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IT 1976
Originaltitel:Keoma
Alternativtitel:Keoma - Melodie des Todes
aka. Keoma - Das Lied des Todes
aka. Keoma - Ein Mann wie ein Tornado
aka. Coolman Keoma
aka. Desperado
aka. Django Rides Again
aka. Django's Great Return
aka. Violent Breed, The
aka. Keoma il vendicatore
Länge:96:42 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre (Aufdruck: ab 18 Jahre)
Regie:Enzo G. Castellari
Buch:Enzo G. Castellari, Nico Ducci, George Eastman, Mino Roli, Joshua Sinclair
Kamera:Aiace Parolin
Musik:Guido De Angelis, Maurizio De Angelis
SFX:Giovanni Corridori
Darsteller:Franco Nero, Woody Strode, William Berger, Donald O'Brien, Olga Karlatos, Giovanni Cianfriglia, Orso Maria Guerrini, Gabriella Giacobbe, Antonio Marsina, Joshua Sinclair, Leonardo Scavino, Wolfango Soldati
Vertrieb:Kinowelt
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:16.12.2003 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar
  • Trailer (3:36 Min.)
  • Keoma: Legends Never Die (9:48 Min.)
  • Enzo G. Castellari und Waylon Wahl (Filmjournalist)
  • Filmografien:
    • Franco Nero (14 Seiten)
    • Enzo G. Castellari (7 Seiten)
    • William Berger (11 Seiten)
  • Weitere Trailer:
    • Django (2:54 Min.)
    • Djangos Rückkehr (2:03 Min.)
    • Django, der Rächer (2:35 Min.)
    • Leichen pflastern seinen Weg (2:14 Min.)
Das Halbblut Keoma ist der Sohn eines Ranchers und einer Indianerin. Im Bürgerkrieg hat er auf Seiten der Nordstaaten gekämpft. Verbittert und desillusioniert kehrt er nun in sein Heimatdorf zurück. Über den Ort sind Korruption, Pest und Cholera hergefallen wie Geier über Aas in der Wüste. Eine Bande ehemaliger Südstaatler pfercht im Auftrag des mächtigen Caldwell alle Kranken in einer verlassenen Mine zusammen, um sie dem Siechtum zu überlassen. Doch gemeinsam mit seinem einzigen Freund, dem Sklaven George, greift Keoma die Gangster an.
Dieser ungewöhnliche Beitrag zum Italowestern entstand Mitte der Siebziger, als dieses Subgenre langsam aber sicher in den letzten Atemzügen lag und sich sprichwörtlich tot geritten hatte. Der Markt war einfach übersättigt durch Hunderte artverwandter Produktionen, die sich gegenseitig das Wasser abgruben und zu oft kaum eigene Qualitäten vorzuweisen hatten. Hierzulande relativ unbekannt, genießt "Keoma" unter Genrefans Kultstatus, da selten so pessimistische Western mit Sinn gedreht worden sind, die gleichzeitig auch noch zu unterhalten wissen.



Was "Keoma" aus seinem Genre heraushebt, ist die experimentierfreudige Regie Enzo G. Castellaris (Interner Link"Ein Haufen verwegener Hunde", Interner Link"Der Tag der Cobra"), der hier eine postapokalyptische Atmosphäre verbreitet und sich in Schmutz, zerstörten Sets und unsympathischen Figuren nur so suhlt. Die Musik der Gebrüder De Angelis verhält sich dabei entsprechend der Bilder. Ihre Songs spielen auf die Personen an und unterfüttern Castellaris düstere Vision mit markantem Männergesang. Niedergebrannte Gebäude, durch und durch verdorbene Individuen, Pockenkranke und terrorisierende Marodeure dominieren das Geschehen, um das verbitterte und emotionell verkrüppelte Halbblut "Keoma", das nach dem Bürgerkrieg wieder in seine Heimat zurückkehren will und dort nur Hass, Zerstörung und Habgier vorfindet. Die verwahrloste Stadt wirkt, nachdem die Kranken, wie Tiere, in einer Mine in Quarantäne gehalten werden, wie ausgestorben und nur sein Vater scheint der Alte geblieben zu sein.


