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UK 2002
Originaltitel:28 Days Later
Alternativtitel:28 Tage später
aka. 29 Days Later
Länge:112 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Danny Boyle
Buch:Alex Garland
Kamera:Anthony Dod Mantle
Musik:John Murphy, Danny Boyle, Brian Eno
SFX:Richard Conway
Darsteller:Alex Palmer, Bindu De Stoppani, Jukka Hiltunen, David Schneider, Cillian Murphy, Toby Sedgwick, Naomie Harris, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching, Alexander Delamere, Kim McGarrity, Brendan Gleeson, Megan Burns, Justin Hackney
Vertrieb:Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
  • Audiokommentar mit Danny Boyle und Alex Garland (mit Untertitel)
  • 7 nicht gezeigte Szenen mit Audiokommentar (13:49 Min. mit Untertitel)
  • Alternativer Schluss mit Audiokommentar (2:26 Min. mit Untertiteln)
  • Storyboard zum alternativen Schluss mit Audiokommentar (11:21 Min., mit Untertitel)
  • Making of (24:20 Min., mit Untertitel)
  • Produktionsgalerie mit Audiokommentar (18:15 Min.)
  • Polaroid-Galerie mit Audiokommentar (4:10 Min.)
  • Teaser (1:26 Min.)
  • Trailer (1:56 Min.)
  • Animierte Storyboards (1:29 Min.)
  • Jacknife Lee Musikvideo (6:29 Min.)
Tag 1: Rasend schnell verbreitet sich der hoch infektiöse Virus aus einem Forschungslabor über die gesamte britische Insel. In Sekundenschnelle werden aus Menschen reißende Bestien.
28 Tage später: Jim (Cillian Murphy) wacht in einem Londoner Krankenhaus aus dem Koma auf - in einen Alptraum. Die Stadt ist menschenleer, ganz England verwüstet, seine Einwohner dezimiert. Horden Infizierter werden zur allgegenwärtigen Bedrohung für die wenigen Überlebenden der Katastrophe. Hoffnung für Jim und drei weitere Nicht-Infizierte verspricht alleine ein Funkspruch einer kleinen Armee-Einheit, die im Norden Englands die Antwort auf die Infektion gefunden haben will. Zusammen machen sich Jim, Selina (Naomie Harris), Hannah (Megan Burns) und Frank (Brendan Gleeson) auf die gefährliche Reise durch das verwüstete England. Doch sie ahnen nicht, dass ihnen der eigentliche Alptraum erst noch bevorsteht ...
Horrorfans sind doch ein niedlicher Haufen, vor allem wenn sie sich die Socken wunddiskutieren, ob "Trainspotting"-Regisseur Danny Boyle mit seinem letzten Film nun den Zombiefilm wiedererweckt, geplündert oder geschändet hat. Ich mach dem mal ein Ende und verrate das große Geheimnis: es ist überhaupt kein Zombiefilm, denn es kommen keine Zombies darin vor. Boyle bedient sich zwar der Elemente dieser Gattung, aber trotzdem rückt der Film dank seiner Ausrichtung in die Sparte SF, nicht Horror. Den Horror bekommen darf man aber trotzdem...
Stellen wir also fest: ja, Boyle kennt seine Vorbilder recht gut, denn er plündert sie hemmungslos: der Startschuss im Tierlabor samt Virus könnte aus Kings "The Stand" stammen, die Szenen im menschenleeren London sind die Quersumme aus "Der Omega-Mann" und "Quiet Earth", das Pärchen/Quartettschema in der zusammenbrechenden Zivilisation ist aus "Dawn of the Dead" und die fiesen Militärs, die schlimmer als die Monster sind, aus "Day of the Dead". Es ist so, Punkt!
