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USA 1977
Originaltitel:Nove ospiti per un delitto
Alternativtitel:Nine Guests for a Crime
Länge:87:38 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Ferdinando Baldi
Buch:Fabio Pittorru
Kamera:Sergio Rubini
Musik:Carlo Savina
SFX:Mauro Grilli
Darsteller:Sofia Dionisio, Massimo Foschi, Dana Ghia, Arthur Kennedy, Caroline Laurence, Loretta Persichetti, John Richardson, Rita Silva, Venantino Venantini
Vertrieb:Camera Obscura
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:DigiPack im Schuber
DVD-Start:17.02.2014 (Kauf)
Specials:
  • 24-seitiges Booklet
  • Audiokommentar mit Christian Keßler und Marcus Stiglegger
  • Featurette: "Nine Little Indians" (26:04 Min.)
  • Italienischer Trailer (2:15 Min.)
Der reiche Patriarch Ubaldo fährt mit seinen drei Söhnen und dessen Ehefrauen auf eine einsame Mittelmeerinsel, um dort im trauten Familienkreis ein paar beschauliche Urlaubstage zu verbringen. Mit der Harmonie im Sippengefüge ist es jedoch nicht weit her: Die Brüder hassen sich untereinander und spannen sich mit Vorliebe gegenseitig die Gattinnen aus, die ihrerseits aus Säuferinnen, Huren und nervlichen Wracks bestehen. Das lustige Ehebrechen wird jedoch jäh unterbrochen, als der erste Tote auftaucht. Scheinbar treibt ein mysteriöser Mörder auf dem Eiland sein Unwesen. Als die Leichen sich häufen und die Nerven der Familienmitglieder zunehmend blankgelegt werden, kommen stückweise auch die grausamen und schmutzigen Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht...
Der ältere, reiche Geschäftsmann Ubaldo (Arthur Kennedy) lädt seine nächsten Anverwandten zu einem sommerlichen Aufenthalt im gut ausgestatteten Ferienhaus auf der familieneigenen Insel ein. Mit an Bord des Segelschiffs befinden sich seine zwei Söhne Michele (Massimo Foschi) und Lorenzo (John Richardson) sowie seine Tochter Patrizia (Loretta Persichetti) nebst Anhang. Auch Ubaldos viel jüngere Ehefrau Giulia (Caroline Laurence) und die allein stehende Tante Elisabetta (Dana Ghia) begleiten sie. Doch wie der Filmtitel "Nove ospiti per un delitto" ("Neun Gäste für den Tod") schon verrät, erwartet sie kein vergnüglicher Aufenthalt, sondern ein Verbrechen, zu dem sie als Gäste beitragen sollen. In einer zwei Jahrzehnte zurückliegenden Eingangssequenz wird der Anlass dafür geliefert - brutal erschießen mehrere Männer den Liebhaber einer jungen Frau und verscharren den noch Lebenden im Sand.


Als Regisseur Fernando Baldi den Film 1977 in die Kinos brachte, hatte der Giallo seinen Zenit schon überschritten, aber "Nove ospiti per un delitto" sollte kein klassischer Genre-Vertreter werden, sondern wirkt im Zusammenspiel aus Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein"-Thematik, grafischen, aber nicht übertrieben brutal inszenierten Morden, erotischen Aufnahmen schöner Frauen und den ausschließlich egoistischen und selbstverliebten Protagonisten wie ein Kommentar auf zwei Jahrzehnte italienisches Genre-Kino, an dem Baldi und sein Drehbuchautor Fabio Pittorru intensiv mitgewirkt hatten. Während Fernando Baldi Sandalen-Filme wie z. B. "Orazi e Curiazi" ("Die verlorene Legion", 1961) und später eine Vielzahl an Italo-Western z. B. Interner Link"Texas, addio" ("Django, der Rächer", 1966) drehte, war Pitturro mehr im Polizieschi ("La polizia accusa: il servizio segreto uccide" ("Der lautlose Killer", 1975), im Erotik - ("Una ondata di piacere", 1975) und politischen Film ("Mussolini ultimo atto" ("Mussolini - Die letzten Tage", 1974)) involviert - eine Mischung, die sich in "Nove ospiti per un delitto" wiederentdecken lässt.


