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IT, USA 1984
Originaltitel:Once Upon a Time in America
Alternativtitel:C'era una volta in America
aka. Était une fois en Amérique, Il
Länge:219:48 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Sergio Leone
Buch:Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, nach einem Buch von Harry Grey
Kamera:Tonino Delli Colli
Musik:Ennio Morricone
Darsteller:Robert DeNiro, James Woods, Elizabeth McGovern, Tuesday Weld, William Forsythe, James Hayden, Amy Ryder, Larry Rapp, Treat Williams, Joe Pesci, Burt Young, Danny Aiello, Darlanna Fluegel
Vertrieb:Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
- Audiokommentar
- Once Upon A Time: Sergio Leone (19:34 min)
- Fotogalerie (96 Bilder)
- Trailer (2:33 min)
Nach 35 Jahren kehrt Noodles nach Brooklyn zurück, dem Ort, an dem seine Unterweltkarriere mit seinen Freunden Max, Cockeye und Patsy begann. Bereits als Jugendliche machten die vier die Straßen unsicher und erarbeiteten sich mit gewieften Einfällen und kleineren Gaunereien ein passables Sümmchen Geld und hohen Respekt. Eine seltsame Einladung führt ihn zurück in die Stadt, die er vor vielen Jahren überstürzt verlassen musste, kurz nachdem seine Freunde starben. Hier hofft er auch seine einstige Liebe wiederzufinden und die Vergangenheit zu bewältigen zu können.
Ein Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit, nach der verlorenen Zeit.

Das ist die Essenz aus Sergio Leones Epos "Es war einmal in Amerika...", einem der wohl melancholischsten, authentischsten und epochalsten Gangsterfilme, die je gedreht worden sind. Leones Beinahe-Vier-Stunden-Werk ist trotz seiner vielen ruhigen und traurig-stillen Phasen ein monumentales Filmerlebnis, das in Plotkonstruktion und Figurenzeichnung Meisterschaft erwirbt.

Im Zentrum der Handlung steht ein Geschäftsbündnis von fünf Jugendlichen, die ein Mord und eine Gefängnisstrafe kurz vor 1920 auseinanderreißt. 12 Jahre später kommt die Hauptfigur David, genannt Noodles in die Arme seiner Freunde zurück, die sich dank Prohibition, Schmuggel und Gewalt zu kleinen Bossen hochgearbeitet haben. Sie bleiben erfolgreich im Geschäft, doch der Ehrgeiz von Max treibt sie auf ein riskantes Unternehmen zu, das Noodles der Polizei verrät. Seine Freunde sterben, er muss aus der Stadt New York fliehen. 35 Jahre später kehrt Noodles auf eine seltsame Einladung hin nach New York zurück und beginnt, eine Vergangenheit aufzurollen, die doch ganz anders ist, als er immer geglaubt hat. Diese Story, angesiedelt zwischen Mannwerdung und Untergang im Alter, wird derart effektiv verschachtelt präsentiert, dass man sich arg zusammenreißen muss, um nicht den Faden zu verlieren. Der Film geht von einer Vergeltungsaktion zahlreicher Killer aus und führt zu Noodles Flucht, würfelt aber hier zum ewig langen, schrillen Läuten eines Telefons die Erzählzeit durcheinander, denn der Telefonanruf ist der Knackpunkt in der Beziehung zwischen Noodles und Max. Noodles begeht Verrat, wie er glaubt und wird doch am Ende einsehen, dass er nur Figur in einem Spiel gewesen ist. Die Herkunft der Killer, verkohlte Leichen auf einer regennassen Straße, de Niro in einer Opiumhölle, alles Bilder, die er Film erst in einen schlüssigen Kontext bringen muss. Doch bevor er das tut, führt er seine Hauptfigur aus der Handlung hinaus und 35 Jahre später mit einem neuen Zeitsprung wieder hinein, um dann in der Erinnerung 50 Jahre zurückzugehen und mit dem Kennenlernen und den Jugendabenteuern zu beginnen.

