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IT, ESP 1970
Originaltitel:Rosso segno della follia, Il
Alternativtitel:Red Wedding Night
aka. Accetta per la luna di miele, Un'
aka. Axe for the Honeymoon, An
aka. Blood Brides
aka. Hacha para la luna de miel, Un
aka. Red Mark of Madness, The
aka. Red Sign of Madness, The
Länge:84:41 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Mario Bava
Buch:Mario Bava, Santiago Moncada, Mario Musy
Kamera:Mario Bava
Musik:Sante Maria Romitelli
Darsteller:Stephen Forsyth, Laura Betti, Dagmar Lassander, Jesús Puente, Femi Benussi, Antonia Mas, Luciano Pigozzi, Gérard Tichy, Verónica Llimera, Montserrat Riva, Guido Barlocci
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
  • 4seitiges Booklet
  • Original-Trailer (2:30 Min.)
  • Foto-Slideshow (7 Bilder)
John Harrington lebt ein unbesonnenes Leben als Playboy und Inhaber eines Hochzeitmodensalons und muss sich auch um finanzielle Dinge keine Sorgen bereiten, schließlich brachte seine Gattin eine nicht unbeträchtliche Summe Geld mit in die Ehe. Dieser ist aber längst zerbrochen, das gemeinschaftliche Leben vielmehr eine Farce und nur noch ein Schein dessen, was einmal gewesen ist. Doch auch das größte Bitten hilft nicht, Mildred will einfach nicht in die Scheidung einwilligen und widmet sich lieber der Verspottung ihres mittellosen Mannes. Dieser trägt ein gut gehegtes und dunkles Geheimnis mit sich herum, denn schon mehrere Kundinnen seines Geschäftes wurden vor der Hochzeit brutal von ihm ermordet, in einem Wahn, den sich John selbst noch nicht gänzlich erklären kann. Auch seine Frau steht auf der Liste der Todeskandidaten, treibt sie ihr Spiel doch zu weit. Doch John hat nicht mit der Hinterhältigkeit seiner Frau gerechnet, die ihn bis nach deren Tod verfolgt ...
"Eine Frau sollte nie bis zu ihrer Hochzeitsnacht leben - einmal lieben - dann sterben." (John Harrington)

Mario Bavas Giallo-Ableger "Hatchet For The Honeymoon" aus dem Jahr 1969 ist weder ein reinrassiger Krimi noch blutige Vision eines Mörders. Das Geschehen um den äußerst unglücklich verheirateten Besitzer eines Brautkleidersalons gleicht eher einem 90minütigen Traum, in welchem die Übergänge zwischen Handlungsort und -personen stets geschickt unkenntlich gemacht worden sind und der Soundtrack dabei weniger eine Aneinanderreihung von Musikstücken darstellt, sondern ein experimentelles Klanggebilde ist, welches die jeweilige Stimmung des Films stark intensiviert. Auch wenn sich das nach einem Kunstfilm anhört, was für den Kunstinteressierten Bava nicht ungewöhnlich gewesen wäre, so bleibt sein optisch aufreizendes Werk erzählerisch auf dem Boden der Tatsachen und verliert nie den logischen Anschluss zum Zuschauer.

"Ich bin John Harrington, 30 Jahre alt und Paranoiker. Ha - "Paranoiker" - ein reizendes Wort, klingt so intellektuell. Tatsache ist, dass ich verrückt bin. Anfangs war ich darüber erschrocken und verärgert, aber mittlerweile amüsiert mich mein Zustand und ich kann ausgezeichnet damit leben."

Wenn man sich erst einmal mit der äußerst gemächlichen Erzählung angefreundet hat, die vor allem in den ersten 20 Minuten für einige Längen sorgt, erwartet einen hier die Vermischung aus Geisterroman und den zynischen Gedankengängen eines bekennenden Frauenmörders. John weiß sehr gut über seine Unzulänglichkeit in puncto Zurechnungsfähigkeit bescheid und er trägt diesen Makel still, aber mit Würde, was selbst in den wenigen Tötungsszenen eine gewisse Ruhe und Normalität ausstrahlt. Schließlich geht es hier nicht nur um die Perversion eines Serientäters, sondern viel mehr um seine Selbstfindung. Jeder Mord ist Baustein eines Puzzles und führt ihn näher an sein Problem heran, welches tief in seiner Kindheit verwurzelt ist. Als Teil seines Problems stellt sich seine sture Frau heraus, die trotz getrennter Wege nicht in die Scheidung einwilligen will, sich über die zerbrochene Beziehung und die Unfähigkeit ihres Mannes, ein neues Leben beginnen zu können, sogar recht gut amüsiert. Diese freche Schadenfreude überträgt sich direkt auf den Zuschauer, der dem biestigen Machtkampf der Geschlechter bei einem sehr unterkühlten Frühstücksgespräch beiwohnen darf und dort beiläufig über Johns Impotenz informiert wird, wohl einer der Gründe, warum dieser eine derart überzogene, fast fetischhafte Beziehung zu Brautkleidern (trägt er in mehreren Mordszenen selbst!) und seinem Hackebeil pflegt.
Nach gut 30 Minuten erhält die wunderschöne abgefilmte Geschichte einen zweiten Aufhänger, denn John nimmt die Trennungsklausel "Bis dass der Tod euch scheidet" selbst in die Hand und richtet seine Gemahlin, was wieder einige sehr interessante Kameraperspektiven zutage führt. Anstatt blutige Details auszufühlen, bewegt sich die Kamera mit dem Blickwinkel des Hauptakteurs mit und verfängt sich beispielsweise in den Spiegelungen des blitzenden Beils. Aber nicht nur hier wird man auf eine Vielzahl Details innerhalb der düsteren, aber farbkräftigen Settings (Hauptschauplatz ist eine spanische Villa) gelenkt, welche stets sehr dreidimensional und tief wirken, auch der Einsatz von Licht und Schatten oder das sehr dynamische Zoom- (besonders in Dialogen) und Schwenkverfahren führen dazu, dass sich das Auge nie langweilen wird. Auf der erzählerischen Ebene geht es wie bereits angeschnitten etwas seichter zu, erst durch den Geist seiner Frau kommt ein wenig Spannung auf, den Täter kennt man schließlich von Beginn des Filmes an. Anders als bei Gespenstererscheinungen der herkömmlichen Art kann aber nicht nur John den wandelnden Leichnam sehen, auch andere Akteure interagieren mit ihr, was John nach und nach in den Wahnsinn treibt und den Zuschauer köstlich unterhält.

