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USA 1992-1993
Originaltitel:Simpsons, The
Alternativtitel:Simpson, Los
aka. Simpsonovi
Länge:484:50 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Mark Kirkland, Rich Moore, Jim Reardon, Carlos Baeza, Jeffrey Lynch, Wes Archer, David Silverman
Buch:David M. Stern, Jeff Martin, George Meyer, Al Jean, Mike Reiss, Jay Kogen, Wallace Wolodarsky, Sam Simon, Jon Vitti, John Swartzwelder, Bill Oakley, Josh Weinstein, Conan O'Brien, Gary Apple, Michael Carrington, Frank Mula, Adam I. Lapidus
Musik:Danny Elfman, Alf Clausen
Darsteller:Dan Castellaneta, Julie Kavner, Nancy Cartwright, Yeardley Smith, Hank Azaria, Harry Shearer, Pamela Hayden, Maggie Roswell, Russi Taylor, Marcia Wallace, Phil Hartman, Jon Lovitz, Bob Hope, Neil Armstrong, Tom Jones, Sara Gilbert, Linda Ronstadt, Adam West, Elizabeth Taylor, Leonard Nimoy, Doris Grau, Tress MacNeille, Joyce Brothers, Brooke Shields, Barry White, David Crosby, Johnny Carson, Flea, Hugh M. Hefner, Anthony Kiedis, Arik Marshall, Bette Midler, Luke Perry, Chad Smith
Vertrieb:20th Century Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:KeepCases im Pappschuber
DVD-Start:07.10.2004 (Kauf)
Specials:
  • 12seitiges Booklet
DVD 1:
  • Audiokommentar für jede Episode
  • Ein Wort von Matt Groening (1:55 Min.)
  • Kunst & Animation: "Bühne frei für Marge" (4 Blickwinkel, 9:38 Min.)
  • Die Cajun-Kontroverse (2:07 Min.)
  • Die Simpsons international "Krise im Kamp Krusty":
    • Portugiesisch
    • Italienisch
    • Japanisch
    • Spanisch
  • Bush gegen die Simpsons (5:08 Min.)
  • Werbematerial (13:55 Min.)
DVD 2:
  • Audiokommentar für jede Episode
  • Werbespots:
    • Zwang (0:32 Min.)
    • Unvergessliche Klassiker (0:32 Min.)
    • Strand-Homer - Butterfinger (0:17 Min.)
    • Der große Klau - KFC (0:30 Min.)
  • Animations-Schaufenster: "Bart wird bestraft" (4 Blickwinkel, 7:35 Min.)
DVD 3:
  • Audiokommentar für jede Episode
  • Nicht verwendete Szenen: "Oh Schmerz, das Herz!" (mit opt. Audiokommentar):
    • Bullen im Coffee-Shop (0:08 Min.)
    • Homer im Krankenwagen (0:11 Min.)
    • Krusty-Kanone (0:09 Min.)
    • Homer isst Pizza (0:16 Min.)
  • Kunst & Animation: "Oh Schmerz, das Herz!":
    • Animations-Schaufenster (8:19 Min.)
    • Animatic mit opt. illustrierten Kommentar (8:24 Min.)
  • Hidden Feature
DVD 4:
  • Audiokommentar für jede Episode
  • Nicht verwendete Szenen: "Wir vom Trickfilm" (mit opt. Audiokommentar):
    • Der übliche Ablehnungsbrief (0:19 Min.)
    • Ich werde Ski fahren lernen (0:22 Min.)
    • Richy & Kathy (0:10 Min.)
    • Dynamit in einer Katze (0:18 Min.)
    • Setz dich und spiel mit meinen Zähnen (0:14 Min.)
    • Nickel für den Trolley (0:12 Min.)
  • Kunst & Animation: "Nur ein Aprilscherz ...":
    • Animations-Schaufenster (4 Blickwinkel, 3:55 Min.)
    • Animatic (6:01 Min.)
1. Krise im Kamp Krusty / Kamp Krusty (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 14.04.1994
US-Erstausstrahlung: 24.09.1992


Endlich Sommerferien! Als eingefleischte Krusty-Fans kennen Bart und Lisa nur ein Ziel: Im Ferienlager des lustigen Fernsehclowns eine tolle Zeit zu verbringen. Doch vor Ort erwartet die beiden eine böse Überraschung: Gangster haben das Kommando im "Kamp Krusty" übernommen! Bart und Lisa sind wild entschlossen, den Fieslingen das Handwerk zu legen.


2. Bühne frei für Marge / A Streetcar Named Marge (22:06 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 16.02.1993
US-Erstausstrahlung: 01.10.1992


Einmal im Leben als Star auf der Bühne stehen - das ist Marge Simpsons großer Traum. Als in Springfield für eine Musical-Version von "Endstation Sehnsucht" geprobt wird, geht sie zum Vorsprechen - und wird prompt für die Hauptrolle der Blanche engagiert. Homer ist nicht gerade begeistert von ihrer Bühnen-Karriere und lässt nichts unversucht, um sie davon abzubringen ..., doch Marge ist nicht mehr zu bremsen!


3. Ein gotteslästerliches Leben / Homer The Heretic (22:05 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 21.04.1994
US-Erstausstrahlung: 08.10.1992


Jeden Sonntag früh aufstehen, um in die Kirche zu gehen? Homer hat das schon lange satt. Als ihm Gott höchstpersönlich im Traum erscheint und ihm erlaubt, im Bett zu bleiben, genießt Homer die neue Freiheit. Nur die Zigarette hätte er besser vorher ausmachen sollen ...


4. Lisa, die Schönheitskönigin / Lisa, The Beauty Queen (22:05 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 28.04.1994
US-Erstausstrahlung: 15.10.1992


Mit ihrem Aussehen steht Lisa auf Kriegsfuß, denn sie findet sich potthässlich! Um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, meldet Homer sie zur Miss-Wahl für 7- bis 9-Jährige an. Und oh Wunder: Auch ohne Wimpern-Implantat macht Lisa eine ziemlich gute Figur. Als die Wettbewerbssiegerin von einem Blitz getroffen wird, schlägt Lisas große Stunde.


5. Bösartige Spiele / Treehouse of Horror III (22:06 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 12.05.1994
US-Erstausstrahlung: 29. 10.1992


Es ist wieder Halloween und bei den Simpsons herrscht das pure Chaos. Zur Feier des Tages schenkt Homer Bart eine Krusty-Puppe. Doch hinter dem lustigen Clowns-Gesicht lauert ein finsteres Geheimnis. Und dann ist da noch das Okkultismus-Buch, mit dessen Hilfe Bart die tote Katze Schneeball zum Leben erwecken will ...


6. Bart wird bestraft / Itchy & Scratchy: The Movie (22:04 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 05.05.1994
US-Erstausstrahlung: 03.11.1992


Der erste "Itchy & Scratchy"-Film läuft in Springfields Kinos an - für Bart ein absolutes Muss. Leider hat sich Homer soeben vorgenommen, seinen nichtsnutzigen Sohn von nun an konsequenter zu bestrafen. Als Bart mal wieder Mist baut, verhängt Homer ein "Itchy & Scratchy"-Filmverbot auf Lebenszeit. Ob das Bart auf den richtigen Weg bringen wird?


7. Marge muss jobben / Marge Gets A Job (22:07 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 19.05.1994
US-Erstausstrahlung: 05.11.1992


Als ein Fernsehbeitrag das Haus der Simpsons mit dem schiefen Turm von Pisa vergleicht, dämmert es Homer: Es muss etwas geschehen. Um das Geld für die Renovierungsarbeiten zu beschaffen, nimmt Marge einen Job im Atomkraftwerk an. Dort trifft sie auf Mister Burns, der sofort sein Herz an die attraktive Blauhaarige verliert ...


