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USA 1998
Originaltitel:American History X
Länge:113:58 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Tony Kaye
Buch:David McKenna
Kamera:Tony Kaye
Musik:Anne Dudley
Darsteller:Edward Norton, Edward Furlong, Beverly D'Angelo, Ethan Suplee, Fairuza Balk, Avery Brooks, Stacy Keach, Elliott Gould
Vertrieb:UfA
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Specials:
  • Kapiteleinleger
  • Kinotrailer (2:14 Min.)
  • Geschnittene Szenen:
    • Boardwalk (0:51 Min.)
    • How Do I Look? (0:39 Min.)
    • Ben's Burgers (5:06 Min.)
  • 11 Kurzbio- und Filmografien
Dereks Leben ist geprägt von Hass - von rassistischem Hass, den er seit dem tragischen Tod seines Vaters fanatisch verfolgt. In seiner Clique aus Gleichgesinnten steigt er auf Grund seiner Intelligenz und seiner rhetorischen Fähigkeiten sehr schnell zum Anführer auf, unterstützt durch den Altnazi Cameron. Doch ein Gefängnisaufenthalt ändert seine Ansichten völlig. Während er sich dort vor Übergriffen seiner Kameraden schützen muss und zur Vernunft kommt, ist sein kleiner Bruder Danny auf dem besten Wege dahin, in den Nazisumpf abzugleiten und es seinem Vorbild Danny gleich zu tun.
"Das Leben ist zu kurz, um immer nur zu hassen, um immer nur wütend zu sein." (Derek Vinyard)

Wütend war vor allem Regisseur Tony Kaye, der sogar darüber nachdachte, seinen Namen vom Titel zu entfernen, und sich durch Alan Smithee verleugnen lassen wollte. Weil angeblich Edward Norton zu viel an dem Drehbuch geändert hätte. Niemand hat wirklich Ahnung, wie Kayes Vision des Filmes "American History X" hätte aussehen sollen. Ich weiß nur, dass er ein verdammt guter Film ist.

