Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
FR 2001
Originaltitel:Vidocq
Länge:94 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Pitof
Buch:Jean-Christophe Grangé, Pitof
Kamera:Jean-Pierre Sauvaire, Jean-Claude Thibaut
Musik:Bruno Coulais
SFX:Pascal Giroux, Olivier Poujaud, Rodolphe Chabrier
Darsteller:Gérard Depardieu, Guillaume Canet, Moussa Maaskri, André Dussollier, Inés Sastre, Jean-Pol Dubois, André Penvern, Gilles Arbona
Vertrieb:Sunfilm
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu, Frz), Dolby Digital 5.1 (Deu,Frz), DTS Surround (Deu)
Sprache:Deutsch, Französisch
Specials:
- deutsche Untertitel
- 4seitiges Booklet
Film-DVD
- Deutscher und französischer Trailer
- Videoclip: Apocalyptica feat. Matthias Sayer - Hope Vol.2
- Trailer zu Bruiser, Joint Security Area, China Strike Force
Bonus-DVD
- Making Of "Vidocq" (6:47 min)
- Making Of "The Mask" (7:21 min)
- Das Storyboard (19:41 min)
- 2 Teaser (0:20 und 0:54 min)
- Artwork-Diashow (2:00 min), 21 Bilder
- Kostümgalerie (1:14 min), 13 Bilder
- Bio- und Filmografien (Gérard Depardieu, Inés Sastre, André Dussollier, Guillaume Canet)
- Interview mit Pitof (62:20 min)
- Interview mit Jean-Christoph Grangé (54:34 min)
- Interview Featurette (mit Pitof, Inés Sastre, Guillaume Canet) (9:07 min)
- DVD-ROM-Teil mit Bildschirmschoner und Links
Paris 1830. Die Stadt wird von 2 Extremen erschüttert. Neben der anbrechenden, unaufhaltsamen Julirevolution des Volkes gegen den Monarchen treibt ein Phantom mit einer gläsernen Maske sein Unwesen in der Stadt, dass schon 2 wichtige Personen des politischen Lebens auf dem Gewissen zu haben scheint. Vidocq, ehemaliger Krimineller und jetzt freiberuflicher Schnüffler, ist dem "Alchemisten", wie die geisterhafte Erscheinung im Volksmund genannt wird, auf den Fersen. Eine dritte Person kommt bei einem dritten Anschlag ebenfalls ums Leben und Vidocq fällt dem Alchemisten beim Versuch, ihn zu schnappen, zum Opfer. Nach seinem Tode führt der junge Journalist Etienne Boisset Nachforschungen durch, um die Biografie über Vidocq zu beenden. Dabei kommt er einem Komplott auf die Spur, das scheinbar mit dem Verschwinden junger Mädchen zu tun hat und irgendwie in Zusammenhang zum Alchemisten steht ...
Dieser Film basiert auf der Person Eugène François Vidocq, der von 1775 bis 1857 in Frankreich lebte. Nach einer Karriere als Krimineller, für die er ins Gefängnis ging. Nach seiner Entlassung trat er im Jahre 1809 der Pariser Polizei bei und landete ab 1811 im Chefsessel der Pariser Sûreté, einer neu gegründeten Kriminalpolizei. Durch sein früheres Metier und dem dadurch angelernten Geschick in Sachen Kombinatorik und Ermittlung gelangte er dadurch recht schnell zu Ruhm. 1832 verlor er seine Anstellung durch die dubiose Anklage, er hätte ein von ihm konstruiertes Verbrechen erschaffen, um es zu selbst zu lösen. Seine Memoiren wurden in vier Bänden von L'Héritier de l'ain niedergeschrieben. Dieser soll sich aber große Freiheiten bei der Übermittlung der Tatsachen genommen haben, sodass man an dem Wahrheitsgehalt dieser 4 Bände zweifeln mag. Dadurch ist er in Frankreich zu einer sehr bekannten Persönlichkeit und später zur Legende aufgestiegen, der später zahlreiche Romane und Verfilmungen gewidmet waren.