8. Laura, die neue Nachbarin / The New Kid On The Block (22:09 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 26.05.1994
US-Erstausstrahlung: 12.11.1992


Bart hat sich unsterblich in das neue Nachbarmädchen Laura verliebt. Zu seinem Schrecken muss er jedoch feststellen, dass sie dem Schul-Rowdy Jimbo Jones schöne Augen macht. Bart würde alles tun, um sie zu beeindrucken. In seiner Not schreckt er auch nicht davor zurück, Homer um Rat zu fragen. Das hätte er besser nicht gemacht ...


9. Einmal als Schneekönig! / Mr. Plow (22:04 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 09.06.1994
US-Erstausstrahlung: 19.11.1992


Homer hat es mal wieder geschafft: Während eines Schneesturms fährt er beide Autos der Familie zu Schrott. Als er auf der Suche nach einem Ersatzwagen einen alten Schneepflug entdeckt, kommt ihm eine großartige Idee: Er wird Springfields Straßen vom Schnee befreien und damit das große Geld machen. Doch die Konkurrenz schläft nicht ...


10. Am Anfang war das Wort / Lisa's First Word (22:06 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 16.06.1994
US-Erstausstrahlung: 03.12.1992


Auch wenn die Familie alles versucht, um Maggie ihr erstes Wort zu entlocken: Der jüngste Simpsons-Sprössling nuckelt weiter nur stumm am Schnuller. Marge und Homer erinnern sich an die Zeit, als Bart und Lisa noch klein waren - und geben eine Menge überraschender Geschichten zum Besten.


11. Oh Schmerz, das Herz! / Homer's Triple Bypass (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 03.07.1994
US-Erstausstrahlung: 17.12.1992


An ungesundem Essen kann Homer einfach nicht vorbeigehen, ohne sich den Bauch vollzuschlagen. Als er immer wieder von Herzanfällen heimgesucht wird, rät sein Arzt zu einer Operation - für schlappe 40.000 Dollar, die die Simpsons selbst bezahlen sollen. Gut, dass Fernseharzt Dr. Riviera für 129,95 Dollar jeden Eingriff erledigt!


12. Homer kommt in Fahrt / Marge Vs. The Monorail (22:08 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 10.07.1994
US-Erstausstrahlung: 14.01.1993


Durch eine Umweltsünde von Mister Burns kommt Springfield unverhofft zu 3 Millionen Dollar. Um die Summe gewinnbringend anzulegen, lässt sich die Stadt von einem mysteriösen Fremden eine Einschienenbahn andrehen - und engagiert Homer als Zugführer! Marge glaubt, dass da etwas oberfaul ist ...


13. Selma will ein Baby / Selma's Choice (22:05 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 21.08.1994
US-Erstausstrahlung: 21.01.1993


Durch den Tod von Großtante Gladys bricht bei Marges Schwester Selma die Krise aus. Die ewige Junggesellin will unbedingt ein Baby, bevor es zu spät ist! Um den richtigen Erzeuger zu finden, lässt sie nichts unversucht. Nach einem Rendezvous mit Hans Maulwurf wagt sie den Härtetest: ein Nachmittag im Vergnügungspark mit Bart und Lisa.


14. Großer Bruder - kleiner Bruder / Brother From The Same Planet (22:05 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 17.07.1994
US-Erstausstrahlung: 04.02.1993


Als Homer seinen Sohn nach einem Fußballspiel stundenlang im Regen warten lässt, hat Bart genug: Er wendet sich an die Organisation der "Großen Brüder" und erhält einen Ersatzbruder. Tom ist viel cooler als Homer - doch auch der weiß die Dienste der "Großen Brüder" zu nutzen. Inzwischen entwickelt Lisa eine bedenkliche Hotline-Sucht ...


15. Ralph liebt Lisa / I Love Lisa (22:09 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 28.08.1994
US-Erstausstrahlung: 11.02.1993


Springfield ist im Liebestaumel: Der Valentinstag steht vor der Tür. Als Lisa ihrem Klassenkameraden Ralph Wiggum aus Mitleid eine Liebeserklärung zusteckt, hat sie prompt einen unerwünschten Verehrer am Hals. Einziger Lichtblick: Ralph hat Karten für die Krusty-Jubiläumsshow ...!


16. Keine Experimente / Duffless (22:08 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 04.09.1994
US-Erstausstrahlung: 18.02.1993


Die Simpsons-Kids liegen im Clinch: Als Bart die Gentechnik-Tomaten, die seine Schwester für den "Jugend forscht"-Wettbewerb züchtet, als Wurfgeschoss missbraucht, rächt Lisa sich mit einem fiesen Experiment. Unterdessen wird Homer alkoholisiert am Steuer erwischt - und trifft eine schwere Entscheidung.


17. Prinzessin von Zahnstein / Last Exit To Springfield (22:09 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 31.12.1996
US-Erstausstrahlung: 11.03.1993


Ein Zahnarztbesuch bringt die schreckliche Wahrheit ans Licht: Lisa braucht eine Zahnspange. Doch die sind nicht nur hässlich, sondern auch teuer - wenn man sie selbst zahlen muss. Um das zu verhindern, zieht Homer in den Kampf gegen den fiesen Mister Burns.


18. Nur ein Aprilscherz ... / So It's Come To This ... A Simpsons Clip Show (22:06 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 11.09.1994
US-Erstausstrahlung: 01.04.1993


April, April! Natürlich kann Homer es sich nicht verkneifen, seine Kinder am 1. April so richtig reinzulegen. Bart revanchiert sich mit einer präparierten Dose Duff-Bier - ein Scherz, der Homer ins Koma befördert. Während die Familie an seinem Krankenhausbett wacht, ziehen einige Erlebnisse aus der Vergangenheit an ihnen vorbei ...


19. Wir vom Trickfilm / The Front (22:10 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 31.10.1996
US-Erstausstrahlung: 15.04.1993


Das Fernsehprogramm ist auch nicht mehr das, was es mal war. Nach einer ziemlich lahmen "Itchy & Scratchy"-Episode beschließen Bart und Lisa, dass sie das mindestens genauso gut können - und versuchen ihr Glück als Drehbuchautoren. Mit einem Trick schmuggeln sie ihr Werk auf den Schreibtisch der Produzenten ...


20. Das Schlangennest / Whacking Day (22:09 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 24.07.1994
US-Erstausstrahlung: 29.04.1993


Der Besuch des Oberschulrats steht bevor! Um einen guten Eindruck zu machen, will Direktor Skinner die schlimmsten Schul-Rowdies aus dem Verkehr ziehen. Doch Bart ist einfach nicht zu stoppen ... In Springfield beginnt die alljährliche Schlangenjagd und Bart und Lisa mutieren zu militanten Tierschützern ...


21. Marge wird verhaftet / Marge In Chains (22:07 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 07.08.1994
US-Erstausstrahlung: 06.05.1993


Ein japanischer Entsafter, den Homer bestellt hat, entpuppt sich als Bazillenschleuder, die halb Springfield lahm legt. Auch die Simpsons werden nicht davon verschont - bis auf Marge, die sich zum Kwik-E-Mart schleppt, um die Sonderwünsche ihrer Lieben zu erfüllen. Dabei unterläuft ihr allerdings ein verhängnisvoller Fehler ...


22. Krusty, der TV-Star / Krusty Gets Cancelled (21:44 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 31.07.1994
US-Erstausstrahlung: 13.05.1993


Fernsehclown Krusty geht es an den Kragen: Die neue Show der Bauchrednerpuppe Gabbo startet zur gleichen Sendezeit und nimmt Krusty die Zuschauer weg. Als ihr Liebling daraufhin auf der Straße landet, greifen Bart und Lisa ein: Sie organisieren das ultimative Krusty-Comeback. Mit von der Partie: Bette Midler und die Red Hot Chili Peppers.

Die Separation Homers von seinem Gehirn - Boom in der Glorifizierung der Dummheit?

Zwei Fakten seien der Besprechung der vierten "Simpsons"-Staffel vorangestellt.

