Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
IT 1984
Originaltitel:Wild beasts - Belve feroci
Alternativtitel:Savage Beasts
aka. Wild Beasts Will Get You!, The
aka. Wild Beasts, The
Länge:87:58 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Franco Prosperi
Buch:Antonio Accolla, Franco Prosperi
Kamera:Guglielmo Mancori
Musik:Daniele Patucchi
SFX:Maurizio Trani, Massimiliano Cerchi, Cataldo Galliano
Darsteller:Lorraine De Selle, John Aldrich, Ugo Bologna, Louisa Lloyd, Monica Nickel, Stefania Pinna, Simonetta Pinna, Alessandra Svampa, Frederico Volocia, Alessandro Freyberger, Tiziana Tannozzini
Vertrieb:Camera Obscura
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:DigiPack in Pappschuber
DVD-Start:02.11.2011 (Kauf)
Specials:
  • 16-seitiges Booklet
  • Prosperi Uncaged (28:27 Min.)
  • Bruschini goes Wild (17:47 Min.)
  • Ital. Trailer (2:19 Min.)
  • Fotogalerie (30 Bilder)
Im Zoo einer deutschen Großstadt bricht die Hölle los, als eine größere Menge PCP ins Trinkwasser gerät und die ansonsten harmlosen Tiere zu aggressiven Bestien mutieren lässt. Im drogeninduzierten Blutrausch überwinden sie alle Sperranlagen und fallen alsbald über die arglosen Bewohner der Metropole her. Nun liegt es in den Händen eines draufgängerischen Wissenschaftlers und einer Reporterin, die Stadt zu retten ...
Einige italienische Regisseure sind während ihrer Karriere sprichwörtlich über Leichen gegangen. Bis irgendwann ein verschärftes Tierschutzgesetz in Kraft trat, konnten Leute wie Deodato oder Lenzi massenweise Tiere vor laufenden Kameras abschlachten lassen. Franco Prosperis Streifen schlägt in eine ähnliche Kerbe, denn einerseits ist es völlig ungewöhnlich, in einer nächtlichen Großstadt wilde Tiere umherstreifen zu sehen, auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen, ob er das ohne Einsatz von Gewalt hinbekam, wenn er an anderer Stelle Ratten mit Flammenwerfern töten lässt.



Insofern breitet sich über die komplette Laufzeit ein leicht bitterer Beigeschmack aus, auch wenn definitiv ein paar ungewöhnliche Szenen haften bleiben. Das Geschehen spielt in einer nordeuropäischen Hauptstadt, offenbar Frankfurt, wie sich später herauskristallisiert. Im hiesigen Zoo gelangte eine größere Menge PCP (Phencyclidin, oder auch "Angel Dust") ins Trinkwasser, was aus den Tieren aggressive Bestien macht. Sie entfliehen den Gehegen und machen die Stadt unsicher, während ein Team um Wissenschaftler Berner und Reporterin Laura nach einer Lösung sucht.

Ein gewisser Zwiespalt durchzieht den Streifen in vielerlei Hinsicht. Warum beispielsweise muss die zwölfjährige Tochter der Heldin erst einige Minuten in Unterwäsche herumlaufen, bevor sie zum Tanzkurs abgeholt wird - völlig unnötig. Oder später, als die Tiere bereits einige Passanten in der Stadt gerissen haben, fallen Kojote und Löwe über eine Schlachtherde, bestehend aus Rindern, Schweinen und Pferden her, woraufhin die Herden in die Stadt strömen. Das ergibt zwar einige Panik-Szenen mehr, aber auch mehr unnötiges Blutvergießen.



Der eigentliche Tierhorror wurde hingegen phasenweise recht gekonnt in Szene gesetzt. So verfolgt ein Gepard innerhalb einer irrwitzigen Szene einen VW-Käfer, Elefanten führen auf der Landebahn des Flughafens zu einer Bruchlandung und ein Tiger terrorisiert die Fahrgäste einer Straßenbahn. Zwischenzeitlich werden einige Leute attackiert und zerfleischt und auch ein Eisbär treibt final noch sein Unwesen. Viele dieser Szenen weisen eine Menge Drive und gleichermaßen Atmosphäre auf, etwa, als ein Tiger in Zeitlupe zum Sprung ansetzt oder gleich mehrere Raubkatzen ihre Wärter anfallen. Nur leider sorgt die unzureichende Beleuchtung der Sets, vielleicht, um die Tiere nicht zu sehr abzulenken, für stets gebremsten Spaß.