Wer will, darf jetzt schimpfen und sich abwenden, aber es ist nun mal so. Das schmälert die Vision jedoch nicht im geringsten. Denn plündern ist wieder erlaubt. Weite Teile des weltweiten Kinopublikums kennt nämlich die Vorbilder gar nicht, da das Horror- auch gleich Spartenprogramm ist und viele Filme bis zur Unkenntlichkeit zerschnippelt wurden. Der letzte echte Zombiefilm, "Day..." wird bald zwanzig Jahre alt und aus ihm zu zitieren kann "28 Tage später" nicht wirklich schaden. Denn während Romero damals auf Endzeitstimmung und ein bis in den Boden diskutiertes Gemisch aus Psychologie und Philosophie samt Es-Ich-Über-Ich-Schema baute, geht Boyle das Ende der Welt als beklemmende Vision einer hochtechnisierten Gesellschaft an, die sich zwar vordergründig zivilisiert gibt, aber durch einen Virus namens "Wut" (man beachte die feine Ironie) zugrunde gerichtet wird. Es gibt keine Regeln, keine Obrigkeit, keine Regierung, keine Sicherheit, niemand, auf den man sich verlassen kann, außer auf sich selbst. Doch Boyle will mehr, flechtet versöhnliche Töne ein, mahnt zum Aufbruch. Das Mädchen auf dem besten Weg zur Einzelkämpferin wird von dem Vorteil der Zusammenarbeit und der Gemeinsamkeit überzeugt, die (Ersatz-) Familie wird zum Hort der Hoffnung, die Wahrheit liegt irgendwo da drinnen.
Allerdings liegt hier auch das Übel, denn erneut erweist sich das Militär als letzter Ausdruck der Staatsmacht als wirkungslos, ja sogar gefährlich. Die Gruppe, die sich hier in einer Zuflucht gesammelt hat, erweist sich wieder (hallo, Onkel George) als Haufen psychologisch und iq-technisch unterentwickelter Triebgesteuerter, die ihren waffenstarrenden Gemeinsinn aufgrund der vagen Hoffnung gebildet haben, demnächst wohl mal wieder gepflegt einen wegstecken zu können. Und falls einer den Ernst der Lage erkennen sollte, wird er auch gleich kaltgemacht. Individualität und Zusammenhalt erweisen sich schließlich als Rettung und das Ende gerät dann richtig (und irgendwie unpassend) optimistisch, da es eine baldige Rückkehr zur Normalität verheißt. Vielleicht war das aber auch nur eine nette Geste, denn die Qualitäten des Films liegen eindeutig in der von Boyle erweckten Stimmung. Düster, grimmig, bedrohlich und ausweglos ist der Weg, der vor Protagonist und Zuschauer liegt, so scheint es. Eingefangen wird das durch Digital Video, ein verwaschenes und deswegen oftmals extrem realistisches Aufnahmeverfahren, das dem Ganzen einen dokumentarischen Charakter verleiht und den Eindruck verwirft, eventuell in einer Hochglanzproduktion (wie z.B. "Resident Evil") zu stehen.
Dreckig bis zum Exzess ist das zu erwartende Schicksal, wenn sich Frischinfizierte mittels Blutübertragung in einen Haufen knurrende und rasende, blutkotzende Irre verwandeln, die nur eins wollen: metzeln! Am Ende erweist sich der junge Held selbst als Opfer seines rasenden Zorns über die Reste der Zivilisation, die er mittels eigenen Amoklaufs gnadenlos auslöscht, indem er die Soldaten den Monstern sozusagen ausliefert, die jedoch wiederum zum großen Teil aufgrund ihrer eigenen Defizite (Aggression, Angst, Feigheit, Geilheit) dran glauben müssen. Held Jim wird dabei nicht zum Rambo, sondern erweckt nur selbst das emotionale Tier in sich und kann am Ende kaum von den Monstern unterschieden werden. Aber wer die Monster sind, ist hier eh nicht so ganz klar. Dass der adrenalintreibende Schlusskampf in schnellen Schnitten gehalten in der Düsternis eines Hauses vor sich geht, treibt den Realismus des früheren leeren London auf die Spitze. Ansonsten kann auf übermäßigen Gore verzichtet werden, obwohl es schon manchmal spritzt und suppt, aber auch hier ist die Phantasie den Bildern dankbar voraus.