Erstens: Viele Fans bezeichnen die vierte Staffel als den Höhepunkt der kompletten Serie. Wenngleich man in dieser Sache unterschiedlicher Meinung sein kann (Matt Groening ist nicht ganz der Ansicht, ich persönlich sehe ebenfalls noch etwa ein, zwei Staffeln lang eine kleine Steigerung), so ist es doch unbestritten, dass das vierte Jahr, wenn es schon nicht der qualitative Klimax ist, doch direkt an einen solchen angrenzt. Die Staffeln vier bis sechs sind relativ unbestritten als der Take-Off der konjunkturellen Entwicklung der Serie anzusehen, und die vorliegende vierte Staffel bildet damit den Auftakt der ultimativen Entsprechung der Genialität von Matt Groenings revolutionärer Kultursatire, die aufgrund dieser Entwicklung die amerikanische Popkultur nachhaltig beeinflusst hat. Ein Beispiel nur ist die Aufnahme der Castellanetaschen Wortkreation "D'Oh" ins Oxford English Dictionary im Jahre 2001, mehrere Jahre nach dem Höhepunkt, Jahre, die allesamt von diesem Höhepunkt profitiert haben und die es noch heute tun.

Zweitens: Mit der Entwicklung zur Spitze geht eine deutlich merkbare Verdummung Homers einher. Denn der prägnanteste, neuerdings inflationär und möglicherweise überhaupt erstmalig gebrauchte Running Gag ist in der vierten Staffel die Kommunikation von Homer mit seinem Gehirn und damit seine Separation von diesem. Das Hirn wird zur zweiten Person gemacht, interagiert mit seinem Besitzer wie ein eigens abgetrenntes Individuum. Damit verbunden sein könnte natürlich reine zeichnerische Bequemlichkeit - Eine Nahaufnahme von Homers Gesicht mit einem ständigen Schwenk zwischen Gesichtsfeld und Schädel zur Darstellung der inneren Kommunikation erfordert nicht viel Arbeit und verschafft den Zeichnern und Autoren etwas Luft nach der stressigen dritten Staffel mit ihren 24 vollwertigen Episoden.
Diese Art der Darstellung hat aber eben auch Einfluss auf die Charakterzeichnung der Hauptfigur. Homer wird schlicht dümmer, und das gefällt den Leuten. Doch wie kann eine derart intelligent konzipierte Serie wie die Simpsons von Dummheit profitieren? Versteckt sich da nicht ein Paradoxon?

Nein, denn es ist zu unterscheiden zwischen dummer Darstellung und Darstellung der Dummheit. Nur letztere wird glücklicherweise von den Machern der Simpsons bedient. Das profane Leben unterdurchschnittlich intelligenter US-Mittelständler ist schließlich das Metier der Serie. Die "Simpsons" stehen eben auch für "simple", Springfield ist anno 1989 der meistgebrauchte Name für eine US-amerikanische Stadt und damit der Querschnitt der kompletten Vereinigten Staaten.
Das Geheimnis liegt in der Aufbereitung. Ein Zwiegespräch zwischen Homer und seinem Gehirn ist nicht nur eine Hilfestellung für die überarbeiteten Zeichner, kein simpler reaktionärer Gag auf Kosten des Niveaus. Es ist eine Reise in die Psyche des Protagonisten, die auf eine für eine Zeichentrickserie beachtlich komplexe Art und Weise auseinandergenommen wird. Doch bei der Psychologie bleibt es nicht: Die Stadt Springfield schließt sich zu einem sozialen Netzwerk zusammen, wandert auf einem schmalen Grat zwischen Massenpsychologie und Soziologie, zwischen gesamtgesellschaftlichen Topoi und Individualismus. Willkommen zu den ersten 22 der mutmaßlich besten Simpsons-Episoden aller Zeiten.

1. Krise im Kamp Krusty

Es scheint zunächst alles beim Alten zu bleiben: der vielleicht nicht originellste, aber doch wichtigste Sofa-Gag begrüßt uns zu Beginn der ersten Folge der vierten Staffel und knüpft da an, wo man aufgehört hatte: bei der Huldigung der großen Vorbilder. Die Simpsons eilen nach Hause und treffen auf ihrem Sofa auf das Zeichentrickpendant aus dem Hanna Barbera-Paralleluniversum: Die Flintstones halten die Couch besetzt, und Fred winkt schelmisch Homer zu. Es ist so, als wolle man sagen: "Wenn ihr den Thron wollt, nehmt ihn euch. Wir fügen uns der Rangordnung in der Nahrungskette." Dafür fordern die Simpsons aber auch ihren eigenen Platz ein, den sie festigen und sich zugleich die Möglichkeit einräumen wollen, noch weiter aufzusteigen.
"Kamp Krusty" sollte ursprünglich zu einem Kinofilm verarbeitet werden, der ja erst jetzt, über ein Jahrzehnt später, wieder etwas stärker ins Gespräch gekommen ist. Dass es tatsächlich sogar Probleme gab, den gewöhnlichen Zwanzigminüter zu füllen, macht das Ganze natürlich irgendwie zu einer kuriosen, undurchdachten und sogar sympathischen Angelegenheit.
Ein wenig hat die Story natürlich cineastische Züge, wird das traute Heim doch einmal mehr verlassen, die Familie gesplittet und die Kinder in ein klassisches Abenteuer geschickt, wobei nicht nur Dialogsequenzen, sondern auch die ein oder andere Actionsequenz stattfindet.
Die Idee, auf dem verdorbenen Charakter des Entertainmentclowns Krusty eine Story um ein Camp aufzubauen, beinhaltet offenkundig einmal mehr medienkritische Ambitionen, die in dem "Abenteuerurlaub" der Kinder hervorragend zur Geltung kommen. Eingeleitet wird die Folge mit einem Traum Barts, in dem der Sommerferienbeginn zelebriert und die Schule demoliert wird, unterlegt von "School's Out For Summer". Grenzenlose Euphorie wird hier freigelegt, so dass die Medien bereits lauern, sich schon lange saisonal auf jene Ferien eingestellt haben und entsprechende Angebote bereitlegen. Die Energie wird dabei in die Werbung gesteckt, nicht jedoch in das eigentliche Produkt, wofür das "Kamp Krusty" der beste Beweis ist; eine schäbige Organisation ohne eigentliche Beteiligung des Namensgebers, der nicht zum letzten Mal seinen Namen für ein mangelhaftes Produkt hergeben würde.
Wie es in einer Satire Brauch ist, werden derartige Machenschaften natürlich gnadenlos überzeichnet, wozu man sich bei Filmzitaten bedient, die ursprünglich in einem viel ernsteren Zusammenhang standen; so wird etwa "Ben Hur" bei der Synchronarbeit der sklavenartig gehaltenen Kinder zitiert und später "Die Geliebte des französischen Leutnants", als Lisa im wehenden Mantel an der Grenze des Camps steht und einem Boten einen Brief mit auf den Weg gibt, als gäbe es keinen Ausweg mehr aus diesem "Gefängnis".
Das Highlight ist eine Parallelsequenz, die von einem Kinderchorgesang gerahmt wird, der natürlich den Gästen des Camps hier aufgezwungen wird, während derartige Gesangseinlagen in Familienfilmen gewöhnlich auf freiwilliger Basis verlaufen und sich spontan ergeben; hier wird das Ganze von den Schulrowdys um Jimbo & Co. forciert. Während nun der Gesang ertönt (dessen Text überdies eine herrliche Parodie auf Produktmarketing ist), gibt es eine Montage von Dingen, die man in einem solchen Camp anknüpfend an das "School's Out"-Gefühl mit Freuden machen würde, die aber hier zur Qual werden: Scheinen die Kinder ausgelassen den Berg hinunterzulaufen, so flüchten sie in Wahrheit nur vor einem Steinschlag. Weiterhin gibt es eine extrem überzeichnete "Rassentrennung", indem die dicken Kinder durch Zäune von den anderen Kindern getrennt werden und sich separat einer ungewollten Abspeckkur unterziehen müssen - da wird man unweigerlich an die Rassenuntergliederung Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg erinnert.
Zugleich gibt es eine interessante Substory um das Aufblühen der Ehe von Marge und Homer ohne die nervigen Kinder - paradoxerweise fühlt sich das Ehepaar wieder wie frisch vermählt, während ihre Kinder cartoonlike übertrieben woanders Höllenqualen erleiden. Dieser Bezug wird herrlich klargemacht in dem Moment, wo Homer erfährt, dass sein Sohn durch Rebellion die Kontrolle über das Camp übernommen hat - im Sekundenbruchteil fallen auch seine letzten Haare aus und der Bauch schwillt wieder zu alter Form an. Die Familie Simpson ist demzufolge ein dynamisches Konstrukt aus einzelnen Energiepolen, die Reibung erzeugen, sobald sie sich alle an einer Stelle befinden. Storypotenzial ergibt sich durch das Zusammenwirken dieser Pole - ist dies, wie hier, nicht gewährleistet, so gibt es nur Friede, Freude, Eierkuchen. Ähnlich wie bei den Bundys wäre das Leben ohne die Kinder eine Wohltat - Al könnte Peggy ohne die Kinder durchaus ertragen, und Homer und Marge wären glücklich bis an ihr Lebensende.
Die vierte Staffel feiert mit "Kamp Krusty" also einen Einstand, der die Episode selbst beinahe zu einem Kultobjekt erhob und große Taten verlauten ließ für die kommenden 21 Folgen.


