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USA 2005
Originaltitel:History of Violence, A
Alternativtitel:Geschichte der Gewalt, Eine
Länge:91:45 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:keine Jugendfreigabe
Regie:David Cronenberg
Buch:John Wagner, Vince Locke, Josh Olson
Kamera:Peter Suschitzky
Musik:Howard Shore
SFX:Mr. X Inc.
Darsteller:Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt, Ashton Holmes, Peter MacNeill, Stephen McHattie, Greg Bryk, Kyle Schmid, Sumela Kay, Heidi Hayes, Gerry Quigley, Deborah Drakeford
Vertrieb:Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:24.03.2006 (Verleih) / 24.03.2006 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar
  • Gewaltakte:
    • Akt 1: Einleitung (5:20 Min.)
    • Akt 2: Amerikanischer Held (7:42 Min.)
    • Akt 3: Gewalt in der Schule (10:12 Min.)
    • Akt 4: Auge um Auge (10:11 Min.)
    • Akt 5: Lügen (5:51 Min.)
    • Akt 6: Gangster-Sex (8:24 Min.)
    • Akt 7: Rivalität unter Geschwistern (13:46 Min.)
    • Akt 8: Hoffnung (3:32 Min.)
  • Nicht verwendete Szene 44 mit opt. Audiokommentar (2:39 Min.)
  • Das Unmaking Of der Szene 44 (7:05 Min.)
  • "Violence's History": USA-Version vs. Internationale Version (1:22 Min.)
  • Zu kommerziell für Cannes (8:53 Min.)
  • Trailer (2:26 Min.)
Tom Stall (Viggo Mortensen), der Inhaber eines kleinen Schnellrestaurants, wird unvermutet zum Helden, als er zwei Gangster bei einem Raubüberfall erschießt. Doch seine Ruhmestat führt zu unerwünschter Aufmerksamkeit von der Unterwelt. Die beiden irischen Mafiosi Carl Fogarty (Ed Harris) und Richie Cusack (William Hurt) behaupten, dass sie Tom von früher kennen. Fogarty belästigt Toms Frau (Maria Bello) und seine Kinder, sodass er zu einer blutigen Auseinandersetzung gezwungen wird, um seine Familie zu beschützen.
Am Anfang steht die Idylle. Das Grauen ereilt die Familie Stall allerhöchstens einmal in Form harmloser nächtlicher Alpträume, die dann gleichsam auch an Ort und Stelle bewältigt werden. Diese Familie ist in sich geschlossen und intakt; skrupellose Gangster, wie sie die Eröffnungssequenz zeigt, die gibt es in dieser Welt nicht. In dem gemütlichen kleinen Städtchen irgendwo im Mittelwesten der USA verläuft das Leben in geordneten Bahnen, der Film bedient und füttert den Zuschauer ganz bewusst mit Klischees, umgarnt ihn mit Sehkonventionen zu warmherziger Musik, nur um das Geregelte, das Vertraute dieser Bilder zu unterstreichen. Der Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, bei dem die kleinen Dinge des Alltags verhandelt werden - eine unzerstörbare Harmonie bestimmt dieses Bild.



Bis zu dem Moment, in dem Tom Stall durch einen unvorhersehbaren Zwischenfall von seiner verbrecherischen Vergangenheit eingeholt scheint, inszeniert David Cronenberg diese kleine Welt analog zur Erwartungshaltung eines Mainstreampublikums: Bunte Farben, weiche Filter dominieren das erste Drittel, in mitunter übersteigert künstlichen Aufnahmen wird die eigentliche Irrealistik dieser vermeintlichen Realität verdeutlicht, mit der Bebilderung des gutbürgerlichen Lebens, das einem sonnigen Traum gleicht. Doch zunehmend changiert der Fokus, mit einer leisen Wucht beschädigt Cronenberg das heile Antlitz des Perfekten, verwandelt die freundlichen Bilder in naturalistische Herbstmotive.

Der erste Ausbruch Toms aus der friedvollen Vaterrolle in seinem Café, eine scheinbare Affekthandlung in Notwehr, bringt die Eigendynamik der Gewalt schlagartig zurück, ihre Inhärenz scheint in den Bewegungen des kontrollierten Mannes mit der neuen Identität jedoch nie verschwunden zu sein. Denn die glatte Oberfläche des Beginns bröckelt unaufhörlich, Gewalt erhält nicht unvorbereitet, urplötzlich Einzug in dieses Leben, sondern sie transformiert sich - anders als in den anderen Filmen des Kanadiers nicht außer- sondern innerhalb der Figuren - lediglich zu einem drastischeren Ausdruck: Wenn Toms Sohn seinem High-School-Rivalen zunächst mit Worten die Stirn bietet, ihn intellektuell attackiert, ist das in ihrem grundsätzlichen Prinzip nur scheinbar eine andere Form der Brutalität als die später demonstrierte Prügelei, das Resultat bleibt dennoch gewalttätiger Natur. Und so ist Geschichte hier kaum etwas, das von längst Geschehenem berichtet, sondern ein Prozess, bei dem das Verborgene einer tiefen Vergangenheit zunehmend in die Gegenwart überführt wird.