Nur: das alles ist nicht mehr neu. Genrefreaks beklagen sicher nicht zu Unrecht den großen Klau, während das Normalpublikum des Blockbusterzeitalter sich sichtlich ergriffen ob des grimmigen Realismus fühlt. Da kann man freundliche Aufnahme und Ablehnung gleichermaßen verstehen. Ärgerlich ist jedoch, dass es trotz des gelungenen Einsatzes aller Mittel erzählerisch faustgroße Löcher in der Story gibt, die dann schon mal ärgerlich wirken. Held Jim stellt sich in einigen Szenen bewusst doof an, um z.B. schon mal präventiv (so erscheint es später in der Story) eine eigene Erfahrung mit einem Verseuchten zu machen. Der Tod des ersten Begleiters ist weitestgehend seine Schuld und auch in der Raststätte stellt er sich gegen alle Vernunft. Arg brüchig auch die Logik, wenn Vater und Tochter vom Hochhaus aus mittels Leuchtzeichen nicht nur Jim und Selina, sondern auch eigentlich gleich noch die ganze Monsterpopulation Londons anlocken müsste, es bis auf zwei aber nicht tut. Auch scheint niemand in der Lage, sich eine Schusswaffe in einer entvölkerten Stadt besorgen zu können. Millionen von Leichen sind ebenso verschwunden (auf der Straße fast niemand), wie Abermillionen von Autos in der Hauptstadt und später auf einer komplett leeren Autobahn.
Besonders plump geraten ist an diversen Stellen das Product Placement, das die Überlebenden irgendein Markengesöff abpumpen lassen (Willst du Pepsi? - Nö, hast du noch ein Tango? - Uaaaah....), bis nach der Hälfte des Films endlich jemand auf die Idee kommt, mal in einem Supermarkt eine Konservendose zu klauen. Dort kann man dann nach Herzenslust Werbesprüche ablassen, wobei sich nach der offenbaren Massenpanik und dem Exodus niemand zu wundern scheint, wie sauber aufgeräumt der Laden ist. Da liegt keine Dose rum, die Regale sind bis zum Exzess gefüllt, das Licht geht (interessant, da es keinen Strom gibt) und was besonders stört, die Tür ist offen! So bleibt der Eindruck zwiespältig: inszenatorisch hochwirksam, doch erzählerisch mit teilweise eklatanten Schwächen. Als moderne Weltuntergangsvision aber trotzdem zu goutieren, in Bildern, die hängenbleiben.

Regisseur Danny Boyle drehte den Film mit einer DV-Kamera, was recht ungewöhnlich für eine Budget-Produktion ist und sich auch nicht gerade positiv auf die Bildqualität auswirkt. Das auf 35mm aufgepumpte Bild ist teilweise grausamer als der ganze Film. Zwar wollte man hier die Endzeitstimmung einfangen, aber das ist unserer Meinung nach gewaltig in die Hose gegangen. Im Kino fiel das gar nicht mal so gravierend auf, aber auf dem heimischen TV merkt man erst einmal, wie schlecht das Bild wirklich geworden ist. Zu einem sind die Farben total ausgewaschen und der Kontrast viel zu steil. Details verschwimmen teilweise zu einem hässligen Brei und die Kompressionen lassen ebenfalls zu wünschen übrig. So kämpft das Bild auch deutlich mit Blockrauschen und starken Kompressionsartefakten. Zwar wurde das Bildrauschen durch Rauschfilter nahezu ausgemerzt, dies ging aber deutlich zu Lasten der Schärfe. Auch von Nachzieheffekten werden wir nicht verschont und durch das nachträgliche Verändern der Farben bekommen einige Szenen auch noch einen Doku-Touch. Also eins steht fest: Die Amateur- und Independent-Filmer schaffen mit ihren begrenzten Mitteln meist viel Besseres als Majors, die mit viel Geld versuchen, etwas billig wirken zu lassen.
