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USA 2006
Originaltitel:Scanner Darkly, A
Alternativtitel:Scanner Darkly - Der dunkle Schirm - Alles wird nicht gut, A
Länge:96:20 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Richard Linklater
Buch:Richard Linklater, Philip K.Dick
Kamera:Shane F. Kelly
Musik:Graham Reynolds
SFX:Bob Sabiston, Richard Gordoa u.a.
Darsteller:Keanu Reeves, Casey Chapman, Melody Chase, Dameon Clarke, Rory Cochrane, Jack Cruz, Jason Douglas, Robert Downey Jr., Chamblee Ferguson, Woody Harrelson, Heather Kafka, Marco Perella
Vertrieb:Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,77:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
Verpackung:KeepCase / KeepCase mit Schuber
DVD-Start:11.05.2007 (Verleih) / 11.05.2007 (Kauf)
Specials:
  • Kommentar mit Regisseur Richard Linklater, Darsteller Keanu Reeves, der Tochter des Roman-Autors Isa Dick Hacket, dem Produzenten Tommy Pallotta, sowie dem Historiker Jonathan Lethem
  • Die Entstehung von "A Scanner Darkly" (26:25 Min.)
  • The Weight of The Line: Die Animation (20:46 Min)
  • Original Kinotrailer (1:54 Min.)
  • 4 Postkarten mit Motiven des Filmes (nur Limited Edition)
Das Amerika der Zukunft hat den Kampf gegen Drogen verloren. Das halbe Land ist süchtig nach Substanz D. Polizist Fred ist selbst abhängig, um als verdeckter Ermittler zu arbeiten. Niemand kennt seine wahre Identität. Als er den Auftrag erhält, sein eigenes Haus und damit sich selbst zu beschatten, gerät sein Ich komplett aus den Fugen.
"Everything Is Not Going To Be OK."

Philip K. Dick, seinerzeit einer der bedeutendsten Science Fiction-Autoren Amerikas, schrieb weit über 160 Werke, von denen allein rund 120 Kurzgeschichten waren. Seine Romane gelten auch heute noch als die wegweisendsten der amerikanischen Science Fiction-Literatur, inspirierte Regisseure wie die Wachowski-Brüder ("Matrix"), Ridley Scott (Interner Link"Blade Runner"), Paul Verhoven (Interner Link"Total Recall") und David Cronenberg (Interner Link"eXistenZ") zu ihren Filmen und auch unzählige andere Produktionen tragen unverkennbar Dicks Handschrift.
Eins seiner Werke, welches sich nur bedingt der Science Fiction bedient, ist "A Scanner Darkly", ein Roman aus dem Jahre 1977 und wie zuvor auch schon "Valis" ein sehr autobiographisches Werk, welches eine Menge von Dicks eigener Persönlichkeit widerspiegelt. Im Mittelpunkt dieser grandiosen Geschichte steht Fred alias Bob Arctor, ein Drogenfahnder, der für einen höheren Zweck von seinen Kollegen drogenabhängig gemacht wurde und später nicht mehr zwischen Realität und Wahrvorstellungen unterscheiden kann. Die Droge - Substanz T. - verursacht eine Schädigung seiner Gehirnhälften, wodurch er nicht mehr registriert, dass die Person, die er observiert, und jene, die die Observierung durchführt, ein und dieselbe Person ist, nämlich er selbst! Im Roman spielt Dick sehr schön mit den einzelnen Ebenen von Bob bzw. Freds Bewusstsein, so dass selbst der aufmerksamste Leser mehrere Durchläufe benötigt, um die Handlungsstränge, welche sich nach und nach manifestieren und die Dick zu einem logischen wie überraschenden Ende zusammenführt, richtig deuten und schlussendlich auch verstehen zu können. Zudem ist das ganze Szenario um Dicks Abrechnung mit der Drogensubkultur auch 27 Jahre später noch hochaktuell und des Autors persönlichstes Werk, da er zur damaligen Zeit eine große Krise durchlebte, einen Nervenzusammenbruch erlitt und sich nach einem Selbstmordversuch selbst in ein Therapiezentrum einweisen ließ.
Von daher ist "A Scanner Darkly" weitaus mehr als ein herkömmlicher Roman. "Es brach mir das Herz, diesen Roman zu schreiben, es brach mir das Herz, ihn zu lesen. Die komischen Stellen sind die komischsten, die ich je geschrieben habe, und die traurigen sind die traurigsten - und sie sind beide in ein und demselben Buch", sagte Philip K. Dick selbst über sein Werk. Die Leser gaben ihm Recht: "A Scanner Darkly" gilt als ein faszinierendes, wie deprimierendes Buch - vielleicht eins der deprimierendsten, das je geschrieben wurde.