2. Bühne frei für Marge

"A Streetcar Named Marge" ist alleine durch die Referenz an Tennessee Williams' dramatisches Theaterstück (später erfolgreich verfilmt von Elia Kazan und mit Marlon Brando) wohl eine der am fundiertesten durchdachten Simpsons-Folgen, die jemals zu sehen waren. Inzwischen hat sich das Äußern von Emotionen in Form von Tanz und Gesang bei den Simpsons als gebräuchliches Stilmittel eingebürgert, und ich muss zugeben, dass dies inzwischen eines meiner weniger gemochten Elemente in der Serie ist. Zumal ich eigentlich das Theaterstück als expressionistische Form überhaupt nicht ertragen kann - oft wirken die dargebotenen Metaphern, Symbole und schließlich die Botschaften einfach zu aufgedunsen, zu forciert und zu künstlich für jemanden, der durch den Film in aller Regel eher Dezenteres gewohnt ist.
Nun ist dieser noch relativ frühe Versuch, durch ein Theaterstück emotionale Spannungen zwischen Charakteren aus dem Simpsons-Universum zu schaffen, wirklich noch unverbraucht, und das Stück "Endstation Sehnsucht" entpuppt sich als perfekt abgestimmte Parallele zur Beziehung zwischen Homer und Marge.
Im Stück geht es um Blanche Dubois, die in der Episode durch die (wir wir spätestens seit "Marges Meisterwerk" wissen) künstlerisch ambitionierte Marge verkörpert wird. In dem Südstaatendrama ist Blanche eine Lehrerin aus feinen Kreisen, die ebenso gesittet wie affektiert agiert. Wegen der vollkommenen Auflösung von Familie und Hausbesitz steht Blanche plötzlich alleine da und zieht zu ihrer Schwester Stella, die wiederum mit dem Arbeiter Stanley Kowalski verheiratet ist. Aufgrund der verschiedenen Lebensansichten von Blanche und Stanley kommt es bald zu Streitigkeiten und schließlich zur Katastrophe - soweit die Kurzzusammenfassung des Stückes.
Homer ist natürlich der Arbeiter Stanley Kowalski, aber das Tolle an der Folge ist der Umstand, dass Homer gar nicht an dem Stück mitwirkt. Er ist nur indirekt das Pendant zu diesem Kowalski, und indem er nur als Zuschauer in den Reihen sitzt, wird ihm die Aufgabe gestellt, sich aus eigener Kraft auf das Stück einzulassen. Es geht also darum, Homer für die Bedürfnisse seiner Frau zu sensibilisieren, die ja nun schließlich immer ihn unterstützt hat und dafür ihre eigenen Träume, wie hier zu sehen vor allem der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit im Rahmen der Kunst, zurückgesteckt hat. Da Homer also gar nicht selbst mitspielt (im Gegensatz zu halb Springfield), ist er vollkommen ausgeschlossen aus dem Kreis derer, die Marge als Persönlichkeit wahrnehmen und schätzen - natürlich nur bis zum Happy End.
Für den Witz sorgen speziell die erbärmlichen Versuche der Springfielder Schauspielamateure, sich im Theater zu beweisen. Während der Regisseur verzweifelt, laben wir uns an einer herrlich dilettantischen und durch und durch satirisch gemeinten Vorführung mit selbst kreierten Texten (die Rechte für die Originaltexte wurden nicht gewährt). Ein Kritiker aus New Orleans, dessen Stadt in einem Text aufs Übelste beschimpft wurde - aber eben immer im satirischen Rahmen - holte seinerzeit selbst zum Rundumschlag aus, als ihm der Text frei vom Kontext in die Hände fiel.
In einem Nebenplot wird Maggie in einen Babyhort gesteckt, wo sie mit einer gekonnten Anspielung auf "Gesprengte Ketten" einen spektakulären Fluchtversuch unternimmt. Unterlegt natürlich mit der Kritik an erzieherischen Aspekten (während Marge und Homer mit ehelichen Problemen kämpfen, ist für das Kleinkind kein Platz), begeistert hier vor allem die frische Inszenierung und nicht zuletzt die höchst effektive Anspielung an eine spezielle Szene aus Interner Link"Aliens" und an ähnliche Szenarien, als Homer und Bart ganz vorsichtig durch die gigantische Kinderschar trapsen, um das "schlafende Biest" nicht zu wecken. Insgesamt wohl zu Recht eine Folge, die nicht selten zu den zehn besten der Simpsons gezählt wird.


3. Ein gotteslästerliches Leben

Einer meiner persönlichen Lieblinge ist sicherlich "Homer the Heretic". Als Atheist fällt es mir zunächst einmal leicht, mich über den Glauben lustig zu machen, und zwar so, wie es Matt Groening & Co. tun: mit Respekt. Außerdem ist diese Folge sozusagen eine Verwirklichung eines Kindheitstraums: Einfach mal am Sonntagmorgen zu Hause bleiben können, während sich die Familie in der Kirche den Arsch abfriert, um frei dem "Carpe Diem"-Motto zu folgen.
Erwähnenswert ist für mich hier auch die schöne Animation der Folge. Optisch sind die Simpsons inzwischen fast schon zum Optimum gereift; was die Animation, also die Bewegung betrifft, hat sie für meine Begriffe hier tatsächlich den Klimax erreicht - Wenn Homer in seinen Bärentretern und seinem Bademantel im Haus herumtanzt und sich einen Supersnack macht, dann spürt man beinahe das Flair der Handanimation - jeder einzelne Schritt verstrahlt eine, man könnte fast sagen anti-digitale Individualität, während die neueren Folgen durch die Digitalisierung optisch wieder austauschbarer wirken. Eine optische Kuriosität gibt es auch hinsichtlich des Highlights der Folge: Wenn Gott höchstpersönlich auftaucht, erkennen wir an seiner Hand fünf Finger. Die Springfielder besitzen derer bekanntlich nur vier pro Hand - der Bequemlichkeit der Zeichner wegen. Im Groeningschen Universum bedeutet die Fünffingrigkeit also einen Schritt hin zur Perfektion.
Ideell ist der glorreiche Gastauftritt Gotts eine ganz besondere Sache, denn so ganz klar, ob er wahrhaftig auf die Erde kommt oder nur eine Einbildung Homers ist, wird hier nicht. Es wird schlicht und einfach ein legerer Umgang mit der Präsentation christlicher Heiligtümer gepflegt, der bisweilen an Kevin Smiths Interner Link"Dogma" erinnert. Die Aussage geht in eine ganz ähnliche Richtung und spricht sich dagegen aus, die Institution Kirche vor den Glauben zu setzen und dafür, den Glauben individuell auszulegen. Vor allem wird am Ende die konkurrenzhafte Konstellation verschiedener Glaubensrichtungen angeprangert, denn Homers Leben muss mal wieder gerettet werden, und das geschieht durch das gemeinsame Festhalten verschiedenster Menschen an den moralischen Grundwerten, die den Machern zufolge der Pfeiler einer jeden Religion sein sollten, So ist "Homer the Heretic" sicherlich am Ende nichts weiter als eine Fortführung der Idee aus "Homer vs. the 8th Commandment" - ohne diese allerdings unmotiviert zu wiederholen.


