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USA 1979
Originaltitel:Tourist Trap
Länge:90:12 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:David Schmoeller
Buch:J. Larry Carroll, David Schmoeller
Kamera:Nicholas Josef von Sternberg
Musik:Pino Donaggio
SFX:Richard O. Helmer
Darsteller:Chuck Connors, Jocelyn Jones, Jon van Ness, Robin Sherwood, Tanya Roberts, Keith McDermott
Vertrieb:X-Rated
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:-
Verpackung:große Hartbox
Specials:
  • Audiokommentar mit David Schmoeller
  • Interview mit David Schmoeller (6:54 Min.)
  • Originaltrailer (1:54 Min.)
Eine Gruppe junger Menschen fährt per Jeep durch das amerikanische Hinterland und wird schließlich durch eine Autopanne an der Weiterreise gehindert. Sie bleiben in einem anscheinend von Gott und seiner Bevölkerung verlassenem Kaff hängen, das außer einem idyllischen Badesee und einem skurrilen aber liebenswerten Alten anscheinend nichts weiter zu bieten hat. Der Alte nimmt die jungen Leute mit zu sich nach Hause, das sich als ein Art Museum mit lebensgroßen Puppen und Wachsfiguren herausstellt. Die Männer machen sich aber alsbald wieder auf, um den Wagen zu reparieren und geben damit dem neugierigen Weibsvolk die Möglichkeit, etwas in der Umgebung herum zu schnüffeln. Dabei entpuppt sich (sorry, kleiner Wortwitz) das Örtchen als doch nicht so verschlafen, wie zuerst angenommen. Aber anstatt auf touristische Attraktionen, stoßen die Freunde auf mysteriöse und geradezu lebensbedrohliche Aktivitäten: Überall treffen sie auf groteske und zum Teil unheimlich beseelte Puppen, Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand und ein ebenfalls mit einer Puppenmaske vermummter Killer macht Jagd auf die unbedarften Städter. Einmal gefangen, werden sie zum Spielball seiner perversen Neigungen, die sich dahingehend äußern, dass er die Welt um sich herum in ein riesiges Puppenhaus verwandelt und die Menschen dabei natürlich nicht ausspart. In einer wahrlich schaurigen Szene trägt er eine Modelliermasse auf das Gesicht einer gefesselten Frau auf und beschreibt ihr dabei detailliert, welche Empfindungen sie nun durchleben wird: Dass die Masse einen brennenden Reiz auf die Haut ausüben wird, dass sie beim Zukleistern der Augen nun in das Reich der ewigen Finsternis hinabsinkt und dass sie beim Verschließen von Mund und Nasenlöcher eine Panik ergreifen wird; doch sie solle sich keine Sorgen machen zu ersticken - ihr Herz werde nämlich schon vorher aus Angst zum Stillstand kommen...
Da kann es einen schon schütteln!! Dass es damit natürlich noch nicht vorbei ist und dass hinter all dem noch viel mehr steckt, sei nur angedeutet und sollte von dem Konsumenten selbst herausgefunden werden; zu sehr würden Spannungselemente, von denen der Film einige besitzt, verloren gehen. In Stephen Kings Buch "Danse Macabre", das seine persönliche Abrechnung mit dem Thema "Horror" in allen medialen Bereichen darstellt, bezeichnet King "Tourist Trap" als einen seiner Lieblingsfilme und als persönliche Entdeckung beim Sichten unzähliger schlechter Horrorfilme. Ich möchte nicht unterschlagen, dass er an anderer Stelle bemerkt, dass, wenn man sich länger mit diesem Genre beschäftigt, man anfängt, die richtig schlechten Vertreter dieser Gattung besonders zu lieben und hierbei ebenfalls auf diesen Film verweist. Nun, wie sollte ich dem "König des Horrors" widersprechen? Gut, dass ich es gar nicht muss!
"Tourist Trap" ist eine Perle vergangener Kinotage, die eine Fülle an Motiven bereithält, die das Herz des Genre-Freundes höher schlagen lässt. Am stärksten fällt vielleicht der Bezug zu anderen Backwood-Klassikern und insbesondere zu der Königin dieser Sparte "The Texas Chainsaw Massacre" auf: Junge Menschen kommen bei der Reise durch die amerikanische Redneck-Pampa in die Fänge degenerierter Irrer. Was bei "Texas Chainsaw Massacre" die Knochenmöbel sind, findet in "Tourist Trap" durch die Puppen seine Entsprechung; das Leder-Konterfeit des "TCM"-Killers bildet eine Analogie zur Puppenmaske des Touristenschrecks etc. Doch während sich der allseits bekannte Klassiker eher einer Art gesellschaftsbedingter Entmenschlichung annimmt, sind es bei dem hier besprochenen Film mehr intrapsychische Prozesse, die den Täter motivieren.

