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FR 2000
Originaltitel:Rivières pourpres, Les
Alternativtitel:Crimson Rivers, The
Länge:102 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Mathieu Kassovitz
Buch:Jean-Christophe Grangé, Mathieu Kassovitz
Kamera:Thierry Arbogast
Musik:Bruno Coulais
SFX:Mikros Image, L'Est
Darsteller:Jean Reno, Vincent Cassel, Nadia Farès, Karim Belkhadra, Jean-Pierre Cassel, Didier Flamand, François Levantal, Dominique Sanda
Vertrieb:BMG
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Französisch
Untertitel:Deutsch für Hörgeschädigte
Specials:
  • Kapiteleinleger
  • Making Of (52:05 Min.)
  • Cast & Crew
    • Jean Reno (8 Seiten)
    • Vincent Cassel (5 Seiten)
    • Nadia Farès (3 Seiten)
    • Mathieu Kassovitz (6 Seiten)
  • Interview mit Jean Reno (9:49 Min.)
  • Enstehung der Pathologieszene (26:39 Min.)
  • Film/Storyboard-Vergleich "Verfolgungsszene" (2:58 Min.)
  • Storyboards
    • Eröffnung (20 Bilder)
    • Pathologie (7 Bilder)
    • Lawine (14 Bilder)
    • Verfolgungsjagd (35 Bilder)
    • Niemans und Kerkerian (5 Bilder)
Zum gleichen Zeitpunkt, 300km weit voneinander entfernt: Inspektor Pierre Niemans wird an eine abgelegene Elite-Universität hoch in den Alpen gerufen, wo sich ein grausamer Mord ereignete, das Opfer wurde unvorstellbar misshandelt und verstümmelt. Parallel dazu untersucht Max Kerkerian eine Friedhofsschändung. Das Grab eines vor Jahren mysteriös ums Leben gekommenen Mädchens wurde gewaltsam geöffnet. Diese zunächst ohne Zusammenhang erscheinenden Ereignisse verweben sich im Laufe der Zeit immer mehr, weitere nicht minder rätselhafte Leichen tauchen auf. Die Wege der beiden sehr verschiedenen Polizisten kreuzen sich und zusammen suchen sie an der Grenze des Todes und des ewigen Eises nach dem Geheimnis der purpurnen Flüsse ...
Atmosphäre wird großgeschrieben in diesem neuen Beitrag zur Geschichte der Serienkiller im Film. Mathieu Kassovitz Film ist sicherlich ein heißer Kandidat für den düstersten, feuchtesten und ungemütlichsten Thriller des Jahres. Gleichzeitig ist er ein visuelles Feuerwerk, das vor allem im letzten Drittel die ihm zugrunde liegende Geschichte überrundet.
Doch der Reihe nach: "Die purpurnen Flüsse" sind vieles auf einmal, Buddy-Movie, Serienkillerfilm, Krimi und Drama. Die daraus entstehende Mixtur ist hochexplosiv, doch es gelingt Kassovitz, das Gebräu bis kurz vor Schluss in der Waage zu halten. Das liegt vor allem auch an den hervorragenden Darstellern. Jean Reno gibt den wortkargen Einzelgänger Niemans mit einer "Leon"-erprobten Ruhe, die einfach umwerfend ist. Wie ein tapsiger Bär stapft er durch den Film, ohne sich von irgendjemand aufhalten zu lassen. Genau das Gegenteil von ihm ist Cassels Kerkerian: jung, agil, ständig in Bewegung und überemotional. Diese Gegensätze ergänzen sich hervorragend, obwohl sie die erste Hälfte vollständig getrennt agieren.
Leider liegt darin auch ein großes Problem, das zunächst nicht offensichtlich wird: Die beiden Figuren und ihre Suche nehmen so viel Platz ein, dass es dem eigentlichen Fall zunehmend eng wird. Von Anfang an nicht allzu kompliziert konstruiert, kann man sich über die Zustände an der Uni schon früh so seine Gedanken machen. Auch ist der Kreis der Verdächtigen nicht eben groß, so dass man schon weiß, auf wen es hinausläuft. Leider driftet der Film im letzten Drittel stärker auseinander, als gut für ihn wäre. Plötzlich bekommt der so kühle Niemans Gefühle für jemand anderen und anstelle eines gerechtfertigten Showdowns an der Uni findet die finale Auseinandersetzung vermutlich des Effekts wegen auf einem Gletscher statt.
Die Auflösung des Geschehens ist leider komplett hanebüchen, ebenso wie die Tatsache, dass am Schluss die Polizisten als Opfer herhalten sollen, anstelle der Uni-Verantwortlichen. Der wichtige und auch interessantere Handlungsstrang rund um die Vorgänge an der Uni wird so zu einem Action-Ende umgeformt, das zwar visuell zu beeindrucken weiß, der erzählten Geschichte aber überhaupt nicht dient. Zum Glück verdirbt das nicht den Gesamteindruck, doch es beschleicht einen beim Heimgang das leise Gefühl, dass man am Schluss etwas mehr hätte erwarten können. Trotzdem bleibt genug Nährwert für einen klaren Punktsieg über ähnlich gelagerte, visuell ausgerichtete Ware wie "The Cell". Die Flüsse schwelgen in opulenten Kamerafahrten durch die Naturpanoramen der französischen Bergwelt, malen düstere Bilder einer geheimnisvollen Gegend. Kassovitz setzt Kontrapunkte, lässt auf dunkle Katakomben und finstere Löcher mit schnellem Schnitt Eislandschaften folgen, die in den Augen schmerzen. Die Bedrohung ist allgegenwärtig, die Stimmung stets bedeutungsschwanger, untermalt von einem intensiven, aber nicht allzu aufdringlichen Score. Bei alldem lässt er sich trotzdem Zeit, die Panoramen wirken zu lassen. Die Kamera bleibt in Bewegung, doch das Motiv (Landschaft oder Bauwerk) ist dasselbe. Dadurch entsteht der Eindruck beim Zuschauer, ständig aufmerksam sein zu müssen.
Gewalt und Gore finden keinen regen Anklang während des Films. Es gibt zwar ein paar beachtlich zugerichtete Leichen, doch die ekligen Details zeigt Kassovitz stets indirekt, als Reaktion Beteiligter, mit kurzem Schnitt oder als Foto, das durch die beleuchtete Rückseite wahrgenommen wird. Ein flottes Gemetzel hätte auch die Atmosphäre als Ganzes verdorben.

