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USA 2008
Originaltitel:Lakeview Terrace
Länge:106:01 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Neil LaBute
Buch:David Loughery, Howard Korder
Kamera:Rogier Stoffers
Musik:Jeff Danna, Mychael Danna
SFX:Zoic Studios, Invisible Effects
Darsteller:Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Justin Chambers, Jay Hernandez, Regine Nehy, Jaishon Fisher, Robert Pine, Keith Loneker, Caleeb Pinkett, Robert Dahey, Ho-Jung, Bitsie Tulloch
Vertrieb:Sony Pictures
Norm:PAL
Regionalcode:2,4,5
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Türkisch
Verpackung:KeepCase mit FSK-Wendecover
DVD-Start:23.04.2009 (Verleih) / 19.05.2009 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar
  • Entfallene Szenen:
    • Dad inspiziert das neue Haus (1:06 Min.)
    • Auspacken (1:29 Min.)
    • Chris wacht auf (0:37 Min.)
    • Chris' Präsentation / Lisa spricht mit Donnie (3:10 Min.)
    • Vorhang-Kauf (0:57 Min.)
    • Chris und Lisas Party (0:48 Min.)
    • Abel, Lisa und das Messer (Ungeschnittene Fassung, 4:12 Min.)
    • Abel, Lisa und das Messer (Geschnittene Fassung, 2:31 Min.)
  • Hinter den Kulissen von "Lakeview Terrace":
    • Ein gastfreundliches Haus (5:55 Min.)
    • Kennenlernen der Nachbarschaft (6:38 Min.)
    • Home Sweet Home (7:15 Min.)
Kaum hat ein junges Paar sein kalifornisches Traumhaus bezogen, gerät es ins Visier ihres engstirnigen Nachbarn: Der leicht erregbare Polizist, ein strenger, alleinerziehender Vater, hat sich selbst zum Aufpasser der Gemeinde ernannt und missbilligt Liebesbeziehungen zwischen verschiedenen Rassen zutiefst. Seine nächtlichen Patrouillen und überaus wachsamen Augen stellen für die meisten Anwohner zwar eine willkommene Beruhigung dar, das frisch vermählte Paar jedoch fühlt sich von ihm zunehmend schikaniert. Als die beiden beschließen, sich gegen den aufdringlichen Nachbarn und sein ständiges Eingreifen in ihre Privatsphäre zu wehren, hat das tragische Konsequenzen ...
Man kennt das ja: nicht ist mit "... friedlich leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!"! Hollywood hat sich diesem Thema schon mehrfach angenommen und alle, die gern so etwas wie "Nachbarschaftsstreit - Hölle übern Gartenzaun" sehen, hatten an ähnlich gelagerten Filmen wie "Fremde Schatten" oder "Fatale Begierde" sicher ihre helle Freude.



Doch wo die Vorgänger die eigentlich alltäglichen Themen (Vermieterprobleme, Beschützerinstinkt) eher spekulativ-unterhaltsam ausloteten, geht es bei Neil Labute und "Lakeview Terrace" dann eher um amerikanisiertes und realistisches Szenario.
Rassismus und nicht abgebaute Aggressionen sind der Ausgangspunkt für den Konflikt: ein leicht traumatisierter und überkorrekter Familienvater (alleinerziehend), im Beruf Polizist, sieht mit Ungnade auf das "gemischtrassige Pärchen", das da in die recht gut situierte Vorstadtnachbarschaft zieht. Obwohl es eigentlich keinen besonderen Grund für eine Ablehnung seinerseits oder auch nur eine Provokation gibt, lässt er sich zunehmend von seinem Dünkel treiben und ergeht sich in Andeutungen, kaum verhüllten Ablehnungen, rassistischem Sarkasmus und kleinen Sabotagen oder nervigen Attacken, bis sich die gegenseitigen Abneigungen steigern.

