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TH 2001
Originaltitel:Meu Beun Lok Pra Jun
Länge:114 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:keine Jugendfreigabe
Regie:Yuthlert Sippapak
Buch:Yuthlert Sippapak
Kamera:Suthas Intranupakorn
Musik:Orange Music
Darsteller:Suthep Po-ngam, Somchai Kemglad, Sornsutha Klunmalee, Perttary Wongkamlao, Pongsak Pongsuwan
Vertrieb:e-m-s/Anolis
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu, Thai), Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Sprache:Deutsch, Thailändisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase
Specials:
  • 4seitiges Booklet
  • dt. und thail. Trailer (jeweils 3:47 Min.)
  • Interviews (5:20 Min.)
  • TV-Show (25:03 Min.)
  • Bildergalerie (61 Bilder)
Pae Puffgun, frisch entlassender Ex-Knacki und Profikiller, wird angeheuert den Polizeipräsidenten auf einem Empfang zu ermorden. Mithilfe seines Bruders Ghost Rifle und den Spezialisten Dog Badbomb und Elvis wird der Auftrag mehr schlecht als recht über die Bühne gebracht - aber mit Erfolg. Doch anstatt den Rest des Lohnes zu bekommen, werden Puffgun und sein Team fortan von ihrem Auftraggeber verfolgt, ebenso wie Kit Silencer, ein geheimnisvoller und versierter Profi, der letztendlich für das Gelingen des Attentats verantwortlich war. Vereint flüchten sie vor den Killern ihres Geldgebers auf die Bordell-Insel Min Kai, wo jeder Einzelne neben der Jagd nach dem Geld auch mit der Bewältigung seiner Vergangenheit beschäftigt ist.
Wenn der Chef voller Enthusiasmus einen Booklet-Text zur DVD-Fassung eines Films schreibt, welche ich wenig später selbst vorstellen soll, muss ich mich in meiner eigenen Meinung dann zügeln und das Abgedruckte abermals wiedergeben? Nein, bin ich nicht dazu verpflichtet. Mein eigener Filmgeschmack sagt mir nämlich, dass man die überall versprühten Lobpreisungen dieses frischen Thai-Streifen doch ein wenig relativieren muss. Was erwartet uns also?

Wer sich die Inhaltsangabe durchgelesen hat und sich das verdammt interessante Covermotiv ansieht, dürfte an einen asiatischen Gangsterkracher denken, der sich durch viel Ballerei, coole Optik und *krassen* Style (dt.: Stilistik *räusper*) auszeichnet. Hinter "Killer Tattoo" verbirgt sich jedoch ein verschlungener Mix aus Action, Dramatik und trashiger Komik, der freundlicherweise den in Mode gekommenen Designer-Prügeleien, Materialschlachten und der langsam überreizten Zeitlupen-Ästhetik gepflegt den Stinkefinger zeigt. Im Rampenlicht stehen Helden von gestern, trottelige Ex-Profis und Menschen, die sich mehr mit ihrem verkorksten Leben herumschlagen als dass ihnen Platz für Coolness und exzessive Lebenserfahrungen bleibt. Dabei ist jeder von ihnen auf seine Weise ein echtes Unikat, welches mir den Vergleich zum im Trailer angesprochenen Interner Link"Pulp Fiction" doch ein wenig verständlicher macht. Darf ich vorstellen: Das Quartett der kuriosen Charaktere. Ganz vorn steht Pae Puffgun, wohl der Normalste des Gespanns, der ähnlich Egon von der Olsenband einen Haufen Unfähiger um sich herum schart, hinkt, zwei altertümliche Schrotpistolen als Waffen bei sich trägt und dessen kurioser Name (leicht zu verwechseln mit dem richtigen Profi Pae Toughgun) ihm die Ehre des gut bezahlten Attentatsauftrags einbringt. Schon hier wird deutlich, dass die Charakterzeichnung der Helden dem Comic entspringt, denn alles andere als den Job einer eiskalten Killermaschine würde man mit diesem knöchrigen Gesicht, welches gern von einer übergroßen Sonnenbrille verdeckt wird, und den abstehenden Ohren assoziieren. Zu ihm gesellt sich sein Bruder Ghost Rifle, ein schlaksiger Scharfschütze und alternder Hippie, der mich mit seiner gutmütigen aber tapsigen Art an Goofy erinnert, besonders wenn er die Gläser seiner Sonnenbrille nach oben klappt. Genau weiß man es nicht, ob die ihn plagenden Visionen von seiner toten Gattin Van (wunderhübsch, *lechz-ins-Quadrat*), die durch sein Ungeschick im Umgang mit Waffen umkam, ihre Ursache in seinen Schuldgefühlen oder im heftigen Konsum von Cannabis haben. Eben jene Schreckensgespenster und natürlich seine zitternden Hände erleichtern ihm die Präzisionsarbeit jedoch nicht unbedingt und führen zu sehr vielen lustigen Begebenheiten im Film. Dazu gesellt sich ab und zu ein frecher Spruch ("Du Scheiß Ausländer hast eine Rakete benutzt. Dafür mach ich dich fertig!") und fertig ist mein persönlicher Held des Filmes. Auch Dog Badbomb, seines Zeichens Bombenbastler und personifizierter Granatwerfer, darf nicht im Spezialteam fehlen. Auch wenn seine Kampffertigkeit wenig Aufregendes vermuten lässt, ist sein Charakter im Zusammenspiel mit Elvis M-16 unabdingbar. Letzterer ist zwar reinrassiger Thailänder, hat nach einem kleinen Zwischenfall aber jegliche Erinnerung an seine Muttersprache verloren und verkündet fortan, er sei Elvis höchstpersönlich, tritt nur im echten King-Dress auf und spricht als echter Amerikaner nur noch Englisch. Das führt zu leichten Kommunikationsschwierigkeiten ("This is a book!", ein Running Gag, der im Original doppelt so gut wirkt!!) und ist ungemein amüsant.