Die gnadenlose Hinrichtung zu Beginn erinnert an einen Lynch-Mord im Western – eine gemeinschaftliche, ohne Eile durchgeführte Aktion von Tätern, die sich im Recht glauben und vor der Justiz geschützt wissen. Die Kamera fängt deren Gesichter nicht ein, aber der Film lässt keinen Zweifel an der Identität der Mörder und der zurückgelassenen Geliebten, bei der es sich um die inzwischen als wunderlich geltende Tante Elisabetta handelt. Mit dem klassischen Szenario einer Jahrzehnte zurückliegenden, verschwiegenen Tat, deren Folgen eruptiv an die Oberfläche gelangen, hat diese Ausgangssituation nichts gemeinsam. Weder werden die Täter von schlechtem Gewissen, noch von unterdrückten Schuldgefühlen geplagt – im Gegenteil erweisen sie sich als genau die rücksichtslosen, egoistischen Zeitgenossen, denen ein solcher Mord zur Wahrung der Familieninteressen zuzutrauen ist.
Autor Pitturro nutzte diese Konstellation zu der genüsslich ausgearbeiteten Charakterisierung einer dekadenten, nur mit sich selbst beschäftigten Ansammlung reicher Schnösel mittleren Alters, ohne deshalb - wie in seinen früheren Filmen - den gesellschaftskritischen Aspekt zu betonen. Viel mehr diente deren Verhalten im ersten Drittel des Films für Testosteron geschwängerte Auseinandersetzungen und sexuelle Wechselspielchen, die genügend Gelegenheiten boten, schöne Frauen erotisch ins Bild zu rücken und den Hass der Protagonisten untereinander anzufachen.


Michele treibt es mit der Frau seines Vaters, Lorenzos Frau Greta (Rita Silva) wiederum mit ihrem Schwager Walter (Vanantino Vanantini), wodurch sich mögliche Mordmotive leicht erahnen lassen, als die ersten Leichen auftauchen. Für die Protagonisten erscheint es zuerst, als ob es sich bei den Todesfällen um Unfälle handelt, aber der Betrachter weiß es besser, nachdem kurz nach der Ankunft auf der Insel die Crew des Segelschiffs von einem Taucher massakriert wird und damit ein leichtes Entkommen von der Insel unmöglich gemacht wurde. Baldi und Pittorro entwickelten aus dieser vertrauten Situation keine neuen Ideen, aber sie reduzierten die Anlage auf ihre wesentlichen Elemente und kamen schnell zur Sache. Nach der kurzen Eingangssequenz und der Einführung der Charaktere werden die klassischen Stufen durchlaufen: Nachdem sich die Unfalltheorie als falsch herausstellte beginnt die Phase der Panik und gegenseitigen Verdächtigungen, zwischendurch werden okkulte Kräfte bedient im Glauben an die Wiederauferstehung des Ermordeten bis es zum Showdown der wenigen Übriggebliebenen kommt, unter denen sich der Täter befinden muss.


Die Stärken des Films sind gleichzeitig seine Schwächen. Das "Giallo"-Genre erlebte seinen Höhepunkt in den frühen 70er Jahren und verstand sich in seiner Mischung aus Sex und Tod innerhalb einer zunehmend hedonistischeren Gesellschaft als Provokation auf die vorherrschende bürgerliche Moral. Anhänger und Kenner des Genres werden sich in "Nove ospiti per un delitto" an den durchgehend sinistren Charakteren, den erotischen Aufnahmen und abwechslungsreichen Morden bis zum abschließenden Höhepunkt zwar erfreuen, aber das lässt nicht übersehen, dass es sich um eine Stilübung zweier erfahrener Filmemacher handelte, die zu oberflächlich blieb, um Ende der 70er Jahre noch Tabus zu brechen.


