USA 1997
Originaltitel:G.I. Jane
Länge:120 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Ridley Scott
Buch:Danielle Alexandra, David Twohy
Kamera:Hugh Johnson
Musik:Trevor Jones
Darsteller:Demi Moore, Viggo Mortensen, Anne Bancroft, Jason Beghe, Daniel van Bargen
Vertrieb:Buena Vista/Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch
Untertitel:Holländisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:13.11.2000 (Kauf)
Specials:-
Nicht noch ein Kriegsfilm, werden einige stöhnen, andere werden sich die Hände reiben. Letzterer Gruppierung sei gesagt, sie sollen sich doch lieber nochmal
"Apocalypse Now" anschauen, erstere könnte das Thema von
"G.I. Jane", so der Originaltitel, aufmerksam machen. Im Grunde geht es um das leidliche Thema vom fragwürdigen Einsatz der Frauen bei den Streitkräften. Die Bundeswehr hat ja nun seit 2001 auch die Tore geöffnet für weibliche Offiziersanwärter in den Einheiten und dieser Film greift genau diese Problematik der Integration auf. Vermixt mit einem Schuss politischer Machtspielchen und dem Ruf nach Gleichberechtigung, der aber kaum hörbar schon zu Beginn verhallt, gibts einen stabilen Actionwummer, der gut als überlanger Werbetrailer für die U.S. Army durchgehen könnte. Soll heißen: der Pathos und Nationalstolz spielt natürlich eine erhebliche Rolle im Film - wie sollte es anders sein. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Klischees von Gut und Böse von Vornherein gesteckt sind und das Böse, in Form von namens- und gesichtslosen Abdullahs, ganz klar den Kürzeren zieht.
Das mag jetzt sehr langweilig klingen, ist es aber nicht wirklich. Es gibt 3 Dinge, die den Film wirklich sehenswert machen: die hohe Geschwindigkeit, in der die Story ohne große Füller erzählt wird,
Demi Moore als smarte Powerfrau, die ihren männlichen Mitbewerbern zeigt, wo es langgeht und ihr Ausbilder "Masterchief Urgayle"
Vigge Mortensen, den meisten wohlbekannt aus
"Herr der Ringe", der wieder einmal eine extrem charismatische und coole Rolle spielt, die ständig zwischen "Sadist" und "Kumpel" hin- und herschwingt.
Einige Intermezzos, wie das politische Machtspielchen oder die Tatsache, dass O'Neils Freund durch seinen militärischen Rang seinen Vorgesetzten (sprich: den Gegner der Frau-in-Army-Aktion) zuarbeiten muss, versuchen von Zeit zu Zeit von der rohen Seals-Ausbildung wegzublenden und neuen Zündstoff in die Geschichte zu schmeißen, scheitern aber meist an der Vorhersehbarkeit der Wendungen. Außerdem werden Konflikte meist viel zu schnell wieder gelöst und erscheinen zu glatt, als dass sie wirklich Probleme darstellen.
Man darf behaupten, dass
Demi Moore ihre Rolle der Army-Amazone gut zu Gesicht steht, obwohl ich das vorm Anschauen des Filmes nicht geglaubt hätte. Bei all den Schlammspielchen hat Mrs. Moore sogar noch Zeit, gut auszusehen. Selbst nachdem sie sich ihrer schwarzen Matte entledigt hat (bei dieser Szene lief mir gehörig ein Schauer den Rücken herunter), ist unverkennbar, dass wir es hier mit einer Schauspielerin zu tun haben, die sich auch (oder vor allem?) durch ihr Aussehen einen Namen in Hollywood gemacht hat. Aber genau das macht die Sache auch ein wenig unglaubwürdig. Niemand nimmt dieser Frau ernsthaft ihre Kämpferrolle ab, für mich sieht es manchmal so aus, als ob sich Mrs. America (oder sollte ich lieber Mrs. Silikon sagen ...) aus Versehen in der Waffenkammer statt bei Gucci hat einkleiden lassen hat. Diese suggerierte Mischung aus sexy Ausstrahlung, Intelligenz, brutaler Härte und charakterlicher Stärke gibt es nun mal nicht wirklich auf dieser Erde. Weibliche Gegenbeweise mögen sich mit einem aussagekräftigen Foto per eMail bei mir melden ;-)
Wie auch immer,
Demi Moore gewann den gefürchteten
Razzie Award in der Kategorie "Schlechteste Schauspielerin", meines Erachtens unberechtigterweise, hat sie doch die nötigen physischen Voraussetzung für diese Rolle antrainiert und das ganze mit einer charmanten Durchschlagskraft versehen. Viel besser als die dämliche Gurke
"Striptease", bei der man sie in einer körperbetonten Rolle zu sehen bekommt!
