Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
IT, ESP 1967
Originaltitel:Faccia a faccia
Alternativtitel:Cara a cara
aka. Face to Face
aka. Halleluja, der Teufel lässt euch grüßen
aka. Halleluja, der Teufel lässt schön grüßen
aka. Zwei für ein Halleluja
aka. Zwei links, zwei rechts und Halleluja
Länge:107:04 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Sergio Sollima
Buch:Sergio Sollima, Sergio Donati
Kamera:Emilio Foriscot, Rafael Pacheco
Musik:Ennio Morricone
SFX:Eros Bacciucchi
Darsteller:Tomás Milian, Gian Maria Volonté, William Berger, Jolanda Modio, Gianni Rizzo, Carole André, Ángel del Pozo, Aldo Sambrell, Nello Pazzafini, José Torres, Federico Boido (als Rick Boyd)
Vertrieb:Explosive Media / Alive
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover und Schuber
DVD-Start:12.10.2012 (Kauf)
Specials:
Disc 1: Hauptfilm
  • Trailer & Vorspänne:
    • Trailer textless (2:59 Min.)
    • Deutscher Vorspann (3:35 Min.)
    • US-Trailer (3:09 Min.)
    • Englischer Vorspann (3:33 Min.)
    • Deutscher Trailer (2:35 Min.)
    • Vorspann textless (3:06 Min.)
Disc 2: Bonusmaterial
  • Dokumentation "Spaghetti Western Memories" (49:36 Min.)
  • Super 8-Filmversion (33:03 Min.)
  • Fotoroman (15:17 Min.)
  • Bildergalerie (7:26 Min.)
  • Soundtrack (31 Tracks)
Der Geschichtsprofessor Brad Fletcher (Gian Maria Volonté) muss aufgrund einer schweren Lungenerkrankung seinen Beruf auf unbestimmte Zeit aufgeben, um in das klimatisch gesündere Texas umzusiedeln. Doch die Genesung ist nur von kurzer Dauer, denn durch einen unglücklichen Umstand wird er die Geisel des berüchtigten Banditen Beauregard Benett (Tomás Milian), der auf der Flucht vor den Gesetzeshütern ist. Der pazifistische und sozial eingestellte Fletcher hilft ihm jedoch, nachdem der Verbrecher verwundet wird und begleitet ihn in das bergländliche Versteck seiner Bande. Mit der Zeit gewöhnt sich Fletcher an das Leben außerhalb der einschränkenden Gesellschaftsnormen und beginnt darin aufzugehen. Doch dabei bleibt es nicht, denn aus dem rücksichtsvollen und moralischen Gelehrten wird ein ernsthafter und faschistoider Konkurrent für Benett, der wiederum eine gegensätzliche Charakterwandlung durchlebt - und während eines geplanten Bankraubes kommt es schließlich zum Eklat ...
Wirklich bemerkenswert, was für intelligentes Kleinod man mitunter unter den Italowestern entdecken kann. Regisseur Sergio Sollima (auch Drehbuch) erweist sich hier als absolut intelligenter Filmemacher, der den staubigen Westen zu einer interessanten Charakterstudie, durchaus anwendbar auf das Wesen des Menschen allgemein, nutzt. "Von Angesicht zu Angesicht" gehört damit zum Pflichtprogramm eines jeden Genrefans, auch wenn er selbstverständlich nicht die inszenatorische Klasse der Leone-Western erreicht.


Nun standen hier für Sollima (Interner Link"Der Gehetzte der Sierra Madre", Interner Link"Lauf um dein Leben") auch zwei Stars zur Verfügung, die sich nahezu in jede Rolle, die der Western ihnen bot, hineinversetzen konnten. Gian Maria Volonté, am ehesten als "main villain" aus Interner Link"Für eine Handvoll Dollar" und Interner Link"Für ein paar Dollar mehr" bekannt, gibt hier den todkranken Lehrer Brad Fletcher. Fletcher hat ein furchtbar ödes Leben hinter sich, ist nun schwer krank und muss sich selbst vorwerfen, nie Ziele im Leben gesteckt und es damit verschenkt zu haben. Auf seiner Reise nach Texas (das Klima soll für seine Lunge vorteilhafter sein) trifft er auf den in Ketten gelegten Bandit Solomon "Beauregard" Bennet (Tomas Milian, Interner Link"Der Gehetzte der Sierra Madre", Interner Link"Töte, Django"). Als Fletcher den durstigen Bennet bemitleidet, nutzt dieser die Chance, nimmt ihn als Geisel und flüchtet.