Die Hauptmerkmale des Films sind die des Verlustes, der Täuschung und der Erinnerungen. Dabei bilden Noodles (de Niro) und Max (James Woods) gegensätzliche Pole. Max ist der ehrgeizige Aufsteiger, der ganz nach oben und gleichzeitig sauber werden will, über Leichen gehend, aktiv, Schranken überwindend. Dabei sind ihm notfalls auch Freunde kein Hindernis. Noodles dagegen fühlt sich der Freundschaft und dem Bündnis der Jugend verpflichtet. Er ist kein Ehrgeizling, sondern bleibt immer der Mann von der Straße, der aus der Vergangenheit nicht loskommt. Seine Schwärmerei für die Tochter eines Restaurantbesitzers (Jennifer Connelly in ihrer ersten Rolle) bleibt auf ewig der Distanz geopfert. Ihr schauspielerischer Ehrgeiz führt sie in die Welt hinaus, die Noodles nicht betreten will, selbst gehemmt durch seine Herkunft und seine beschränkte Bildung. Auf Max charaktergemäße Kampfansagen und Gefechtsaufforderungen reagiert Noodles mit stoischer Zurückhaltung, immer seinen Ehrenkodex im Kopf, nicht bemerkend, dass sich die alten Freunde auseinander leben. Das betrifft auch sein Verhältnis zu der von ihm verehrten Deborah, die um 1930 zwar honorieren kann, dass er etwas aus sich gemacht hat, aber durchschaut, dass er innendrin derselbe geblieben ist. Zwangsläufig wandert sie in Richtung Hollywood ab, was Noodles zu einem verzweifelten Vergewaltigungsversuch provoziert, weil er seine Liebe nicht halten und nicht ausdrücken kann.
Das chronologisch letzte Drittel des Films, das etwa 1968 spielt, zeigt, dass Noodles sich nie verändert hat. Er ist der einzige authentische Charakter geblieben, ungeachtet der Tatsache, ob das nun gut oder schlecht ist. Darüber erfahren wir auch nichts, denn Noodles Vergangenheit wird nur angedeutet, er scheint ein einsamer Mann zu sein. Doch wie sich langsam aber sicher herausschält, sind auch die anderen gescheitert, auf die eine oder andere Weise, doch das erfüllt Noodles nicht mit Genugtuung, denn mit jeder Enthüllung zerbricht das Fragment der Erinnerung mehr und mehr, wird der Verrat an Noodles immer kompletter. Ohne erkennbare Bitternis oder andere Gefühle bleibt er jedoch der Stoiker und lässt die Menschen, an denen sein Leben einmal hing, zurück, in ihrer Schuld und Angst, schließt mit der Vergangenheit ab und bewahrt sich so zumindest noch die Erinnerungen an eine glücklichere Zeit, die in weiter Ferne liegt. Die letzte Einstellung sieht den erwachsenen Noodles im Opiumrausch nach seinem Verrat das erste (und vermutlich auch letzte) Mal glücklich lächelnd.
Dieses Opus in absoluter Tragik und Bitterkeit inszeniert Leone, als ginge es um sein Leben. Das Herzblut pulst wirklich durch jede Szene und alle Zeitebenen haben ihren ganz eigenen Reiz. Weil die Beziehung der Freunde dabei aber der treibende Motor ist, ist die Gangsterstory dabei lediglich das nötige Rüstzeug, aber nicht der Kern der Handlung, die wertneutral und niemals moralisierend wirkt. Das ist wichtig, denn besonders liebgewinnen kann man die Charaktere nicht, die sich in typischer Männerfreundschaft den Frauen mehr als Objekte widmen, als schmückendes Beiwerk oder Mittel zum Sex. So ist der Film auch überraschend direkt in jeder Beziehung, ohne es visuell zu übertreiben. Neben der wirklich erschütternden versuchten Vergewaltigung, die beinahe körperlich schmerzt, gibt es noch eine weitere (aber vom Opfer wohl offenbar gewünschte) während eines Überfalls. Nicht gerade ein Frauenbild, das Feministinnen lieben werden, aber dem Genre entsprechend. Auch in punkto Gewalt bleibt der Film roh und realistisch, inszeniert Erschießungen und Mordanschläge mit Wucht und Direktheit, immer mit dem nötigen Quentchen Gnadenlosigkeit.
Viel stärker berührend bleibt jedoch die melancholische Grundstimmung, der Ennio Morricone mit dem wohl besten Score seit Jahren vertont, dass man sich einen Klumpen in der Magengrube kaum verkneifen kann, wohl allem, wenn gegen Ende (es ist die Endzeit für die Vergangenheitserinnerungen) es Schlag auf Schlag kommt. Zwei Szenen sind dabei hinreißend gelungen: in der einen zu Beginn verlässt Noodles New York durch eine Bahnhofstür, auf der für Coney Island geworben wird, die Kamera blickt auf das Fenster in der Tür und plötzlich erscheint er dort wieder, 35 Jahre älter und tritt durch dieselbe Tür zurück, auf der Wand plötzlich ein großer Apfel (Big Apple), während passend dazu "Yesterday" ngestimmt wird. Auch in der zweiten geht es um das Öffnen einer Tür, nämlich die der Künstlergarderobe seiner Angebeteten, die die schlimmste Wahrheit von allen für ihn bereit hält, eine Gänsehautszene ziemlich am Ende.
Zum Schluss zieht der Film lediglich das Fazit, dass es keine Gewinner gibt in dieser Geschichte von Freundschaft und Verrat, alle verlieren. Dem Zuschauer bleibt es jedoch überlassen zu entscheiden, wer mehr verloren hat, die Figuren aus der Vergangenheit, die das Leben teilweise vertan und einen Freund verloren haben oder Noodles selbst, der scheinbar als Lebensinhalt und Halt nur seine Erinnerungen an glücklichere Zeiten bewahrt hatte und nun mit der Desillusionierung fertig werden muss. Die Frage, ob er das schafft, verschwindet wie Noodles selbst im Dunkel der Nacht, unbeantwortet auch von der letzten Einstellung, die nur Eingeständnis seiner Niederlage ist.