Damit erarbeitet Cronenberg eine erschreckende, vielschichtige Dekonstruktion des Kleinbürgerbildes, das gleichzeitig auch eine Dekonstruktion des US-amerikanischen Kulturverständnisses bedeutet: Symbole und Ikonen - Baseball, Cheerleader, High Schools - werden von ihm erst konsequent bedient und bestätigt, um später still und heimlich als leere Hülsen enttarnt zu werden. Synonym montiert Cronenberg zwei Sexszenen zwischen Tom und seiner Frau Edie. Das erste Mal ist es spielerisch, im jugendlichen Dress wollen beide unschuldigen Teenagerverkehr imitieren, den sie nie hatten, doch es ist - obwohl Tom alle Stofftiere vom Ehebett entfernt - nicht mehr als braver Kuschelsex, bei dem Komponist Howard Shore zurückhaltend verrät, dass die bemühte Frechheit letztlich unwahr ist, indem er dieselben friedlichen Töne anklingen lässt, die er auch unter die anfänglichen Alltagsbanalitäten legte, gleichwohl deren musikalische Ursprünge aus dem Western-Genre bereits Bände sprechen.

Die zweite, korrelative Sequenz bürgt dann die wahre Exploration der beiden, die sie sich zuvor versprachen. Auf der Holztreppe findet der eigentliche, animalische Sex statt, Tom und Edie entdecken ihre dunklen, unbekannten Seiten. Cronenberg formuliert nicht alle Zusammenhänge zwischen den dargestellten Emotionen vollständig aus, Fragen nach der schlüssigen Verbindung von Gewalt und Geschlechtsverkehr müssen mitunter selbstständig beantwortet werden. Auf der DVD des Films umschreibt Viggo Mortensen in Hinblick auf seine persönliche Interpretation des Tom Stall treffend die untrennbare Analogie darin: Die Darstellung der Sexszenen sei für ihn dieselbe wie in Szenen voller physischer Gewalt, weil es um die Kraft gehe, die er in diesem Moment verspüren und seiner Figur verleihen würde.



Die Grausamkeit der Vergangenheit lässt sich also kaum einfach abstreifen, das verdeutlicht auch eine geschnittene Traumsequenz, in der Tom seinen Widersacher Fogarty (Ed Harris) kaltblütig erschießt, dieser jedoch selbst mit offenem Brustkorb unzerstörbar scheint. Die erneute Gewaltanwendung, die Reanimation der Brutalität aus dem Innern, ist da nur Beleg für die Verselbstständigung jener Gewalt als das direkteste und primitivste Mittel der Kommunikation, als Nenner aller etwaigen kulturellen oder ethnischen Unterschiede - in Bezug auf das wortlose Töten, das schnelle Handeln, da sprechen Tom und Fogarty ein und dieselbe Sprache. Ironischerweise beschreibt diese Szene die banale Erwartungshaltung an einen Cronenberg-Film, Bilder zerfetzter Leiber über sich ergehen zu lassen, wirkt jedoch wie ein defekter Fremdkörper und wurde aus der fertigen Fassung entfernt.

- "In this family, we do not solve our problems by hitting people!" (Tom) - "No, in this family, we shoot them!" (Jack)

Der letzte Kampf gegen den mafiösen Bruder von einst wirkt dann nur noch wie eine Abfolge oszillierter Vorgänge. Zuletzt hat Tom das getan, was jeder amerikanische Held tun würde: Er hat seine Familie verteidigt, seinem selbst auferlegten Ideal genügt. Die beeindruckend intime Tischszene kurz vor Schluss ist der krasse Gegensatz zu der des Anfangs. Trotz leiser Hoffnungsschimmer ist es alles andere als gewiss, ob die Stalls nach alledem noch immer den Zusammenhalt werden bewahren können. Denn die radikale Entfremdung wird kaum umkehrbar sein: Diese Familie hat eine Unschuld verloren, die sie eigentlich nie besessen hat.



