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USA 1997
Originaltitel:U Turn
Alternativtitel:U-Turn - Tödliche Wendung
aka. U Turn - Ici commence l'enfer
Länge:119:24 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Oliver Stone
Buch:John Ridley
Kamera:Robert Richardson
Musik:Ennio Morricone
SFX:Mark Henderscheid, Ken Speed
Darsteller:Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Billy Bob Thornton, Powers Booth, Claire Danes, Joaquin Phoenix, Jon Voight
Vertrieb:Columbia
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
- 4seitiger Kapiteleinleger
- 14 Untertitel
- Trailer
- 5 Filmografien
Der Kleinganove Bobby Cooper (Sean Penn) ist unterwegs durch die Wüste. Im Handgepäck hat er 13000 Dollar, die er einem üblen Geldhai schuldet. Zwei Finger hat er bereits verloren, weil er mit der Zahlung im Verzug ist und grad jetzt strandet er auf dem Weg nach Las Vegas in einem Kleinstadtnest namens Superior, weil sein Wagen einen Kühlerschaden hat. Seine Bekanntschaft mit der hübschen Grace (Jennifer Lopez) verläuft unglücklich, als ihr erzürnter Ehemann Jake plötzlich auftaucht und ihm eine Abreibung verpasst. Aber auch Jake ist erzürnt über das Verhalten von Grace' Untreue und bietet Bobby an, sie für ihn zu ermorden. Gefangen am Ende der Welt, ausgebeutet vom Mechaniker Darrell (Billy Bob Thornton) und von einem Unglück ins nächste laufend, ist Bobby hin- und hergerissen vom lockenden Geld für diesen Auftrag und Grace' Anziehungskraft.
Mmmh, Oliver Stone inszeniert wieder. Und zwar mal unpolitisch. Back to the Roots und die lauten Verliererstudie, Tarantino-Anleihen, Coen-Charaktere, Blut and Guts, Sex und Hitze. Ist es eine Strapaze? Hey, es ist Oliver Stone! Ist es gut? Nicht für mich, aber immerhin ist es nicht schlecht...

Das ist schon ein furioser Bilderrausch, den Stone da wieder auf die Zuschauer loslässt. Ja, das Stakkato von "Natural Born Killers" liegt hinter ihm, aber die schön verfremdeten Bilder lassen ihn nicht los. Also rein in die Weite Arizonas, wo das Wüstenkaff "Superior" liegt, ironischerweise laufen da gegensätzlich zum Namen nur Leute rum, die man sonst nirgendwo haben wollte. Und da gerät unser Bobby Cooper alias Sean Penn hinein, wie in eine Mausefalle, aus der er einfach nicht wieder rauskommen wird. Es ist wie ein ganz böser und extrem heißer Fiebertraum und genauso ist das alles inszeniert: die Kamera schwankt, man leidet vor Hitze glatt mit, immer wieder unterbrochen von raschen und scheinbar sinnlosen Zwischenschnitten, die im Nachhinein noch einen Sinn geben sollen. Und Penn schreitet das Panoptikum der schrägen Typen, die die Hölle ausgespuckt zu haben scheint, ab, torkelnd, ein Geschlagener, ein Niemand, dessen Leben schon keinen Pfifferling mehr wert ist und der es nun noch schlechter trifft.
Das uneingeschränkte Kompliment gilt der Charakterschöpfung. Das ist wirklich zum Schießen, was Penn da alles in den Weg läuft. La Lopez als Wildkatze und Nolte als Großmaul und ihr Ehemann und Missbräuchling, die jeder für sich Penn zum Mord am jeweils anderen anstiften wollen. Jon Voigt als weggeknallter indianischer und scheinbar blinder Vietnamveteran. Powers Boothe als misstrauischer Sheriff, Billy Bob Thornton als grenzdegenerierter Mechaniker, den man erst nach dem dritten Hinschauen identifziert, Joaquin Phoenix als tumber Schläger um die Ehre und Claire Danes als gutgelaunte Dorfschlampe. Ironisch-schräg und erntefrisch, so dass das Lachen im Hals steckenbleibt, ein Feuerwerk an Überraschungen.
Doch so unterhaltsam die Charaktere rüberkommen, so wenig aussagekräftig ist die Handlung, so strapaziös ist es, dem Hexenkessel zu folgen. Denn Stone inszeniert nach Leibeskräften, ohne recht zu zeigen, worauf er hinauswill, außer auf einen Blick in die Hölle. Zwar ist Penn in ungeheurer Spiellaune (und geradezu sympathisch, was für ihn eine Herkulesarbeitet bedeutet), aber nach gut 90 Minuten ist die Geduld dann doch verbraucht und der Film geht noch eine Weile weiter. Mit der Zeit nervt es einfach, Penn als lebenden Pingpongball zu sehen, der ständig unglaubliches Pech hat und an Leib und Leben ständig gefährdet ist. Er kommt nicht voran, er kommt nicht hinaus, sein Geld wird weniger und so sicher, wie seine Ausweglosigkeit ist, so sehnlich warten wir auf eine Pointe, die nie kommt.
Die Figuren unter sich, sind zwar miteinander verwoben, doch der Strang rund um die geplante Ermordung von Nolte und Lopez wird immer wieder aufgegriffen und fallengelassen, es gibt keine Steigerung und daraus resultiert auch keine Spannung, die das hier zu einem würdigen "Schwarze-Serie"-Nachfolger hätte machen können. Stets wartet Stone, zögert hinaus, wirft einen Blick woanders hin, bis jeglicher Suspense wieder abgestorben ist. Und was am Schlimmsten ist: Penn explodiert einfach nicht.
Man hätte diese Tour de Force wirklich gut ertragen, wenn das Ende einiges an knifflig-blutigen Überraschungen parat gehabt hätte, doch Bobby Cooper kommt keinen Schritt voran, agiert nie und kommt auch kaum zum Reagieren. Bis zur letzten Minute bleibt er in der Defensive und so gibt es keinen Aufgalopp, dem man so richtig zuschauen mag. Ein paar Tote gibt's dann doch noch zum guten Schluss, aber da ist die Geduld schon mit den Pferden durchgegangen und die Frage, warum man sich durch diese Studie der Frustration quält, überdeckt die Ironie der hübschen Schlusspointe mit vier Leichen in der Wüste.

