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JP 2001
Originaltitel:Otogirisou
Alternativtitel:St. Johns Wort
Länge:85 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Ten Shimoyama
Buch:Goro Nakajima
Darsteller:Goro Nakajima, Yoichiro Saito, Koji Ogura, Reiko Matsuo
Vertrieb:Highlight
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Jap), Dolby Digital 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Japanisch
Specials:
  • Kapiteleinleger
  • Der besondere Filmtipp: Equilibrium (3:03 Min.)
  • Trailershow
    • Halloween Resurrection (2:08 Min.)
    • Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt (1:27 Min.)
    • The 51st State (1:54 Min.)
    • Zu Warriors (1:37 Min.)
    • Blair Witch 2 (1:17 Min.)
  • Highlight im Internet (0:37 Min.)
Nami hat von ihrem kürzlich verstorbenen Vater dessen Grundstück auf dem Land geerbt. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Kohei sucht sie das alte Haus auf, mit dem sie nur noch wenige, aber dafür unheimliche Kindheitserinnerungen verbindet. Auf den Spuren des Künstlers entdecken sie mit Hilfe ihrer Freunde, die das Geschehen zu Hause am PC mitverfolgen, geheime Räume und stoßen dabei auf ein altes Babyfoto, welches Nami zusammen mit ihrer bis dato unbekannten Schwester Naomi zeigt. Doch dies ist nicht die einzige grausige Entdeckung der zwei Spieledesigner, die hier nur etwas Ruhe und Inspiration suchten. Eine eine Flucht von diesem Ort scheint unmöglich und sie sind nicht allein hier!
Wollt ihr euch mal wieder von einem asiatischen Grusler so richtig die wohlige Gänsekombi überziehen lassen? Wenn ja, dann stellt den Rotwein bereit, regelt die Stereoanlage laut auf, das Licht aus und werft diesen Film ein! Aber seid euch dabei bewusst, dass der oft kopierte "Ringu"-Stil hier nur im Ansatz steckt und sich gewisse Zweifel beim konservativen Publikum einstellen könnten, ob die Stilistik die Passende für den eigenen Geschmack ist. Denn "St. John's Wort" präsentiert sich in einer schrillen Neonreklame-Optik voller Farbverfremdungen, die krank und beunruhigend wirkt. Das soll nicht zwangsläufig "hip" sein, auch wenn man sich in einigen Szenen durch die starke Einbindung von Computertechnik an eine Mischung aus "Alone in the Dark" und dem genialen Psychoadventure "Sanitarium" erinnert fühlt. So tragen wüste Visionen, zu schnell um sie eindeutig zu identifizieren, Morphingeffekte und ein ein paar Mal eingebrachtes "Resident Evil" ähnliches Benutzerinterface im Film zu einer Computerspiel ähnliche Stimmung bei, die aber doch den Hauptteil der Handlung in der klassischen "Haunted House"-Thematik sieht.
Die Hintergrundgeschichte, die auf den ungeklärten familiären Verhältnissen von Nami basiert, ist sicherlich noch ausbaufähig, aber die Stimmung, die vermittelt wird, ist in ihrer Intensität vielen Horrorfilmen weit voraus. Da bleibt von der anfänglichen Farbfreude nicht viel hängen, wenn das Pärchen auf Erkundungstour durch das dunkle Haus schleicht, Zimmer für Zimmer abgeht und hinter jeder Tür der nächste Schreckmoment lauern könnte. Das "Pulver des Grauens" wird nicht zu schnell verschossen, soviel darf ich verraten, man soll sich ja schließlich nicht zu voreilig in gewohnheitsbedingter Abstumpfung sicher fühlen. Dienlich erweist sich da der aus "Blair Witch Project" eingeschränkte Blickwinkel durch die Linse einer Handkamera und die spärliche Ausleuchtung der Sets. Und im Nacken der Zwei sitzt stets der voyeuristische Blickwinkel einer ganzen Armee von Überwachungskameras, die durch eine unbekannte Person bedient wird und dem Zuschauer vermittelt, dass die zwei Hauptcharaktere im abgelegenen Haus nicht allein sind. Das unterstreicht die Entdeckung der Existenz von Namis Zwillingsschwester Naomi, welche den Nervenkitzel nochmals anheizen dürfte. Der ist sowieso schon recht hoch, den jedem sollte klar sein, dass Namis Papi, ein bedeutender Künstler, der sich mit dem Zeichnen von düsteren Horrorportraits einen Namen machte, nun wirklich kein gemütlicher Zeitgenosse gewesen ist und eine Geschichte verbirgt, die grausam und schockierend ist, auch wenn sie nur ansatzweise im Film dargestellt wird. Und das fast völlig blutleer, aber wer braucht das schon, wenn die Leiche im Keller eine viel morbidere Stimmung zaubert als es 3 Eimer Kuhgedärme in der Lage wären. So sind es grade einmal zwei Szenen, an denen sich das ungewöhnte Auge stoßen könnte, zum Invertieren des Mageninhalts reicht es aber nicht, auch wenn eine davon stark an Fulcis "Eine Leiche hing am Glockenseil" erinnert.
Wenn der Streifen so stimmig ist, wieso dann nicht die volle Punktzahl, könnte man sich fragen. Antwort: Er ist es nicht durchgängig! Denn "St. Johns Wort" hapert es sowohl an der konsequenten Fortführung von Details wie auch einem starken Ende. Von denen werden zwar gleich zwei Stück angeboten, der eigentliche Umschwung dazwischen reißt aber die grad eben aufgebaute Atmosphäre in den Keller, um schnell noch was vermeintlich Besseres dranzuhängen. Das hätte man sich schenken können und stattdessen lieber ein paar offene Fragen beantworten, die in der Handlung untergehen. Z.B. wird nur kurz zu Beginn des Filmes die Bedeutung des englischen Begriffs "St. Johns Wort" erklärt, welches sich als das Heilgewächs und Antidepressivum Johanniskraut erweist und wohl auch für "Rache" steht. Warum aber gerade dieses Kraut auf jedem der Bilder von Namis Vater zu sehen ist, wird nicht erläutert. Genauso wie die Identität der "beweglichen" Leiche (mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern) oder die des Hausmeisters.