Die Story an sich bietet hingegen nur dünne Ansätze, vor allem Erklärungsansätze. Mit den Figuren wird man nur leidlich warm, weil allesamt furchtbar mies agieren und Figurenzeichnungen ohnehin unter den Tisch fallen. Günstig ist hingegen die Vielzahl der verschiedenen Schauplätze, was für passable Abwechslung sorgt. Ob Tanzschule für Kinder, Flughafen, Geschäfte der Innenstadt, diverse Tunnel oder Kaffee, es ist ständig Bewegung im Spiel, zumal einige Autos kollidieren, sich überschlagen oder gar explodieren. Nur weiß man am Ende weder, wie genau die Chemikalie ins Wasser gelangte, noch ob schließlich alle Tiere wieder eingefangen werden können. Immerhin bleibt noch ein kleiner Plot Twist, dem ein weitaus weniger bitterer Beigeschmack anhaftet.

Denn auch wenn es sich um waschechten Tierhorror in einem ausgewogenem Mix handelt, ist es fraglich, wie man drei Elefanten Seite an Seite durch eine Stadt treiben konnte, dass sich eine Katze in eine Brut von Ratten traut und Löwen im Käfig völlig verrückt spielen. Schauwerte sind dadurch klar vorhanden und können durch keine CGI der Welt ersetzt werden, doch an einigen Stellen wird die Freude doch sichtlich getrübt, wenn man sich Gedanken über Hintergründe einiger Szenen macht. Ein denkwürdiger, kontroverser, aber irgendwie auch kurzweiliger Beitrag des Genres.



Die DVD von Camera Obscura enthält zwei sehr interessante Interviews. Das halbstündige Geplauder mit Regisseur Prosperi ist gezeichnet von dessen Redseligkeit, denn der fit gebliebene Italiener sprudelt nur so vor lustigen und spannenden Anektoden. Sehr sympathisch! Im zweiten Interview erzählt der Filmexperte und Buchautor Antonio Bruschini ein wenig über den Film, der bereits bei anderen Veröffentlichungen von Camera Obscura zugegen war. Dieses Interview läuft nur ein paar Minuten. Im Anschluss meldet sich der Gesprächspartner hinter der Kamera, sein Freund Federico Caddeo, mit einem Nachruf auf den verstorbenen Bruschini zu Wort. Als weitere Extras hat man Zugriff auf den Originaltrailer und eine Bildergalerie mit Aushangmaterial und Cover. Auch das Booklet enthält eine hervorragende Aufarbeitung zum Tierhorror-Genre (hier "Nature's Revenge"), in welchem das Genre in seine Spielarten zerlegt und anhand von herausragenden Beispielen analysiert wird. "Wild Beasts" spielt in diesem Text von Marcus Stiglegger eine untergeordnete Rolle. Sämtliche Extras sind wie das im Stil einer alten Zeitung aufgemachte Menü zweisprachig gehalten. Das Cover wird vom hervorragenden asiatischen Plakatmotiv geziert.

Der kräftige Farbglanz orientiert sich an italienischen Genrefilmen der 70er Jahre, denn in hellen Szenen werden Grundtöne sehr gut herausgearbeitet. Ein bisschen schwindet dies in düsteren Szenenabläufen, die dezent blasser aussehen und dann einen kleinen Schritt in Richtung kühler 80er-Jahre-Stilistik gehen. Dieser Eindruck entsteht aufgrund des nicht ganz satten Schwarzwers bzw. des Kontrasts. Der sehr gute Eindruck wird allerdings nur wenig geschmälert, denn das Bild ist bis auf kurze Ausnahmen sehr sauber, das Rauschen lediglich in dunklen Aufnahmen auffällig und die Kompression ausgewogen. Besonders die Schärfe macht wegen der gesamtheitlich guten Auflösung einiges her. Auch die stellenweise unpräzise Fokussierung ändert kaum etwas daran, dass für eine DVD eines 25 Jahre alten Italos ein plastisches Bild entsteht.


Die 80er Jahre hinterlassen ein etwas schlichtes, vom Synthie-Score geprägtes Klangbild, welchem Bassmomente fehlen. wichtig ist, dass die deutsche Tonspur den hellsten Klang aller drei vorhandenen Sprachen besitzt. Zwar haftet ihr eine etwas sterile, für die 80er Jahre typische Synchronstudioatmosphäre an, doch kommen leise Klangelemente bereits sehr früh und stets sehr sauber zur Geltung. Auch die Stereomöglichkeiten werden je nach Szene hörbar genutzt. Die Versionen im englischen und italienischen Ton klingen auch alles andere als nur nach VHS, aber hier hat das Alter doch etwas mehr zugeschlagen, indem Mittenfrequenzen zu betont sind. Untertitel existieren für die englische und deutsche Version, wobei beide das originale Dialogbuch und nicht die etwas abweichenden Synchros wiedergeben.

Technisch nahezu einwandfreie und sehr liebevolle Veröffentlichung dieses Films. Wer auf Qualität Wert legt, liegt ein weiteres Mal bei Camera Obscura richtig.


Film+++/--
Bild++++/-
Ton+++/--
Bonus+++/--


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.