Wo wir dem Bild bloß 2 Punkte geben, stellt der Ton mit 5 Punkten das Beste auf der DVD da. Hier wird eine saubere Dialogverständlichkeit geboten mit einer Spitzendynamik, die es manchmal zu gut mit uns meint. So haben wir die Lautstärke gerade mal so eingestellt, dass wir die Dialoge noch gut verstehen können, und knallt plötzlich ein Effektgewitter aus den Boxen, dass man nicht nur die Chips aus der Hand verliert und voller Verzweiflung die Fernbedienung sucht. Natürlich ist dies für einen späteren Kinoabend recht ungeeignet, da man bei einer leiseren Einstellung zwar von den Effekten nicht mehr überumpelt wird, jedoch auch kein Wort mehr versteht. Trotz dieses kleinen Mankos, was einer der Gründe dafür war, weshalb wir hier keine volle Punktzahl vergeben, ein wirklich toller 5.1-Ton. Noch dazu kommt, dass der Bass ruhig etwas druckvoller hätte sein dürfen, dafür wird uns ansonsten ein guter Raumklang geboten mit sauberen Umgebungsgeräuschen und einer guten Musikuntermalung. Der englische 5.1 Track unterscheidet sich kaum von der deustchen Variante, ist im Dialogbereich akustisch etwas schwerer zu verstehen. Dafür gibt es aber optionale Untertitel...
Das Erste, was an dem Bonusmaterial positiv auffällt, ist der recht interessante Audiokommentar von Regisseur Danny Boyle und dem Autor Alex Garland, welcher sogar optional deutsch untertitelt wurde, was heutzutage leider immer noch kein Standard ist. Under "Sonderausstattungen" findet man dann 7 "nicht gezeigte Szenen" mit optionalem Kommentar des Regisseurs und Autors, ebenfalls optional mit deutschen Untertitel anschaubar. Es folgt ein Alternativer Schluss, zu dem es zu sagen gibt, dass dieser nicht gerade sehr spektakulär ist und sich kaum von dem Original unterscheidet. Auch sollte man erwähnen, dass es hier heißt "Alternative Schlüsse", es gibt aber nur ein Alternatives Ende vom Film. Im selben Untermenü findet man dann noch das "Storyboard" zum alternativen Schluss, welches knapp 11 Minuten geht und lustigerweise gar nix mit dem Schluss zu tun hat. Auch hat man hier vergessen die Kommentare deutsch zu untertiteln.
Interessant auch das 24-minütige Making of namens "Pure Rage", welches sich nicht nur ausschließlich um den Film, sondern auch um die Seuche im Allgemeinen handelt. Ausnahmsweise einmal ein recht gutes Making of mit optionalen deutschen Untertiteln. Unter "Galerien" findet man einmal eine knapp 19-minütige "Produktionsgalerie" und eine 4 Minuten lange "Polaroid-Galerie" mit jeweils nicht untertitelteten Kommentaren von Dany Boyle. Sehr interessant für Fans, aber wer kein Englisch kann schaut in die Röhre. Unter "Marketing" findet man dann noch einen "Teaser", "Trailer", sowie das "Jacknife Lee" Musikvideo und animierte Storyboards von der englischen Website.

Wo also das Bild total absackt, kann die DVD wenigstens tonal voll und ganz überzeugen. Auch das Bonusmaterial ist gut geraten. Über den Film sollte sich jeder selbst ein Urteil machen. Leute, die hier einen bluttriefenden Zombiefilm erwarten, raten wir sich lieber Romeros Version der Apokalypse anzuschauen, da gibt es dann auch echte Zombies zu sehen.


Film+++---
Bild++----
Ton+++++-
Bonus++++--


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