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HK 1990
Originaltitel:Prince Of The Sun
Alternativtitel:Tai yang zhi zi
Länge:82:53 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Wellson Chin, I-Jung Hua
Buch:Lawrence Lau, Abe Kwong
Kamera:Cheng Yiu Chung
Musik:Bon Wong
SFX:Tsang Ming Fai
Darsteller:Cynthia Rothrock, Conan Lee, Ching-Ying Lam, Sheila Chan, Jeffrey Falcon, Shun Lau, Po Tai, Gabriel Wong, Fung Woo
Vertrieb:Starmedia
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Deu), Dolby Digital 5.0 (En)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:-
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:10.02.2005 (Kauf)
Specials:-
Tibet - das Dach der Welt. Ein sterbender Mönch ruft seine Vertrauten zu sich, um ihnen mitzuteilen, dass nun seine Zeit gekommen ist, die Erde zu verlassen. In Form eines Kindes, dem kleinen Buddha, will er zurückkehren, um mit neuen Kräften gegen das Böse anzutreten. Er beauftragt den Mönch Khenlun (Lim Chen Ying) mit dem Schutz des Kindes. Schon nach dem Ableben des Mönches beginnt die Jagd, denn der Verräter befindet sich in den eigenen Reihen. Khenlun erliegt der Übermacht der Verfolger und gibt den Auftrag an seine Schülerin Bencheuk (Cynthia Rothrock) weiter. Der kleine Buddha flieht derweil mit dem Zug nach Hongkong, wo er auf den illegalen Einwanderer und Muskelprotz Tiger (Conan Lee) trifft. Gemeinsam durchlaufen sie eine haarsträubende Situation nach der anderen. Unterschlupf finden sie bei der hysterischen Spielerin Ah Ngor (Sheila Chan), doch die braucht dringend Geld. Daher ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das auf den kleine Buddha ausgesetzte Kopfgeld seine Wirkung zeigt. Endlich trifft auch Bencheuk in Hongkong ein. Gemeinsam nimmt die mittlerweile verschworene Gemeinschaft den Kampf gegen das Böse auf ...
Rothrock 'n' Roll, Baby! Das ist ja hier mal wieder ein fleischgewordener Traum für Fantasy-Kitschromantiker. Stellt uns ein paar tibetanische Kloster hin, verpackt ein glatzköpfiges Kind in ein rotes Tuch und kopiert hier und da mal ein paar gemalte Blitze ins Zelluloid, und wir tanzen auf den Tischen, bis zum nächsten Morgen, wenn die Sonne aufgeht.



Die Geschichte haben wir vier Jahre zuvor schon mit Eddie Murphy erlebt, aber da gab's halt keine Kung Fu Lady! Die gute Cynthia hält uns mit ihren Martial Arts-Fähigkeiten in einer überflüssigen Nebenrolle bei Laune und kickt dabei so manchen Statisten-Ass aus dem Objektiv der Kamera. Neben ihr stehen Männer und eine Frau ihren Mann (ho ho ho, was ein Wortspiel), die sich zweifellos dem typischen Hongkong-Over-the-Top-Slapstick verschrieben haben. Wir haben es nicht mit einer verwestlichten Sage um das Land der untergehenden Sonne zu tun, sondern mit einer verwestlichten Sage, die wieder veröstlicht wurde. Die Asien-Klischees wurden dabei gleich mit importiert. Ein Fantasy-Trash-Spektakel mit Tibet-Kulissen in den Westen gebracht und wieder aus dem Westen heraus in den Osten, Cynthia Rothrock inklusive als kleines Mitbringsel aus den USA - wer kann da schon widerstehen? Ich nicht, dachte ich so bei mir und hatte 80 Minuten meinen Spaß. Mann, mein Anspruch war auch schon mal höher ...

