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USA, UK 1998
Originaltitel:Ronin
Länge:121:12 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:R-Rated (USA) / 14A (Kanada)
Regie:John Frankenheimer
Buch:J.D. Zeik, Richard Weisz
Kamera:Robert Fraisse
Musik:Elia Cmiral
Darsteller:Robert DeNiro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgard, Sean Bean, Michael Lonsdale, Skipp Sudduth, Jonathan Pryce, Katarina Witt
Vertrieb:MGM
Norm:NTSC
Regionalcode:1
Bildformat:Seite A - 1.33:1, Seite B - 2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Englisch, Französisch
Specials:
- 8seitiges Booklet
- englische und französische Untertitel
- Audiokommentar von J. Frankenheimer
- Alternatives Ende
- Hidden Feature
- DVD-ROM-Teil
Der kalte Krieg ist längst vorbei - so scheint es, aber das Machtgerangel wird unterhalb der politischen Ebene weiter ausgetragen. Ehemalige Söldner und Geheimagenten bieten ihre Fähigkeiten jedem Preis, der sie gut genug dafür bezahlt. Unter ihnen befinden sich Sam (Robert DeNiro), Vincent (Jean Reno), Gregor (Stellan Skarsgard), Spence (Sean Bean) und Larry (Skipp Sudduth), die für die Erledigung eines keiklen Auftrags angeheuert wurden: die Beschaffung eines Aktenkoffers, über dessen Inhalt die Agenten genauso wenig wissen, wie über ihre Arbeitgeber. Ein intrigantes Unterfangen beginnt, das mit explosiven Verfolgungsjagden durch die engen Gassen von Nizza und Paris und dem anschließenden Raubüberfall auf den Kofferträger sowie seine ebenso gut ausgebildeten Beschützer längst nicht abgeschlossen zu sein scheint...
Amerikanisches Suspense- und Actionkino der alten Schule. Altmeister John Frankenheimer ("French Connection") gedenkt endlich seiner Qualitäten als Regisseur wieder und serviert seinem Publikum hier einen Retro-Film erster Güte, der schon mit seinem veralterten Sujet hausieren ging, noch ehe seine Qualitäten einem breiten Publikum zugänglich wurden.
Tatsächlich ist "Ronin" eben kein Actionfilm im eigentlichen Sinne, obwohl er einige gutinszenierte Actionsequenzen aufweisen kann und ferner ein paar schön rasante, altmodisch aufgemachte und deswegen sympathisch realistische Autoverfolgungsjagden bietet. Eigentlich ist der Film in der Struktur eher ein Hitchcock, auch wenn der romantische Subplot hier etwas zu kurz kommt. Frankenheimer arbeitet wie der Suspensemeister hier nämlich mit einem MacGuffin (der Aufhänger, der die Geschichte ins Rollen bringt und ständig im Gespräch bleibt, obwohl er selbst vollkommen unwichtig ist), dem Koffer, dem alle Agenten und Söldner hinterherjagen. Tatsächlich ist der MacGuffin reinsten Wassers, denn weder wird je erklärt, was sich in ihm befindet, noch erfährt es (außer de Niro und der schweigt) eine der Filmfiguren. Trotzdem dreht sich alles Tun und Handeln um dieses Gepäckstück.
Der Rest ist atmosphärisch geschickter Standard vom Feinsten. Eine zur Besorgung engagierte Söldnertruppe, die den Koffer seinen Besitzern abnehmen soll, bevor die ihn an die Russen verkaufen. Einer der Söldner ist ein Fake, ein anderer wird zum Verräter und alsbald wird die Jagd auf den Koffer zum blutigen Getümmel, wenn jeder jeden bekriegt.

Frankenheimer mischt ruhige, beinahe stille Bilder seiner mysteriösen, wortkargen Protagonisten, die sich langsam kennenlernen mit den hitzigen Actionsequenzen, an denen sich der Film gegen Ende mehr und mehr entlanghangelt. Charakter werden hier nicht einfach präsentiert, sondern der Zuschauer muss sich selbst ein Bild aus den wenigen Hinweisen, die die Protagonisten geben, zusammenbasteln. Dabei werden de Niro und Reno bald zu den Sympathiefiguren, obwohl sie eigentlich nichts tun, was das unterstützen würde, außer ihren Auftrag zu erledigen und sich nicht betrügen lassen. Was die Autoverfolgungen und Feuergefechte angeht, so sind sie virtuos inszeniert. Die finale Autojagd (als Geisterfahrer über eine Autobahn) ist sogar ein wenig zu viel des Guten und strapaziert in ihrer Endlosigkeit die Geduld der Zuschauer. Die sparsam, aber effektiv eingesetzten Feuergefechte schneiden, trotz dass sie weniger Presse bekamen, da besser ab, vor allem die Hetzjagd im Stadion/Colloseum von Arles ist ein rasanter Filmhappen.
Für Filmfreunde viel interessanter ist das suspensereiche Zusammenspiel der Charaktere, die sich gegenseitig vorsichtig beschnuppern, abschätzen und austesten, ohne je dem anderen ganz zu vertrauen. Obwohl die Szenen völlig ruhig inszeniert sind, liegt hier die inhaltliche und spannungstechnische Schwere der Produktion, besonders in der Waffenkaufsequenz, die ein kleines Meisterwerk an Spannungsaufbau ist, ehe sie zu einem explosiven Schluss kommt. Schauspielerisch ein Ensemble-Pic, fokussiert sich der Film mit der Zeit mehr und mehr aufde Niro (wortkarg) und Reno (noch wortkarger), die bald ein Team bilden, dass in Freundschaft enden könnte. Aber auch sonst macht die knackige Besetzung einiges her. Wunderbar wie immer Stellan Skarsgard, der hier den skrupellosen Deutschen Gregor gibt, wie auch Michael Lonsdale und Jonathan Pryce (beide wie Sean Bean Ex-Bond-Bösewichter), die ein doppeltes Spiel treiben. Sean Bean hat nur einen vergleichsweise kurzen Auftritt, kann aber mal mit ein paar neuen Charakterzügen aufwarten.