Obwohl mit deutlich sichtbar niedrigem Budget gedreht, erweist sich Castellaris Inszenierung als sehr innovativ und experimentell. Castellari war für seinen individuellen Stil bekannt. So darf Keoma beispielsweise, an der Farm seines Vaters angekommen, sich durch seine eigene Vergangenheit bewegen, um dann in einem fließenden Übergang seinen Vater zu begrüßen, den er seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Gegenwart und Zukunft kombiniert Castellari oft und gern - regt dabei den Zuschauer zum interpretieren an.
Aufgrund der finanziellen Möglichkeiten ist die Kameraarbeit natürlich längst nicht so ausgefuchst wie bei früheren Western der Marke Leone, jedoch finden sich immer wieder einfallsreiche Motive, wie das Abzählen von vier Opfern, die durch das Anwinkeln von vier ausgestreckten Fingern entblößt werden. Eine herrlich morbide Szene.
Die Selbstfindung, die er als Waise nun mal durchmacht, nimmt allerdings schon allein die ersten 40 Minuten des Films ein. Bis dahin lässt sich nur schwerlich ein Plot erkennen. So strukturlos sein Ritt vorankommt, so höher das Desinteresse des Zuschauers, da sich Castellari zwar auf optische Spielereien versteht, dabei aber das Erzählen ein wenig aus den Augen verliert. Auch später soll er die Geschichte immer wieder etwas ruppig und roh weiterführen und nicht immer kann man als Zuschauer sofort nachvollziehen, worauf Castellari gerade abzielt. Zudem wirken einige Elemente, wie das orakelhafte Weib, ein wenig zwanghaft bedeutungsschwanger


Auf was der Film hinausläuft ist angesichts der nicht sonderlich außergewöhnlichen Konstellation schnell klar, denn die Truppe um den ehemaligen Offizier Caldwell, der sich auch seine drei Halbbrüder angeschlossen haben, sieht es natürlich nur ungern, dass Keoma sich für die Unterdrückten einsetzt und so kommt es zu einem ausufernden Showdown in der Stadt, bei der das Halbblut dann nicht nur Hilfe von seinem Vater (William Berger, Interner Link"Der Gefürchtete", Interner Link"Ein Halleluja für Camposanto"), sondern auch vom ehemaligen Sklaven George (Woody Strode, Interner Link"Hügel der blutigen Stiefel", Interner Link"Der Tod des Paten") bekommt.
Im Finale verbeugt sich Castellari ganz tief vor Sam Peckinpah ("The Wild Bunch", "Cross of Iron"), indem er dessen Stil nicht nur huldigt, er zelebriert ihn. Jeder Statist stirbt in einer ausführlichen Zeitlupensequenz, wenn Keoma zurückschlägt. Kompromisslos führt er dieses Aufeinandertreffen zu Ende. So gekonnt bis hierhin Bild und Ton auch in Einklang gebracht werden - am Ende verzettelt sich der Regisseur dann leider in einem gekünstelt wirkenden Stacatto aus den Schreien einer gebärenden Frau und weiteren Slowmotionkills, das zu exzentrisch und abgefahren das Ende einleitet.


Franco Nero (Interner Link"Django", "Der Tag der Eule") spielt stark auf, nicht so gut wie in seinen besten Filmen, aber mehr als nur solide und beweist, trotz seines eigentümlichen Looks, der den inneren Zustand seiner Figur widerspiegelt, dass zu den Prototypen des wortkargen Revolverhelden zählt. Mit mit seinem Freund William Berger und dem charismatischen Woody Strode erhält er dabei einen exzellenten Supportcast, der schauspielerisch Donald O'Brien ("Ein Halleluja für zwei linke Brüder", Interner Link"Mannaja - Das Beil des Todes") und seine Brut locker im Schach hält.


