USA 1985
Originaltitel:Re-Animator
Länge:82:14 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:juristisch geprüft, strafrechtlch unbedenklich
Regie:Stuart Gordon
Buch:H.P. Lovecraft, Dennis Paoli, William Norris, Stuart Gordon
Kamera:Mac Ahlberg, Robert Ebinger
Musik:Richard Band
SFX:EFX Lead
Darsteller:Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Barbara Crampton, David Gale, Robert Sampson, Gerry Black, Carolyn Purdy-Gordon, Peter Kent, Barbara Pieters, Ian Patrick Williams, Bunny Summers, Al Berry
Vertrieb:CMV-Laservision
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Kleine Hartbox
DVD-Start:04.07.2008 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar mit Regisseurs Stuart Gordon
  • Audiokommentar mit Produzent Brian Yuzna und den Darstellern Robert Sampson, Barbara Crampton, Jeffrey Combs und Bruce Abott
  • Extended Version (100:55 Min.)
  • Entfernte Szene (2:34 Min.)
  • Bildergalerie (6:40 Min.)
  • Trailer (1:52 Min.)
  • 5 TV-Spots (2:36 Min.)

Der ehrgeizige Mediziner Herbert West hat ein Serum geschaffen, das totes Gewebe wieder zum Leben erwecken kann. Nach einem Zwischenfall in seinem Labor in der Schweiz muss er in die USA fliehen und kommt dort bei dem jungen Medizinstudenten Dan Cain unter. Um seine Forschungen weiter betreiben zu können, richtet West im Keller des Hauses ein provisorisches Labor ein, wo er Cains tote Katze reanimiert. Cain ist fasziniert und verschafft West daraufhin Zugang zur örtlichen Leichenhalle. Doch als die beiden das Serum an einem frisch Verstorbenen testen, ahnen sie noch nicht, welche katastrophalen Folgen auf sie zukommen, denn die wiedererweckten Toten erweisen sich nicht gerade als dankbar. Darüber hinaus hat der missgünstige Dr. Hill von dem Serum erfahren, und er möchte um jeden Preis den Ruhm für diese Entdeckung ernten ...

Wer auf der Suche nach einer köstlich unrealistischen Anatomiestunde aus den 80ern ist, dem sei der "Re-Animator" ans Herz gelegt. Basierend auf einer Geschichte von H.P. Lovecraft erfahren wir von dem aufstrebenden Jungdoktoren Herbert West, der die "6-bis-12-Minuten-Theorie" seines Professoren energisch abstreitet. Dafür hat er auch allen Grund. Während der werte Professor nämlich behauptet, das menschliche Gehirn arbeite noch bis zu 12 Minuten nach dem Tod, hat West schon längst ein Serum erfunden, das noch viel später Lebewesen wieder zum Leben erwecken kann - erst Tiere, dann Menschen.



Auf diesem Grundgerüst basiert einer der besten Horrorvertreter seiner Art. "Re-Animator" ist zwar so gut wie nie logisch, dafür punktet er aber in den für sein Genre wirklich wichtigen Punkten: Es gibt schrille Charaktere, skurrile Situationen und ordentlich Blutsuppe.

Nun bin ich nicht mit der klassischen Vorlage von Lovecraft vertraut, aber in diesem Fall ist das meines Erachtens keine notwendige Voraussetzung, zumal sich der Plot angeblich sehr weit jenseits der Vorlage bewegen soll. Viel wichtiger ist der Hauptcharakter Herbert West, der so brillant von Jeffrey Combs verkörpert wurde, dass der Film zwei Sequels nach sich ziehen sollte und die Figur des West unter Genrefans zum Kultcharakter wurde. Combs selbst trat seither vor allem in Variationen und Parodien seiner kauzigen Lebensrolle in Erscheinung ("House on Haunted Hill", Interner Link"The Frighteners").



Frei gesprochen haben wir es hier mit dem Mad Scientist-Genre zu tun, denn alles dreht sich um den unheimlichen Herbert West, der kaum Interesse für soziale Kontakte hegt und nur an seiner Arbeit interessiert ist, welches vielmehr als sein Lebenswerk betrachtet werden sollte. Den jungen Medizinstudenten, bei dem er dann Unterkunft findet, betrachtet er daher auch vielmehr als Mittel zum Zweck denn als Freund: Er braucht ihn für seinen Arbeitsplatz (den Keller) und um an die notwendigen Leichen zu kommen. Die Freundin des Medizinstudenten ist ihm deswegen auch ein Dorn im Auge, zumal ihr Vater mit dem ungeliebten Professor befreundet ist. Wirkliche Euphorie bringt West deshalb nur für Fortschritte in seiner Arbeit auf, nicht aber für andere Menschen. Eben der typische verrückte Wissenschaftler.

