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USA, HU 1996
Originaltitel:Rasputin
Alternativtitel:Rasputin: Dark Servant of Destiny
Länge:99:53 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Uli Edel
Buch:Peter Pruce
Kamera:Elemér Ragályi
Musik:Brad Fiedel
SFX:Sergei Maslikov, Alan Whibley, Ferenc Ormos
Darsteller:Alan Rickman, Greta Scacchi, Ian McKellen, Freddie Findlay, David Warner, Ian Hogg
Vertrieb:Atlantis
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch
Specials:
- Trailer
- 5 Filmografien
Dem sibirischen Mönch Grigorij Rasputin erscheint die heilige Jungfrau Maria und weist ihn an nach St. Petersburg zu gehen. Dort ist die seltsame Erscheinung bald Stadtgespräch, zumal Rasputin über ungewöhnliche Heilkünste verfügt. Er wird zum Zarenhof gerufen, um dem an der Bluterkrankheit leidenen jungen Thronfolger zu helfen. Da sich der Junge rasch erholt, genießt Rasputin bald das Vertrauen der Zarin - trotz seines ausschweifenden Lebenswandels. Dadurch macht sich der Mönch aber auch viele Feinde ...
Die Geschichte um den russischen Wunderheiler Grigorij Jefimowitsch Rasputin gehört zu den spannendsten und interessantestes Erzählungen des 20. Jahrhunderts. Tatsächlich soll Rasputin als rätselhafte Erscheinung, welche die Zarenfamilie und damit auch die Geschichte Russlands kräftig aufwirbelte, irgendwann zwischen 1860 und 1870 als sibirischer Bauerssohn geboren worden sein und sich schon sehr früh als äußerst einzigartig herauskristallisiert haben. Das bezieht sich vor allem auf seine ausschweifende Lebensweise, welches er sich innerhalb einer fadenscheinigen Glaubensgemeinschaft aneignete. Auf der einen Seite ein Lebemann, der den fleischlichen Gelüsten jederzeit fröhnte, auf der anderen Seite zutiefst religiös, reist er nach St. Petersburg und bekommt dort die Möglichkeit den Thronfolger Alexis, der an der lebensgefährlichen Bluterkrankheit leidet, auf wundersame Weise zu heilen. Nur durch den besonderen Schutz der Zarenfamilie war es Rasputin möglich, seine skandalösen Gewohnheiten beizubehalten, doch schon bald fiel er in Ungunst, vor allem bei der russischen Obrigkeit, die in Rasputin die Ursache für diverse Niederlage (im Krieg und der Innenpolitik) suchte und alsbald den lästigen Störenfried lieber tot als lebendig sehen wollte. Nach mehreren Attentatsversuchen wurde Rasputin schließlich in der Nacht zum 17. Dezember 1916, inmitten des für Russland fatalen Krieges, von einem Angehörigen der Zarenfamilie und Mitgliedern der Duma hinterhältig ermordet.

Diese Verfilmung aus dem Jahr 1996 hält sich weitestgehend an die ursprünglichen Geschehnisse, soweit ich dies aus diversen Texten herauslesen konnte, abstrahiert die Handlung aber auf einige wesentliche Punkte und rafft das etwa 10jährige Leben von Rasputin am Hofe des Zaren auf die wichtigsten Momente zusammen. Einige zeitgeschichtliche Daten werden kurz angerissen, ihre Einordnung bleibt dem Zuschauer aber verborgen, so dass man nicht von einer Dokumentation sprechen darf, sondern tatsächlich die filmische Unterhaltung in den Vordergrund stellt. Seit 1917 entstanden ja verschiedenste Verfilmungen des Stoffes, 1966 beispielsweise der klassische Hammer-Horror Interner Link"Rasputin: The Mad Monk" mit Christopher Lee in der Hauptrolle oder 1984 der deutsche Porno "Rasputin - Orgien am Zarenhof". Warum also dieser hier? Weil er als dramatische Verfilmung mit einem starken Schauspieleraufgebot aufwarten kann, anstatt nur die exploitative Züge der Story auszuwerten.

