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HK 1979
Originaltitel:Long quan
Alternativtitel:Dragon Fist
aka. In Eagle Dragon Fist
aka. Poing De La Vengeance, Le
Länge:92:52 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Lo Wei
Buch:Wang Zhong Ping
Kamera:Chan Jung Shu
Musik:Frankie Chan
Darsteller:Jackie Chan, Nora Miao, James Tien, Lin Yin-Ju, Kao Chiang, Yen Si-Kuan, O'Yang Sha Fei, Hsu Hsieh
Vertrieb:Splendid
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu), Dolby Digital 1.0 (Deu, Kant)
Sprache:Deutsch, Kantonesisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:17.10.2005 (Verleih) / 31.10.2005 (Kauf)
Specials:
  • DVD-Programmvorschau:
    • You're Fired (1:55 Min.)
    • Another Public Enemy (2:08 Min.)
    • Samurai Resurrection (1:44 Min.)
    • Muscle Heat (1:03 Min.)
    • Snakehead Terror (1:08 Min.)
    • Arahan (2:33 Min.)
    • Once Upon A Time In A Battlefield (2:07 Min.)
    • Adam & Evil (2:12 Min.)
Yuens (Jackie Chan) Meister wird vom heimtückischen Quen beim Kampf um ein geheimnisvolles Schild getötet. Yuen will Vergeltung und bereitet sich auf ein tödliches Duell vor. Als endlich der Tag der Rache kommt, erkennt Yuen, dass Quen bereits einen hohen Preis für seine Tat gezahlt hat. Immer noch blind vor Rachsucht wird er in eine Intrige des Wai Clans verwickelt und bemerkt beinahe zu spät, wer hinter dem Netz dieser Intrige steht ...
Aber Hallo, Herr Wei! Es wird ja richtig grau in grau! Man weiß ja bald gar nicht mehr, wer hier der Gute ist und wer der Böse ... mag so kurz vor Ende des ausgiebigen Regieführens plötzlich der Wunsch nach komplexer Charakterzeichnung aufgekommen sein?


Dabei fängt alles an wie immer. Ein böser Mensch mit langem Bart, den er schön friemeln und zwirbeln kann, stellt sich vor die Schule seines Rivalen und behauptet großkotzig, er sei der beste Kämpfer, und sein Gegner habe den gerade bei einem Turnier gewonnenen Schild nicht verdient. Der Gegenspieler lässt sich provozieren und stellt sich trotz der flehentlichen Bitte seines Schülers (Jackie Chan), es nicht zu tun, der Herausforderung - und verliert. Und zwar den Kampf und sein Leben. Vorher kann er seinem Schüler aber noch ins Ohr hauchen, er möge sich bitte um Frau und Tochter seines Meisters kümmern, und im Gegenzug schwört der Schüler bittere Rache.


Es soll also schon wieder soweit sein, denkt man sich - im Folgenden, so die Überzeugung des erfahrenen Konsumenten, wird es zuhauf Trainingsszenen mit Jackie Chan geben, der anfangs noch ziemlich mies kämpft, aber immer besser wird und im unvermeidlichen Finale über sich hinauswächst. Doch dann reist der wackere Held mit besagter Frau und Tochter des Opfers im Gepäck einige Zeit später zu dem bösen Menschen mit dem langen Bart, und was ist passiert? Der Kerl hat sich als Zeichen der Reue ein Bein abgeschnitten und ein güld'nes Schild angefertigt. Den bitteren Endkampf voller Rache können wir uns abschminken. Und genau ab hier wird es interessant.

Denn auf einmal ist die ganze Schwarzweißmalerei über den Haufen geworfen. Aus dem anfänglichen Bösewicht macht Lo Wei mir nichts, dir nichts einen Sympathieträger, dem man zu allermindest Mitleid schenken wird, zumal sich seine Frau wegen der bösen Taten das Leben genommen hat und in ihrem Abschiedsbrief schrieb, sie hoffe, ihr Mann möge fortan gerecht seinen Mitmenschen gegenüber werden. Gesagt, getan - Charakter wurde geändert und der Genrefan erlebt seine erste unerwartete Variable. Überraschung!