4. Lisa, die Schönheitskönigin

Die erste Lisa-fokussierte Folge der Staffel nimmt sich eines für sie noch ungewohnten Themas an, nämlich ihrer Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb und damit ihrer Auseinandersetzung mit Äußerlichkeiten. Man muss wohl nicht betonen, dass Lisa durch ihre überproportionale Intelligenz ein sehr in sich gekehrtes junges Mädchen ist, dem das Aussehen für sich betrachtet nicht besonders wichtig ist. Dem sozialen Druck kann aber auch sie sich nicht entziehen, so macht sie sich natürlich Sorgen darum, möglicherweise hässlich zu sein.
Das Witzige ist die Tatsache, dass man als Zuschauer und Nicht-Angehöriger des Simpson-Universums gar nicht mal richtig sagen kann, wie hübsch Lisa eigentlich wirklich ist. Sie ist nicht wie einige ihrer Kolleginnen beim Schönheitswettbewerb auf die Schönheit hin idealisiert - natürlich nicht, schließlich muss sie als Hauptdarstellerin Identifikationspotenzial bieten. Erst durch Barts widerwilliges Geständnis wissen wir wirklich, dass sie als hübsch durchgeht, wenngleich wir uns schon gedacht haben, dass sie nicht als hässlich einzustufen wäre (einen Indikator nach unten bieten die Zwillinge Terry und Sherry). Dennoch weist aber eben auch sie Überbiss auf, Glupschaugen und eben den kompletten schrulligen, entfremdeten Groening-Stil - das ist der Pfeffer der Show, wenn Schönheitsideale thematisiert werden.
Verbunden wird die neuerliche Identitätsfindung Lisas mit der Kritik an jener Wettbewerbssituation, wenn schon Kinder dazu angehalten werden, sich anhand ihres Aussehens zu messen. Die Zelebration der Schönheitskönigin wird natürlich dem Stil der Serie entsprechend fast Musical-like aufgezogen, um die Sache etwas satirisch überziehen mit Spotlights, Publikum und einem singenden Clown-Entertainer.
Frei nach dem Spider-Man-Motto "Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung" wird nach Vertragsabschlüssen mit einem Zigarettenproduzenten die Vorbildfunktion einer Person verdeutlicht wie einst der Gewalteinfluss des Fernsehens in der "Itchy & Scratchy"-Episode - Maggie tauscht ihren Schnuller gegen eine Zigarette. Die Botschaft mag am Ende etwas aufgedunsen sein, doch wird sie geschickt von Witzen flankiert, so dass man nie ganz von der Moral erschlagen wird ... obwohl hier mitunter schon die Gefahr bestand.


5. Bösartige Spiele

Obwohl die alljährliche Tradition der Halloween-Show am Ende immer individuellere Züge annahm, entwickelten sich die beliebten Season-Highlights zu Beginn in einer recht gleichbleibenden Tradition. Handelte es sich im letzten Jahr in der Rahmenhandlung um Albträume, die durch Halloween-Süßigkeiten hervorgerufen wurden, macht nun ein Gruselstory-Spiel zu Halloween die Runde. Es wurde möglicherweise als Eckpfeiler betrachtet, stets das Halloween-Fest zur Grundlage der makaberen Geschichten zu machen. Inzwischen ist diese Notwendigkeit weggefallen, was immer absurdere Storyauswüchse annahm, die sich auch mit der Simpsons-Realität vermischten. Selbst in "normalen" Folgen passieren Homer inzwischen wahrhaft grauenvolle Dinge, die eigentlich in "Itchy & Scratchy"-Episoden besser aufgehoben wären - möglicherweise ein Resultat des Buhlens um neue Aufmerksamkeit durch Radikalität.
In der vierten Staffel jedenfalls herrscht noch die narrative Form des Phantastischen vor, d.h. die übernatürlichen Gruselstories sind noch durch die Erzählung einer fiktionalen Geschichte (hier auf einer Party, in Season 3 durch Albträume) von dem normalen Leben der Simpsons abgetrennt - die Abtrennung wurde in den letzten Staffeln zu Lasten der Qualität leider etwas schwammiger, auch wenn die neueren Halloween-Shows immer noch mit schier unglaublichem Einfallsreichtum glänzen, wo es die Standardfolgen nicht mehr immer tun.
Sehr präsent sind diesmal Referenzen an den Horrorfilm. Vor dem roten Umhang läuft diesmal Homer mitten in eine Hitchcock-Silhouette. Die darauf folgende Titelsequenz offenbart wieder berühmte Namen auf Grabsteinen, dann sieht man Bart verkleidet wie Malcolm McDowell in "Uhrwerk Orange".
Story Nr. 1 befasst sich mit einer mordenden Killerpuppe und offenbart freilich schon vom reinen Konzept her Referenzen an Interner Link"Chucky". Auch "Twilight Zone"-Anleihen sind mal wieder mit von der Partie und der Laden, indem Homer die Killerpuppe kauft, ist Interner Link"Gremlins" entlehnt. Bei der Puppe handelt es sich um Krusty-Merchandising, dessen schlechte Qualität schon immer ein Thema in diversen Episoden war, hier aber auf die Spitze getrieben, weil mit eigenem Willen versehen wird. Die Dekonstruktion des Horrors durch die im Endeffekt sehr simple Umpolung und folgende Ausschaltung des Horrors spricht für sich und damit für die Macher, die so auf herrliche Weise zeigen, wie man Parodie aufziehen kann.
Im weiteren Verlauf wird endlich ein Thema abgehakt, das wohl unumgänglich war: Man machte King Kong zum Aufhänger einer Halloween-Episode und verknüpfte das Ganze wie schon in der ersten Staffel ("Vorsicht, wilder Homer") mit einer Analyse von Homers Natur aus soziologischem Blickwinkel .., indem man einfach Homer zu King Kong machte. Das Resultat ist eine wahnwitzige Hybridkreation zu beiden Teilen Affe und Homer und damit schon rein optisch per se ein Knaller. Dass die Beziehung zwischen King Kong und der Menschenfrau Ann Darrow dann eine solch belustigende Parallelität mit der Beziehung von Homer und Marge aufweist, musste ganz einfach mal in Bilder umgewandelt werden - und es funktioniert absolut perfekt. Die Größe symbolisiert dabei Homers Tumbheit, und die Intelligenz, die für Kong als Affen beachtlich sein kann, muss für den Menschen Homer absolut niedrig einzustufen sein - damit geht dem Homer-Kong auch jegliche Würde des echten Kong ab. Umgekehrt spricht dann natürlich auch einiges dafür, dass Marge als Ann Darrow eine Verbindung zu diesem riesigen, dummen Wesen spürt, denn dies ist ja auch bei den Reallife-Simpsons der Fall.
Durch die Konstellation erlauben sich die Macher nun einige Späße, die auf dieser Parallelität basieren: Homer-Kong mampft zwischendurch mal ein paar Menschen wie Donuts und den riesigen Haarbusch von Marge betrachtet er als Spielzeug. Es ist wahrhaft elegant, wie dadurch zugleich die Natur des Originalfilms aufgegriffen wird, zu dessen Ehrung man die Episode auch gleich in schwarzweiß drehte, um das Maximum an Authentizität zu erreichen. Das macht nicht nur den Originalfilm, sondern auch dessen Parodie durch die Simpsons zu einem wahrhaftigen Klassiker.
Den Abschluss stellt wiederum eine Parodie auf einen Horrorklassiker, der einmal mehr hervorragend eingefangen wurde: Interner Link"Night of the Living Dead". Während die Art und Weise der Wiedererweckung der Toten eher die ersten Zombiefilme um "White Zombie" anspricht, spielt die abschließende Pointe (Die Simpsons vor dem Fernseher) natürlich ganz klar mit Romeros Sozialkritik. Das ganze Szenario ist aus Sicht der Animation eine Wonne, denn den wankenden Gang der Zombies, die menschenleeren Straßen, die Verwüstung und den allgegenwärtigen Nihilismus haben die Zeichner absolut drauf. Terrifying Entertainment Deluxe.