Das wäre nicht sonderlich innovativ, wenn Labute nicht sorgfältig darauf achten würde, dass ihm (zumindest etwa drei Viertel des Films) narrativ nicht die Zügel schießen. Alles, was sich hier ergibt, hat einen akzeptablen realistischen Anspruch und kann wirklich so passieren.
Und, womit wir unsere Sehgewohnheiten um ein paar Grad wenden müssen, der unwillige Aggressor ist diesmal ein Farbiger, der auf einen Weißen herabsieht.
Damit das keine platte 180-Grad-Drehung wird, sind jedoch die Charaktere sorgfältig ausgebaut, es geht also nicht um Abreaktion und Unterhaltung, sondern um ordentliche Charakterisierung und Motivation, wobei der Film einen Fall schildert, wo zahlreiche Faktoren unglücklicherweise zusammenkommen.



Der farbige Polizist Abel Turner ist damit dann auch nicht ein simpler Rassist, sondern kompensiert den nicht vollständig aufgeklärten Tod seiner Frau mit einem Leben voller Regeln, unter dem das Verhältnis zu seinen Kindern leidet. Das damit festgeschraubte Weltbild wird dazu noch durch seinen jahrelangen Job in einer Gegend zementiert, die man mit sozialer Brennpunkt am ehesten umschreibt und der tagtäglich lebensgefährlich sein kann. Daraus resultieren aggressive Schübe gegen Angreifer, die schon zu Belastungen seiner Personalakte geführt haben. Es findet keine Abreaktion statt und so kommt es zu einer Kompensation in Form der kleinen Sticheleien und Attacken gegenüber seiner Nachbarn.

Unglücklicherweise passend dazu sind die Mattsons selbst nicht so gefestigt, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Gewisse Probleme, nicht zuletzt mit ihrer (reichen) farbigen Familie, sind nicht genügend ausdiskutiert und die traute Zweisamkeit wird dahingehend gestört, dass sie sich nach und nach mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Jeder hat Geheimnisse und Turner nutzt das weidlich aus, verpfeift Chris bei seiner Gattin zum Thema heimliches Rauchen, garniert einen Besuch mit Hohn und Spott und lässt auch sonst keine Gelegenheit verstreichen, die Nachbarn zu nerven, sich selbst in der Rolle des aufrechten Gesetzeshüters gefallend.
Chris und Lisa dagegen sind als Ausgangspunkt schon fast zu liberal, um so eine konservative Attacke überhaupt richtig einzuschätzen, immerhin bringen sie genügend Duldsamkeit in die Situation, um praktisch vor einer Behörde nicht zu kuschen - ohne zu ahnen, dass schon gewisse interne Ermittlungen gegen Turner laufen.



Natürlich putschen sich die Dinge langsam aber sicher hoch, als keine der beiden Seiten nachgeben will und was erst verschleiert war, gerät langsam aber sicher zu offenem Rassismus, der schließlich beinahe in die Katastrophe führt, als ein fingierter Einbruch samt Einrichtungszerstörung außer Kontrolle gerät.

Es ist dieses letzte Viertel, das dann doch noch aus etwas gröberen Garn gestrickt wurde. Allerdings ist das Ergebnis nicht so lachhaft, wie es manche Kritiken dem Zuschauer glauben machen möchten. Tatsächlich werden die Beteiligten offen gewalttätig, aber die Szenerie wird nie selbstzweckhaft.
Geschickt spielt das Skript mit den in der Gegend (L.A.) herrschenden Waldbränden, deren düstere Rauchomen über den ganzen Film immer näher ans Geschehen rücken, ehe zum Showdown wahrhaftig und metaphorisch alles um die Protagonisten raucht und brennt.