So kann der Film doch nicht verhehlen, dass er zwar schön schwarze Figuren hat, mit ihnen aber nichts anzufangen weiß. Boothe taucht auf und verschwindet wieder, ehe der Plot ihn am Ende aktiv werden lässt, ohne dass es eine Grundlage dazu gegeben hätte. Danes und Phoenix sind nett als die Dorftrottel im Eifersuchtswalzer, tragen aber nichts zur Handlung bei. Und warum Penn am Ende Thornton nicht wenigstens als ausgleichende Gerechtigkeit umlegt, wird auch nicht beantwortet. Und die Bedrohung durch die Russen, die ihre Schulden eintreiben wollen, versandet auch mittendrin ohne Folgen.
Ergo weiß der Zuschauer gar nicht, warum er sich das alles antut, wenn für ihn am Ende nichts Zählbares herausspringt. Für schwarzen Humor gibt's zwar Bestnoten, weswegen Liebhaber schrägen Humors "U-Turn" abfeiern dürften, der Rest der Welt kam aber kaum über die meterhohe Nerv-Schwelle, weswegen das alles in einem Flop resultierte, der wegen des niedrigen Budgets aber human ausfiel.

Bei den Extras hatte man anscheinend keine Lust, Material herauszukramen und auf DVD zu pressen. Enthalten sind nur englische Kinotrailer und 5 Kurzfilmografien, die von einem Teil der Crew nur einen Teil des Schaffens zeigt. Beschämend und nur den einen Gnadenpunkt wert!
Auffällig an der Qualität des Bildes sind zwei Dinge: die vielen Bilddefekte, die für meinen Geschmack zu häufig auftreten, und das die gesamte Bildfläche überziehende, feinkörnige Bildrauschen, das vor allem im Hintergrund einer guten DVD unwürdig ist. Schärfe und Kontrast bewegen sich auf gutem Niveau und zum visuell hohen Niveau des Film gesellen sich satte, warme Farben mit einem starken Anteil an Brauntönen, so dass die Qualität insgesamt gut ist.
Der deutsche Ton hört sich bei den Stimmen sehr gut an für eine Synchronisation, der englische Ton hat hier einige Male mit hallenden oder dumpfen Dialogen zu kämpfen, ist aber auf Grund des passendener Outback Slangs der Charaktere, der dieses Wüstenfiasko authentischer als die Synchronisation wiedergibt, meine erste Wahl. Der Effektbereich verhält sich kläglich leise und nur zu selten gibt es Umgebungsgeräusche oder die Musik über die Rear Speaker zu hören. Insgesamt ist der Dolby Digital 5.1-Ton im Original wie auch in der Synchronisation sehr centerlastig und bietet nur gelegentlich Surroundeffekte in Form von Unterstützung des Musiktracks oder vorsichtigen Tönen wie das Zirpen in der Wüste.

Man konnte Stone mal anklagen, "JFK" hätte zuviel Inhalt, um ihn als Spielfilm zu rechtfertigen. "U-Turn" hat zu wenig davon und was er hat, ist auch noch schlecht strukturiert. Aber vielleicht reichen manchen ja auch die intensiven Bilder. Für Normalsterbliche bitte nur ein Durchlauf. Die DVD von Columbia TriStar bleibt in allen Bereichen hinter meinen Erwartung zurück, was jedoch nicht bedeutet, die Bild- und Ton-Qualität wäre schlecht. Keineswegs, nur hätte ich mir hier eine hochwertigeres Bild und einen Ton gewünscht, der die den Surroundanteil besser hervorbringt.


Film+++---
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+-----


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