Eine DVD-Auswertung, auf die die deutsche Fangemeinde sicherlich lange gewartet hat. Da stellt man natürlich hohe Ansprüche an Bild und Ton. Warner hat sich sichtlich Mühe gegeben, dass Material für diese Veröffentlichung aufzuwerten. Die Anzahl der auftretenden Bildfehler ist durchaus vertretbar und gegenüber der TV-Version ein wirklicher Genuss. Ähnlich verhält es sich bei der Schärfe, die zwar in den Details nicht an aktuelle Produktionen herankommt, aber alles in den Schatten stellt, was ich bisher von diesem Film gesehen habe. Es gibt natürlich einige Aussetzer, die mit etwas stärkerer Unschärfe auffallen, beispielsweise die Szene, in der Noodles im Jahr 1968 mit dem Geldkoffer in der Hand unter den Gleisen entlangläuft oder das Wiedersehen von Fat Moe und Noodles. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass einige Stellen hier besser abgeschnitten hätten. Ein leichtes Rauschen fällt im Hintergrund auf, aber auch hier gibt es keinen Grund zur Klage, da es zu feingliedrig ist und fast nicht auffällt, zumindest nicht auf einer 32"-Röhre. Farblich wirkt der Film altbacken und bietet jede Menge dunkle, braune Töne, die sehr gut zum schmuddligen Straßen- und Gangsterlook passen, besonders die Kindheitsepoche wird dadurch geprägt. Natürlich gibt es hin und wieder auch starke Rot- (meist in Form von Blut) oder Grüntöne zu sehen (vor allem in der letzten der 3 Epochen), daher kann man nicht davon sprechen, dass die Farbgebung altersbedingt ist. Das einzige Manko wird beim Kontrast deutlich. "Es war einmal in Amerika" hat sehr viele düstere Szenen mit großen Schattenanteilen zu bieten, die dem Kontrast sehr viel abverlangen. Einige dieser Szenen wirken aber leicht milchig, beispielsweise die Erschießung von Noodles Frau zu Beginn, kurz bevor sie den Lichtschalter betätigt. Insgesamt ein dem Alter entsprechend gutes Bild mit Abstrichen in Schärfe und Kontrast, für das ich gern 4 Punkte mit Aufwärtstendenz vergebe.
Sowohl englischer als auch deutscher Ton befinden sich in Dolby Digital 5.1 auf DVD. Gewöhnungsbedürftig ist die neue deutsche Synchronisation, die für diese DVD angefertigt wurde, schlecht ist sie aber keinesfalls. Wünschenswert wäre es gewesen, die alte Version ebenfalls vorzufinden, genügend Platz bietet die DVD zumindest. Von Raumklang kann man keineswegs sprechen, denn trotz guter Qualität spielt sich bei beiden Tonversionen fast alles nur auf dem Frontbereich ab. Das Einzige, was aus dem Monoton herausgeholt wurde, ist der Score, der sich ab und zu auf den hinteren Lautsprechern verteilt, aber auch da nur sehr zurückhaltend ertönt. Der englische Ton ist ein wenig undefinierter in den Höhen, bietet aber ebenfalls gut verständliche, rauschfreie Dialoge.
