutsche DVD erscheint, kann man mit der vorliegenden Auflage (zum günstigeren Preis) recht zufrieden sein und wer es etwas härter mag, der kauft sich noch die Japan-DVD und hat dann fürs erstes alles, was er aus dem "Kill Bill"-Universum braucht.


Film: 5/6
Bild: 5/6
Ton: 5/6
Bild: 2/6



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