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D 1992-98
Originaltitel:Captain Cosmotic
Länge:90 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Thilo Gosejohann
Buch:Thilo Gosejohann, Jan Hendrik Meyer
Kamera:Thilo & Simon Gosejohann, Dirk Krupke, Andre N
Musik:T. Gosejohann, J.H. Meyer, Uwe Sabirowsky, Thumb
SFX:Dirk Deitermann, Simon & Thilo Gosejohann, J.H. Me
Darsteller:Jan Hendrik Meyer, Catrin Hansmerten, Simon Gosejohann, Wolfgang Butzlaff, Alexander Clarke, Dirk Deitermann, Sonja Poppen, Oliver Piper, Andre Müller, Michaela Frerk, Hannes
Vertrieb:Troma / One World
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Stereo)
Sprache:Deutsch
Untertitel:-
Specials:
Film-DVD:
  • Neverhorst-Report (33:36 Min.)
  • Trailer (2:14 Min.)
  • Hidden Feature
Bonus-DVD:
  • Das Neverhorst-Kurzfilmfestival
    • Brennpunkt Neverhorst (5:53 Min.)
    • Notruf! - Patrick Peter braucht Verstärkung (6:13 Min.)
    • Gosezilla (0:42 Min.)
    • Zwei wie Katz und Köter (28:17 Min.)
  • American Showdown 7 Trailer (1:57 Min.)
  • Die Fantasy-Filmfest-Rolle
    • Ingo Jownes und die schlimme Mumie (Director's Cut) (14:41 Min.)
    • Ingo Jownes und die schlimme Mumie (Fantasy-Filmfest-Remix) (3:17 Min.)
    • Asien-Showdown (7:18 Min.)
    • LUNA(R)TIC (3:27 Min.)
  • Bundesstart! - Die CC-Premiere (17:12 Min.)
  • Captain Cosmotic bei "Kamikaze" (15:48 Min.)
  • Ein Andenken (in memorium Dirk Deitermann) (10:40 min)
Der fiese Berator vom Planeten Karloff versucht seinen Nachbarplaneten Lugosi zu erobern und braucht aus diesem Grund viel Energie, die er mit Hilfe von vier ruchlosen Bösewichtern durch das Absaugen des Erdkerns gewinnen möchte. Doch der Planet Lugosi schickt einen Abgesandten zur Erde, der dem Handelsvertreter Dieter Parker fortan Supermächte und eine Wunden heilende Waffe schenkt. Ein neuter Held ist geboren: CAPTAIN COSMOTIC. Unterdessen kommen die fiesen Supertrottel ebenfalls auf der Erde an und machen sogleich einen bedeutenden Fehler: beim Versuch die Bohrstelle für den Absaugvorgang zu besetzen, kommt ihnen die von ihren Mann mishandelte Hausfrau Dietlind in die Quere. Aber der Schuss aus der Rex Guilty's Strahlenkanone bewirkt nicht ihren Tod, sondern den Aufstieg zum Superhelden. Fortan kämpft POWERBITCH an der Seite von Captain Cosmotic gegen das Böse. Doch der Versuch, die Welt vor den Mächten des Berators zu retten, wird nicht leicht sein...
Wo "Neverhorst Company" drauf steht, da ist auf jeden Fall Spaß drin. Aber dass die ambitionierten Hobbyfilmer rund um Gebrüder Gosejohann ein derart deftiges und wegweisendes Werk abliefern würden, daran hätte bei Produktionsbeginn 1993 niemand geglaubt. Ausgerüstet mit einem Budget von gerade einmal 1800 DM (welches sich natürlich erst über die gesamte Drehzeit in diese "Höhe" schraubte) und damit teuerster Film der Neverhorst'ler bis zu jenem Zeitpunkt, wird uns eine liebevolle Science Fiction-Parodie geboten, die bewusst die Trashelemten der Marvel-Comics und Heldenverfilmungen bis zur Oberkante stapelt und daraus einen rasanten und amüsanten Actionmix braut.
Schon die Story ist so plakativ, wie es nur irgendwie möglich ist. Dass soll aber kein Vorwurf an den Schreiberling sein, denn bei der Unterscheidung zwischen Gut und Böse soll schließlich niemand ins Grübeln verfallen oder gar nach Motivation oder Herkunft der Charaktere fragen. Als Dieter Parker/Captain Cosmotic begeistert zudem noch Jan Hendrik Meyer, seines Zeichens Musiker bei der gütersloher Kult-Band Thumb. Was die Herren um Klaus Grabke musikalisch an Crossover bieten, setzt Meyer darstellerisch gnadenlos in seiner Hauptrolle um: Eine geniale Mischung aus verschiedensten Stilen mit chaotischen Kultfaktor, der seinesgleichen sucht. Mit den abgedrehtesten Kostümideen und Namen wie Gordon Rogers, Rex Guilty, Dr.Darm oder Dr.Oekter steht der Erde eine Invasion der ganz besonderen Art bevor, denn unsere Bösewichter sind genauso trottelig, wie ihr Outfit schrill ist. Besonders Catrin Hansmerten als heroische Powerbitch weckt permanent Gefühle, danach die beliebten 0190er Hausfrauen-Hotlines anzurufen, in der Hoffnung, einen ebenbürtigen rheinländischen Racheengel zu erreichen. Ganz klar, hier geht ne Menge Party ab, die teilweise in chaotisch "fabskeresken" Zügen mündet und den geneigten Zuschauer kräftig was auf die Magengrube hämmert.
Passend dazu wird auch die Realität im ersten Drittel des Films richtig schön überzeichnet und die gängigen Klischees des Wandels vom Bückling zum Superhelden genutzt, um gleich eins klar zu stellen: Ernst gemeint ist hier rein gar nichts. Die Laiendarsteller, die fast alle schon in anderen Neverhorst-Kleinproduktionen zu sehen waren, durften alle Dialoge nach einer groben Handlungsvorgabe frei improvisieren und hatten dabei sichtlich Spaß.
Da mit einfachen Mitteln gearbeitet wurde, ist es auch nicht so schlimm, dass die Effekte oft leicht enttarnt werden können. Sie erfüllen auf jeden Fall sehr gut ihren Zweck und wenn mal ein Kopf abgeschossen wird oder eine Fiesling mit abgetrennten Unterkörper und aufgerissenen Brustkorb beteuert, dass doch alles nicht so schlimm ist, wie es aussieht, dann gröhlt das Publikum. Beachtlich sind auf jeden Fall die Fähigkeiten der Crew in Sachen Kameraführung, Schnitt und Soundeffekte. Wo andere Amateurfilme kläglich daran scheitern, den Sichtwinkel oder die Einstellung zu variieren und damit Abwechslungs in die Optik bringen könnten, werden bei "Captain Cosmotic" diese Chancen nicht verschenkt, auch wenn man bei den Zooms schon mal die Schärfe verliert - halb so schlimm. Die Schnittechnik bringt die nötige Action rein, denn gerade bei den Kampfszenen rund um die Autoverfolgung, die natürlich der Sicherheit wegen (echte Stuntman standen ja nicht zur Verfügung) mit stehenden Fahrzeugen abgedreht wurden, ist eine täuschende und rasante Einstellungsfolge wichtig.

