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ESP, FR 1993
Originaltitel:Acción mutante
Alternativtitel:Action mutante
aka. Mutant Action
Länge:90:45 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:keine Jugendfreigabe
Regie:Álex de la Iglesia
Buch:Jorge Guerricaechevarría, Álex de la Iglesia
Kamera:Carles Gusi
Musik:Def Con Dos
SFX:Jean-Baptiste Bonetto, Yves Domenjoud Olivier Gley
Darsteller:Antonio Resines, Álex Angulo, Frédérique Feder, Juan Viadas, Karra Elejalde, Saturnino García, Fernando Guillén Cuervo
Vertrieb:Cine Plus/VCL
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch
Specials:-
"Aktion Mutante" nennt sich die terroristische Gruppe bestehend aus Krüppeln und Missgebildeten, die einen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen die reiche und schöne High Society des Landes führen. An der Spitze dieser Chaotentruppe steht der erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassene Ramon, der die Entführung der Tochter des reichen Orujo auf einer Hochzeitsfeier zwecks Erpressung von Lösegeld anordnet. Doch Ramon spielt ein falsches Spiel, betrügt seine Mannschaft um 90 Millionen Ecu des Lösegelds und reibt diese auf seinem Schiff nach und nach auf. Nach dem Absturz flieht er mit der hübschen Geisel auf einem fremden Planeten zum Geldübergabeort, stets verfolgt vom siamesischen Brüderpaar Alex und Juan. Eigentlich nur von Alex, denn sein Bruder Juan ist längst nur noch toter Ballast, ermordet vom geldgierigen Verräter Ramon...
Erinnert sich jemand an das Endzeit-Strategiespiel "Fallout", welches die karge Zukunft nach einem alles vernichtenden Atomschlag zeigt, mit allerlei Mutanten, der notwendigen Rückbesinnung auf die technischen Errungenschaften vor der Computerisierung und dem totalen Verfall von sozialen Werten und Zusammenhalt? "Aktion Mutante" stellt sozusagen das filmische Zwischenstück zwischen unserer heutigen Gesellschaft und jenem verdorbenen Endzeitszenario dar, welches auch in der "Mad Max"-Trilogie zelebriert wurde. Aber gleich vorweg: Liebhaber des ernsthaften Horrors dürfen sofort abschalten, denn der spanische Ausnahme-Regisseur Iglesia, dessen Perlen "El Dia De La Bestia" und "La Comunidad" meiner Meinung nach in jede gut sortierte DVD-Sammlung gehören, veredelt seinen Genre-Beitrag mit einer starken Prise Skurrilität und Witz. Allein die Idee, eine Gruppe Behinderter, deren Emblem ein Rollstuhlfahrer mit gezücktem Gewehr schmückt, gegen die schöne und gesunde High Society antreten zu lassen, ist preisverdächtig, genial und erfrischend politisch inkorrekt. Wo sonst darf man eine Figur gleichzeitig als Homosexuellen, Freimaurer, Juden und Kommunisten bezeichnen, ohne dafür Schelte einzufahren?
Vollgepackt mit Gags, die mal mehr, mal weniger zünden, bestreitet der unorganisierte Haufen von Mutanten, die ihrem Führer Ramon blind folgen und vertrauen, einen Untergrundkampf der ganz besonderen Sorte, der bei Trash- und "Robocop"-Fans großes Entzücken hervorrufen wird. Die Jungs müssen nicht nur mit ihren Einschränkungen fertig werden, sondern sind zudem ziemlich dämlich und zu allem bereit. Das passt bestens zum teils tiefen Niveau der Gags und bringt einige derbe Splattereffekte auf den Bildschirm. Abrupt beendet beispielsweise die wilde Schießerei auf die Hochzeitsgesellschaft das ausgelassene Partytreiben und vielleicht besonders wegen der exzessiven Verwendung von Kunstblut für Blutfontänen zaubern diese Szenen dem Zuschauer ein Schmunzeln auf das Gesicht. Bei aller Brutalität, aber ein derartig comichaftes Massensterben darf man nicht ernst nehmen, zumindest nicht an dieser Stelle des Filmes, die die besten Voraussetzungen hat, zu einem kleinen Splatstick-Highlight zu avancieren und eine Fülle an Blutfontänen und tiefschwarzen Humor bietet.
Von nun an darf man den bissigen, vielleicht sogar gesellschaftskritischen Unterton, den man sich von den Aktionen der seltsamen Terroristengruppe erhofft hat, -leider- komplett abschreiben - genauso wie einen großen Teil des Casts. Schade, denn die witzigen Kostüm- und Charakterideen können nun mal nicht ausgearbeitet werden, wenn der Film in Siebenmeilenstiefeln über sie hinweggaloppiert und einfach so sterben lässt. Einziger Lichtblick: die hinterhältige Attacke auf den von Alex Angulo (Hauptrolle als Priester im späteren "El Dia De La Bestia") gespielten Teil der siamesischen Zwillinge führt fortan zu einigen wirklich geschmacklos witzigen Begebenheiten, der Kadaver muss schließlich als Teil des Ganzen mitgeführt werden und wird mitunter von einem Leichenpräparator behelfsmäßig ausgestopft oder an einem Baum aufgehängt. Auf der anderen Seite schlagen sich Ramon und sein Entführungsopfer Patricia nach dem Absturz ihres Raumgleiters durch die Wüste. Da die Schar von Freaks wie schon erwähnt beträchtlich dezimiert wurde, dürfen neue, noch idiotischere Charaktere an den Start. Zu jedem Outback gehört ein ordentlicher, inzüchtiger, sexistischer Hinterwäldler-Clan, in welchem Santiago Segura eine debil grinsende Nebenrolle inne hat. Das abartige Sexleben der Jungs ist nach eigenen Aussagen unausgeglichen ("Wir haben schon lange keine echte Muschi mehr hier gehabt") und so bietet sich uns hier bald ein Bild des durch und durch schlechten Geschmacks in teils amüsanten, teils widerlichen Szenen. Grenzen sind nur an die Vorstellung gebunden, was Iglesia in seinem ersten richtigen Film anhand einer deftigen Folterszene aufzeigt, die zwar ebenso absurd und komödiantisch erscheinen sollte, wie der gesamte Rest dieses Anarcho-Flicks, aber doch schon ziemlich derb vor den Kopf stößt. Oder könnt ihr drüber lachen, wenn ein verrücktes Halbkind wie ein Besessener den Antihelden an offener Wunde mit Rasierklingen, Salz und Essig behandelt? So legt sich der Spaß, der noch innerhalb der ersten halben Stunde vorherrschte und durch die aufwendigen Kulissen angeheizt wurde, gegen Ende ein wenig nieder und macht Platz für eine ernsthaftere Inszenierung, die ihre Richtung nicht ganz gefunden zu haben scheint und von der man sich eine höhere Trefferchance in Sachen Komik gewünscht hätte. Zumindest einen kompromisslosen Shootout mit gewohnt bodenlos niveaulosen Einschlag darf man beiwohnen, der noch einmal wirklich Spaß macht.