Doch es kommt noch besser. Plötzlich ist da nämlich noch eine dritte Partei, die heimische Rivalenbande des Mannes mit dem abgeschnittenen Bein. Die streut neue Zweifel, nutzt Gefühle, um Verwirrung zu stiften und die ungeliebte Konkurrenz ein für allemal aus dem Weg zu räumen. Und plötzlich ist unser braver Jackie Chan Mitglied einer Truppe, die nicht gerade als Sympathieträger der Geschichte dargestellt wird. Er ist jetzt einer von den Bösen, und er kam dorthin über seine guten Absichten. Das ist weit mehr Charakterkomplexität, als man sich von einem Lo Wei bis dorthin erhoffen konnte.


Natürlich bleiben die Motive der Figuren trotz allem platt und ihre Handlungen werden psychologisch kein Stück weit ergründet. Am Ende stellt sich einer der Baddies hin und schreit vollmundig, dass er der große Houdini war, der Maulwurf, der alles geplant hat. Sehet mein Werk und unterwerfet euch. Alles wird detailgenau erklärt - anstatt einfach den Überraschungsmoment zu nutzen und alle aus dem Weg zu räumen, werden die Guten über die Pläne aufgeklärt. So ähnlich läuft das die ganze Zeit, aber immerhin, zumindest im Drehbuch hat man sich ein bisschen was dabei gedacht, um sich nicht dem durchgenudelten Schüler-wird-zum-Meister-Werdegang beugen zu müssen. Ein wenig mehr ist diesmal dabei, und das hat gar Auswirkungen auf die schauspielerischen Leistungen.

So stellt Jackie Chan unter Beweis, kein besonders guter Schauspieler zu sein, aber dass er überhaupt den Versuch unternimmt, ist schon etwas. Mit einem talentierteren Schauspieler wäre da emotional sogar noch einiges herauszuholen gewesen, denn die Figur steht zwischen allen Stühlen und ist seine Loyalität betreffend hin- und hergerissen. Durch glaubwürdige Schauspielerei hätte die fehlende psychologische Tiefe der Charaktere kompensiert werden können und "Dragon Hero" wäre ein richtig guter Film geworden.


Ohne Chan hätten allerdings auch die Kämpfe anders ausgesehen, und "anders" heißt in diesem Fall definitiv "schlechter". Die Kampfeinlagen halten sich von der Menge her in Grenzen, werden aber stets zur rechten Zeit gezündet, und wenn, dann so richtig. Beinahe edel wirkt der Hauptdarsteller in seinem langen Gewand, erhaben steht er da und wartet die ersten Attacken seiner meist überzähligen Gegner ab. Und dann gibt's Handkantenschläge in Formvollendung. Punktgenau stoppt die Handplatte vor der Brust des Gegners, blitzschnell ist sie plötzlich wieder ganz woanders und schultert das verdutzte Gegenüber. Es folgen Rollen, Drehungen, Angriff, Abwehr, Konter, und das in einem Wahnsinnstempo bereits in der Filmmitte. Was auf der Leinwand geschieht, wenn man beim Endkampf angelangt ist, mag man gar nicht aussprechen. Messingschlagstöcke schlagen aufeinander, dass ein verschrobener Takt entsteht, wirbeln um den sich drehenden Kopf des Kontrahenten und sind am Ende wieder in der Hand des Anderen angelangt. Die Schritte sind so perfekt und ausgeklügelt wie die polymetrische Exaktheit der Prog-Metalband Meshuggah und ebenso schnell. Das lässt den Schluss zu, dass Chan schon hier seinen Faible für punktgenaue Choreografien ausgelebt hat und dafür sorgte, dass jeder Take saß, auch wenn die Szene hundert- oder tausendmal wiederholt werden würde. Und unbrutal ist das Ganze auch nicht, denn in der ungeschnittenen Fassung sind (kleinere) Blutfontänen und extreme Gewalt an der Tagesordnung.