Fest steht, die Kulisse rockt wie vermutet, auch wenn erstaunlich viel Zeit in irgendwelchen Apartments flöten geht, wo der Slapstick das Regiment übernimmt. Nicht, dass es vorher nicht auch schon blöd genug wäre. Da ist nämlich so ein älterer Typ, der stirbt (Typ sinngemäß: "Ach übrigens, ich wollte dir nur noch mitteilen, dass ich jetzt sterbe!"), um in einem noch ungeborenen Kind wiedergeboren zu werden. Krass, oda? Feiger Mönch auf jeden Fall, sich so aus der Verantwortung zu ziehen und dann auch noch Leibwächter für seine neue Hülle zu engagieren. Ob die wissen, dass der Knirps ihnen noch keinen Lohn zahlen kann? Deswegen wahrscheinlich auch Cynthia Rothrock, weil im Land der Sonne ist sie sicher nicht auf das schnelle Geld aus, sondern auf Reschpäääkt. Vermutlich deswegen wirkt ihre Wächterrolle so fehl am Platz. Sie darf die Handlung ja nicht an sich reißen. Tut sie aber nun mal als kickende US-Blondine unter Chinesen ...


Aber wichtig ist der Knirps. Den sehen wir nach einem Fünf-Jahre-Flashback wieder (solange haben die Attentäter wahrscheinlich Party gefeiert oder so). Und er wird synchronisiert von ... Lisa Simpson! Ja, genau, Sabine Bohlmann, die Frau mit der süßesten Kinderstimme auf dem deutschen Markt, schenkt Klein-Buddah ihr Organ. Welch Gottesgeschenk! Nur deswegen wirkt die Klugscheißerei des Rotzlöffels nämlich nicht nervig, sondern - wie beabsichtigt - kultig. Immerhin ist da ja ein erwachsener Mann in dem Kindskörper, und wie er so mit Lisas Stimme Erwachsenenphrasen und Zynismus von sich gibt, hat das schon sein Potenzial. Man stelle sich doch mal bitte mit der knuddeligen Lisa-Stimme folgenden Dialog vor:

Tiger: "Ich will ein Räuber werden, aber eigentlich bin ich ein guter Mensch."
Klein-Buddha: "Ich weiß."
Tiger: "Hä? Und woher?"
Klein-Buddha: "Onkel Khenlun hat mir gesagt, gute Menschen sind dumm, reden sehr gerne und sind nicht besonders schlank. Wie ich sehe, bist du nicht besonders schlank, redest furchtbar gerne und bist dumm."

Und das war einer der intellektuellen Ausgüsse. Über weite Strecken sind die Dialoge drollig bis zum Anschlag, so putzig, dass man Kotzen möchte. Auch wenn Wörter wie Scheiße ("Fressen Sie doch Scheiße!") und Schlampe ("Ich darf die Schlampe nicht Schlampe nennen") vorkommen. Interner Link"Critters 2"? Lakritze, Lakritze, ich bin der Telegrafenfritze? Drauf geschissen ...

Der angesprochene Slapstick findet zwischen Klein-Buddhas Begleitern statt. Die Rothrock ist zwar zu wortkarg und zu westlich, um aus der Haut zu fahren, aber Conan Lee und Sheila Chan strengen sich nach Leibeskräften an, prügeln sich auch gerne mal durchs Apartmentfenster. Das macht Laune ... Auffällig ist es auch, wie auffällig Jackie Chan-Lookalike Conan Lee sich an Chans Comedyrezept vergreift. Da ist jede Bewegung, jede mimische Veränderung bei Jackie abgeguckt. Sollte den Jackie-Fans mal der Stoff ausgehen: Kneift die Augen zu und zieht euch "Prince of the Sun" rein, den Unterschied werdet ihr kaum bemerken.

Schließlich geht's nach viel Slapstick und einer Menge Fights ans Eingemachte, als in einem Tempel Baddie gestellt wird und Kleen-Buddha seine Kräfte offenbart. Es wird ordentlich geblitzt mit gemalten Lichteffekten und es wird durch die Luft geflogen, aber das hat man in anderen Streifen aus den 80ern schon besser gesehen. Der Aufwand ist hier halt nicht so groß. Die seltsame Vampir-Drachen-Maske des Bösen sollte man sich aber mal gegeben haben.