6. Bart wird bestraft

Noch so ein Knaller ist die Folge rund um den Itchy & Scratchy-Kinofilm, der von der Substanz her überraschenderweise ein wenig an den Interner Link"South Park"-Kinofilm und gar an dessen Handlung erinnert - im Prinzip nichts anderes als eine intelligente Ausdehnung des Serienkonzeptes, im Interner Link"South Park"-Film durch das "Terrence & Phillip"-Kinoevent repräsentiert, das auf Trey Parker und Matt Stone ebenso referiert wie der Itchy & Scratchy-Film auf Matt Groening und Anhang - denn eine Simpsons-Kinoauswertung war ja auch schon seit Beginn der Staffel ("Kamp Krusty") ein Thema. Ein wenig verwirrend, das Ganze ... das passiert, wenn eine TV-Serie Intelligenz beweist und Meta-Ebenen der Darstellung bedient.
Von außergewöhnlichem Sehwert ist diesmal wieder die gelungene narrative Struktur, sprich die Art und Weise, wie das thematisierte Dilemma zwischen Kindererziehung und Konfrontation des Kindes mit den sozialen Normen der Umwelt dargestellt wird. Klasse ist die Idee, beim Elternabend Marge für Barts schwache Leistungen büßen zu lassen und Homer zum Vorbild aller Väter zu machen, als er darüber ausgefragt wird, wie er Lisa nur zu einer so guten Schülerin erzogen hat. In der Folge blüht auch Bart wieder auf ... die Aktion mit dem Grandpa-Gebiss und dem Wohnzimmerventilator landet immer wieder in den Best Ofs.
Der Kinofilm, durch einen genialen Appetitanreger in Form einer "Steamboat Willy"-Parodie vorbereitet, dient vor allem als Indikator dafür, wie weit die Strafe für Ungehorsam gehen darf, um den schmalen Grat zwischen gesunden Regeln und ungesunder Einsperrung des kindlichen Wesens nicht zur falschen Richtung abzurutschen. Unglaublich erscheint es, dass Homer in Sachen Bestrafung plötzlich so willensstark ist, aber wenn er sich einmal was in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es eben durch.
Eine abschließende Zukunftsszene bietet viel Raum zur Interpretation: Homer hat sein Verbot bis ins hohe Alter durchgehalten, Bart ist Richter (er trägt eine Robe) und beide gehen wie Freunde zusammen die Straße entlang, als sie ein Kino für Filmklassiker passieren und das "Itchy & Scratchy"-Plakat erblicken. Nach dem Motto "What the hell" besuchen sie schließlich die Vorstellung - und lachen über einen Film, den vor ihnen schon jeder gesehen hat. Mag die Grundstimmung hier nun versöhnlich sein, so ist es doch ein Trauerspiel, den beiden alten Männern dabei zuzusehen, wie sie die Vergangenheit wieder aufholen, den eigentlichen Zeitpunkt aber lange verpasst haben und niemals wieder das Gefühl empfinden werden, wie es ist, Zeitzeuge gewesen zu sein bei einem besonderen Event. Die Aussage, die dahintersteckt, dürfte sich für 20th Century Fox rentieren, sollte es mal einen Simpsons-Kinofilm geben ... denn dank dieser Episode werden Eltern sich wohl eine andere Bestrafung ausdenken als das Verbot, Homer & Co. beim 90-minütigen Unsinnstiften zuzusehen.


7. Marge muss jobben

Es kann ein Graus sein, das komplette - wirklich komplette - Leben mit seiner Frau zu verbringen. Das ist jetzt keine Blasphemie, sondern eine nüchterne Feststellung - es gibt Gruppen, die gar die Monogamie an sich als der menschlichen Natur widersprechend betrachten, aber selbst wenn man die Monogamie befürwortet, so bleibt doch nicht aus, dass der Mensch, so sozialbedürftig er ist, auch Platz braucht zur individuellen Entfaltung. Und "zwingt" man den Mann - wie hier aus monetären Beweggründen heraus - dazu, nicht nur das Privatleben, sondern auch die Arbeit mit seiner Partnerin zu verbringen, so wird er sich bedroht und eingeengt fühlen.
"Marge Gets A Job" zeigt unter anderem dies, als Homer plötzlich seine Frau auf der Arbeit wiederfindet ... gar in einem höher qualifizierten Job, was sich verschlimmert, als sich auch noch Mr. Burns in die hübsche Blauhaarige verliebt und er sie befördert. Die Konsequenz dieser Konstellation: 1. Smithers wird eifersüchtig. 2. Burns, ein Mann, der sonst alles haben kann, stößt auf die Grenzen seiner Macht. 3. Homer fühlt sich um seine Manneskraft gebracht und hat sich am Ende in einem moralischen Dilemma zu beweisen. Die Situation, einmal mehr in einer optisch ansprechenden (weil gut kopierten) "Citizen Kane"-Hommage eingeleitet, entfaltet sein Potenzial in der Darstellung der Spannungen am Arbeitsplatz, wobei Marge selbst bis zum Ende der mehr oder weniger unwissende Spielball bleibt. Die Spannungen werden durch witzige kleine Gesten aufrechterhalten, wie Marges Naivität in dem Versuch, die Moral am Arbeitsplatz zu verbessern oder Burns' Glatzenpolitur und sein hämisches Beobachten von Marge als abgewiesener Mann. Auch zum Schießen komische Tagträume tragen dazu bei: Smithers träumt vom durch das Fenster fliegenden Burns, während Burns sich vorstellt, wie Marge mit ihrem Mann - einer idealisierten Homer-Variante - dem Sonnenuntergang entgegenreist und sich dabei über den gutgläubigen Boss lustig macht - wobei auch wieder der Running Gag einspielt, dass Burns seinen Angestellten Homer schlichtweg nicht zuordnen kann. Im weiteren Verlauf tritt dann noch Tom Jones als Gaststar auf in dem von Burns beabsichtigten Zweck, Marge zu beeindrucken.
In einem Nebenplot wuselt sich derweil Bart an einem Test vorbei und stellt die Mechanismen der Moral auf den Kopf. Die Geschichte vom Jungen, der immer "Wolf" schrie, wird hier als Bildnis eingeworfen und der Wolf schließlich durch eine misslungene Krusty-Show sozusagen wahrhaftig zum Leben erweckt, um die Moral der Geschichte (Bart "Ich hab's halb gelesen, ich schwör's!") mit dem Holzhammer voranzutreiben, wodurch jene Moral als Stilmittel einer Geschichte nebenbei quasi analysiert wird. Man könnte gar sagen, dieser Nebenstrang referiert konsequenterweise gar auf den Hauptstrang, in dessen Struktur die Moral sehr subtil bleibt.