Alan Rickman in der Hauptrolle des innerlich zerrissenen Mönches, der unter der Last seiner Gabe zusammenzubrechen droht, ist eine wahre Wohltat und seine stark emotionale Ausdrucksweise und seine Mimik, die den Zuschauer auch ohne Dialoge Details erkennen lässt, sind einfach grandios. Ebenso beeindruckend ist der Charakter Rasputins selbst, der in gehobenen Kreisen oft vulgär heraussticht, völlig gegensätzlich zu seinen poetischen Äußerungen und seiner Fähigkeit, Menschen zu umgarnen und in seinen Bann zu ziehen (angedeutet wird, dass er sie hypnotisiert, was seinen durchdringenden Blick erklärt). Auch für die weiteren Hauptrollen wurden Charakterdarsteller verpflichtet und insgesamt ist mir nur eine Szene diesbezüglich negativ aufgefallen: Der Zar (Ian McKellen, spätestens durch seine Rolle als Gandalf in Interner Link"Herr der Ringe" weltbekannt) schluchzt geknickt und sieht dabei nicht wirklich aus, als ob er am Boden zerstört wäre. Vielleicht hat's da grad nicht geklappt mit der Tränendrüse, was aber nix am sehr guten Gesamtbild ändert. Die Kulissen und das stilistische Umfeld stimmen, sind zwar nicht pompös, wie man es von einem prunkvollen Regentenhof erwarten würde (viele Szenen entstanden an Originalschauplätzen in St. Petersburg), passen damit aber bestens in die schwere Zeit, die Russland überschattete. Denn bereits 1905, während man noch gegen Japan zu Felde zog, musste Zar Nikolaus II. Zugeständnisse an sein Volk machen und eine Verfassung sowie ein Parlament einbringen und später mitten im 1. Weltkrieg wurde er auf Grund von katastrophalen inneren Verhältnissen vom Volk gezwungen abzudanken. Einige dieser Ereignisse werden in s/w-Originalaufnahmen eingestreut, umspannt wird der Film aber durch die rückblickende Erzählung von Alexis Geist. Nur selten erkennt man die Gedrungenheit einer TV-Produktion, denn die Verbindung wird recht geschickt durch Schlüsselereignisse vollzogen, wie beispielsweise der Hofangestellte nach der Ermordung Rasputins verkündet "Es tut mir leid - eure eigene Familie ...". Eine äußerst doppeldeutige Wahrheit, die gleichzeitig den Untergang der Zarenfamilie ankündigt. Düster und kalt wie der sibirische Winter war die Stimmung ja seither im Film, aber nun wird sie auch noch bedrohlich. Die Situation für die gestürzte, bereits im Exil (aber noch in Russland) befindliche Zarenfamilie scheint ausweglos und überträgt sich direkt auf den Zuschauer. Die Gewissheit, man stehe dem baldigen Ableben gegenüber, in Verbindung mit der Ungewissheit über genauen Zeitpunkt und Umstand wird packend, wenn auch etwas zu kurz zelebriert. Dafür hat sich abschließende Massaker förmlich in meine Erinnerung eingebrannt, denn die niederschmetternde Ausweglosigkeit, welche die Luft zum Knistern bringt, dürfte hier selbst Klassiker wie "Dead Man Walking" vom Thron stoßen. Packend!

Die Kompression dieser DVD arbeitet über weite Strecken recht inflexibel und so verschenkt man doch einiges der guten Qualität der Vorlage. Denn diese zeigt ein scharfes, wenn auch nicht perfektes Geschehen, dass am ehesten Mängel in einigen verschmutzten Teilszenen aufweist. Halb so schlimm, denn in hellen Szenen sticht ein deutliches Rauschen hervor, welches bei Bewegungen deutliche Artefakte und auch ein sichtbares Blockrauschen in sich birgt. Man achte beispielsweise bei 89:57 min für ein paar Sekunden auf den grauen Himmel zwischen dem Torbogen, der störend hin- und herwabert und verpixelt. An der farblichen Umsetzung gibt es nichts auszusetzen. Die wirkt zwar etwas trist, ordnet sich aber bestens in die düsteren Geschehnisse ein - vielleicht ist auch deswegen das Bild so dunkel. Sachte Nachzieher sind nur schwerlich zu erkennen, dafür flimmern feine Strukturen schonmal. Im Durchschnitt also ein gutes Bild, hätte man nicht so oft die Kompression vernachlässigt. Daher nur 3 Punkte.
Wieder mal die Art von DVD, bei der man zum Ton nur wenig sagen kann, weil er weder schlecht, noch aufregend ist. Kein Wunder, die Dialoge haben ja auch Vorrang. Wie nicht anders zu erwarten spielt sich also der Hauptanteil des Klanges auf dem Center ab, und zwar in guter, problemlos verständlicher Qualität. Upmix-Qualitäten werden auf den hinteren Lautsprechern deutlich, wirken aber meist nur wie ein zaghafter Versuch, Leben in die Klangwelt zu bekommen, weil sie entweder zu leise sind oder sich nur unmerklich vom Stereoton unterscheiden. Dieser ist qualitativ völlig gleichwertig und wenn auch nicht spektakulär, so doch sehr klar und störungsfrei. Macht euch also keine Sorgen um die Audioumsetzung, die ist völlig gelungen (auch was die Synchronisation angeht), eben reduziert auf den Frontbereich. Leider liegt kein Originalton bei, was ich äußerst schade finde, zur guten Schauspielerei gehört nun mal auch die passende und ausdrucksstarke Stimme.
Neben einem deutschen Trailer zum Film darf man fünf ausführlichen Filmografien in Textform beiwohnen (Vorspulen nicht möglich), die stilvoll mit dem Filmscore unterlegt worden. Mehr ist es aber (neben dem 3D-Menu) leider nicht geworden. Auch wenn kein Videomaterial mehr vorhanden gewesen war, hätte eine fundierte Übersicht über den Rasputin-Hintergrund und eventuell auch einen kurzen Bericht zur zeitlichen Einordnung des Filmes gut getan.

Die Ehrung mit 3 Golden Globes und 3 Emmys kommt nicht von irgendwoher, denn diese HBO-TV-Produktion präsentiert die Rasputin-Geschichte halb Mythos, halb Wahrheit, in einem packenden Drama, welches leichte Probleme hat, den gesamten Hintergrund in 100 Minuten zu packen. Die hier vorliegende Atlantis-DVD lässt deutliche Mängel beim Bild feststellen und bietet nur wenige Extras, hat aber einen soliden Ton. Wer nicht so sehr viel Wert aufs Technische legt, darf zugreifen.


Film+++++-
Bild+++---
Ton+++---
Bonus+-----


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