Schön, dass es diesen Film auch auf DVD gibt, schlecht, dass Starmedia sich dabei ein derartige missratene Präsentation ausgesucht hat. Wirklich toll, wenn auch wegen der Schriftart stilistisch etwas gewagt ist lediglich das Cover-Motiv, dass sich auch im Hauptmenu befindet. Dort beginnt der Schlamassel aber schon: Auf Extras muss man gänzlich verzichten.

Richtig schlimm wird's aber, sobald man den Film einlegt - willkommen zurück, du in Ehren gehaltenes Videozeitalter! Die Qualität dieser DVD geht mal gar nicht, da muss man nicht mal pingelig sein und kleinere Fehler suchen. Das offensichtlich von einer schlechten Videokassette aufgespielte Material zeigt sich nur im Vollbild und ist noch horizontal gestreckt, was die Vermutung nahelegt, dass damals das Widescreen-Bild erst in der Breite etwas gestaucht und dann abgeschnitten wurde, um es auf Vollbild zu bringen. Das Resultat ist natürlich unwürdig für einen Action-Film, denn der begrenzte Raum, auf dem die Figuren Platz finden sollen, reicht manchmal nicht, um Aktion und Reaktion darzustellen. Das Format allein würde ausreichen, um das Bild ins Mittelfeld zurückzuwerfen, dazu kommt aber noch die saumäßíge Vorlage. Die ist erst mal viel zu dunkel, sehr kontrastschwach und besitzt matte, verfälschte Farben. Dazu kommt ein durch Videorauschen ständig unruhiges Bild, wie man es heute (zum Glück) nur noch selten erlebt. Eine Detailschärfe ist bei diesem wabernden Effekt kaum möglich. Die Videostörungen, die zwar selten auftreten, dann aber umso heftiger sind, sind ein weiterer Grund, dem Label vorzuwerfen, dass sie hiermit große Scheiße produziert haben.

Beim Ton sieht es nicht anders, lediglich ein klein wenig besser aus, denn auch in diesem Bereich hat man das Gefühl, dass einfach nur eine Videokassette auf Dolby Digital 2.0 aufgespielt wurde. Das fordert das Format natürlich gar nicht, denn Dynamikumfang und Klarheit bleiben bei dem schlichten Klanggemisch aus. Es ist zwar nicht so, dass der Ton zu dumpf oder unverständlich wird, aber ein analoges Brutzeln liegt unter den Stimmen und wenn die Sprecher mal ruhig sind, wird der gesamte Ton stumm. Diese plötzlichen Umschwünge von laut auf stumm hören sich natürlich sehr billig an. Die englische Version gibt es im unüblichen Dolby Digital 5.0, also einer Surround-Variante ohne Subwoofer. Vermutlich stammt diese aus einem simplen Upmix, evtl. von Dolby Surround, denn die Qualität der Rear Speaker-Signale ist nicht gerade überwältigend. Immer wieder wird ohne Feingefühl einfach was auf die hinteren Lautsprecher geworfen, ohne dass es viel Sinn macht. Die Synchro ist im Englischen etwas unbeholfener als im Deutschen.

Doofer Film. Na und? Vorlaute Rotzlöffel kann ich zwar nicht ausstehen - Gott, was habe ich den Bengel im Interner Linkzweiten Indy gehasst - aber der hier ist mit seinen zynischen Sprüchen 'ne Marke. Eastern-Klamauk sollte man schon ertragen können, dann wird alles gut. Cynthia Rothrock rockt im Rot-Rock (einmal auch im Anzug), Conan Lee liebt es, Jackie Chan zu checken und die Fantasy fetzt verdammt fantastisch. Verflucht, was für ein zweifelhaftes Vergnügen. Bei der DVD aber bitte nicht mehr als den einen symbolischen Euro ausgeben, mehr ist sie nämlich nicht wert.


Film+++---
Bild+/----
Ton++----
Bonus------


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