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IT 1966
Originaltitel:Africa Addio
Alternativtitel:Africa - Blood and Guts
aka. Afrika Addio
aka. Farewell Africa
aka. Addio Onkel Tom
Länge:132:26 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Gualtiero Jacopetti, Franco E. Prosperi
Buch:Franco E. Prosperi, Gualtiero Jacopetti
Kamera:Antonio Climati
SFX:Riz Ortolani
Darsteller:Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi, Sergio Rossi, Ian Yule
Vertrieb:X-Rated
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 2..0 Mono
Sprache:Deutsch
Untertitel:-
Verpackung:Hartbox
DVD-Start:30.11.2002 (Kauf)
Specials:
  • Trailer (1:13 Min.)
  • Deutscher Kinoanfang (1:22 Min.)
  • Deutsches Kinoende (1:33 Min.)
Diese in Venedig, Berlin und Cannes ausgezeichnete Dokumentation gehört neben Interner Link"Mondo Cane" zu der Mutter aller Mondofilme. Die Italiener Prosperi und Jacopetti waren drei Jahre lang in Afrika unterwegs, um mit bombastischen Bildern dem Zuschauer das "sterbende" und zugleich "neue" Afrika zu präsentieren. Neben dem wunderschönen Soundtrack von Riz Ortolani wurde hier mit perfekter Kameraführung ein Film für die damalige Leinwand geschaffen, der seinesgleichen sucht. Politische Missstände, Rassenhass, Hinrichtung, Wilderei und Krieg werden kritisch hinterleuchtet und sachlich dokumentiert. Obwohl einige Bilder dieses Filmes sicher nichts für schwache Nerven sind, stellen sie letztendlich nur die Wahrheit dar, denn nichts ist härter als die Realität ...
"Africa Addio" zeigt einen Kontinent im Umbruch und dokumentiert auf einzigartig wertvolle Weise die Dekolonisation Afrikas ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die in den Jahren 1963/64 entstandenen Bilder zeigen ausgebeutete Staaten, welche sich selbst überlassen wurden und nun Nährboden bieten für Korruption, menschenverachtende Diktatoren und allgemeine politische Instabilität, von der Armut mal ganz zu schweigen. Jahre bevor zahllose Bürgerkriege (welche zum Zeitpunkt der Dreharbeiten aber schon im Gange waren) und natürlich der AIDS-Virus die afrikanischen Staaten und damit die Bevölkerung noch weiter schwächen sollten, inszenierte Gualtiero Jacopetti gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Franco Prosperi den Höhepunkt eines ganzen Genres und zugleich auch einen ihrer besten Filme.



Auf den ersten Blick wirkt "Africa Addio" kaum wie ein Mondo, vielmehr wie eine seriöse Dokumentation welche aufgrund der optischen Qualitäten in Verbindung mit brisanter Themenaufbereitung schon fast oscarverdächtig erscheint. Nicht nur die monumentalen Bilder sind exzellent eingefangen, auch der Score (natürlich wieder von Altmeister Riz Ortolani) bietet niveauvolle Klänge. All die Tragik und die Hoffnungslosigkeit finden musikalischen Ausdruck, genauso wie die chaotische Atmosphäre zu jener Zeit. Wie schon in Interner Link"Mondo Cane" und später auch in Interner Link"Addio Onkel Tom" trifft Ortolani stets den richtigen Ton um die entfesselte Optik zu untermalen. Für den Schnitt und damit auch für die Montage des Filmmaterials waren Jacopetti und Prosperi selbst zuständig und haben ganze Arbeit geleistet: Anders als Interner Link"Mondo Cane 1" & 2 oder auch "Alle Frauen dieser Welt" wirkt dieser Film nicht so beliebig zusammengestellt, der äußere Rahmen hat deutlich mehr Struktur. So verkommen die Bilder nicht zur zusammenhanglosen Collage sondern vermitteln dem Zuschauer auch heute noch, über vierzig Jahre nach der Entstehung, ein adäquates Portrait der ausweglosen Situation des Kontinentes.



Es gilt weitgehend als unbestritten, dass Jacopetti und der Rest der Crew in einigen Szenen fragwürdig vorgingen. So sind beispielsweise Hinrichtungs-Szenen und wohl auch einige Jagd-Szenen vom Filmteam "ästhetisch" mitgestaltet worden - unter diesem Aspekt betrachtet wirkt "Africa Addio" extrem verwerflich, sogar vor Gericht musste sich Jacopetti verantworten.
Über zehn Jahre später sollte Ruggero Deadato in seinem Meisterwerk Interner Link"Cannibal Holocaust" einen überspitzten Kommentar liefern, das reale Filmteam von "Africa Addio" bildet das Vorbild für das rücksichtlose Team in Deodatos Kannibalenstreifen. Wie auch immer, Fakes verwenden die Filmemacher keine, Straftaten wurden auch niemandem nachgewiesen und letztlich ist im fertigen Film proportional zur Gesamtlänge nur sehr wenig explizites Material enthalten. Auch der ansonsten so typische Voyeurismus fehlt fast gänzlich.



