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D 2003
Originaltitel:Good Bye Lenin!
Länge:117 Minuten (ungeküzt)
Freigabe:ab 6 Jahre
Regie:Wolfgang Becker
Buch:Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker
Kamera:Martin Kukula
Musik:Yann Tiersen
Darsteller:Alexander Beyer, Daniel Bruehl, Michael Gwisdek, Chulpan Khamatova, Burghart Klaussner, Florian Lukas, Katrin Sass, Maria Simon, Jürgen Vogel
Vertrieb:Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch
Specials:
- Audiokommentare von Wolfgang Becker
-Audiokommentare von Daniel Brühl, Katron Sass und Florian Lukas
- Mini Making of
- Teaser
- Trailer
- Biografien
- Filmografien
- Zeittafel der Ereignisse
- Untertitel
- Audioscription für Blinde

Über INTER/KOSNODUS anwählbar:
- Making of Dokumentation
- Hintergrundinfos
- Kurioses vom Dreh
- Outtakes
- nicht verwendete Szenen
- Überraschendes
Ost-Berlin. Sommer 1990: Audi und Mercedes rollen in den Osten. Deutschland steht vor der Wiedervereinigung. Freie Marktwirtschaft. Alex Kerner, gerade 21, muss der Geschichte Einhalt gebieten. Seine alleinerziehende Mutter, Christiane, eine verdiente Aktivistin der Deutschen Demokratischen Republik und Gorbatschow-Anhängerin, fällt kurz vor dem Mauerfall in ein hoffnungsloses Koma und wacht für alle überraschend 8 Monate später wieder auf. Die historischen Veränderungen hat sie regelrecht verschlafen. Und da jede Aufregung für sie lebensbedrohlich sein kann, lässt Alex auf 79qm Plattenbau den real existierenden Sozialismus wieder auferstehen. Was anfänglich noch leicht fällt, wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Die Veränderungen draußen sind nicht mehr aufzuhalten. Doch wie soll er der Mutter den veränderten Blick aus dem Fenster mitsamt dem brandneuen Coca-Cola Plakat erklären? Alex muss improvisieren und so erfindet er eine ganz andere Version der Ereignisse.
Es liegt keine Bedienungsanleitung für den Film "Goodbye Lenin" bei und das ist gut so, wenn es auch nicht zufriedenstellend erklären kann, was den Erfolg des Films denn nun ausgemacht hat. Einer herrschenden Ostalgiewelle kann man wohl kaum den Erfolg zuschreiben, denn weder entblößen, noch verklärt, noch veralbert Wolfgang Beckers Film den "wilden Osten", wie man ihn rückblickend gerne betrachtet. Er glorifiziert ihn nicht, er beachtet auch nicht seine Nachteile, seine negativen Seiten und sein zeitweise unmenschliches System. Und er ist auch kein nostalgischer Rückblick auf den Wendeherbst und den Sommer der Einheit, wie es so viele Leute gerne verkaufen möchten.
Nostalgische Gefühle mögen aufkommen bei der Ansicht, aber das als Hauptanliegen dem Film als Schärpe umzuhängen, hieße, ihm einen Teil seiner Identität zu rauben. Wenn dieses Prädikat jedoch einige Millionen dazu gebracht hat, ihn im Kino zu sehen, dann soll mir das recht sein. Was Beckers Film jedoch ist und wo sein Wert liegt, das ist eine andere Geschichte.
Aus meiner Sicht ist "Goodbye, Lenin" eher eine Geschichte über den Identitätsverlust, der hier gezeigten Filmfamilie im allgemeinen und der einer ganzen Nation im besonderen, der durch den Mauerfall ausgelöst wurde. Alle Werte, Maximen und Systeme lösten sich binnen weniger Monate oder sogar Wochen durch die Öffnung nach Westen auf, ein Staat zerfiel gründlich und die Frage, ob alle damit glücklich waren, braucht da gar nicht mehr erst gestellt werden. Womit nicht behauptet werden soll, der Film wäre einheitsfeindlich oder eben ostalgisch-verklärt, eher schwingt in ihm eine unbestimmbare, aber sehr starke Wehmut über eine Zeitspanne, die nun schon ein Jahrzehnt her ist, mit. Folgerichtig ist das Werk aber mit einem Humor durchsetzt, der abseits von den Absurditäten der Hauptstory, die darin bestehen, einer Mutter eine falsche Realität vorzugaukeln, der gehörigen Biss und Sarkasmus in sich vereint.