Der Beginn einer unvergleichlichen Partnerschaft, denn hier prallen zwei Ideologien aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Anstatt sich schnellstmöglich von dem Verbrecher zu lösen, beginnt Fletcher die einmalige Möglichkeit, die sich hier für ihn auftut, beim Schopf zu greifen. Er reitet mit dem Gesetzlosen. Daraus resultieren bald Diskussionen über das Wesen der Menschen, ob und wie sie ihr Schicksal beeinflussen können und welche nun die richtige Lebensweise ist.
Der belesene und humane Fletcher greift dabei stets auf sein Wissen zurück und attackiert Beauregard mit der Aussage, dass jeder selbst entscheiden könne, was er aus sich macht und auf welche Seite des Gesetzes er sich schlägt. Bennet kontert darauf mit seiner Erfahrung im Umgang mit Menschen und vor allem seinem Instinkt. Das Duell wird ganz untypisch nicht mit Revolvern, sondern mit Worten ausgetragen und soll sehr schnell einen Sieger davon tragen: Bennet.


Denn Fletcher stößt in seiner Denkweise schnell auf unmöglich zu überwindbare Hindernisse und muss sich deswegen den Umständen anpassen, auf Unvorhergesehenes reagieren und sich von seinen Gefühlen lenken lassen. Eine völlig neuartige Erfahrung für den bisher sein Leben lang nach fest definierten Regeln lebenden Lehrer. Ausbrechend aus dem Konventionsleben, das er für sich selbst so festlegte, beginnt er sich für das Leben ohne beschränkende Regeln und Gesetze zu faszinieren.


Interessant ist dabei vor allem, wie das Wesen Fletchers sich entwickelt. Sich in die Gemeinschaft Ausgestoßener integrierend, wandelt sich Fletcher zu einem völlig neuen Menschen. Angetrieben von eben seinen Emotionen macht er sich die Freundin eines anderen Bandenmitglieds gefügig, verschafft sich Respekt und steigt innerhalb der Organisation auf. Bennet beobachtet das Geschehen mit Interesse, braucht aber lange, um auch wirklich zu glauben, was er da sieht. Während Fletcher gar nicht richtig begreift, dass das neue Umfeld ihn zu einem völlig neuen Menschen umfunktioniert, wechseln auch die Vorzeichen der Charaktere. Aus Fletcher wird während eines zwar erfolgreichen, aber verlustreichen Banküberfalls ein brutaler, kalt berechnender Vorzeigebandit, der keine Wesenszüge des Lehrers mehr erkennen lässt. Bennet seinerseits fühlt sich verraten und verkauft und muss mit ansehen, wie einer seiner engsten Mitstreiter die Horde Söldner, die die kleine Gemeinschaft, wie von der Staatsmacht befohlen, massakrieren soll, anführt. Hinter den schwedischen Gardinen dämmert ihm plötzlich, wohin eine totale Verrohung führt.


Den Unterschied zwischen den beiden macht auch hier wieder die grundlegende Ausrichtung der beiden Charaktere. Fletcher fungiert zwar nun, weil Bennet im Gefängnis sitzt, als Bandenoberhaupt, aber er organisiert sein Verbrechen und verwandelt die lose Gemeinschaft in eine Verbrecherorganisation, während Bennet sich stets von seiner Spontanität leiten ließ.

Eine weitere nicht unwichtige Figur ist die des Charlie Sirringo (William Berger, Interner Link"Heute ich... morgen du!", "Sabata"). An ihm lässt sich nämlich beispielhaft der Erfolg und Misserfolg der beiden Ideologien, sowie ebenfalls überdeutlich Kritik an dem Vorgehen der Verbrechensbekämpfung von Seiten des Staates festmachen. Sirringo ist Agent des Pinkerton-Büros – eine Detektei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Mitglieder von Bennets "Wilder Horde" unschädlich zu machen. Anstatt sie mit einem Großaufgebot zu bekämpfen, infiltriert er die Bande und versucht sie in eine Falle zu locken. Während der zu der Zeit sich noch von seinem Wissen leitende Fletcher nicht seine wahren Absichten erkennt, glaubt Bennet früh, wieder instinktiv reagierend und sich auf seine Menschenkenntnis verlassend, die wahren Absichten Sirringos zu erkennen, lässt sich von dem Professor aber zunächst einwickeln und das soll Folgen haben. Der Staatsapparat sieht final übrigens keine andere Lösung mehr, als seinerseits eine Horde brutaler Söldner loszulassen. Auf der Seite der Gesetze erscheint die Gewalt nun als Notwendigkeit, auch wenn aus Recht damit Unrecht wird.


Regisseur Sergio Sollima würzt seinen Ausnahmewestern nicht nur mit den tiefgründigsten Aussagen, die vielleicht je in diesem Genre gemacht worden sind, sondern stattet ihn auch mit den üblichen Elementen aus. Schießereien sind genauso an der Tagesordnung wie Duelle und Banküberfälle. Besonders das oftmals zitierte Bild zum Ende, als der im Sand steckende Revolver im Vordergrund nahezu überlegebensgroß vor den beiden Charakteren herausragt, fällt dabei ungewöhnlich auf. Ennio Morricones Musik sei auch hier bloß ergänzend erwähnt. Der Mann steht und stand für erstklassige Tracks und gibt sich auch hier selbstverständlich keine Blöße, genauso wenig wie die Darsteller.