Die Bildqualität dieser Doppel-DVD kann kaum mit großen Produktionen mithalten und bewegt sich unterhalb des VHS-Niveaus. Kein Wunder, denn es wurde auf Heimfilm-Equipment wie Hi 8, VHS, S-VHS oder sogar Super 8 (einige kurze Action-Szenen gegen Ende des Films gedreht). Das Bild ist also meist etwas ausgeblichen, mit einem mäßigen Kontrast und Schärfe versehen und weist oft ein deutliches Bildrauschen durch das grobkörnige, unreine Bildmaterial auf. Hinzu kommt ab und zu ein Auslaufen der Farben an den unsauberen Kanten. Also insgesamt kein Sehvergnügen, zum Anschauen reicht es aber.
Der Ton wurde mit allerlei Effekten professionell nachbearbeitet. Durch die nicht nachsynchronisierten Dialoge kann es aber zu leichten Verständlichkeitsschwierigkeiten kommen, besonders der Berator zu Anfang des Films nuschelt seine zugegeben sehr coolen Sprüche undeutlich und durch den natürlichen Halleffekt des Gebäudes wird die Akustik noch ein wenig mehr eingeschränkt. Die Soundeffekte und die Musik ist da sehr viel klarer und feiner, decken aber meist nur die mittleren Frequenzen ab.