Diese Special Edition verteilt den Film auf 2 DVDs. Nach knapp 2 Stunden muss die zweite DVD eingelegt werden, die sofort ohne lästigen Vorspann mit Logos und Menus startet. Ein Schnitt direkt nach dem Bankraub oder auf der 2.DVD vor der Einschüchterung des Gewerkschaftlers hätte besser gepasst. Was aber wirklich stört, ist der ca. 15 sekündige Stopp auf der 2. DVD bei in der 40. Minute, der die damalige Kinopause markiert. Hier hat Warner einfach geschlafen. Die Extras sind nicht gerade massig vertreten, aber alle anamorph umgesetzt und sehr interessant. Auf der zweiten DVD befindet sich neben dem Trailer eine Bildergalerie mit fast 100 Fotos vom Dreh, sowie ein knapp 20minütiges, deutsch untertiteltes Special über Sergio Leone und seine Arbeit am Set, die in Form von Interviews einiger Darsteller und Mitarbeiter präsentiert wird und sehr aufschlussreich, aber leider viel zu kurz geraten ist. Fans des Filmes möchte ich unbedingt den sehr informativen Audiokommentar vorstellen, der vom amerikanischen Filmkritiker Richard Schickel erarbeitet wurde. Es ist eine Freude, ihm bei seiner 220 Minuten langen Marathon-Abhandlung über den Film, Leone und seine anderen Werke zuzuhören, die nicht zwar fachlichen Inhalt hat, aber nicht zu trocken erscheint, auch wenn man ankreiden muss, dass dieses Feature NICHT deutsch untertitelt wurde und daher für viele Zuschauer keinen Nutzen hat. Geliefert werden die Scheiben im optisch aufreizenden Edel-Digipack, welches in einem Pappschuber steckt. Fast 20 Jahre lang war dieses Meisterwerk nur für Erwachsene erhältlich, für diese Veröffentlichung lies Warner den Film neu prüfen und auf eine Freigabe ab 16 Jahren herabstufen.

"Es war einmal in Amerika" ist die Apotheose des Gangsterfilms und das Referenzwerk, an dem auch Scorsese mit seinen "Gangs of New York" nicht vorbeigekommen ist. Wer aber die kunstvoll-künstlichen Sets bei "Gangs" gesehen hat und sie mit den Lagerhallenbauten im Schatten der Brooklynbridge in "Es war..." vergleicht, wird wissen, warum. Die Geschichte einer Stadt kann man nicht so einfach auf Film bannen, aber die Geschichte von Menschen schon. Und näher an echten Charakteren in einer total fiktiven Handlung kann man nach Leones Werk kaum noch kommen. Die DVD wird dem Film beim Bonusmaterial und Ton leider nicht völlig gerecht, ein gutes überarbeitetes Bild, eine schöne Verpackung und ein Preis unter 20 Euro sollten aber den Kaufanreiz für einen der besten Filme aller Zeiten erhöhen, dem leider nie der kommerzielle Erfolg gegönnt war, den er verdient gehabt hätte.


Film++++++
Bild++++--
Ton+++---
Bonus+++---


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Es war einmal in Amerika (Teil 1)
Es war einmal in Amerika (Teil 2)
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