Nach dem bekannt wurde, dass Interner Link"School of Rock"-Regisseur Richard Linklater sich der Verfilmung des Romans annahm, waren Fans und Kritiker gespannt wie skeptisch zugleich. Bereits in den frühen 90er Jahren versuchte sich Terry "Monty Pyhton" Gilliam an der Umsetzung des Stoffes, verbrannte sich aber schnell die Finger, weshalb die Produktion niemals zustande kam. Doch Linklater schaffte das Unmögliche und versammelte eine Riege großartiger Schauspieler um sich, welche mit ihm zusammen "A Scanner Darkly" in die reale Welt des surrealen Kinos führen sollten. Neben "Stars" wie Winona Ryder (Interner Link"Beetlejuce", Interner Link"Edward mit den Scherenhänden"), Woody Harrelson (Interner Link"Natural Born Killers") und Robert Downey Jr. (Interner Link"Kiss Kiss Bang Bang"), leiht Kenau Reeves ("Speed", Interner Link"Constantine", Interner Link"Bram Stoker's Dracula") dem Hauptdarsteller Bob/Fred sein Gesicht und seine Stimme.
Doch anstelle "A Scanner Darkly" auf konventionelle Art und Weise zu inszenieren, entschied man sich für eine ganz besondere und sehr selten angewandte Technologie der Rotoskopie. Die meisten dürfte diese Art des Filmdrehs bereits aus dem 1977 entstandenen "Herr der Ringe"-Trickfilm bekannt sein, wobei Regisseur Ralph Bakshi diese Technik Jahre später noch einmal in Interner Link"Fire and Ice" anwandte.
Bei der Rotoskopie werden gedrehte Filmszenen und deren Abläufe sozusagen abgepaust. Dadurch erhält man sehr realistische Bewegungen, wie z.B. die aufwendige Tanzszene in Disneys "Schneewittchen und die sieben Zwerge", aber auch Alfred Hitchcock benutze diese Technik in einigen Sequenzen für seinen Klassiker "Die Vögel". Heutzutage findet das Nachzeichnen eigentlich nur noch am Computer statt und wird, entweder weiterhin sehr aufwendig per Hand oder aber wie im Fall von "A Scanner Darkly" per automatischer Vektorisierung realisiert. Das Ergebnis ist stets sehr unterschiedlich und im Fall von Linklaters mittlerweile zweiter Arbeit mit diesem Stilmittel erscheint die Optik sehr gekünstelt und der Zuschauer bekommt das Gefühl, ein sich stets veränderndes Ölgemälde anzuschauen. Das wirkt zu Beginn natürlich sehr beeindruckend, da trotz der starken Verfremdung die durch das Rotoscope-Verfahren entstehen, die Protagonisten immer noch als die Darsteller vor der Verfremdung zu erkennen sind. Doch leider ist es gerade diese visuelle Spielerei, die dem Handlungsfluss schlussendlich im Wege steht.



Hält sich Regisseur Linklaters sehr an die Roman-Vorlage, so schafft er es nicht, die Komplexität der Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Denn spätesten nach 30 Minuten verliert der Zuschauer sich völlig in dieser Welt aus pastelfarbenen Firlefanz und es fällt schwer, der Geschichte folgen zu können. Dabei ist "A Scanner Darkly" rein inszenatorisch gesehen nicht einmal schlecht und die Darsteller machen ihre Arbeit wirklich gut, doch der politische wie ästhetische Tenor muss sich dem Farbtopf unterordnen und das ist genau das, was dem Film schließlich das Genick bricht. Man schaut gebannt auf dem Bildschirm, die Augen überfordert von den vielen Farben, der bewundernswerten Rotoskopie, doch die Ermüdung und das Desinteresse an der Geschichte folgt bereits nach kürzester Zeit. "A Scanner Darkly" hätte auch als reines Drogendrama mit Charakterdarstellern prächtig, vielleicht sogar noch besser funktioniert. Denn der Geschichte benötigt Fingerspitzengefühl und Linklaters war sehr bedacht darauf, Dicks Werk trotz kleiner Änderungen würdig in Szene zu setzen. Und man darf ihm dabei auch kein Vorwurf machen, doch Optik und Inhalt beißen sich zunehmendst und verlangen dem Zuschauer bei diesem überwiegend sehr ruhigen und bedrückenden Werk so einiges ab. Charaktertiefe wird kaum aufgebaut, da sich die Darsteller trotz allem Realismus ihren Trickformaten unterordnen müssen. Herausragend ist dabei aber der Score von Graham Reynolds, der die passende akustische Note sorgt.
Ich würde "A Scanner Darkly" als 90minütigen, surreal angehauchten Drogentrip bezeichnen, aber den Titel verdient nach wie vor der abgedrehte Interner Link"Fear and Lothing in Las Vegas". "A Scanner Darkly" bringt die Gedanken und Gefühle Dicks überraschend Original getreu auf die Leinwand, ist dabei aber weder so gefühl- noch so schmerzvoll wie seine Literaturvorlage. Aber das war auch nicht unbedingt zu erwarten.