Situationskomik wird zur Genüge abgerissen und häufig durch pointiert schräge Kamerawinkel unterstützt, aber auch der Action-Part kommt nicht zu kurz. Ballereien sind immer wieder mal präsent, wenn auch nicht derart stilisiert wie ihn den großen Vorbildern. Da sieht man Pae schon mal vorm Gegner flüchten, anstatt dass er zurückschießt. Vor allem gegen Ende nimmt der Bleihagel Minuten füllende Form von, sogar ein Western typisches Duell wurde mit Bullet Time-Effekten angereichert, was man an dieser Stelle als Verspottung der gängig schillernden High Tech-Fights ansehen darf, denn ansonsten ist "Killer Tattoo" erfrischend "old school".

Nun zum weniger vergnüglichen Teil des Films, der mir persönlich etwas weniger gefällt: Jeder der 5 Pistoleros (bzw. Granateros) blickt auf eine dunkle Vergangenheit zurück, die es zu lösen gibt. Die Rahmenhandlung wird durch den wortkargen Vollprofi Kit Silencer gegeben, der im Jugendalter den Mord seiner Eltern miterleben musste und nun die Identifikation des Täters mit Hilfe eines Tattoos am Handgelenk sucht. Schwarzweiß-Visionen lenken den Verdacht fortwährend auf eine neue Person, bis auch Pae Puffgun zu den potenziellen Tätern gehört. Dieser trifft im Bordell auf seine Tochter, die er damals im Stich lies, was sie ihm natürlich krumm nimmt. Dog trifft dort auf seine Ex-Freundin, die ihm zu Gunsten eines Anderen verlies, welcher sie wiederum in die Gilde des horizontalen Gewerbes mitschliff. Elvis ist wohl der Einzige, der zur Belustigung des Zuschauers von all dem nichts mitbekommt - nur die Ablösung der Bordell eigenen Band ist für ihn von Interesse. Mit all dem Dramatischen, welches sicherlich hilft, die Charaktere echter darzustellen und dem Zuschauer näher zu bringen, wird man in eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt geworfen. Da fragt man sich oft, was diese und jene Szene denn jetzt bedeutet haben soll, passt sie doch gar nicht in die lockerleichte, vergnügliche Stimmung, die bis dahin vorherrschte. Vielleicht war das alles nur kühle Berechnung des Skriptes, welches den Spaß nur aufbaut, um den Zuschauer das Unheil am Ende doppelt spüren zu lassen. Denn die Verluste sind zahlreich, nicht nur in den gegnerischen Reihen und die Unterlegenheit der Chaotentruppe funktioniert sichtlich als Spaßbremse. Die einzige Unterbrechung, die dem Ernst eine Pause bereitet, ist der mitreißende Abgang von Ghost Rifle, der Person, der man wahrscheinlich den größten Sympathiewert einräumt. Danach fliegen aber wieder die Fetzen!
Ebenso verwunderlich ist die letztlich geschlossene Rahmenhandlung, welche dem Zuschauer mit einigen bedacht anspruchsvollen Szenen Rätsel aufgeben wird - mir sind 2 Interpretationsansätze dafür in den Sinn gekommen, trotzdem habe ich noch das Gefühl, auf dem Holzweg zu sein. Aber auch hier muss ich sagen, dass dieser Abschluss 100% nicht dem entspricht, was ich erwartet oder mir gewünscht hätte. Regisseur und gleichzeitiger Drehbuchautor Sippapek hätte es vereinfachen können und die Blicke auf den mit 1 Million Dollar gefüllten Koffer lenken können, das wäre leichter verdaulich. So geht "Killer Tattoo", der innerhalb seiner Spielzeit eine seltsame Stimmungswandlung durchläuft, leicht verwirrend aus, ist aber trotzdem noch sehr unterhaltsam.