Nun ist es ja oft so, dass der Zuschauer in die Arbeit des Wissenschaftlers einbezogen wird, und wenn diese Arbeit dann von sozialen Instanzen (die Polizei) unterbrochen wird - und das passiert immer - dann will man diesen geradezu nachschreien: "Verdammt noch mal, lass den Kerl gefälligst in Ruhe arbeiten! Ihr versteht das nicht!"
In der Exposition werden wir vom Regisseur auf die andere Seite gestellt. Wir blicken der verzweifelten Hauskraft eines Schweizer Instituts und den Polizisten über den Rücken und teilen ihre Sorge, als sie vor verschlossener Tür stehen und von der anderen Seite Schreie vernehmen. Dann wird die Tür aufgebrochen. Wir sehen West, auf dem Boden kniend, vor einem Professoren, dem kurz darauf das Blut aus den Augen spritzt. West wird davon abgehalten, weiterzumachen, was wir ganz logisch finden. Wir würden anstelle der Polizisten genauso handeln.
Dann aber ruft West jene Worte, die wir unter anderen Umständen absolut verteidigt hätten: "Lasst mich los! Ihr versteht das nicht!"



Mit dieser dramatischen Einleitung hat uns Stuart Gordon schon gefangen genommen. Weiter geht's mit der Titelsequenz. Eine kauzige, eigenwillige Orchestermusik ertönt, die den Wahnsinn Wests perfekt einfängt. Einerseits komisch, andererseits seltsam (komisch steht hier für "funny", seltsam für "weird") ertönt der Score aus den Boxen und nimmt uns - wie schon Gordon mit seiner Einleitung - gefangen. Unterlegt wird das Ganze von Skizzen und so etwas wie Röntgenbildern, die den Blick freilegen auf die menschliche Muskulatur und Ähnliches. Die Biologiestunde hat schon längst begonnen.

Im weiteren Verlauf gelingt es Gordon vor allem, scheinbar harmlose oder "normale" Situationen zu einem skurrilen Abstraktum ausarten zu lassen. Am Ende gibt es sprechende Köpfe, die von kopflosen Körpern herumgetragen werden, und eine ganze Zombiemeute ... aber diese Horrorgestalten tauchen nicht einfach wie von Geisterhand auf, nein, sie werden im Verlauf der Story nachvollziehbar gemacht. Natürlich alles nur, sofern man die an sich abwegige Idee eines Serums akzeptiert, das Tote wieder auferstehen lässt.



Dann aber geschieht eine Katastrophe nach der anderen, jede auf der vorherigen aufbauend. Eine Person nach der anderen wird in diesen von West angetriebenen Teufelskreis gesogen. Zu Beginn gibt es noch Familiengespräche, Streitigkeiten an der Uni, Kuscheln mit der Hauskatze, Sex, Gespräche über Wohnungsvermietungen. Der Alltag hat uns noch eingenommen. Am Ende platzen Köpfe, wird Gehirnmatsch an den Fliesen verteilt, und der Wärter vor der Leichenhalle guckt dumm aus der Wäsche. Klar, er war ja auch nicht dabei, wie sich diese Ereignisse aus dem zuvor beschriebenen Alltag entwickelt haben.

Was Gordon also absolut positiv anzurechnen ist, das sind konstruktuelle Feinheiten im Storygerüst, bei dem alles aneinanderzupassen scheint. Unterstützt wird das durch effektive Schockmomente und einigermaßen gute Splattereinlagen, die gerade zum Ende hin ziemlich blutig werden. Obwohl einschränkend zu sagen ist, dass die wiedererweckten Toten teilweise doch sehr an Interner Link"Dawn of the Dead" erinnern (blau gefärbte Haut und "Cornflakes-Wunden", die beinahe schon eher mit den Zombies aus Interner Link"Zombies unter Kannibalen" vergleichbar sind).

Negativ anzumerken wäre auch, dass einige Dialoge zu weit geführt wurden und früher hätten geschnitten werden können, was oft bei den im Deutschen nicht mehr synchronisierten Stellen zu beobachten ist.

Nach einer Unzahl von Veröffentlichungen zu diesem Film auf DVD hat es nun noch ein Label gewagt, "Re-Animator" auf die heimische Flimmerkiste zu bringen. Das erscheint anfangs nicht gerade sinnvoll, schließlich müsste jeder Horror-Fan bereits eine oder mehrere Auflagen zuhause haben, die Verbesserungen im Detail sprechen aber für sich. So wird die erst kürzlich erschienene Marketing-Auflage durch die Kürzung unnütz, während einige ältere DVDs keine sonderlich gute Bild- und/oder Tonqualität besaßen.