"What does a scanner see? Into the head? Into the heart? Does it see into me? Clearly? Or darkly?" - Fred

Die Farbgebung ist sehr satt und kräftig ausgefallen und auch der Kontrast leistet eine hervorragende Arbeit, ganz so wie man es bei einem Film dieser Art erwartet. Die Schärfe überzeugt vor allem durch die gute bis sehr gute Plastizität, wobei die Kanten desöfteren kleine Treppeneffekte aufzeigen. Über Bildrauschen oder Verschmutzungen brauchen wir hierbei erst gar nicht sprechen, jedoch hätte Warner bei den Kompressionen etwas mehr Sorgfalt walten lassen können. Im Hintergrund geben sich immer mal wieder Artefaktebildung und Blockrauschen zu erkennen und das bei einer recht stabilen Bitrate von knapp 7Mb/sec nicht passieren sollte. Ingesamt ein wirklich guter Transfer, dem der finale Schliff fehlt.
Soundtechnisch dürfen wir bei diesem äußerst Dialog lastigen Film nicht viel erwarten, dafür bekommen wir aber eine hervorragende Sprachwiedergabe geboten und eine Räumlichkeit, die meist durch den düsteren Score erzeugt wird. Dabei kommen die Umgebungsgeräusche leider viel zu schlecht weg und werden nur selten und zudem noch recht dezent auf die Rears gelegt. Selbst direktional wird uns nur das Nötigste geboten - auf richtige Surroundeffekte müssen wir fast gänzlich verzichten. Dafür wirkt die Front recht dynamisch und kraftvoll und die deutsche Abmischung punktet gegenüber dem Originalmix mit einen wesentlich lauteren Score. Aber auch hier wurde das Verhältnis Sprache/Score sehr gut gelöst und es gibt bis auf die etwas leisere Abmischung keine wirklichen Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Synchronisation. Optional lassen sich wie bei Warner üblich diverse Untertitel hinzuschalten, darunter auch deutsch und englisch.



Warner veröffentlicht "A Scanner Darkly" einmal als Limited Edition im Schuber mit einem 4teiligen Postkartensatz und einmal als "normale" Edition. Beide enthalten aber die gleiche Menge ans Bonusmaterial und unterscheiden sich von daher nur durch den Schuber und die Karten.
Interessant ist vor allem der informative Audiokommentar mit Regisseur Richard Linklater, Darsteller Keanu Reeves, der Tochter des Roman-Autors Isa Dick Hacket, dem Produzenten Tommy Pallotta, sowie dem Historiker Jonathan Lethem. Leider spendiert uns Warner keinerlei deutschen Untertitel, wodurch dem größten Teil der DVD-Käufer eine Menge an Hintergrundinformationen verloren gehen dürfte.
Die restlichen Extras wurden zum Glück aber wieder deutsch bzw. englisch untertitelt. Den Anfang mach hierbei das 27minütige Featurette "One Summer in Austin: Die Entstehung von 'A Scanner Darkly'", bei dem wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Filmes werfen können, ohne dabei aber wirklich nützliche Informationen zur Entstehung und dem Rotoscope-Verfahren zu bekommen. Vielmehr dürfen sich wieder die üblichen Verdächtigen zu Wort melden und kurze Statements loslassen.
Etwas interessanter wird es dann beim 21minütigen Featurette "The Weight of The Line: Die Animationen". Hier erfahren wir mehr über die Rotoskopie und der Arbeit hinter den Kulissen. Immer noch gestaltet sich dieses Feature viel zu oberflächlich - da gab es schon deutlich Besseres - und auch hier spürt man wieder sehr deutlich, dass das Ganze mehr der Promotion als der Information gilt. Abgerundet werden die kurzweiligen Extras mit dem Original Kinotrailer.



"A Scanner Darkly" ist ein visuell beeindruckender Film, basierend auf einen inhaltlich beeindruckenden Roman. Doch leider harmoniert beides nicht wirklich miteinander, so dass Linklaters Film schlussendlich nicht die Wirkung mit sich bringt, wie es Dicks Roman auch nach den fünften Durchlauf tut. Er schmerzt einfach nicht. Geblendet von der Bildgewalt dieses in Öl getränkten Gemäldes schafft es Linklater nie wirklich, Dramaturgie aufzubauen und überfordert das Publikum mit einer penetranten Farbpalette aus dem Photoshop-Baukasten, welche den Film dominiert und ihm kaum Luft zum atmen lässt. Eigentlich schade, denn Dicks Geschichte ist einer der gefühlvollsten aller Zeiten und dementsprechend hätte man "A Scanner Darkly" vielleicht auch nicht wie ein fröhlich vergnügtes Kunstwerk präsentieren sollen, bei dem Tristesse und Einsamkeit wie auch Schmerz und Trauer einfach nicht in der Form zur Geltung kommen wie man es erwartet hätte. Er ist visuell gesehen eine Wucht, keine Frage, doch was als "eye catcher" gefällt, später aber nur noch nervt, funktioniert leider nicht als das, was es schlussendlich sein sollte: Ein erschütterndes Drogendrama und eine Verbeugung vor dem wohl wegweisensten Schriftsteller des 20 Jahrhunderts.

Die DVD macht technisch gesehen nur wenig falsch und überzeugt durch seine guten, bis sehr gute Bildqualität und seinen Genre bedingt ordentlichen Ton. Bei den Extras hätten wir uns allerdings mehr Substanz gewünscht.


Film++++--
Bild+++++-
Ton++++--
Bonus+++---


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News"A Scanner Darkly" kommt im Mai
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