Was Koch Media für diese DVD aus dem Bild gemacht hat, wird ihnen der Bava-Fan sicherlich hoch anrechnen. Minimal sind die auftretenden Verschmutzungen, für einen derart betagten Film fallen sie eigentlich kaum auf, nur einige wenige Stellen (siehe z.B. Ende der 22. Minute) wurden anscheinend in der Bereinigung vergessen. Ebenso hervorragend ist das Fehlen eines Bildrauschens und die warme, sehr kräftige Farbgebung, die in Verbindung mit dem sehr gut abgeglichenen Kontrast (selbst in den dunkel gehaltenen letzten 10 Minuten unerschütterlich) maßgeblich an der visuellen Vorreiterrolle des Filmes beteiligt ist. Die einzigen Makel werden in der "nur" guten Schärfe deutlich. Aber auch hier sind sowohl die Kantenschärfe als auch die Detailschärfe bis auf wenige Ausnahmen (siehe Szene ab 38:38 min) auf gleich gutem Niveau. Die Kompression fällt keinerzeit wirklich negativ auf, die minimale Blockbildung in wenigen, besonders farbigen Momenten stört keinen. Anstatt dem auf dem Cover angegebenen Letterboxed-Bild im Format von 1.66:1 bekommt man sogar anamorphes Widescreen mit einem Seitenverhältnis von 1.85:1 geboten. Zwar wurde der Film laut IMDB.com auf 1.66:1 gedreht, das anamorphe Widescreen zeigt an den Seiten aber wesentlich mehr Informationen als die im vermeintlichen Originalformat vorliegende US-DVD und scheint daher nicht gematted worden zu sein. 4 Punkte mit Tendenz zu 5.
Ein wenig schlechter gestaltet sich dagegen der Ton der DVD, denn dessen Restauration verlief anscheinend deutlich schwieriger als die Nachbearbeitung beim Bild. Denn die Sprache des auf die Frontkanäle gelegten Monotons ist eindeutig zu dominant und verdeckt ein wenig den Geräuschpegel der Umgebung, obwohl keinerzeit Knackser oder störende Sprünge deutlich werden. Umgeschalten auf den englischen Ton wirkt dieser zwar ein wenig verrauschter und öfter durch Zischen geprägt in den Dialogen, dafür hat aber die klare Sprache der deutschen Version mit einem leichten unterschwelligen Rauschen zu kämpfen. Viel markanter sind aber die Unterschiede, sobald die Musik einsetzt und im Deutschen neben einem dumpfen Gesamteindruck immer wieder Verzerrungen hörbar werden. Die englische Version ist hier wesentlich heller und sauberer abgemischt. Schade nur, dass keine Untertitel zur Verfügung stehen.
Beim Bonusmaterial wurde leider nicht sehr viel Aufwand betrieben. Zwar besticht der Trailer durch eine ähnliche gute Qualität wie der Hauptfilm (ebenso anamorph) und seine fetzige Verarbeitung, aber neben einer Bildergalerie war es das dann auch schon. Dafür bekommt man aber noch 4seitiges Booklet mit Linernotes von Uwe Huber und eine ausgezeichnete Cover- und Menugestaltung.

Freunde vom italienischen Altmeisters des Visuellen sollten bei dieser farbenfrohen, amüsanten Charakterstudie um einen Profilneurotiker nicht lange überlegen, die US-DVD darf rein qualitativ gegenüber dieser Scheibe von Koch Media sowieso einpacken. Das Bild ist bis auf kleinere Ausfälle hervorragend bearbeitet worden und auch der etwas matte Monoton kommt bis auf leichte Verzerrungen sehr ordentlich weg, für einen 35 Jahre alten Film aber nicht weiter schlimm. Nur beim Bonusmaterial wäre mehr wünschenswert gewesen, was aber nichts an meiner Kaufempfehlung ändert.


Film++++--
Bild++++--
Ton++----
Bonus+-----


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Hatchet for the Honeymoon
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Red Wedding Night (Hatchet for the Honeymoon)
IMDb.com OFDb.de



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