Trotz fein strukturierter Titelsequenz ist der Film für seine Verhältnisse etwas unscharf und lässt im Detailbereich Informationen vermissen, obwohl Konturen doch recht scharf wirken. Ganz offensichtlich das Resultat eines Rauschfilters, denn selbst auf kritischen, hellen Stellen im Hintergrund findet man nur eine sehr seichte Bewegung. Dafür sieht man dort des Öfteren leichtes Blockrauschen. Da der Film sehr düster wirken soll, wird man kaum kräftige Farben erblicken, von einer blassen Erscheinung kann man aber nicht reden, und auch der Kontrast zeichnet ein sehr dunkles Bild ab, welches für meinen Geschmack schon zu schattig ist. Eine leichte Nachschärfung zeichnet einige Doppelkonturen, die aber wenig auffallen, da wirkt der leichte Verwischungseffekt in langen Kamerafahrten doch auffälliger. Recht selten sieht man Defekte, die man jedoch hätte vermeiden sollen, da man vor allem die kurz sichtbaren, aber langen Haarrisse auf hellen Untergründen bemerken wird. Knappe 4 Punkte.
Beide Tonvarianten sind in etwa ebenbürtig und die Geräuschkulisse lässt den Zuschauer nie allein. So werden trotz Fehlen von echten Effekten stets das Wetter oder beispielsweise ein netter Halleffekt (so in der Eishöhle) integriert, die dem dynamischen, klaren Ton zu einem sehr guten Erlebnis machen. Für einen Referenzton fehlen in einigen Sequenzen noch eine besserer Bass und eben die gewünschten Rundum-Effekte, aber die Dialoge sind stets gut verständlich, klingen nicht zu dünn und wurden für die französische Originalspur sogar mit optionalen deutschen Untertiteln versehen.
Das auf dieser DVD abgelegte Bonusmaterial ist äußerlich nicht sehr umfangreich, der Inhalt der gut 80 Minuten Interviews hat es aber in sich. Im sehr ausführlichen Making Of zu der Pathologieszene geht vor allem der Regisseur auf die Vorüberlegungen und Umsetzung der Szene ein und deckt dabei alle Bereiche des Entstehungsprozesses inkl. Licht, Musik, Spezialeffekte, Kameraeinstellung, Drehbuch und Darsteller ab. Im gut 50minütigen Making Of kommen die wichtigsten Mitwirkenden zu Wort und erzählen vom Dreh, ohne dass diese Ausführungen durch zu viele Szenen aus dem Film unterbrochen werden. Dieses Special sollte man sich aber erst nach dem Film anschauen, da hier viel gespoilert wird. Der Film/Storyboard-Vergleich zeigt auf, dass diese Szene ursprünglich etwas Action lastiger geplant war. Weiter 80 Seiten Storyboards bzw. Designs kann man außerdem in einer weiteren Sektion abrufen. Unter den Cast & Crew-Infos findet man jeweils eine Biografie und Filmografie des Darstellers und im Fall von Jean Reno sogar noch ein 10minütiges Interview. Hinzu kommt eine sehr schöne Cover- und Menügestaltung. Alle Extras wurden deutsch untertitelt, einige davon sind aber etwas nachlässig und nehmen nicht jeden Satz auf, vor allem im Making Of fehlt die deutsche Übersetzung der zusätzlichen Szenen. Ein Audiokommentar, wie er beispielsweise auf der französischen DVD vorhanden ist, fehlt hier und die australische Doppel-DVD enthält noch sehr viel mehr Extras.

Es bleibt unter dem Strich ein optisch hervorragender Serienkillerfilm in einer verbesserungswürdigen DVD-Umsetzung von BMG (zumindest was das Bild angeht), mit einer interessanten Prämisse, die jedoch nicht voll ausgespielt werden kann. Wer an "Sieben" seine Freude hatte, dem wird "Die purpurnen Flüsse" auch gefallen, allein wegen Atmosphäre und der Gewichtung auf die Charaktere der Hauptfiguren. Leider erscheint er am Ende nicht so clever wie der Vorgänger, doch reicht es für einen überaus positiven Gesamteindruck und die Gewissheit, dass die atmosphärischeren Filme in letzter Zeit doch eher aus Europa kommen. Vollauf zufriedene 5/6.


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus++++--


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