Daniel Brühls zeitgeschichtliche Kommentare klingen zwar zärtlich-resignativ, sind aber im Tenor verblüffend ätzend, weniger ironisch als angedacht und beschrieben. Den kollektiven Einheitsschub des Volkes schiebt der Film visuell sowohl der D-Mark als auch dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft zu, der Abwanderungsdrang ist mehr als einmal Gegenstand heftiger Vorwürfe und die Entscheidung der Schwester, ihr Studium zu schmeißen und bei Burger King zu arbeiten, kann sich kaum noch tiefer fressen, als Säure das möglich wäre. Aber verkauft wird es ironisch-tragisch gebrochen, so dass es in Verbindung mit dem verblüffend lakonischen Ton der Scheinspiels für die Mutter dem Zuschauer erlaubt, über das Gesehene zu lachen, allerdings in einem komplizenhaften Ton, der nicht befreiend wirkt, sondern einen leichten Nachgeschmack hinterlässt.
Becker widmet sich in seinem Skript einer Gruppe von Menschen, die ihren Platz im Leben verlieren, weil sich das Leben um sie ändert, während sie versuchen, eine Imitation desselben um sich wieder aufzubauen. Das Gefühl, dass nicht alles wieder gut ist bzw. alles wieder gut wird, ist dabei so stark, daß die Gewißheit, dass es früher vielleicht auch ganz gut war, wohl der Grund sein muss, dass alle so dauerhaft bei der Charade mitmachen. Die Darstellerleistungen sind dabei durchweg brilliant, angeführt von Brühl, der genau den richtigen Grat zwischen Resignation, Aufbruchstimmung und Selbstfindung beschreitet, um den Film zu tragen. Die Beiläufigkeit, mit der die absurdesten Episoden des Illusionsspiels in die Story eingearbeitet werden, ohne je die Figuren zu erdrücken, bewahren das Gesamtwerk vor dem Absturz in Sarkasmus oder Zynismus, sondern bewegen den Zuschauer dazu, selbst für sich 10 Jahre rückwärts zu schauen und seine eigenen Gefühle neu zu bewerten.
Getragen von einem auf den Punkt komponierten ungewöhnlichen Soundtrack geht der Film durch sämtliche Stimmungslagen, ohne je komplett in eine zu kippen und die Sequenz, in der die wieder etwas fittere Mutter unbemerkt aus dem Bett aufsteht und durch die Straßen läuft, bis ihr ein eine Leninstatue abtransportierender Hubschrauber begegnet, ist die Essenz des Films. So wird die Charade nie zuende geführt, sondern bis zum Tod der Mutter durchgehalten, eine stille und doch aufregende Episode aus einer Zeit, als ein Deutschland starb und ein neues Zuwachs bekam, als Menschen den Wind-of-Change um die Ohren bekamen, ob sie wollten oder nicht. Es ist unglaublich, wie viele Menschen glücklich waren, bevor sie gesagt bekamen, dass sie es nicht sein sollten. Und es ist gar nicht so unmöglich, dass man auch in diesem Fall ein neues Glück finden kann. Es dauert nur manchmal etwas länger.
"Goodbye, Lenin" ist ein deutscher Ausnahmefilm, der nichts auf Teufel komm raus beschwört, der Klischees auslässt und eine warmherzig und witzige Geschichte über Menschen aus Deutschland erzählt. In perfekter Balance.