Troma spendierte dem Film im Rahmen der "Greenhorn Edition", einer Reihe für deutsche Amateurfilme, welches es leider nie sehr weit geschafft hat, eine Veröffentlichung als Doppel-DVD mit einer Unmenge an Bonusmaterialien. Gleichzeitig erschien der Film als Einzel-DVD ohne die ungeprüfte Bonus-DVD, welche wahrscheinlich nur aus Kostengründen ungeprüft geblieben ist, schließlich sind in den Extras kaum blutigere Stellen zu finden als im FSK12 freigegebenen Hauptfilm. Auf der Film-DVD befinden sich neben dem fetzigen Trailer der "Neverhorst-Report", der in gewohnter Form lockerleicht anmoderiert von Thilo und Simon jede Menge Outtakes, Deleted Scenes und Interviews (gut, sagen wir eher freundschaftliche Gespräche) mit einigen der Darsteller enthält. Wer noch nicht genug hat, kann sich den tontechnisch schlechten, aber amüsanten Audiokommentar mit einigen der Schauspieler und dem Regisseur anhören.
Die Bonus-DVD ist voll mit Filmchen und Specials rund um das Filmunternehmen aus Niehorst. Im "Neverhorst-Kurzfilmfestival" finden wir mit "Brennpunkt Neverhorst" und dem Nachfolger "Notruf!" zwei Polizei- und Prügel-Kurzfilme mit heftigen Kokseinsatz gegen Ende. "Gosezilla" ist eine Stop-Motion-Hommage an das asiatische Großraumungeheuer und "Zwei wie Katz und Köter" eine etwas ernstere sozialkritisch beäugende Erzählung à la "Die Glücksritter". Die "Fantasy-Filmfest-Rolle" enthält den gelungenen Preisgewinner "Ingo Jownes und die schlimme Mumie". Harisson Ford darf einpacken, denn die 15 dargebotenen Minuten enthalten alles das, was man an einem Indiana Jones-Teil so liebt: Abenteuer, dunkle Gewölbe, Schlangen, nerviges Nazipack und ein Peitschen schwingender Indy...äh - Ingo. Der Fantasy-Filmfest-Remix zeigt den Film noch einmal in einer auf 3 Minuten gekürzten Version, die zwar die gesamte Action bietet, aber dadurch leider auch völlig zusammenhangslos wird. Der Der "Asien-Showdown" entspricht genau der Art asiatisch stilistischer Showdown, wie es der Titel verspricht. Ganz so fein sind die Actionsequenzen zwar nicht, aber das Auslassen jeglicher Dialoge und das coole Gepose (mit Sonnenbrille versteht sich) riecht schwer nach Woo'schen Vorbildern. Einen gelungenen Abschluss bietet die s/w-Batman/Horror-Parodie "LUNA(R)TIC", deren Machart (wieder ohne einen einzigen Wortwechsel) und die Soundeffekte eine wahrliche unheimliche Atmosphäre zaubern, die mit einem herrlichen Auflösung aufwartet. Unbedingt anschauen! Desweiteren enthält die Bonus-DVD ein kurzes Special zur Premierenfeier, eine Aufzeichnung der damaligen VIVA2-Sendung Kamikaze (wie immer mit einem dekadenten, respektlosen Nils Ruf), bei der "Captain Cosmotic" Anfang 2000 als 26teilige Serie über den Kanal flimmerte, und ein Gedenkvideo an den verstorbenen Special Effects-Mann und Dr.Oekter-Darsteller Dirk Deitermann.

Das besondere an "Captain Cosmotic" ist für mich die charmante Umsetzung des Stoffes ohne jegliche Mittel, die trotzdem schöne Kulissen erlaubten und die lockere Atmosphäre des Teams beim Dreh durchblicken lassen. Bestens geeignet als Partyfilm oder um sich mal wieder die monatliche Trash-Ration zu geben und die vielen Filmzitate und Anspielungen zu erraten. Die Doppel-DVD bietet ein für DVD-Verhältnisse schlechtes Bild (sehr knappe 2 Punkte) und Ton, wer sich aber des öfteren mit Amateurfilmen die Zeit vertreibt, wird diese Mankos gerne übersehen, sich am quantitativ wie inhaltlich qualitativ hochwertigen Bonusmaterial laben und darf einen der schönsten Amateurstreifen der Filmgeschichte genießen.


Film+++++-
Bild++----
Ton++----
Bonus+++++-


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Captain Cosmotic
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