Mit Interner Link"Addio Onkel Tom" überwand Jacopetti schließlich das Genre der Dokumentation, respektive des Mondos. Die pessimistische Atmosphäre in "Africa Addio" setzt einen markanten Schlusspunkt über die Berichterstattung Jacopettis und sich anschließend der Geschichte der Sklaverei zu widmen erscheint nur konsequent. Mit ihren einzigartigen Konzepten und der ausnehmend hohen Qualität ergänzen sich die beiden Afrika-Filme äußerst stimmig, anschließend sollte der berüchtigte Regisseur nur noch den gänzlich vom dokumentarischen Genre fremden Interner Link"Mondo Candido" drehen. Wer mehr über Afrika sehen möchte und ungern auf Sleaze verzichtet, dem rate ich zu den Mondos von Alfredo und Angelo Castiglioni, die sich in all ihren Werken dem schwarzen Kontinent widmeten und wesentlich drastischere Bilder verwerteten als Jacopetti und Prosperi.


Den Kommentar spricht der Maestro natürlich selbst, schließlich stammt auch der Text aus seiner Feder. Giftig, zynisch und ganz und gar nicht verharmlosend spricht Jacopetti relativ trocken und ohne Humor. Die fast dreijährigen Dreharbeiten waren strapaziös und wären ohne das satte Budget kaum möglich gewesen. Etliche Reisen und viel Recherche waren nötig um den vorliegenden Film in seine Form zu bringen und dem bitteren Thema zumindest annähernd gerecht zu werden. Angelo Rizzoli ließ als Produzent den Filmemachern völlig freie Hand und vertraute anscheinend komplett auf das Endprodukt, immerhin arbeitete Rizzoli schon erfolgreich mit Frederico Fellini zusammen und genoss einen guten Ruf.


Die vorliegende, auf 1000 Stück limitierte und handnummerierte X-Rated-Hartbox aus dem Jahre 2002 kann unter heutigen Gesichtspunkten nicht mehr empfohlen werden. Es ist gar verwunderlich, dass es bisher keine verbesserte Neuauflage gab, schließlich existiert mittlerweile von Blue Underground eine technisch ausgereiftere Veröffentlichungen. Das Letterbox-Bild in 2,35:1 ist in allen Belangen mangelhaft. Schärfe ist nicht vorhanden und es gibt immer wieder starke Blockbildung und Kompressionsartefakte zu sehen. Die Farben wirken ausgewaschen und blass, der Kontrast fällt deutlich zu dunkel aus und lässt in dunklen Bildbereichen die letzten Details absaufen. Defekte und Verschmutzungen bleiben nicht aus, halten sich jedoch in Grenzen.
Beim Ton lässt sich auch nichts mehr schönreden, denn die Stimmen zischen sehr deutlich, klingen dumpf, sind aber dennoch recht ordentlich zu verstehen. Zudem gibt es hörbares Rauschen in unterschiedlicher Intensität und in lauteren Sequenzen ist ein deutliches Brummen und Verzerren der Musik zu hören. Den Originalton gibt es nicht und als Bonus enthält die Disc nur noch den originalen Kinotrailer und den alten deutschen Vor- und Abspann.


Mit einer Shockumentary hat "Africa Addio" nicht viel zu tun. Allein die fragwürdigen Methoden hinter der Kamera und der explizite Tier-Snuff kategorisieren den Film noch als Mondo. In Anbetracht dessen sollte man aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, denn jedes Werk Jacopettis ist etwas Besonderes und hat eine genauere Betrachtung verdient.
Die veralterte X-Rated-DVD kann nach heutigen Kriterien nicht mehr empfohlen werden. Die Fassung läuft zwar 30 Minuten länger als die damalige Kinoversion, aber von der auf dem Cover angegeben "Restaurierung" kann keine Rede sein. Die Hartbox trägt die Nummer 55, ist nur noch über Tauschbörsen zu bekommen und kann nur Label-Sammlern ans Herz gelegt werden.


Film+++++-
Bild+/----
Ton+/----
Bonus/-----


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