explosive media veröffentlicht "Von Angesicht zu Angesicht" digital aufbearbeitet als Doppel-DVD-Set mit einem Schuber ohne störendes FSK-Logo. Das Cover ist zudem ein FSK-Wendecover. Das Bild der DVD liegt anamorph kodiert und im korrekten Bildformat von 2,35:1 vor. Der Transfer erweist sich als angenehm sauber und zeigt nur wenig analoge Defekte. Das Bildrauschen wurde etwas reduziert, was leider in einigen Szenen anhand von etwas detailarmen Nahaufnahmen sieht. Insgesamt wird uns aber ein angenehmes Rauschverhältnis geboten. In Bewegungen schwankt die Schärfe zudem sehr stark und desweiteren hat das Bild immer wieder mit Bandingproblemen bei Helligkeitsabstufungen zu kämpfen. Der Kontrast geht in Ordnung, neigt in einigen Szenen aber dazu, etwas zu überstrahlen und der Schwarzwert dürfte satter sein. Die Farben wirken etwas ausgeblichen und die Konturen erlauben kein sonderlich plastisches Bild. Insgesamt ein solider Transfer, jedoch merkt man sehr deutlich, dass die Vorlage mit einigen Problemen zu kämpfen hat.


"Von Angesicht zu Angesicht" liegt in der deutschen, englischen und italienischen Synchronfassung vor, von denen die deutsche Sprachfassung eindeutig vorzuziehen ist. Weder störendes Hintergrundrauschen noch Defekte (z.B. Knistern, Knacksen etc.) sind auszumachen. Die Dialogwiedergabe ist sehr gut verständlich und die Musik als auch die Soundeffekte klingen für eine alte Monospur ausgesprochen gut. Der italienische Mix klingt etwas lauter, neigt dafür aber zu Verzerrungen im Hochtonbereich, was vor allem in den Dialogen auffällt. Zudem sind dezente kleinere Defekte herauszuhören. Die Vertonung weist in den Hintergrundgeräuschen ebenfalls kleine Unterschiede auf. Z.B. erklingt am Anfang, als Volonté sich mit dem mexikanischen Mädchen unterhält, deutliches Grillengezirpe, das in der deutschen Fassung nicht zu hören ist. Die englische Synchronfassung klingt relativ dumpf, bietet aber trotzdem eine solide Sprachverständlichkeit. Zudem besteht die Wahlmöglichkeit zwischen einer deutschen und englischen Untertitelspur. Die deutschen Untertitel richten sich bis auf kleine Abänderungen nach der deutschen Synchronfassung und zeigen damit ein paar Unterschiede zu den englischen Untertiteln.


Während auf der Hauptfilm-DVD ein paar Trailer und Vorspänne enthalten sind, befindet sich auf der Bonus-Disc das gesamte Zusatzmaterial. Die rund 50minütige Dokumentation "Spaghetti Western Memories" kennt man bereits aus der Mediabook-Veröffentlichung des Sollima-Westerns Interner Link"Der Gehetzte der Sierra Madre". In der Dokumentation befinden sich Interviews mit Regisseur Sergio Sollima und Darsteller Tomás Milian, die beide sehr ausführlich auf die Entstehung des Italowestern-Genres eingehen und über die Dreharbeiten zu Interner Link"Der Gehetzte der Sierra Madre" und ihr persönliches Verhältnis zueinander sprechen. Die 33minütige Super-8-Version des Films ist ebenfalls schön anzusehen, aber in einem äußerst schlechten Zustand und liegt nur in schwarzweiß vor. Der 15minütige Fotoroman erzählt die Handlung von "Von Angesicht zu Angesicht" mit Schwarzweiß-Standbildern und einkopierten französischsprachigen Textfeldern nach. Desweiteren gibt es noch eine umfangreiche Bildergalerie und den von Ennio Morricone komponierten Soundtrack. Besonders lohnenswert ist der enthaltene wunderbare Soundtrack, den Ennio Morricone komponierte. Im 24seitigen Booklet schreibt Wolfgang Maier einen interessanten Bericht über Morricones Arbeiten für das Italowestern- und Westerngenre.


Faszinierend intelligenter Italowestern, mehr Studie der menschlichen Psychologie als staubtrockene Westernballade. "Von Angesicht zu Angesicht" gehört damit zu den herausragenden Vertretern seines Genres. Sergio Sollima schuf einen nicht nur interessanten, sondern auch spannenden Western, der von seiner Musik und den tollen Hauptdarstellern getragen wird.
Die Doppel-DVD aus dem Hause explosive media ist solide produziert, man merkt jedoch dass das Master einer kompletten Restauration bedarf. Das Bonusmaterial ist sehenswert und zudem liefert das Label den Klassiker mit FSK-Wendecover aus, sowie mit einem Schuber ohne FSK-Logo.


Film+++++-
Bild+++---
Ton++----
Bonus+++/--


Druckbare Version
Von Angesicht zu Angesicht
Von Angesicht zu Angesicht
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.