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UK 1965
Originaltitel:Ipcress File, The
Alternativtitel:Len Deighton's The Ipcress File
aka. Ipcress - Top Secret
Länge:103:05 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Sidney J. Furie
Buch:Bill Canaway, Len Deighton, James Doran
Kamera:Otto Heller
Musik:John Barry
Darsteller:Michael Caine, Nigel Green, Frank Gatliff, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson, Aubrey Richards
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:2:35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
  • 16seitiges Booklet
  • Engl. Trailer (1:02 Min.)
  • Biografien:
    • Michael Caine
    • Harry Saltzman
    • Sidney J. Furie
    • John Barry
  • Fotogalerie (12 Bilder)
  • DVD-Credits
  • Trailer:
    • Heiße Katzen (2:50 Min.)
    • Die 2 (2:21 min)
Harry Palmer, der durch krumme Geschäfte während seiner Army-Zeit in Berlin zwangsweise in einen Geheimdienst eingegliedert wurde, verschlägt es von seinem ruhigen Observationsjob an eine neue Dienststelle. Sein Vorgänger wurde soeben beim Versuch ermordet, den entführten britischen Wissenschaftler Raven aufzufinden und zurückzuholen. Nun ist es an Palmer und seinen Kollegen, die Spur des bedeutenden Atomphysikers aufzunehmen und ihn freizukaufen. Dabei gerät der draufgängerische Palmer immer wieder mit seinem äußerst bürokratisch agierenden Vorgesetzten Ross zusammen, schafft es aber letztlich doch, die Hintergründe der Entführung in Erfahrung zu bringen und muss herausfinden, dass jemand ein falsches Spiel mit ihm treibt. Dabei stößt er auf ein Tonband mit der Aufschrift IPCRESS, ein geheimes Experiment, welches ihn selbst in höchste Gefahr bringt.
Ihr habt die Überheblichkeit der letzten "James Bond"-Special Effects-Orgien satt und sucht nach einem erhabenen Agententhriller mit Priorität auf Charakterzeichnung und Realität? Ihr hasst Vin Diesel und seine Muskelprollereien als Dreifach-Null in "xXx"? Ihr wollt wissen, welche Filme die US-Agenten-Parodie "Austin Powers" beeinflusste? Dann seid ihr bei "Ipcress - Streng Geheim" genau an der richtigen Adresse. Agentenfilme sind seit jeher beeinflusst von britischer Würde und Eleganz - und "Ipcress" ist "very british".
Nachdem Produzent Harry Saltzman bereits an 3 Bond-Klassikern ("James Bond jagt Dr. No" - 1962, "Liebesgrüße aus Moskau" - 1963, "Goldfinger" - 1964) mitgearbeitet hatte, begann er 1965 eine neue Agenten-Rolle aufzubauen, die sich auf Len Deightons Buch "The Ipcress File" stützte. Als 5teilige Serie konzipiert - 3 davon erschienen in den 60ern, 2 weitere Ende der 90er als TV-Produktionen, alle mit Michael Caine in der Hauptrolle - sollte ein charmanter Querkopf etabliert werden, der sich als volksnahe Version seines großen Vorbildes dem kauzigen Look der 60er Jahre verschrieben hat und im Laufe der Geschichte liebevoll ausgearbeitet Eigenheiten wie seine Vorliebe fürs Kochen vorstellt (in einer Szene doubelt Deighton den Agenten beim Eieraufschlagen), was für einen anfangs undurchsichtigen Charakter wie ihn seltsam anmutet, ihn aber auch sympathisch macht. Anstatt Champagnerempfänge abzuklappern und sich mit sinistren Buben wilde Verfolgungsjagden zu liefern, ermittelt Harry Palmer auf die herkömmliche Art, was neben einem Bürokratiekrieg mit dem lästigen Vorgesetzten altmodische Methoden wie Beschattung und Indiziensammlungen beinhaltet. Das mag sich furchtbar langweilig anhören, der spitzbübische Jungspunt weiß jedoch stets das Interesse auf sich zu lenken, zum einen durch seine leicht anmaßendes Auftreten gegenüber Autoritäten, zum anderen durch seinen stets ironischen Unterton, der dem englisch trockenen Humor seiner Kollegen paroli bietet und nicht zuletzt durch seinen sicheren und galanten Umgang mit dem weiblichen Geschlecht, welchem hierbei - so viel sei verraten - mehr als nur die Rolle des Strandhasen und Handlangers zu Teil wird. Ausgestattet mit Buddy Holly-Hornbrille und einem scharfen Verstand wird er verwickelt in eine Verschwörung, dessen Ausmaß weder ihm noch den Zuschauer anfangs bewusst ist und einige unvorhersehbare Wendungen nimmt. So bekommen wir unter anderem eine choreografisch höchst anmutige Geldübergabe in einem düsteren Parkhaus zu sehen, ebenso wie die spätere Gefangennahme Palmers, der in ein dunkles Loch verschleppt wird, mit audiovisuellen Horrortrip gefoltert wird (trotzdem nicht minder brutal) und sich schließlich zwischen Freund und Feind entscheiden muss. Die Hatz nach dem entführten Wissenschaftler führt dabei durch viele Sehenswürdigkeiten der Londoner Innenstadt, die sehr schön in Szene gesetzt sind und mit einem erstklassig thrillenden Score unterlegt wurden.
Alltäglich mögen einige Vorgänge des Films erscheinen, trivial wird es jedoch nie. Im Grunde ist sogar äußerst verwunderlich, dass die gemächliche Entfaltung der Handlung nicht zur Langeweile führt. Dieser Möglichkeit wirkt der ungemein interessante visuelle Stil des Filmes entgegen. Lange Einstellungen, die eine gewisse Ruhe ausstrahlen, durfte man in den 60ern noch als Standard ansehen, die spätere hektische Schnitttechnik wird man hierbei keine Sekunde vermissen. Etwas Besonderes sind aber die Kameraperspektiven, die sehr häufig aus tiefen Positionen heraufschauen, dabei eng an Gegenständen oder Charakteren im Vordergrund vorbeiblicken und den Zuschauer zum versteckten Beobachter machen. Experimentell ist auch die oft verkantete Ausrichtung der Optik, die wohl auch dazu beitrug, dass der Regisseur Sidney J. Furie direkt nach Drehschluss vom Produzenten Saltzman gefeuert wurde, obwohl ihm das meines Erachtens zu Unrecht geschah.