Nicht nur in diesem Fall unterscheiden sich die beiden Filme. "Tourist Trap" strebt einem ganz anderen Ziel entgegen und vermischt munter weitere Genre-Elemente: Zum einen sind da die tiefenpsychologischen Symbole (Puppe, Maske etc.) mit ihrem entsprechenden Subtext, dann gibt es des weiteren klassische Grusel-Momente, die telekinetischen Kräften des Killers bringen einen Schuss Mystery in die Geschichte, an anderer Stelle finden sich typische "Geisterhaus"-Motive, der Killer erweckt Erinnerungen an den "Mad Scientist" oder zumindest an solch gebrochene Figuren, wie Dr. Phibes etc. und das große Vorbild "Psycho" schimmert auch immer wieder durch.
Diese wilde Mixtur könnte man dem Film natürlich auch negativ anlasten, doch er funktioniert damit überraschend gut und erzeugt beim Betrachten ein herrlich altmodisches Spannungsgefühl. Ob sich dies allerdings auch bei Konsumenten jüngeren Alters einstellt, die die rasante Kost moderner amerikanischer Produktionen gewohnt sind, wage ich nicht zu beurteilen. Sicher ist aber, der Meister hat recht: "Tourist Trap" ist ein kleines Goldklümpchen im Dreck der Genre-Landschaft. Der Film schafft es, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen, die einen animiert, an den Nägeln zu kauen. Der einzig bittere Nachgeschmack ist nur, dass diese vom vielen im Dreck buddeln schon ganz schwarz sind und nicht mehr so vortrefflich munden.

Kommen wir nun zur X-Rated-Hartbox DVD, die völlig ungeschnitten erschienen ist. Hier hat man sich die Mühe gemacht und dem Film einen neuen anamorphen Transfer vom original Negativ spendiert. Dementsprechend scharf und rauschfrei ist das Bild, es gibt wirklich nur wenige Stellen im Film, die in dieser Hinsicht negativ auffallen. Die Farben wirken frisch, klar und sauber und auch der Kontrast kann durchaus überzeugen und in dunkeln Szenen ist immer noch alles sehr detailliert zu erkennen. Leider sind die Kompressionen nicht immer gut geworden und daher gibt es öfters mal Blockbildung und auch die von der Vorlage her erzeugten Bilddefekte mindern den Sehgenuss minimal. Dennoch ein zufriedenstellendes Bild, vorallem wenn man das Alter des Filmes mit in Betracht zieht.
Bei Ton hat man sich auch deutlich Mühe gegeben, aber trotzdem merkt man ihnm das Alter deutlich an. Beide Spuren sind gut verständlich, dennoch ist der Rauschfaktor etwas zu hoch ausgefallen und ab und an knistert es sogar etwas.
Als Bonus gibt es ein interessantes Interview mit dem Regisseur David Schmoeller und ein aufschlussreicher, aber dennoch etwas langatmiger Audiokommentar mit sehr viel Leerlauf. Der obligatorische Trailer darf natürlich auch nicht fehlen und am Schluss bleibt uns nur noch zu sagen, dass es schön ist, dass der Film endlich mit einer so repräsentativen DVD-Veröffentlichung seine verdiente Würdigung erhalten hat.
Jörg Kopetz & Daniel Pereé


Film++++--
Bild+++---
Ton++----
Bonus++----


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Tourist Trap
NewsDie Freunde des schrägen Films - Frühjahrsprogramm
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