Nachdem sich bereits Laser Paradise an einer deutschen DVD-Veröffentlichung dieses Films versuchte - und kläglich scheiterte - nahm Kinowelt die Sache in die Hand, die bisher weitestgehend technisch überzeugende Discs veröffentlicht haben. Wenn auch die Farben zurückhaltend ausfallen, weil man sonst sattere Töne im Italo-Western gewöhnt ist, ist die Optik doch sehr angenehm, weil klar. Spitzenwerte werden bei der Schärfe nicht erreicht, aber das Bild gerät nie aus dem Fokus und selbst Hintergründe bleiben immer etwa gleich gut erkennbar. Restauriert scheint das Bild schon, es bleiben jedoch ein paar Kratzer zurück, zwei oder drei Mal zittert der Bildstand stark und in langsamen Schwenks kommt das stehende Rauschen etwas durch, wobei sonst das Rauschen verschwindend gering ausfällt. Gründe zur Sorge gibt es dennoch nicht, dafür bleibt das Geschehen zu stabil. Der Kontrast könnte noch etwas besser sein, wobei dieser nicht auf eine Kinorolle hinweist, sondern weitestgehend ausgeglichene, wenn auch zu seichte Werte liefert.


Im Deutschen bekommt man einen sehr hellen, etwas knistrigen und leider auch zischelnden Ton geboten, der trotz dieser Eigenschaften einen guten Eindruck macht. Es liegt daran, dass das Verwaschene und Dumpfe hier fehlt. Davon bekommt man im englischen Ton genügend. Hier wird das Alter schon eher deutlich und eine Restauration müsste ran. Da die deutsche Synchro nie komplett war und daher kurze Handlungspassagen auf den englischen Ton (mit deutschen Untertiteln) umschalten, merkt man den Unterschied mitunter sehr deutlich. Verzerrungen im Musikteil kommen in beiden Versionen vor, nur wirkt die deutsche Spur insgesamt frischer, weil hier die Geräuschkulisse reichhaltiger ist.


Es ist zwar schön, dass man die Extras der Anchor Bay-DVD übernommen hat, nur eben schade, dass beispielsweise der Audiokommentar nicht untertitelt wurde. Der Regisseur Enzo G. Castellari und der beisitzende Journalist Waylon Wahl bringen in Gesprächen zwar die Wesenszüge und Hintergründe des Filmes hervor, aber besonders Castellaris Englisch ist sehr schwer zu verstehen. Dagegen hat das 10minütige Interview mit Hauptdarsteller Nero eine Eindeutschung bekommen. Mit Film- und Fotomaterial werden die Aussagen Neros unterstrichen, der neben Fakten zu den Drehbedingungen auch auf die Symboliken des Filmes eingeht. Die drei Filmografien sind scheinbar unvollständig und enthalten wirklich auch nur Titelauflistungen, diese aber jeweils mit deutschen Titeln und einer Menge an Alternativnamen. Außerdem gibt es noch den Trailer mit auf den Weg und vier weitere Italo-Western-Trailer.


"Keoma" ist mit seiner drückenden, düsteren Atmosphäre sicher ein außergewöhnlicher Western, der erzählerisch allerdings öfter Schwächen offenbart. Enzo G. Castellari Inszenierung strotzt nur so vor Einfallsreichtum, was angesichts der Tatsache, dass in dem Genre zu oft lediglich voneinander kopiert wurde und Innovationen nur von den großen Regisseuren etabliert wurden, nur noch wertvoller erscheint. Seine Actionszenen sind eine deutliche Peckinpah-Hommage, die der Meister selbst kaum besser inszeniert hätte.
Mit Sicherheit ein außergewöhnlicher Western, doch zu Werken wie "Leichen pflastern seinen Weg", Interner Link"Spiel' mir das Lied vom Tod" oder der "Dollar"-Trilogie fehlt ein kleines Stück. "Keoma" gehört zu den rohen, düsteren Spätwestern, von denen aber nur ganz wenige noch echte Klasse besaßen.


Film++++--
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


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