Die Kantenschärfe dieser deutschen DVD im anamorphen Gewand ist stets auf einem guten Niveau, hier hat man sicherlich etwas nachgeholfen, der Prozess selbst zeigt aber nur selten eine überscharfe Doppelkontur. Bei der Detailschärfe ist anzunehmen, dass man vorerst das Hintergrundrauschen eliminieren musste und nachher die Tiefe mit einem Schärfefilter nachgearbeitet hat. So sind einige Details, wie beispielsweise Muster auf Jacken hervorragend plastisch dargestellt, das Auflösungsvermögen auf Gesichtern aber nur befriedigend bis gut. Schuld daran ist ein restlich verbliebenes Rauschen, welches sich bei genauerer Betrachtung als vernichtend für Details herausstellt. Trotzdem erzeugt es keine wirklich störenden Bildbewegungen. Wenn man daran denkt, dass einige neuzeitliche DVD-Produktionen nicht einmal das hinbekommen, kann man mit beiden Kriterien zufrieden sein. Auffällig am Bild sind die schwachen Farben, die eine kalte Atmosphäre erwirken, welche mir bei solcher Art von Filmen nicht unbedingt zusagt. Bis auf leichte Rotschimmer und dem gelegentlichen Einsatz von kräftigen Grüntönen schaut man daher oft auf etwas angegraute Szenen. Bei der Kompression hätte man gern noch etwas hinzugeben dürfen um leichte Blockbildung zu verhindern, welche auf dem hinterbliebenen Hintergrundrauschen entsteht, aber hier wird man eine technisch gute Umsetzung erfahren. Beim Kontrast gibt es auch nur leichte Auffälligkeiten, da einige Szenen leicht aufgehellt wurden, der Großteil des oft schummrig gehaltenen Werks ist aber unproblematisch, daher knappe 4 Punkte dafür.
Der Film wurde in Mono gedreht, daher bekommen wir hier auch nur einen freundlicherweise auf die Front gesplitteten Monoton zu hören, der sich seinem Alter entsprechend ein wenig knarzig anhört. So klingt die Musik mittenbetont, verzerrt aber nur sehr wenig, die Sprecher krächzen am oberen Frequenzende ein wenig und der Bass bleibt in dem leichten Rauschen etwas harmlos. Der Rest des Soundtracks verhält sich ähnlich, eben ein wenig dumpf, was für den betagten Film normal ist. Der englische Soundtrack klingt weitaus natürlicher, obwohl bis auf die etwas zurückgefahrene Gesamtlautstärke und den Dialogtrack alles beim Alten bleibt. Eine Nuance feiner wirkt er, da hier das Rauschen etwas weniger auffällt, aber vor allem die Dialoge sind weitaus frischer und gliedern sich weicher in die Soundkulisse ein als in der deutschen Version. Für eine gute DVD fehlen mir da nur noch die Untertitel.
Die Extras auf der DVD sind etwas dürftig. Ein Trailer gehört natürlich dazu, hier im englischen Originalton und 2 weitere Trailer zu anderen Veröffentlichungen aus dem Hause Koch Media kann ich auch nicht wirklich zählen. Weiterhin stehen 4 Biografien zur Verfügung, die mit jeweils nur einer Textseite begrenzt informativ sind. Mit einer Fotogalerie (Bilder einzeln oder als Slideshow anwählbar) und den DVD-Credits hört der Bonusbereich auf der DVD schon auf, die übrigens mit schicken Menus gestaltet wurde. Dafür ist das 16seitige Hochglanzbooklet (auf schwerem Papier gedruckt, daher sehr stabil) umso besser, denn es enthält neben vielen Fotos das Pressekit des Filmes mit einigen Hintergrundinformationen und dem Inhalt. Das schlichte Cover ist wieder einmal gut gelungen, der Druck meiner DVD weist aber einige Unreinheiten auf, die es unscharf machen.

"Ipcress - Streng Geheim" darf ich als optisch und inhaltlich gelungener Agententhriller jedem ans Herz legen, der nach einer rauen Version von "James Bond" sucht. Michael Caines Auftritt als ehrgeiziger Schnüffler im trügerischen Biedermann-Look wächst einem ebenso schnell ans Herz wie all die anderen Darsteller, die oft düsteren Settings und der hervorragende Score. Die DVD von Koch Media hätte ein wenig mehr Farbe vertragen können und hat hier und da noch seine Schönheitsfehler, insgesamt kann sie in der Bildqualität überzeugen. Der Ton ist solide, die Extras sind leider ein wenig rar gesät.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++----
Bonus+-----


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