"American History X" ist nicht nur ein Film über die Rassenproblematik in Amerika. Über die Beeinflussbarkeit des jugendlichen Geistes. Er ist auch ein Film über freie Meinungsäußerung. Es ist ein problematischer Film, der auf verheerende Weise missverstanden werden könnte - und auch wird. Denn "American History X" erzählt die Geschichte eines Neonazis. Derek Vinyard ist nicht nur Neonazi - er zelebriert dies. Ein riesiges Hakenkreuz ist über seine Brust tätowiert, direkt am Herzen. Er ist die Ikone der Neonazis. Sein Förderer, ein alter Rechtsextremist, sieht in ihm einen potenziellen Nachfolger. Die Familie Dereks verachtet seine Tendenzen. Sein kleiner Bruder Danny jedoch ist fasziniert von seinem "Vorbild". Er ist auch der Einzige, der Derek dabei zusieht, wie er in der schicksalshaften Nacht zwei Afroamerikaner dabei erwischt, wie sie sein Auto stehlen wollen. Er bringt seine schwarzen Mitbürger um - und landet im Gefängnis.
Der Film setzt an dem Tag ein, an dem Derek wieder aus dem Gefängnis kommt. Statt Glatze hat er nun einen ganz normalen Putz auf dem Kopf. Dafür trägt nun Danny seine Haare millimeterkurz. Man merkt: Derek hat eine Läuterung durchgemacht. Die beiden Jahre Gefängnis haben aus dem hasserfüllten jungen Mann einen reiferen, nachdenklicheren Menschen gemacht. Kein Rassenhass, keine Gewalt mehr. Leider muss er mit ansehen, wie nun Danny in den Fängen seiner alten Neonazi-Clique ist. Mit vielen Gesprächen und mit Unterstützung des schwarzen Lehrers Sweeney (toll: Avery Brooks) möchte er Danny, der noch am Morgen einen glorifizierenden Aufsatz über Hitlers "Mein Kampf" abgegeben hat, von dem richtigen Weg überzeugen.
Es gibt überall Rassismus. Wenn die Afroamerikaner von "Black Power" reden, dann ist das genauso rassistisch, wie die "White Power"-Bewegung. Es ist wichtig über solche Missstände zu reden. Und nachzudenken. Denn Kaye trifft hier keinesfalls eine klare Aussage oder bezieht Stellung für eine Partei. Nein, vielmehr lässt er die gefährlichen, nationalistischen Aussagen der Neonazis im Raume stehen - wohlwissend, dass diese Aussagen, die sich zunächst immer plausibel und gefällig anhören, immer auf Ohren trifft, die dies gerne hören. Aber auch optisch macht es Kaye dem Zuschauer schwierig, die Vergangenheit Dereks abzulehnen. In hochstilisierten, sehr ästhetischen Schwarzweißbildern spielt Edward Norton Basketball. In Zeitlupe. Sehr glorreich ist sein Triumph über die schwarze Basketballmannschaft. Und im nächsten Moment will er uns sagen, dass diese familiäre Atmosphäre, dieses schöne Beisammensein weißer Bürger so falsch ist? Für Zuschauer ohne Unterscheidungsvermögen schwierig zu differenzieren. Und so sitzen auch zwei bedenklich Gekleidete mit ebenso bedenklichen Frisuren hinter mir im Kino. Sie lachen und freuen sich, wenn in einer Szene die versammelten Neonazis "Sieg Heil" rufen und zu rassistischer Mucke abgehen.
Aber dennoch ist und bleibt "American History X" ein wichtiger, guter Film. Denn nicht nur Story und Inhalt sind überdurchschnittlich gut, auch die Darsteller überzeugen auf fantastische Weise. Edward Furlong spielt den zerrissenen Teenie zwar zum x-ten Mal, hat aber immer noch nicht an Intensität verloren. Und Elliot Gould und Stacey Keach haben zwei gallende Kurzauftritte. Und Edward Norton sieht man deutlich an, dass er der neue De Niro sein könnte. So ein fabelhaftes Acting habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Auf den ersten Blick sieht man dieser DVD keinerlei Probleme an, denn das Bild wirkt recht scharf und auch farbenfroh (sieht man von den s/w-Szenen ab). Doch in Bewegungen wird durch die einsetzende Unschärfe und leicht krieselndes Muster deutlich, dass man hier mit einem Rauschfilter gearbeitet hat, um die Körnigkeit des Ausgangsmaterials zu verwischen. Dies macht einen teilweise verwaschenen und mit Nachziehern versehenen Eindruck. Trotzdem meistert die Kompression die Anforderungen gut und wirkliche Artefakte sind eher bei Betrachtung des Standbildes als in Aktion zu sehen (obwohl der Rauschfilter für Momente sorgt, die vielleicht an einem Blockrauschen nahe kommen). Der Kontrast des Gezeigten bietet keinen Grund zur Klage und auch Verschmutzungen fallen so selten auf, dass man sie bei der Bewertung vernachlässigen kann.
Beim Ton wird ein solider Dolby Digital 5.1-Ton dargebracht. Solide, weil sich die dialoglastige Handlung nur selten für einen echten Surroundeffekt eignet. Dafür integriert sich die Musik sehr gut ins Geschehen und bietet ein kraftvolles Sounderlebnis aus den hinteren Lautsprechern. Die englische Tonspur weist ebenso wie die deutsche keinerlei Verzerrungen oder Ähnliches auf, wirkt aber wieder einmal ein Stück realistischer, was sich vor allem in den "leisen" Momenten (viele der Gespräche zwischen Derek und Danny) bemerkbar macht. Deutsche und englische Untertitel lassen sich bei beiden Audiospuren zuschalten.
Die Extras sind nicht gerade reichhaltig vorhanden und am ehesten interessieren dürften die 3 geschnittenen Szenen, welche im englischen Originalton und anamorphen Format aufgespielt wurden. Bis auf "How Do I Look?" passen sie nicht recht zum Film, geben aber noch einen kurzen Einblick auf zwei der Freunde von Danny und den schleimigen Cameron. Zusätzlich gibt es noch 11 schnell durchgelesene, weil wenig umfangreiche Biografien mit anschließendem Auszug aus den Filmografien und den Original Kinotrailer. Nichts also, wofür man viel Geld ausgeben sollte, wäre der Hauptfilm nicht derart überragend. Der Sinn einer Kapitelanwahl wurde hier übrigens ein wenig misverstanden, denn jedes Kapitel lässt sich über jeweils eine separate Seite ansteuern.

"Derek sagt, es ist immer gut, mit einem Zitat abzuschließen. Wenn ein anderer es schon am besten formuliert hat und man selber es nicht besser kann, stiehlt man eben von ihm und verschafft sich 'nen starken Abgang." Ein Zitat? Ich schließe mit den Worten Danny Vinyards. "Wir sind keine Feinde, sondern Freunde - wir dürfen keine Feinde sein. Leidenschaft mag die Bande unserer Zuneigung anspannen, aber zerreißen darf sie sie nicht. Die mystischen Klänge der Erinnerung werden ertönen, wenn - und das ist sicher - die besseren Engel unserer Natur sie wieder berühren."


Film++++++
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+-----


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