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USA 1999
Originaltitel:Third Miracle, The
Länge:113 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Agnieszka Holland
Buch:John Romano, Richard Vetere
Kamera:Jerzy Zielinski
Musik:Jan A.P. Kaczmarek
SFX:Dawn Rivard
Darsteller:Ed Harris, Anne Heche, Barbara Sukowa, Armin Müller-Stahl, Caterina Scorsone
Vertrieb:Planet Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu, Eng), Dolby Digital 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
- 6teilige Trailershow
- 3 Filmo- und Biografien
- Bildergalerie (20 Bilder)
Father Frank Shore ist ein Postulator - eine Person, die sich im Auftrag der Kirche um die Aufarbeitung von beantragten Heiligensprechung kümmert. Nicht jeder Fall erweist sich tatsächlich als wahres Wunder, doch sein neuester Fall um eine Blut weinende Statue stellt Frank auf eine harte Probe. Dieser Vorgang wiederholt sich zu jedem Todestag der gutmütigen Nonne Helen O'Reagan. Das Blut hat heilende Wirkung und nun muss der sonst skeptische Frank feststellen, dass mehr Wahrheit hinter der Sache steckt als ihm lieb ist. Der an seinem Glauben zweifelnde Priester versucht alles in seiner Macht stehende, um den Ausschuss von der Heiligkeit seines Falls zu überzeugen. Doch die Liebe zu Helens Tochter Roxanne und der konservative Erzbischof Werner scheinen dieses Vorhaben zum Scheitern zu bringen ...
Der Anfang hinterließ einen recht zwiespältigen Eindruck bei mir. Nach einem herzerweichenden, dramatischen Rückblick in die Kriegs gepeinigte Slowakei des Jahres 1944, bei der zwischen all dem Trubel und dem Chaos ein kleines Mädchen für das Überleben von mehreren hundert Menschen sorgt, springt die Handlung zurück nach Chicago im Jahre 1978.
Die Einleitung wusste zu packen und plötzlich steht man vor einigen abgekaterten Dialogen, die auf mich den Eindruck einer Rekruteneinweisung machen. Aber glücklicherweise fängt sich das die Sache noch mal und "Das dritte Wunder" pegelt sich auf eine spannende Geschichte ein, die ich anfangs auf Grund der Rückblicke und Namen ein wenig verwirrend fand, von der man aber später nicht genug bekommen kann. Besonders gegen Ende, bei der der Clinch zwischen dem Erzbischof Werner (wieder einmal ein bravouröser Auftritt von Armin Mueller-Stahl als intelligenter aber unsympathischer Geistlicher) und Frank in die letzte Runde geht und sich die beiden in einem intelligenten Schlagabtausch die Argumente für bzw. gegen eine Seligsprechung von Helen an den Kopf werfen, war ich mir sicher, dass dieser Film keine Zeitverschwendung war.

Sich mit Verfehlungen der Kirche auseinanderzusetzen und trotzdem eine gewisse Haltung zu bewahren, die religiöse Personen nicht zu sehr vor den Kopf stößt, ist ein sicherlich waghalsiges Unterfangen und trotzdem scheint es diesem Film ordentlich gelungen zu sein. Obwohl einige der Charaktere ihren Glauben an den Nagel gehängt und ihre Seele verkauft haben - man denke an Franks Vorgesetzten, der sich mehr um geschäftliche Kontakte und sein eigenes Wellness-Programm kümmert, als um alles andere - dreht sich doch immer wieder alles um den Glauben der Menschen. Und dabei muss es sich nicht ausschließlich um den Glauben im religiösen Sinne handeln. Denn bevor man in die Langeweile von alten Greisen in Trachten mit ihren Sitten und Bräuchen abdriftet, bezieht man die Welt da draußen mit ein. Die Geschichte spielt auf einer sehr weltlichen Ebene, denn zwischen Himmel und frommen Erdenleben gibt es auch noch so einige menschliche Ausrutscher. Und die werden einem so richtig nahe gebracht, wenn Frank mit seinem 70er Jahre Spritvernichter durch die Ghettos von Chicago cruist und sein Blick über kaputten Gestalten schweift, die in ihren verwahrlosten Existenzen durch die Straßen kriechen. Für Frank scheint die barmherzige Gestalt der Helen ein Grund zu sein, seine vom Alkohol angeschlagene Existenz wieder in den Griff zu bekommen. Mitunter entpuppt sich ein Wunder als billige Inszenierung, welche von Frank entlarvt wird, und genau diese Schuldgefühle möchte er wieder gutmachen. Ich muss wohl kaum anmerken, dass Ed Harris ("The Abyss", "The Rock") ein großartiger Schauspieler ist, dem man rein äußerlich eine solche tiefe Darstellung nicht zutrauen würde. Aber er ist in jeder Szene den Anforderungen gewachsen und bringt die Rolle, die sich um den gebeutelten "Wundervernichter" dreht, hervorragend auf die Leinwand. Ihm zur Seite steht Elfengesicht Anne Heche, hier als im Jugendalter von ihrer Mutter verlassenen, aufmüpfigen jungen Frau, die sich die Zuneigung von Frank erkämpft, aber später mit einer großen Enttäuschung konfrontiert wird. Den beiden werden wirklich großartige Szenen beschehrt, in denen sie sehr viel von ihrem Charakter und ihren Gefühlen preisgeben dürfen. Der Zuschauer wird also bediehnt mit einer Achterbahnfahrt über tiefreligiöse, geheimnisvolle Geschehnisse und den Selbstfindungsproblemen in der realen Welt.