Ein zweifelhaftes Verständnis der Worte "digitally remastered" legt Splendid auch bei dieser DVD an den Tag. Es scheint das Originalformat vorzuliegen (Proportionen und Bildkompositionen stimmen), aber leider gibt es die DVD nicht im anamorphen Format. Im Fenstermodus macht das noch einen relativ brauchbaren Eindruck, zum Aufzoomen eignet sich das aber wahrlich nicht. Die Details sehen leicht überspitzt aus, was durch Flackern an einigen Stellen quittiert wird. Einige Sekunden kommen gut ohne Bildfehler aus, dann aber wälzen sie sich wieder von einem Bildrand zum nächsten. Diese kurzen Momente der starken Zerstörung des Materials und die dunklen "Ölflecke" bzw. grünlich auslaufenden Bereiche, die kurz durchs Bild schwimmen, lassen kaum den Schluss zu, dass in diesem Bereich ernsthaft etwas am Material getan wurde. Das trifft eher auf die Farben zu. Der etwas lasche Schwarzwert und die blass-braune Tönung lassen nicht viel Spielraum für Verbesserungen zu, da die natürlichen Töne des Filmes bereits gewichen sind, aber zumindest scheint das Geschehen jetzt farblich angenehmer als es vormals einmal gewesen sein mag - wenn es sich nicht gerade um dunkle Szenen handelt. Die Schärfe gibt sich moderat mit verwischenden Bewegungen. Schwache 3 Punkte und die Gewissheit, dass die Verlautbarungen des Covers ganz gewiss nicht gehalten wurden.


Das Label hat auch hier wieder eine 5.1-Abmischung erstellt, indem leise Umgebungsgeräusche als zu Surroundsignalen aufgewertet wurden. Es zwitschert, surrt und gurrt daher so richtig schön aus den hinteren Lautsprechern. Mitunter funktioniert dieser Upmix ganz gut, beispielsweise beim Geräusch in Minute 66:23, meist ist es aber nur hinzugefügtes Füllmaterial, welches der Originalton nie besaß und in Augen von Puristen als Verfälschung aufgenommen werden könnte. Darüber hinaus vergaß man, das Rauschen etwas einzudämmen, denn besonders im 5.1-Modus erklingt das etwas stark. Die Stimmen sind ziemlich klar, als ob sie vor ein paar Jahren abgemischt worden wären. Kein Vergleich also mit dem grausigen O-Ton, der den typischen HK-Eastern-Sound noch um ein paar Level unterbietet. Insgesamt ist zwar auch nur der deutsche Ton eine aufgebohrte Monoversion, dafür aber eine klanglich befriedigende.

Ein Trailer zum Film war wohl nicht aufzutreiben. Auch andere zusätzliche Anreize für den Kauf dieser Scheibe gibt es nicht, abgesehen von einer 8 Titel umfassenden DVD-Vorschau. Unglaublich, dass dies schon die dritte Auflage (!!) des Filmes vom selben Label ist. Während die ersten beiden noch gekürzt waren, bekommen wir hier eine komplette Fassung zu Gesicht, die aber in der technischen Nachbearbeitung versagt und uns auch keinen originalen deutschen Ton liefert, sondern nur die bearbeitete, neue Variante. Zwar ein netter Versuch, aber meilenweit am Tor vorbeigeschossen.


Lo Wei beginnt sehr konservativ mit den üblichen Anfeindungen zweier Rivalen, wechselt dann aber recht schnell zu einem ambitionierten Martial Arts-Drama mit undurchsichtigen Charakteren, auch wenn denen die psychologische Reife abgeht. Jackie Chan ist als Schauspieler in der Hauptrolle fehlbesetzt (wie so oft unter Lo Wei), reißt aber alles mit seiner einnehmenden Präsenz und den unglaublich schnellen und harten Kampfeinlagen raus. Das macht in der Summe mit Sicherheit keinen richtig guten Film, denn für einen solchen sind zwar die Ansätze da, nicht jedoch die Konsequenz. Halbwegs ambitioniert und streckenweise sehenswert ist "Dragon Hero" aber doch.


Film+++---
Bild+++---
Ton++----
Bonus------


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