8. Laura, die neue Nachbarin

"The New Kid on the Block" bedeutete, ganz ähnlich wie später für Lisa das Zusammentreffen mit Nelson, einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung von Bart - er verliebt sich erstmals in ein Mädchen - ein Anzeichen der Pubertät. Solche Dinge müssen mit Bedacht ausgewählt werden in Anbetracht der Tatsache, dass Bart bis zum Ende der Serie ein Kind bleiben wird. Übergänge zu einer neuen Entwicklungsstufe dürfen daher nicht überreizt werden, und wenn sie auftreten, sollten sie entsprechend berührend wirken, damit sie ihrer Bedeutung gerecht werden.
Mit Laura wird dieser spezielle Moment im Leben einer Cartoonfigur sehr schön eingefangen, denn sie ist in ihrer Art gewissermaßen ein Spiegelbild von Barts Charakter - sie ist sehr jungenhaft, draufgängerisch und rebellisch, und da sie deutlich älter ist als Bart selbst, hat er einen Grund sie zu bewundern. Es ist witzig, dass Laura charakterlich fast schon eine Karikatur von Bart-Sprecherin Nancy Cartwright sein könnte.
Der Altersunterschied ist natürlich zugleich ein Anzeichen dafür, dass die ganze Sache nicht gut gehen kann - aufgrund fehlender Erfahrungen missversteht Bart Lauras Nuancen, indem er sie als Zeichen der Zuneigung interpretiert - ein fataler Fehler, wie sich herausstellt, als sie ihm ihren neuen Freund Jimbo vorstellt, ohne ein Anzeichen eines schlechten Gewissens zu zeigen. Die farblich extravagante Szene, in der Bart träumt, von Laura buchstäblich das Herz herausgerissen zu bekommen, sollte dann auch wieder in der Best-Of-Herzschmerz-Collage verwendet werden.
Während wir Laura später nicht oder höchstens noch sporadisch wiedersehen, wird durch ihre Mutter, die in dieser Folge in die Nachbarschaft der Simpsons zieht, dauerhaft eine neue Figur in die Simpsons-Welt integriert. Bei aller fehlenden Chronologie der Ereignisse halten einige Elemente Springfield doch ein wenig in Bewegung, denn manchmal sterben Figuren weg oder neue kommen dazu - hier ist letzteres der Fall.
Nebenbei führt Homer einen höchst amüsanten Gerichtskrieg gegen das All-you-can-Eat-Restaurant unseres allseits beliebten Käpt'ns, während sich Marge in Grund und Boden schämt - eine Geschäftsidee versöhnt dann aber alle Beteiligten. Wie das kundenverachtende Schild des Restaurants (der Mitarbeiter angelt den Fisch direkt vom Teich ins Maul des fetten Kunden, was zwar auf eine naive Art die Frische der Produkte demonstriert, nebenbei aber den Kunden demütigt) ist dies alles natürlich comichaft enorm überzeichnet; Homer mutiert zum Loch ohne Boden, und nicht umsonst werden Metaphern wie die "Unendliche Geschichte" herangezogen.


9. Einmal als Schneekönig!

Der Plot von "Mr. Plow" beruht im Grunde genommen auf einem Schnellschuss von Scriptwriter Jon Vitti, als die Macher in einer letzten Story-Vorbesprechung der Season 3 etwas in Eile waren und noch dringend nach einer Geschichte suchten. So erinnerte sich Vitti an Freunde, die in ungewöhnlichen Gegenden wohnten, wie sie in einem Cartoon oder einer Zeichentrickserie normalerweise nicht vorkommen - sprich Umgebungen mit charakteristischen Markenzeichen, die auf ein spezielles Areal hinweisen. Und da Vitti außerdem gerne mal eine Serie mit Schnee machen wollte, schlug er die Story um einen Konkurrenzkampf im Schneescheffeln zwischen Homer und seinem Saufkumpel Barney vor.
Tatsächlich kommen anormale Wetterbedingungen in Zeichentrickserien gewöhnlich nur dann vor, wenn sie eine symbolische Bedeutung für die Handlung haben - es regnet, wenn es Probleme gibt, Donner und Blitz schlagen zu, wenn Gefahr droht, und wenn die Sonne mit voller Kraft strahlt, ist das entweder ein Zeichen für pure Freude oder, gebraucht man es ironisch, für geheuchelte Glückseligkeit. Schnee gab es bislang lediglich zur Weihnachtszeit. Interner Link"South Park" hat das später geändert, aber auch die Simpsons brachen schon mit den Konventionen und stellten hier schon eine Schnee-Episode, die nicht an Weihnachten stattfindet - und das, weil einer der Autoren eine Schnapsidee hatte. Revolutionen entwachsen der Not, möchte man sagen.
Jedenfalls ist die beabsichtigte Aussage der Folge der Wert von Freundschaft in Relation zum Kapitalismus, der aus zwei befreundeten Menschen auf dem umkämpften Arbeitsmarkt erbitterte Konkurrenz machen kann. Barney derart ambitioniert zu sehen, ist zunächst eine Umgewöhnung, allerdings sollte er im weiteren Verlauf der Serie noch sehr viele Facetten abbekommen (die künstlerische Ader), die ihn klar über die reine Karikatur des üblichen Säufers und Tunichtguts hinaushebt. Den Anfang dazu macht diese Folge. Wir erfahren, dass Homer derjenige ist, dem Barney seine Alkoholsucht zu verdanken hat, und dass in diesem weinerlichen Saufbold ein intelligenter Mensch mit vielen Stärken steckt. Die Verwandlung zum Säufer wird in einer mit Schatten versehenen Folge von Bildabblenden demonstriert, die ganz dezent an die alten Universal-Monsterfilme erinnert, in denen die Realtime-Verwandlung der Monster dargestellt wurde (Interner Link"Der Wolfsmensch", "Dr. Jekyll & Mr. Hyde", etliche Interner Link"Dracula"-Ableger). Dadurch, dass Homer für Barneys Zustand verantwortlich ist, bekommt die Konkurrenzsituation zusätzlichen Pfeffer und Barneys Attacke auf Homers Geschäftsidee erhält seine Berechtigung. Das Ende der Geschichte ist dann eine Art Wiedergutmachung für alles, wenngleich Barney sein Alkoholproblem natürlich nicht los wird.
Gespickt ist das Schneetreiben mit allerlei urkomischen Einfällen. Das geht von den Gaststars Linda Rhonstadt (die Barney durch ihre Unterstützung ein menschliches Gesicht verleiht) und Adam West (der sein ewiges Batman-Trash-Image gekonnt auf die Schippe nimmt) über den witzigen "Mr. Plow"-Werbespot (Grampa ist als personifiziertes Unwetter eine Wucht) bis zu der abartig schlechten Rap-Einlage von Homer. Und wenn Marge auf die Mr. Plow-Jacke abgeht, ist das Vergnügen komplett.