Mit "Nove ospiti per un delitto" veröffentlicht Camera Obscura ein weiteres seltenes Exponat italienischer Gialli - so selten sogar, dass Ferdinando Baldis Werk nicht einmal in Deutschland erschienen ist. Somit ist die Nummer 13 der begehrten "Italian Genre Cinema Collection" ein weiterer Titel ohne deutsche Synchronisation. Der aufgespielte Mono-Mix wurde, wie das gesamte Tonmaterial auf dieser DVD, mit deutschen und englischen Untertiteln ausgestattet. Altersbedingt bekommt man einen etwas schrilles Klangbild geboten, bei dem sich Defekte und Rauschen angenehm zurückhalten. Klangdynamik sowie Feinakustik sollte man weder von der Musik noch von den Dialogen erwarten. Die fehlenden Tiefen und Mitten sind genau so zu verschmerzen, wie die beschränkten Höhen, die für starkes Übersteuern der Dialoge sorgen, welches wiederum zu Lasten der Sprachverständlichkeit geht. Zumindest klingt der Mix nicht übermäßig dumpf oder blechern.


Der anamorph kodierte Transfer liegt im Format von 1,85:1 vor und schockt in den ersten sechs Minuten der Pre-Credit-Sequenzen mit einer schlechten Bildqualität. Neben stehenden Rauschmuster und deutlichen Schleiern bei Bewegungen sind Kontrast und Schärfe auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Wie im Audiokommentar von Marcus Stiglegger erklärt wird, handelt es sich in dieser Szenenabfolge um eine Rückblende, die absichtlich mit diversen Filtern einen surrealen, alptraumhaften Eindruck hinterlässt. Sobald man den Vorspann hinter sich gelassen hat, bekommt man eine angenehme, aber nicht übermäßig hohe Schärfe und eine gerade noch ausreichende Detailwiedergabe geboten. Das Bild zeigte eine natürliche, aber sichtbare Körnung. Kontrast sowie Farbbalance können als ausgewogen bezeichnet werden, während sich der Schwarzwert als natürlich erweist. Nachgeschärft wurde ebenfalls nicht und die Konturen werden angenehm weich und sauber gezeichnet. Defekte und Verschmutzungen sind kein Thema und es gibt weder stehende Rauschmuster, Bewegungsunschärfen noch Kompressionsartefakte zu bemängeln. Für einen Film aus den späten 1970er Jahren kann sich das Bild sehen lassen. Man sollte aber dazu sagen, dass es genügend ältere italienische Produktionen gibt, die heute noch wesentlich besser aussehen.


Also Bonus enthält die Disc einen bereits oben erwähnten Audiokommentar mit Marcus Stiglegger und Christian Keßler. Beide sind wie immer gut aufgelegt und teilen ihr fundiertes Wissen mit ihren Hörern. Dabei beschränken sie ihren Output nicht nur auf den gezeigten Film, sondern schlagen auf Querverweise auf andere Filme und Filmemacher wie z. B. Mario Bava. In der 26-minütigen Dokumentation "Nine Little Indians" spricht Darsteller Massimo Foschi über seine Karriere, seine Erfahrungen bei den Dreharbeiten und über Regisseur Ferdinando Baldi. Desweiteren enthält die Disc eine Fotogalerie und einen Trailer.

Camera Obscura hat eine sehr schöne Edition im DigiPack veröffentlicht. Das 24-seitige Booklet von Kai Naumann enthält einen interessanten Text zum Film und ein Interview mit dem Szenenbildner Giovanni Licheri. Beides wurde in zwei Sprachen abgedruckt. Technisch ist die DVD für einen Klassiker durchaus ordentlich ausgefallen und wird sich gut neben den anderen Titeln der "Italian Genre Cinema Collection" machen.


Film+++/--
Bild+++---
Ton++----
Bonus+++---


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