Laut Wikipedia ist "A History Of Violence" 2006 der letzte Hollywood-Film gewesen, der auch auf Videokassette erschien. Danach war es schlichtweg vorbei mit dem Bandmedium - zumindest für die großen Filme. Die technische Ablösung ist aber weniger glanzvoll als man annehmen könnte, denn die deutsche DVD sieht höchstens aus wie ein niedrig budgetierter Hollywood-Film. Zu den positiven Seiten zählen das kontrastreiche, farbstarke, aber dennoch natürliche, fehlerfreie und saubere Bild. Die detailreiche Darstellung lässt sich im Ansatz erkennen: Ed Harris' Cowboygesicht zeigt einige sehr feine Strukturen, wenn man dann aber in der gleichen Szenenabfolge (im Restaurant) die Fliesen an der Wand anschaut, kommt es einem so vor, als ob die Rauschfilterung mehr Schaden als Nutzen brachte. Das klingt möglicherweise schlimmer, als es letztlich ist, aber "A History Of Violence" besitzt eben eine etwas eingeschränkte Konturenzeichnung und trotzdem ein noch ausgeprägtes Rauschen, welches die Kompression zu etwas Blockrauschen auf gleichfarbigen Flächen verleitet. So kommt es nicht selten vor, dass man sich wesentlich mehr Feinheiten und Tiefe wünscht. Andererseits kommt dieser Eindruck vielleicht auch auf, weil man mittlerweile ein sehr hohes Niveau bei DVDs gewohnt ist. Deswegen sind 4 Punkte noch berechtigt.

Cronenberg Schaffen umfasst Filme, die mehr Potenzial für einen Dolby Digital 5.1-Mix haben als dieser hier. Es liegt daran, dass sich außer einer handvoll Action-Szenen, die meistens sehr kurz gefasst sind, viel aus Gesprächen zusammensetzt. Der Score übernimmt in diesen Szenen zwar eine leise Unterstützung, drängt sich aber nicht mit eruptiven, schweren Momenten in den Vordergrund, ist also nicht hauptsächlich für die Entstehung der Grundstimmung verantwortlich. Das bedeutet eine relativ geringe Aktivität im Surround-Bereich und eine gemäßigte Dynamik. Der Dialogbereich klingt dafür hervorragend, sei es in der deutschen Übersetzung oder im englischsprachigen Original. Die durchweg hervorragenden Darsteller verlangen natürlich nach der vollen Ausdrucksstärke, die man nur im Original wiederfindet und deutsch untertiteln kann.


Die deutsche DVD enthält ein paar interessante Extras, die glücklicherweise das Thema "Gewalt" nie so behandeln, dass es Zensurbefürwörtern zur Argumentation reicht. Die "Gewaltakte" beispielsweise sind keine Aneinanderreihung der blutigen Szenen des Filmes (wie es zu Anfangszeiten der DVD bei einigen Horrorfilmen gemacht wurde), sondern ein Blick hinter die Kulissen in Form eines Making Of. Darsteller, der wichtigste Teil der Crew und natürlich der Regisseur werden während des Drehs beobachtet und manchmal auch befragt. Das Making Of ist sehr sympathisch gemacht und es wird u.a. dargestellt, dass Cronenberg die familiäre Atmosphäre am Set sehr schätzt, die u.a. daraus entstand, dass er bereits seit 20 Jahren mit einigen seiner Kollegen zusammenarbeitet. Cronenberg ließ für diesen Film erstmals eine gekürzte Szene fertigstellen, um sie auf der DVD zu zeigen. In einem optionalen Audiokommentar erklärt er, warum diese 2 Minuten schon frühzeitig aus dem Film entfernt wurden, obwohl sie mit viel Aufwand gedreht wurden und eine sehr interessante Ausleuchtung mit gorigen Spezialeffekten verbinden. Im "Unmaking Of" geht es nicht darum, wie diese Szene entfernt wurde, sondern wie sie gedreht wurde. Darin enthalten sind ein paar sehr amüsante Gespräche und ein kleiner Schlussgag. Etwas ungewöhnlich ist die Entscheidung, den Film der Freigabebehörde MPAA in einer leicht modifzierten Fassung vorzulegen, in der zwei Gewaltszenen entschärft wurden. Diese zwei Szenen, die man im direkten Vergleich mit der internationalen Fassung unter "Violence's History" sieht, sind aber wirklich nur dezent verändert wurden, z.B. indem weniger Blut oder ein nicht so sehr lauter Toneffekt genutzt wurde. Zu kommerziell war "A History Of Violence" für das Filmfestival Cannes natürlich nicht, auch wenn der Regisseur das zu anfang dieser Dokumentation so erzählt. In diesen 8 Minuten geht es darum, wie der Film von Cronenberg selbst testvorgeführt wird, wie die Darsteller mit ihm zusammen auf dem roten Teppich stehen und einen Interview-Marathon abhalten (der einige sehr interessante Kurzaussagen enthält) und letztlich die Publikumsreaktionen nach der Vorführung. Besonders hervorhebenswert ist aber der Audiokommentar von David Cronenberg, in welchem er das Konzept seines Filmes erklärt und dafür die inhaltliche und stilistische Bedeutung einzelner Szenen angeht. Wie alle anderen Extras ist auch dieses deutsch untertitelbar.


Film+++++/
Bild++++--
Ton+++/--
Bonus++++--


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NewsDie Oscar-Nominierungen 2006!
"History of Violence" Mitte März auf DVD
History Of Violence, A
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