Durch den starken Einsatz von Bild- und Farbfiltern ist es natürlich schwierig, ein Urteil von der Bildqualität dieser DVD abzugeben. Trotzdem hinterlässt das per Digitaltechnik aufgenommene Material einen guten Eindruck und wirkt bei verfremdeten Bildern meist sehr farbfreudig. Man muss aber gleich sagen, dass mehrere unterschiedliche Kameratypen simuliert werden, die mit sehr unterschiedlicher Qualität aufwarten. Die s/w-Überwachungskameras beispielsweise produzieren ein sehr körniges, verrauschtes Bild mit einem stark überstrahlenden Kontrast. Der Camcorder lässt deutlich horizontale Streifen und einige Blöcke (nicht durch die Kompression der DVD sondern durch die DV-Aufnahme) erkennen und ist stets wackelig. Eine schlechte Bildqualität bleibt aber hier aus. Jetzt zu den Mankos, die wahrscheinlich nicht zum Film, sondern zur DVD gehören: Das Bild zieht in Bewegungen ein wenig nach, was zu einem unscharfen Eindruck führt. Außerdem sind auch die normalen Kameraeinstellungen zu weich. Über den Kontrast lässt sich auch nur schwer eine Aussage machen. Ein grauer Effekt lässt sich zwar an einigen Stellen ausmachen, aber genau dort wirkt es beispielsweise durch die komplette Umstellung der Farbgebung nicht wie ein Defizit, sondern mehr wie ein beabsichtigter Effekt. "St. John's Wort" spielt sich aber zum großen Teil in dunklen Szenen ab, die so düster sind, dass eine Detailzeichnung nur an wenigen Stellen zugelassen wird. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Bild nachhaltig abgedunkelt wurde, um die düstere Stimmung zu verstärken. Trotzdem ein guter Gesamteindruck, bei dem auch die Kompression mitspielt - nur selten sind Artefakte zu sehen.
Einen starken Soundtrack hat diese DVD zu bieten, der sich bestens in die jeweiligen Schockmomente einfügt. In den ersten Minuten wird der Zuschauer tonal geflutet und in einen kraftvollen Effektfilm eingeführt, der die hinteren Lautsprecher nutzt und fordert. Dabei gefallen die wirren Soundkreationen, die sich von sphärischen Klängen über dämonische Störsignale erstrecken. Auch wenn es immer wieder Passagen gibt, die nur von leisen Umgebungsgeräuschen oder den klar verständlichen Dialogen (in der Synchro etwas zu laut) getragen werden, ist das tolle Sounddesign stets bemüht, interessante Soundinformationen (oft im Effektbereich) einzufügen. Und wenn es mal etwas ruhiger wird, dann knallt es eben beim nächsten Donnerschlag umso mehr, denn der Bass hat ein sehr gutes Volumen.

Makel sind durchaus feststellbar, beispielsweise in der teils zum Schreien dämlichen Schauspielleistung der Nebendarsteller, aber "St. Johns Wort" erreicht seine Vorgabe, einen atmosphärisch dichten Grusler mit wenig Aufwand und Kosten zu inszenieren, der sich trotz Computerspiel ähnlicher Einsprengel und durch einen hohen Gänsehautfaktor einen guten Platz in der "Ringu und Konsorten"-Sparte sichern kann. Bild und Ton dieser DVD von Highlight sind deutlich besser, als ich erwartet hatte, natürlich unter Beachtung der qualitativ recht unterschiedlichen Aufnahmetechniken. Nur im Bereich Bonusmaterial hapert es gewaltig, denn außer Trailern ist nichts interessantes vertreten.


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus------


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