"Lakeview Terrace" ist nichts für Zuschauer, die auf einen Reißer scharf sind. Dazu entwickelt sich die Situation zu ruhig und zu naturalistisch, ist aber deshalb um so beängstigender, vor allem weil Samuel L. Jackson in der Rolle des Turner damit auch noch eine ideale Spielwiese für seine darstellerischen Talente und seine Physis gefunden hat (nach vielen albernen Flops). Patrick Wilsons Chris kommt leider ein paarmal zu naiv daher, gerät aber nie in das Abseits, in der das Publikum vor schwächlicher Genervtheit laut aufstöhnt und Kerry Washington bringt ihren Part mit der notwendigen Wärme rüber, um zwischen den Polen zu überleben. Die letzten Sätze zum Schluss hätte man sich zwar sparen können, aber im Wesentlichen ein sehr gelungener, weil überaus intensiver Film zum Thema "kleinbürgerliche Ressentiments", die das Publikum praktisch dazu zwingt, zu eigenen Einstellungen Positionen zu beziehen oder diese zu überdenken. Da sehr amerikanisch gefärbt, wird das aber wohl frühestens auf DVD ein breites Zuschauerfeld erreichen.



Dank allerlei Farbfilterschnickschnack wurde "Lakeview Terrace" selbst in dunklen Szenen, von denen der Film viele besitzt, sehr satt gestaltet. Auch wenn die Unterschiede zwischen den Szenen nicht allzu hoch ist, sind Stilmittel als solche zu erkennen: In der Nähe des Hauses wird eine warme Färbung genutzt, während Abel Streife fährt schlägt etwas mehr der stellenweise überhöhte Kontrast ein. Die Schärfe ist durchgängig in Ordnung, dem einer größeren Studioproduktion auch angemessen, aber trotzdem unterhalb des Möglichen: Die Plastizität geht voll in Ordnung, aber im Detail fehlt es vielen Aufnahmen an einer feineren Zeichnung. Das stört beim Ansehen zwar nicht, macht aber den Unterschied einer guten und einer sehr guten DVD-Auswertung aus.

Der Ton gibt sich in beiden Sprachen vorerst etwas verhalten, aber zumindest angenehm klangvoll und dynamisch. Musikszenen bauen sich auf und bringen einen ordentlichen Bass mit. Ein Effektfilm ist "Lakeview Terrace" aber nicht und bedient deswegen die hinteren Lautsprecher nur mit wenigen heraushörbaren Signalen. Das macht allerdings beim wohligen Klang nichts. Die deutsche Synchro ist erstklassig. Allerdings würde es mich freuen würde, wenn Hollywood wieder damit beginnen würde, die leicht sterile Studiovertonung mit etwas Natürlichkeit anzureichern. Das fehlt der englischen Version nämlich noch. Für Untertitel ist gesorgt, allerdings frag ich mich immer wieder, wofür man in Deutschland türkische Untertitel benötigt.


Neben dem Film enthält die DVD einen Audiokommentar, in welchem Regisseur Neil LaBute und Hauptdarstellerin Kerry Washington sich locker über ihren Film unterhalten. LaBute ist vor allem begeistert von seinem Werk und den Darstellern und redet deswegen oft davon, wie er dieses und jenes toll findet. Ein paar Hintergrundgedanken zu einzelnen Szenen und Personen kommen aber ebenfalls dabei rüber. Ähnlich geht es in den entfallenen Szenen vonstatten, die man entweder im Originalton oder mit Regiekommentar anschauen kann - in beiden Fällen aber deutsch untertitelt. Für eine Szene existiert zwar kein Kommentar, dafür ein Vergleich zwischen einer gekürzten und der originalen Szenen. Auf alle Fälle sollte man hier Gebrauch vom Menupunkt "Alles abspielen" machen, denn damit erspart man sich die an alle Szenen angehängten, zehnsekündigen Copyright-Hinweise. Inhaltlich dreht es sich ein wenig um die Jobs des Pärchens, aber auch um den Einzug. Den Abschluss bilden drei Einblicke hinter die Kulissen, die sich allerdings mehr als Vorstellung des Filmes anhand von Filmszenen verstehen. Außerdem dauern sie für die wenigen Set-Szenen einfach zu lange bzw. sind zu sehr mit gegenseitigen Liebesbekundungen vollgestopft.


Film++++/-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus++/---


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