Auch wenn die unter diesem Text stehende Punktzahl für das Bild manchmal etwas zu hoch ist, wird doch insgesamt ein sehr zufriedenstellendes Bild geboten - natürlich im anamorphen Format. Den Vergleich zu den neueren DVD-Auflagen dieses Titels kann ich nicht ziehen, gegenüber den alten DVDs kann die CMV sich aber klar absetzen. Sie geht technisch in die Richtung der "Millennium Edition" von Elite, die den Film bereits sehr gut aussehen ließ. Das bedeutet einen sehr ausgewogenen Kontrast, der nicht zu hart ist, aber auch keine Wünsche in dunklen Szenen offen lässt. Die Figuren setzen sich sehr gut vom düsteren Hintergrund ab und verlieren in diesen Szenen auch kaum an Details. Ebenso gefällt mir die sehr kräftige Farbgebung, die Rottöne wie auch das schillernde Grün des Wundermittels prächtig hervorhebt. Das zieht sich ebenfalls durch den gesamten Film. Im Bereich Schärfe wird für einen 1985er B-Movie oftmals eine Qualität geboten, die einer gut aufgeareiteten DVD würdig ist. Gerade hier offenbart sich aber die deutlichste Schwäche des Transfers, denn die Plastizität geht, so überzeugend sie beispielsweise in Szenen wie jenen mit Dr. Hill im OP-Saal auch ist, immer wieder mal zurück und es macht sich ein wenig der Eindruck des typisch weichen 80er-Jahre-Films breit. Dabei bestände grad hier noch Möglichkeit der Verbesserung, denn das Filmkorn wurde fast gänzlich eliminiert, was der nur in seltenen Fällen blockenden Kompression zugute kommt, aber auch die Intensität der Details abschwächt.

Das Problem der deutschen Tonspur dürfte bekannt sein: Es existiert keine durchgängige Eindeutschung des Filmes für die Unrated-Fassung. Deswegen wurden einige Stellen neu synchronisiert, was leider überhaupt nicht passen möchte - wie auch, sind ja andere Sprecher. Davon abgesehen ist aber auch die Qualität des deutschen Tons nicht wirklich zufriedenstellend, weil man es neben Rauschen, das für diesen Titel sicher nicht ungewöhnlich, aber auch vermeidbar wäre, noch mit einem wechselhaften Klang zu tun bekommt, der passagenweise sehr dumpf und abgenutzt klingt, glücklicherweise aber über den größten Teil der Spielzeit hinweg einen brauchbaren Eindruck hinterlässt. Vor allem hört man dies an den oftmals etwas verwaschenen Dialogen bzw. Geräuschen. Konkurrenzfähig ist die deutsche Version gegenüber der englischen Version also nicht, die um einiges klarer ist und ohne Schwankungen auskommt. Der sollte man auch den Vortritt geben, denn es macht einfach mehr Spaß, den Film in durchgängiger Qualität und ggf. mit deutschen Untertitel genießen zu können, als auf die dt. Synchro zurückgreifen zu müssen (die bei den Originalsprechern aber sehr gut ist).



Jeder Fan des Filmes dürfte sich mit Freuden auf die zwei Audiokommentare stürzen, von denen jener des Regisseurs vielleicht der trockenere, aber auch der gehaltvollere ist. Dafür haben vier der Hauptdarsteller und der Produzent in ihrem Audiokommentar sehr viel Spaß - von der ersten bis zur letzten Minute. Ebenfalls interessant ist die aus diversen Fassung zusammengebaute, erweiterte Version. Die gibt es durchgängig in guter Qualität (wie beim Hauptfilm) mit entweder deutschem oder englischen Ton. Mehr gezeigt werden vor allem Handlungselemente, die ganz interessant sind und sich nahtlos einfügen. Andererseits ist mir diese nun 100minütige Fassung schon fast wieder etwas zu lang, denn beispielsweise vor dem sich anbahnenden Finale entsteht eine Länge. Weiterhin darf man sich die Traumszene unter einem separaten Menupunkt anschauen, die in keiner der beiden Fassungen zu sehen ist - zu Recht, weil sie einfach etwas unfertig aussieht. Als weitere Extras gibt es eine umfangreiche Bildergalerie, einen Trailer und fünf reißerische TV-Spots, die stets ankündigen, dass sie keine Ankündigung für, sondern eine Warnung vor einem Film sind.
Leider fehlen mal wieder überall deutsche Untertitel und das Maß aller Dinge ist diese Scheibe im Bonusbereich auch nicht. Es existieren noch jede Menge Dokumentationen bzw. Interviews, die aber auf dieser DVD längst nicht Platz gefunden hätten. Dafür darf (bzw. mittlerweile: durfte) sich der Käufer an insgesamt vier Cover-Varianten erfreuen: Wer das Glasboxen-Design mag, konnte sich eine Variante der 399er Auflage der "Retro Edition #9" besorgen. Für Liebhaber der kleinen Hartboxen stehen drei verschiedene Cover zur Auswahl, von denen Variante 1 und 2 auf 500 Stück und Variante 3 auf 111 Stück beschränkt sind. Mittlerweile wird es Mühe bereiten, eine der vier begehrten Varianten zu ergattern, denn die Auflage sollte schon beim Endkunden verteilt sein.

Cover ACover BCover C

"Re-Animator" gehört zu den Altehrwürdigen unter den Splatter/Horror-Vertretern. Zumal das Ende schön ironisch geworden ist. Sollte jedem Splatter-Fan nicht nur ein Begriff sein, sondern gar zur Standard-Lektüre gehören.


Film: 5.5/6
Bild: 4/6
Ton: 2/6
Bild: 2.5/6



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