Der Film beginnt in einer düsteren Kulisse einer alten Glasbläserei und gewinnt mit der Verfolgung des Alchemisten schnell an Geschwindigkeit. Der Zuschauer wird beim anschließenden Kampf zwischen dem Maskenträger und Vidocq regelrecht in den Film und dessen mystisch, teilweise märchenhafte Atmosphäre gepresst. Die charmante Knollennase Gérard Depardieu gleich in den ersten 5 Minuten per saftiger Actionsequenz im Martial Arts-Stil über die Klinge springen zu lassen, hat mich schon schockiert, aber die Geschichte wird ja mit vielen Rückblicken erzählt, sodass man auch noch später im Film in den Genuss der formidablen Darstellung des wuchtigen Hauptakteurs kommt.
Bei seinen Nachforschungen trifft Boisset (Guillaume Canet) auf allerlei interessante Personen, aber der Alchemist scheint ihm stets auf den Fersen zu sein und räumt hinter ihm mit allen Beweisen auf.
Besonders wichtig für eine gute Atmosphäre in einer fiktiven Welt sind immer die Charaktere. Und es wäre verwunderlich gewesen, hätte man sich hier einen Faux pas geleistet. Keineswegs ist dies der Fall, denn neben dem raubeinigen Nimier (Moussa Maaskri), Vidocqs Partner und Teilhaber, der extrem bezaubernden Préah (Inés Sastre) und den drei schrulligen Attentatsopfern Belmont (Jean-Pol Dubois), Veraldi (André Penvern) und Lafitte (Gilles Arbona), gibt es so viele weitere Charaktere, die alle ein wenig kantig oder seltsam sind und einem dadurch sofort ans Herz wachsen. Dem Zuschauer werden einige von ihnen als potenzielle "Phantome" verdächtig gemacht, aber die Auflösung ist schon ziemlich schräg und man darf gespannt sein, wer hinter der Maske sein Unwesen treibt.
Der Film ist in etwa eine Mischung aus detektivischer Schnüffelarbeit à la "Sherlock Holmes jagt Dr. Moriarty" und "From Hell". Genauso wie bei "From Hell" wird versucht, eine möglichst detailgetreue Darstellung der damaligen Zeit und der Gesellschaft zu erreichen. Im Grunde sind die historischen Aspekte sehr gut umgesetzt, denn an imposanten Kostümen und Requisiten mangelt es in "Vidocq" nicht. Aber schon allein durch die Nachcolorierung erscheint alles viel prunkvoller und abstrakter, sodass es sich letztendlich wie ein düsteres Fantasymärchen aus dem frühen 19. Jahrhundert anfühlt. Bei all der strotzenden Bildgewalt bleibt die Handlung ein wenig zurück. Man hat zwar oft das Gefühl, dass man mit einem hohen Tempo von Plot zu Plot gestürzt wird, aber diese Irreführung wird meist durch die starke Kameraarbeit erreicht. Wenn man die tatsächliche Handlung der 90 Minuten zusammenzieht, wird man merken, dass nicht sehr viel übrig bleibt. Trotzdem und vor allem wegen dem überzeugenden optischen Stil hat sich "Vidocq" 5 Punkte ohne Zweifel verdient.

Dass auf der Hülle angegeben ist "In Farbe" ist wohl das Understatement des noch so kurzen Jahrhunderts. Eine solche Farbenpracht wie in "Vidocq" hab ich nie zuvor gesehen. Alles ist so visuell beindruckend, dass es fast schon wieder bedrückend ist. Ich denke, dass es keine einzige Szene im Film gibt, wo man nicht nachträglich an den Farben gedreht oder Computereffekte eingefügt hat. Alles schillert so kräftig und ist doch angenehm düster. Die wunderschön farbigen Himmelstexturen, die die Stadt in einen goldenen Glanz tauchen, gibt es sonst nur auf Gemälden zu bestaunen. Zur Farbbrillanz gesellt sich eine großartige Bildschärfe. Auch in dunklen Szenen wird man mit einem hohen Detailgrad und einem angemessen guten Kontrast (angemessen, weil man sich ja schließlich ein wenig Düsternis für die Stimmung bewahren sollte) überrascht. Dabei sind die Detailtreue und die Schärfe mitunter sogar ein wenig unheimlich, denn es entstehen keinerlei Unreinheiten, wie z.B. Rauschmuster oder natürliche Unschärfe, sodass der Film fast schon realer als die Realität erscheint. In einigen Szenen glaubt man durch die "schräge" Perspektive und das klare, äußerst plastisch wirkende Bild, dass die Darsteller jeden Moment im Wohnzimmer stehen würden. Daran hat vor allem die moderne Aufnahmetechnik einen großen Anteil, denn hiermit wurde erstmals vollständig auf digitalen Material gedreht und später natürlich digital bearbeitet.
Hinzu kommen zahlreiche computergenerierte Effekte (O-Ton des Regisseurs: "Dieser Film ist ein Spezialeffekt, aber kein Film der Spezialeffekte."), die eigentlich in fast jeder Szene eine große Rolle spielen. Interessant ist, dass diese Effekte fast ausschließlich an handelsüblichen Macs und PCs entstanden sein sollen. Besonders für die Maske des Alchemisten wurden aufwendige 3D-Effekte entworfen, die eine beliebige Projektion von Licht, Schatten und Oberflächen zulässt.
Durch schnelle Schnitte und imposante Kamerafahrten und Zooms wird mit "Vidocq" ein hohes visuelles Level erreicht, was man derart eher selten zu sehen bekommt. Die Kameras sind unheimlich beweglich (teilweise wurde da auch mit Computertechnik nachgeholfen) und erinnern an ein Computerspiel, bei dem man aus mehreren Metern Höhe stufenlos bis aufs kleinste Detail zoomen kann.