Die 5.1-Tonspur, die in Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch, bleibt meiner Meinung hinter den Erwartungen zurück. Zwar gibt es einige gute Soundeffekte, doch hätte man hier sicher viel mehr rausholen können. Vor allem bei solchen für den Raumklang prädestinierten Themen wie fliegenden Hubschraubern und Schusswechsel verhalten sich die Rear Speaker unangenehm ruhig. Der Subwoofer wird auch zu selten genutzt und ist wie der gesamte Ton recht leise abgemischt (aber hier hilft ja der Volume-Knopf auf der Fernbedienung). Eine Empfehlung geht klar an den O-Ton, bei dem im Menü steht, dass die Einblendung des holländischen Untertitels fest für diesen Ton ist, aber bei mir lässt sich der störende Untertitel abschalten. Viele Stimmen sind sehr viel besser als in der deutschen Synchronisation. Die Ausbilder klingen um einiges härter. Eine Ausnahme bildet die butterweiche Originalstimme des Kompaniechefs, die ihr euch unbedingt mal anhören müsst. Wenn ich an Stelle der Rekruten in der Aufstellung gestanden hätte, wäre ich zusammengebrochen und an einem Lachkrampf verendet.
Der englische und der deutsche Ton hätten für den deutschsprachigen Raum auch völlig ausgereicht, mit dem französischen und dem spanischen Ton kann ich sowieso nichts anfangen. Dass es nur den holländischen Untertitel gibt, ist ein wenig ernüchternd. Die anderen 3 UT-Spuren (dt., span., frz.) sind keine vollwertigen Untertitel, sie zeigen nur kurze Einblendung mit Übersetzungen von den jeweiligen
Standorten.
Das Bild ist eine mittlere Enttäuschung. Zwar bekommt man eine anamorphe Breitbildvariante geboten, diese hat aber vor allem mit Unschärfe und vereinzelt auftretenden Bilddefekten in Form von schwarzen und weißen Kratzern zu kämpfen. Das Bild ist teilweise unruhig und viele Szenen sind umgebungsbedingt sehr dunkel gehalten. Leichtes Hintergrundrauschen ist auch zu erkennen, was ich für einen frischen Film eines Major-Labels recht ärgerlich finde.
Die Extras kann man ganz schnell abhaken: es gibt keine. Bis auf ein Booklet, welches 4 Filmbilder und die Kapiteleinteilung in 4 verschiedenen Sprachen enthält, findet man nur ein marginales Hauptmenü, bestehend aus einem langweiligen Standbild und 3 Auswahlpunkten zur Kapitelanwahl, dem Tonmenu und dem Filmstart. Das Label soll sich was schämen, so achtlos mit den Möglichkeiten des digitalen Videomediums umgegangen zu sein!
Oscar-Preisträger und Regisseur
Ridley Scott, der mittlerweile seit 40 Jahren im Filmgeschäft tätig ist, hat hier wieder einmal routiniert einen Film auf die Beine gestellt, dem man die 2 Stunden Spielzeit gar nicht anmerkt. Sicherlich hat er bei wesentlichen besseren Werken Regie geführt, beipielsweise für
"Alien",
"Blade Runner" oder
"Gladiator", aber ich denke, dass er das Beste aus der oberflächlich verarbeiteten Story gemacht hat. Durch die ständigen Szenen im Ausbildslager und die realistischen Kampfhandlungen darf man einen rasanten Actionfilm mit plakativen, gesellschaftskritischen Zügen erwarten. Innovationen darf man hier im stilistischen Sinne keine suchen, weder bei der Kameraarbeit nur vereinzelt gibt es konfus wirkende, wacklige Handkamera-Szenen), noch bei der Charakterdarstellung oder der musikalischen Untermalung (das übliche gesichtslose Orchester-Getöse), was aber auch nicht sonderlich negativ anzurechnen ist.
ACHTUNG! Diese DVD-9 ist ein Flipper, was bedeutet, dass man nach etwa einer Stunde Film die DVD-Seite wechseln muss.