Das Bild der mittlerweile 12. DVD der im Vertrieb von Warner Bros erschienen X-Verleih DVDs kann leider nicht so recht überzeugen. Zwar darf man viele bildtechnischen Mängel als Stilmittel des Regisseurs ansehen, jedoch fällt hier das extrem starke Rauschen auf, was sich durch den ganzen Film hinweg zieht und das Bild deutlich an Schärfe raubt. Das viel zu grobkörnige Bild zeigt deutliche Schwächen in der Detailschärfe und selbst der Kontrast ist nie optimal ausgefallen. Teilweise zu hell und mit blassen sowie kraftlosen Farben ausgestattet kann man dies wohl am ehesten als Stilmittel ansehen um die Atmosphäre hervorzuheben. Durch den Einsatz von "Archivmaterial" um den Film realer wirken zu lassen, fällt das Bild an einige Stellen noch einmal deutlich ab, was aber zu verkraften ist. Trotzdem unverständlich wie ein so neuer Film einen so schlechten Transfer erfahren konnte. Auch die Kompressionen sind nicht immer perfekt und auch viele Verschmutzungen machen sich hier bemerkbar.
Im Gegensatz zum Bild kann der Ton durchweg überzeugen. Zwar dürfen wir hier kein Effektgewitter erwarten, jedoch bekommen wir hier ein vorbildliche Sprachverständlichkeit, sowie eine saubere und räumliche Klangkulisse geboten. Wenn die Effektlautsprecher einmal zum Einsatz kommen, dann stets sinnvoll und anhand vom Musik Score oder diversen Umgebungsgeräuschen. Löblich neben dem 5.1-Ton ist noch eine Dolby Surroundspur für Sehbehinderte, in der eine Sprecherin wie in einem Hörspiel die einzelnen Szene dokumentiert.
Auf den ersten Blick wirkt das Bonusmaterial wie ein schlechter Witz und uns wird hier gerade mal ein Teaser, ein Trailer, ein Mini-Making of, eine Textafel der Ereignisse von 1889-1990 und 16 Biografien von Cast und Crew präsentiert. Die Trailer geben dem Film eine vollkommen andere Note und lassen ihn wie eine reine Komödie wirken, was er nun einmal nicht ist. Das Mini-Making of macht seinen Namen alle Ehre und geht gerade einmal 1:28 Minuten und zeigt uns nichts wirklich interessantes. Das beste am Bonusmaterial ist die "Inter/Kosmodus"-Option, mit der man sich während des Films Making Of-Dokumentationen, Outtakes, Textinfos, gekürzte Szenen etc. einblenden lassen kann. Schade nur, dass diese Dinge nicht separat anwählbar sind. Ebenfalls interessant sind die beiden Audiokommentare, einmal mit Wolfang Becker, dem Regisseur, und ein zweiter mit den Schauspielern Daniel Brühl, Katrin Sass und Florian Lukas. Trotzdem mehr als 3 Punkte kann man hier nicht geben, aber Warner hat ja schon eine 2DVD-Special Edition für Ende 2003 angekündigt. Spitze für die Fans, die sich die normale DVD schon jetzt gekauft haben. Aber das schöne ist, man wird nicht gezwungen eine Neuauflage zu kaufen. Und wenn das jetzt Schule macht mit den recht schlechten Erstauflagen (siehe "Matrix Reloaded") dann sollte man sich nicht wundern, wenn die DVD-Fans demnächst komplett warten, bevor sie sich eine mittelmäßige DVD-Umsetzung antun.

"Good Bye Lenin" ist wirklich ein besonderer Film, jedoch dank seiner recht lieblosen DVD-Umsetzung und der Tatsache, dass man bald eine Neuauflage aufgetischt bekommt, bleibt das Fazit eindeutig: Finger weg!


Film+++++-
Bild+++---
Ton+++++-
Bonus+++---


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