Für das auf dieser DVD vorliegende anamorph abgetastete Breitbild gibt's gleich zu Beginn Schelte: Ungewöhnliche viele Kratzer sammeln sich an einigen Stellen des Films, auch wenn der Großteil des Geschehens moderat sauber ist. Was ebenfalls zum nur guten Gesamteindruck beiträgt, ist die oft unzureichende Schärfe (siehe Innenaufnahmen in Galerie), die die Detailzeichnung vernachlässigt. In schnellen Schwenks und werden nachgezogene Konturen deutlich, was sich im Bewegungsablauf durch leichte Unschärfe widerspiegelt. Die Kompression fällt nicht unangenehm aus den Rahmen, dafür sind aber ein paar weitere Bildfehler, eventuell durch ein fehlerhaftes Master, auffällig: Von 6:19 Min. bis 6:49 Min. scheint sich eine Spinne von der Bildoberkante abseilen zu wollen, dort hängt nämlich ein dünner Faden im Bild. Bei 38:55 Min. wechselt plötzlich mitten in der Sequenz die Helligkeit, Farbunterschiede sind an dieser Stelle sehr oft zu sehen, wobei diese aber drehbedingt entstanden sein können. Die Farbgebung ist durch das dunkle Bild mild, aber noch im normalen Bereich. Der Kontrast aber ist an einigen Stellen (z.B. Strandbar) viel zu steil eingestellt und stellt dort Schattierungen undifferenziert dar. Ein Bildrauschen ist nicht erkennbar, wurde evtl. sogar nachhaltig eliminiert. 4 Punkte für den Gesamteindruck, mit Hängen und Würgen, hätte mein Lehrer in der Schule damals dazu gesagt.
Der Ton ist als 5.1- und als Stereovariante aufgespielt. Den Originalton gibt's als lausigen 2.0-Ton. "Lausig", weil zum einen die Stimmen recht leise abgemischt werden und von sehr schlechter Qualität sind. Sie verzerren und klirren, ähnlich einer schlecht komprimierten MP3-Datei, wogegen die Umgebungsgeräusche und die Musik von guter Qualität sind. Wirklich schade, denn testweise hätte ich mir gern den O-Ton angehört (dt. Untertitel sind vorhanden). Der 5.1-Ton ist ganz offensichtlich ein Upmix, denn außer dem Musiktrack bewegt nichts die hinteren Membranen. Weder pfeifen die Schussgeräusche mal aus den Rear Speakern, noch sind die Explosionen mit besonders dickem Basston versehen. Hier wurde leider sehr viel verschenkt, obwohl die klangliche Qualität sonst keinerlei Klagen aufkommen lässt. Der 5.1 ist also nur ein guter Stereoton, bei dem die Übersetzung der Dialoge in vielen Sätzen stark von den Untertiteln abweicht. Möglicherweise liegt es daran, dass die Untertitel die wortwörtliche Übersetzung und der deutsche Track eine aus Synchronisationsgründen nachgebesserte Übersetzung ist.

Wer den Film durch hat (vielleicht sogar mehrmals?), der darf sich durch die animierten Menus ins ca. 30minütige Bonusmaterial vorwagen. Hier gibt's erstmal standardkonform den deutschen und thailändischen Trailer. Die Interviews sind recht kurz und eher Dialoge zwischen den Darstellern, machen aber Spaß beim Zusehen. Wenn man den den deutschen Untertiteln Glauben schenken darf, reden die Thailänder viel und sagen wenig. So zieht sich die 25minütige TV-Show etwas hin, ein wenig Zeit wird durch sich wiederholende Teaser verschenkt, ist aber insgesamt unterhaltsam, weil die Darsteller hier und da eine lustige Anekdote vom Dreh fallen lassen. Beide Video Features scheinen VHS-Aufzeichnungen zu sein, haben also nicht die beste Qualität. Die animierte und mit zünftigen Rock'n'Roll Soundtrack unterlegte Bildergalerie enthält über 60 Aufnahmen vom Dreh (meist Szenenfotos aus anderen Perspektiven als im Film) und Marketingmaterial. Fast hätt ich's vergessen: Der DVD liegt natürlich ein Booklet bei, in welchem sich diesmal ein gewisser Daniel Pereé mit seinem Eindruck zum Film verewigt hat - wer das wohl sein mag? :D

Für ein Regiedebut ist "Killer Tattoo" überaus beachtlich und mit sehr guten Darstellern versehen, wird mir aber gegen Ende einfach zu schwer. Trotzdem rate ich, einen Blick reinzuwerfen, vergeudete Zeit wird es auf keinen Fall sein! Asien-Fans werden mit der seltsamen Mixtur wahrscheinlich gut zurecht kommen, Blindkäufern rate ich aber, vorher reinzuschnuppern. Die Anolis-DVD ist in Bild und Ton leider nicht so gut wie in der Covergestaltung (geniales Motiv auf matt glänzendem Papier), dafür gibt's lustige Extras anzuschauen, was für Produktionen aus dem asiatischen Raum nicht selbstverständlich ist.


Film++++--
Bild++++--
Ton+++---
Bonus++----


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News"Killer Tattoo" im November
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