Leider, leider wurde das Bild dieser DVD nur als Letterboxed-Variante auf DVD gebracht. Das Hochzoomen auf echtes Widescreen bringt in diesem Falle recht wenig, denn schon im 4:3-Modus sind jede Menge Aliasing-Effekte an den Konturen sichtbar. Hier wurde ganz deutlich nachgeschärft, denn die Konturen machen einen viel plastischeren Eindruck als der Rest des Bildes, der oft schon durch die dunklen Settings (insgesamt ist das Bild zu dunkel und der Kontrast nicht differenziert genug) ein wenig weich aussieht. Aber besonders in Bewegungen werden eine starke Verwischung und kleinere Nachzieheffekte deutlich. Die DVD bleibt auch in den Farben ein wenig blass, da hätten sattere, leuchtendere Farben dem schrillen Spektakel noch ein wenig mehr Pepp verliehen. Wer das Geschehen auf einem kleinen TV verfolgt, der darf sich 4 Punkte für die DVD denken, mir ist es nur ein "befriedigend" wert.
Der Ton ist ganz brauchbar, zumindest sind keine Verzerrungen oder Störungen hörbar. Entgegen der Coverangabe gibt es sogar einen deutschen Dolby Digital 5.1-Ton, der klar und sogar mit einen teils kräftigen Tiefton ausgestattet ist. Kräftig ist gut, noch besser wäre es aber gewesen, ihn auch präziser und nicht so sehr nach Videokassette klingen zu lassen. Einige Passagen klingen blechern und der hintere Bereich der Lautsprecher bleibt nahezu lautlos. Der Hauptanteil spielt sich auf dem Center ab, der das Geschehen stets gut verständlich vermittelt. Die deutsche Synchronisation nervt teilweise arg, hier hat man einige der schlimmsten Synchronstimmen aus B- und C-Movie organisiert, die teilweise im Comicstil ihren Part vortragen. Ein O-Ton wäre hier wirklich interessant gewesen (wenn auch nur spanisch), ist leider aber nicht vorhanden.
Standbildmenu, einfaches Design, nur 8 Kapitel, kein Booklet, keine Extras, schlechte Covercollage. 'Tschuldigung, dass ich das jetzt so abgerissen habe, aber die DVD-Produktion muss bei der Zusammenstellung der Scheibe ebenso lieblos verfahren haben.

Regisseur Iglesia hat anscheinend ein Faible für schräge Charakterzeichnung und den guten Geschmack sprengende Inszenierung, und obwohl diese SF/Endzeit-Parodie nicht so schlüssig wie die späteren Werken wirkt, bekommt man doch einen guten Eindruck, in welche Richtung die filmische Bahn des Regisseurs geleitet wird. Aus diesem hier hätte man gut zwei Filme machen können, wären die wirklich guten Ansätze ausgearbeitet worden. Trotzdem eine unterhaltsame Trash-Attacke mit einigen begnadet herrlichen Szenen, einem derben Humor, der ab und zu "over the top" geht und weniger schönen Kontinuitätsstörungen der Atmosphäre. Die DVD dazu ist nicht unbedingt empfehlenswert, da zusammengeschludert und in den Bereichen Bild- und Ton nur wenig überzeugend. Vielleicht gibt's ja mal ne ordentliche Veröffentlichung, ich zumindest hoffe darauf, dann kann man sich vielleicht alle Werke des spanischen Meisters ordentlich ins Regal einreihen.


Film++++--
Bild+++---
Ton+++---
Bonus++----


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News"Aktion Mutante" kommt als 2-Disc Special Edition
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