Natürlich trägt der Film dem heutigen Modegeschmack nicht Rechnung, wirkt aber in seiner Retro-Konsequenz wie ein freundlicher Lichtblick im Action-Bombast-Allerlei und erzählt darüber hinaus noch eine abwechslungsreiche Geschichte, ohne sich per Staraufgebot auf bekannte Gesichter zu stützen. Das ist großartiges Kino, kein Meisterwerk, aber doch ein Klassefilm, der nahezu keine Schwächen kennt, was die Wahl seiner Mittel betrifft. Definitives Pflichtprogramm für Filmfreunde.

Auf dieser US-DVD befinden sich jeweils auf einer Seite die um Filminformationen beschnittenePan&Scan-Vollbildversion und die anamorphe Breitbildvariante in 2.35:1. Ob man beide Versionen braucht, ist streitbar, dern Heimkinogenießer wird sich sowieso nur die Widescreen-Variante zu Gemüte führen und die technisch ebenfalls ausgereifte Seite A meiden. Beide haben ein scharfes Bild zu bieten, das nur an den Kanten ein wenig detaillierter ausfallen könnte. Das Hintergrundrauschen ist fast unkenntlich und nur in ein paar Sequenzen deutlich zu sehen. Trotz des recht düsteren Bildes werden keine Details im Dunkeln verschluckt und die Kompression hat auch keinerlei Probleme bei kontrastreichen Bildern, so dass Artefakte nicht auftreten. Die Farben wirken sehr real und mögen manchen durch die vielen Blau- und Grautöne etwas bleich und kühl erscheinen, was aber der gelegentliche Einsatz von kräftigen, schimmernden Elementen widerlegen dürfte. Zwar insgesamt kein perfekter Eindruck, dafür aber ein solides Sehr gut.
Die DVD bietet eine räumliche Soundkulisse, die sich vor den ganz großen Actionproduktionen nicht verstecken muss. Der Ton ist sehr detailliert und hat auch abseits der furiosen Verfolgungs- und Kampfeinlagen einige interessante Effekte zu bieten, die nicht ausschließlich auf die kräftig ertönende Musikuntermalung zurückzuführen sind. Leider wird gerade bei der Vertonung der Motorengeräusche potenzielles Mittendrin-Feeling verschenkt und auch im Dialogbereich gibt es kleinere Schnitzer, wo die Stimmen plötzlich etwas dumpf und verzerrt über die Centerbox erklingen (vergleich hierfür das erste Missionsbriefing in der alten Lagerhalle). Der französische 5.1 Track hat in diesem Bereich keine Probleme. Beide haben trotzdem ein sehr dynamisches, kraftvolles und warmes Klangbild.
Das beiliegende Booklet bietet diesmal nicht nur kurze Informationen zur Kapitelwahl (für diese Information braucht niemand ein bedrucktes Stück Papier), sondern viele interessante Hintergrundinformationen zum Film zwischen einigen Setshots. Die richtige Würdigung bekommt "Ronin" aber erst durch den Audiokommentar seines Regisseurs John Frankenheimer, der auf eine sehr ruhige Weise viele interessante Gedanken zur Entstehung des Films darbietet, so z.B. die Tatsache, dass die Schauspieler während der Verfolgungsjagden und Close-Ups im Auto saßen und nicht nur vor einem Blue Screen abgefilmt wurden. Dieses Feature ist eine wirkliche Bereicherung für den Film und nicht nur eine sinnlose Aneinanderreihung von öden Dreherlebnissen, wie man sie löeider oft bei Audiokommentaren findet. Dazu kommt noch ein alternatives Ende in seiner unbearbeiteten Fassung und die Hidden Features, die es zu finden gibt.

Wer Bond und Konsorten schon längst als zu abgebrüht und überzeichnet empfindet und endlich mal wieder auf eine actionreiche und intelligente Söldnerhatz Lust hat, die sich über das Niveau der Genrekollegen abhebt und dabei auf althergebrachte, aber bewährte Unterhaltung Wert legt, der sei herzlich zu dieser gelungenen RC1-DVD aus dem Haus MGM eingeladen, die im technischen Bereich sehr gut abschneidet und auch einige Bonusmaterialien enthält.


Film+++++-
Bild+++++-
Ton+++++-
Bonus++----


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Ronin
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