Gleich zu Beginn des Filmes bekommt man einen hervorragenden Eindruck von den Möglichkeiten des Surround-Sounds, der ständig mit Effekten um den Hörer kreist und den Subwoofer zum Erbeben bringt. Durch die klare und druckvolle Front und die sehr gut genutzten Rear Speaker kommt echtes Heimkinofeeling auf. Zur Auswahl stehen jeweils in deutscher und französischer Sprache (wahlweise mit deutschem Untertitel) der Dolby Digital 2.0-Ton, den kein Mensch wirklich braucht, und der räumliche Dolby Digital 5.1-Ton. Hinzu kommt ein deutscher DTS-Ton, aber egal ob dieser oder die DD5.1-Variante eingeschalten wird, man wird von Anfang bis Ende mit räumlichen Effekten (Geschrei von Menschen, Musik, "echte" Surround-Klänge) übersät und beide Varianten unterscheiden sich nicht merklich. Absolut klasse. Über den französischen Ton kann ich keine weiteren Auskünfte geben, da ich diese Sprache nicht wirklich gut spreche, aber wer nach einem DTS-Ton in Französisch sucht, der sollte sich die französische DVD besorgen. Braucht man aber im Grunde nicht, da die Synchronisierung sauber umgesetzt wurde und professionellen Stimmen besetzt wurde.

An Bonusmaterial darf es natürlich nicht fehlen bei einer Doppel-DVD. Auf der ersten DVD findet man neben dem üblichen Trailer zum Film noch 3 weitere DVD-Trailer (hierbei hat Romeros "Bruiser" ein verzerrtes Bildformat bekommen) und der starke Videoclip der 4 Teufelscellisten von Apocalyptica, die sich hier Matthias Sayer von den Farmer Boys an den Gesang geholt haben, um ein für ihre Verhältnisse poppiges, aber eingängig schönes Stück beizutragen, das mit Ausschnitten aus dem Film untermalt ist. Auf jeden Fall sehenswert und in einer DVD-würdigen Bildqualität!
Auf der Bonus-DVD finden sich 3 kurze Making Ofs zum Film, zur gläsernen Maske und zum Storyboard, vor allem die Erklärung zu den Special Effects der Maske sind interessant. Die 2 Teaser sind eine nette Beigabe, mehr nicht. Anders ist das schon bei der Artwork- und bei der Kostümgalerie, die mit einigen netten Zeichnungen und Designentwürfen aufwarten können. Den größten Teil der DVD beanspruchen die 3 Videointerviews. Alle sind, wie auch die Making Ofs, in Originalsprache und deutsch untertitelt. Zuerst darf Regisseur Pitof, der ursprünglich aus dem Spezialeffekte-Bereich kommt und hiermit seine erste Regie-Arbeit ablegte, gut eine Stunde über den Enstehungsprozess des Films im Allgemeinen, die Schauspieler und die eingesetzte Technik plaudern, bevor der Autor Jean-Christophe Grangé näher auf die Story und die Charaktere eingeht (ca. 50 Minuten lang). Diese beiden Extras sind in einer guten Bildqualität und äußerst informativ. Aber 2 Stunden zwei Personen beim Plaudern zuzuschauen (Einschübe in Form von Filmschnipsel wie bei den Making Ofs gibt es nicht) ist nicht jedermanns Sache, man muss sich also schon ein wenig konzentrieren. Ich hätte es schöner gefunden, wenigstens das Regisseur-Interview als Audiokommentar in den Film einzubinden, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich sein, schließlich sind die Hintergründe, die es zu hören gibt, recht interessant. Im dritten Interview berichten Pitof, Inés Sastre und Guillaume Canet im Zusammenschnitt kurz über ihre Erfahrungen mit dem Film. Als weitere Extras gibt es die Biografien und den DVD-ROM-Teil, der mit einem Bildschirmschoner nicht weiter ins Gewicht fällt. Die Menügestaltung der Film- und der Bonus-DVD (nicht animiert) passt sich wie auch die optische Aufmachung des Booklets und des Covers sehr gut an den Film an.

"Vidocq" darf als Geheimtipp gehandelt werden, da er nur in Frankreich im Kino und auf einigen Festivals aufgeführt wurde. Sunfilm hat uns eine inhaltliche wie auch technisch gelungene Umsetzung geliefert, die nicht nur das Ausleihen, sondern auch den Kauf dieser Doppel-DVD mit über zweieinhalb Stunden Bonusmaterial zu einer lohnenden Angelegenheit macht.


Film+++++-
Bild++++++
Ton++++++
Bonus+++++-


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.