Optisch hat "Das dritte Wunder" einige hübsch eingefangene Szenen zu bieten, wobei vor allem die "Wunderbomben"-Szene mit einer gelungenen musikalischen Untermalung unter die Haut geht. Das Anfangs sehr gekörnte Bild ist zum Glück nur eine Verfremdung, um den Rückblick optisch von abzuheben. Auch in einigen weiteren Rückblicken wird diese Methodik eingesetzt, um diese Szenen in ihrer zeitliche Einordnung deutlicher zu machen. Ein netter Effekt, bei dem man anhand des Rauschens in etwa das Alter des Handlungsstrangs ablesen kann. Ansonten überrascht das Bild durch eine prächtige, aber natürliche Farbgebung und einen sehr guten Kontrast. In den Rückblicken wurden die Farbtöne etwas zurückgefahren, aber auch hier erkennt man nur selten Bilddefekte in Form von kleinen Kratzern. Die Schärfe überzeugt nicht voll, da das Bild ständig ein klein wenig schwammig wirkt, aber ich möchte sie noch als gut bezeichnen.
"Das dritte Wunder" ist zweifelsfrei ein Film, der auf Dialogen und "leisen" Momenten basiert und schon deswegen in dieser Kategorie ein wenig gehandicapt ist. Beim Abmischen der Hintergrundgeräusche hat man sich aber merklich Mühe gegeben, was zu einigen Details führt, die sich klar von der sonstigen Klangkulisse abheben. Die Gespräche sind sehr deutlich zu vernehmen und ertönen größtenteils über den Center. Der deutsche Ton ist in der Dolby Digital 5.1-Variante deutlich druckvoller als der englische Sprache, bietet aber eine überschaubare Anzahl von Surroundeffekten. Ich würde auf jeden Fall auch den Originalton empfehlen, schon alleine wegen Armin-Müller-Stahl, der im O-Ton einen coolen Akzent zum Besten gibt.
Neben 6 Trailern zu weiteren Filmen von Planet Media, finden sich nur noch 3 wenig umfangreiche Bio- und Filmografien und eine Bildergalerie (Qualität fällt hier im Vergleich zum Film ab) auf der DVD. Eigentlich sehr schade, dass wir hier nicht mehr geboten bekommen, denn die gelungene, animierte Menuführung macht keineswegs den Eindruck, dass man hier hätte Kosten bei der Produktion sparen wollen.

Das nach dem Buch "The Third Miracle" von Richard Vetere entwickelte Script wurde durch Regisseurin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") in einen sehr emotionalen, nahegehenden Film umgesetzt. Ohne jegliche Action oder Effektschinderei bringt er uns menschlichen Tragödien näher und wirkt dabei zu keiner Zeit kitschig oder verhätschelt. So richtig vom Schemel reißt er mich zwar trotzdem nicht, aber für eine interessant erzählte Story mit einem bravourösen Schauspieleraufgebot vergeb ich gerne ein Prädikat "sehenswert". Die DVD-Produktion ist technisch sehr annehmbar vom noch jungen Label Planet Media umgesetzt worden, nur leider fehlt mir das interessante Bonusmaterial. Trotzdem eine klare Empfehlung für Anhänger des ruhigen Filmgenres, denn "Das dritte Wunder" ist ein wahrhaft "wundervolles" Drama um Religionsmythen, dass mir als Drama-Skeptiker sehr viel besser gefallen hat, als ich es jemals erwartet hätte.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+-----


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