10. Am Anfang war das Wort

In der zweiten Staffel begrüßte uns mit "The Way We Was" die erste Flashbackepisode der Simpsons, und zwar im Seventies-Style; in der dritten Staffel folgte mit "I Married Marge" ein weiterer Vertreter. Nun sind wir in den Achtzigern angelangt, und langsam wird der Vorlauf zur Ausgangssituation von 1989 geschlossen.
Der Grundgedanke der Flashbackepisoden ist der, sich von der Gegenwartssatire zu lösen, um vergangene Jahrzehnte einer witzigen Nachbetrachtung zu unterziehen. Die Idee, derartige Projekte in Angriff zu nehmen, zeugt von dem auf Erwachsene ausgerichteten Serienkonzept: Nur Erwachsene werden Spaß daran finden, die Vergangenheit nochmals zu rekapitulieren; der Humor jener Folgen basiert darauf, bekannte Eckpfeiler von kultureller, wirtschaftlicher oder sonstiger Herkunft wieder ins Gedächtnis der Zeitzeugen zu befördern. Und das funktioniert ausgezeichnet. Alleine optisch distanzieren sich die Simpsons-Retrospektiven von den zeitgemäßen Stories und verleihen ihnen ein ganz eigenes Flair. Nicht auszudenken, hätte Matt Groening seinen ursprünglichen Plan durchgesetzt, die Simpsons als eine Art Parallelwelt in einer den 50ern/60ern ähnelnden Umgebung (inspiriert durch das Aufkommen von Sitcoms) zu konzipieren; derartige Spielereien wie hier wären nicht möglich gewesen.
"Lisa's First Word" schafft im Gegensatz zu "I Married Marge" nun endlich wieder neue Kontraste. Hatte diese im Vergleich mit "The Way We Was" nämlich optisch nichts neues mehr vorzuweisen, glänzt die vorliegende Episode mit einem ganz neuen Produktionsdesign; die 80er Jahre sind mehr als spürbar. Einzig durch die Comedyausrichtung und den Look wird man unweigerlich an "Kuck mal, wer da spricht" erinnert, ohne dass es Story-Ähnlichkeiten geben würde. Veränderungen sind dezent, aber doch unzweifelhaft identifizierbar: Homer besitzt noch sein altes, grünes Auto und vor allem Haare (Günther Netzer-Gedächtnismatte); Marges Schopf ist wesentlich kürzer; auf dem TV Guide prangt David Hasselhoff mit seinem K.I.T.T.; die Möblierung ist minimal anders. Die Flanders sind neu in der Nachbarschaft, und wenn die Kamera durch die Evergreen Terrace wandert, so merkt man, dass sich in den 90er Jahren viel getan hat.
Die wichtigste Veränderung betrifft aber das erstmalige Auftauchen der Simpsons-Kinder, die in den Siebziger Jahren noch nicht geboren waren und damit in den vorhergehenden Flashback-Folgen fehlten. Die Anwesenheit zweier Kinder (Maggie ward noch nicht geboren, stattdessen war Lisa noch ein Baby) hat Auswirkungen auf das ganze Familienkonstrukt. Die Folge zeigt, wie die traute Zweisamkeit von Marge und Homer sich deutlich erweitert und sich alles hin zum altbekannten Simpsons-Konstrukt hin entwickelt, das wir wegen seiner Fehlbarkeit so lieben gelernt haben. Das Design von Bart und Lisa ist zu drollig: Barts Kopf ist mit weniger Stacheln und größeren Glupschaugen versehen, und Lisa sieht aus wie Maggie, was für den Plotkniff am Ende natürlich auch eine Bedeutung haben wird. Groenings Zeichner haben das Niedlichkeitsschema durchaus verstanden.
Vieles dreht sich hier nun um Lisa, das Neugeborene, dem alle Aufmerksamkeit zuteil wird und die deswegen für den Erstgeborenen Bart zur Konkurrenz wird. So mündet die neue Situation in einen erbitterten Kleinkrieg unter Geschwistern, der aber selbstverständlich friedfertig aufgelöst wird. Für Angst und Wut sorgen bei Bart auch äußere Umstände, wie eine Übernachtung bei den Gottesfanatikern von nebenan oder ein Horrorclownbett (nun wissen wir, weshalb Bart die Krusty Show so liebt ...). Und die Wut und Angst führen letztendlich zum Zusammenhalt des Simpsons-Nachwuchs. Und um die Entwicklung und den immer währenden Lauf bis hin zur aktuellen Familiensituation darzustellen endet die Folge - wie schon der Titel verrät - mit einem einzigen Wort ...


11. Oh Schmerz, das Herz!

Die Fresssucht wurde Homer schon mal in der zweiten Staffel beinahe zum Verhängnis. Essen kann eine schöne Erfahrung sein, gerade wenn man sich an unterschiedlichen Kulturen versucht; wie man sieht, birgt sie aber auch Gefahren.
Der vergiftete Kugelfisch war damals nicht wirklich Homers Schuld, weshalb sich seinerzeit der Plot eher darauf beschränkte, die Sterblichkeit an sich zu thematisieren und nicht die Verschuldung des Menschen daran - schließlich ist der Tod eine unausweichliche Angelegenheit, für die der Mensch nichts kann. An ihm liegt es nur, sein Leben möglichst lange zu erhalten, und an diesen Ansatz knüpft "Homer's Triple Bypass" an.
Fettleibigkeit und Herzkrankheiten sind in Amerika schon lange Todesursache Nr. 1. Es ist ein typisches Charakteristikum der Wohlstandsgesellschaft; die gesellschaftliche Ordnung brachte die Fast Food-Kultur an die Spitze, Millionenklagen sind von den entsprechenden Restaurants im Tagesgeschäft auszutragen, weil übergewichtige Menschen die Schuld bei denen suchen, die die Fettmacher verkaufen.
Diese Umstände führten über kurz oder lang zwangsläufig selbstverständlich auch zur Auswertung bei den Simpsons, obwohl sich derartige Themen weit schwieriger in satirische Form drücken lassen als etwa Medienparodien, bei denen es doch oft deutlich lockerer zu Werke geht. Homer allerdings bietet sich perfekt als Adaptionsobjekt an; schließlich gehört das Essen zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, wie sein Marshmallowkörper eindrucksvoll beweist, und das richtige Alter für Folgen der Cholesterinsucht hat er auch. Bei der Gelegenheit ist darauf hinzuweisen, dass auch Bart die Anlagen zur Fettleibigkeit zeigt mit seinem runden Bäuchlein, was im Laufe der Serie auch immer wieder für kleinere Insider sorgte ("the little fat boy"). Hervorzuheben ist die optische Attraktivität der Show, denn sowohl die Fressorgien (zu Beginn ist das ganze Bett vollgelegt mit Fressalien) als auch die resultierenden Anfälle sind ein Gottesgeschenk des animierten Slapstick. Homers Gesicht verzerrt sich zur extrem comichaften Fratze und macht aus der Herkunft seiner Existenz keinen Hehl - das ist in diesem Moment zweifellos eine abstrakte Zeichentrickfigur. Und doch bleibt das Identifikationspotenzial nicht auf der Strecke.
Regietechnische Einfälle würzen die optische Qualität: So wird im Splitscreen eine Innenaufnahme von Homers Herzen gezeigt, während sein Boss ihn für schwache Leistungen bei der Arbeit beschimpft - und dem Herzen folgen wir bis zum finalen Aussetzer in einem einzigen Auf und Ab.
Alles weitere ist dann eine Art witziges Melodram im "Emergency Room"-Style: Finanzielle Sorgen lassen die Simpsons mal wieder auf den Kurpfuscher Dr. Nick Riviera zurückgreifen, weil Hausarzt Dr. Hibbert zu viel Geld verlangt, und Lisa muss Riviera aus dem Zuschauersaal die richtigen Eingriffe zuschreien. Zwischenzeitlich gibt es Flashbacks (Baby-Homer nuckelt an einem Stück Pizza) und Diskussionen um die OP innerhalb der Familie, wobei sich Lisa mal wieder als Kind herausstellt, das sich um ihren Vater sorgt und das dennoch mit wissenschaftlichem Forscherdrang die ganze Sache angeht, während Marge eher auf den Glauben vertraut. Krusty macht einen auf "Patch Adams" und am Ende der erfolgreichen OP steht Stümper Riviera mit einem sprichwörtlichen Heiligenschein (der durch ein OP-Licht an der Decke aufgeworfen wird) da und feiert seinen Triumph. Dass Homer überlebt, ist selbstverständlich keine Überraschung - die Macher betonen, dass es deswegen besonders schwierig gewesen sei, den Plot mit Emotionen zu versetzen. Aber trotz der Überlebensversicherung geht die Folge durchaus ans Herz, weil die ganze Geschichte auch sehr gut auf die Realität übertragbar ist.
Zu Beginn erfreut uns übrigens eine recht lange "Cops"-Parodie, eine damals noch recht frische Show im US-Fernsehen, die so rein gar nichts mit der Haupthandlung um Homer zu tun hat - wie schon mal angemerkt, sind solche Einleitungen bei den Simpsons nicht unüblich. Groening & Co. vermerken, dass diese vom Hauptplot losgelösten Intros meist dann auftauchen, wenn die eigentliche Story zu kurz ist. Ein Nebeneffekt ist der Abwechslungsreichtum der Serie, denn so bleibt das Gefühl aus, dass sich jeweils eine Episode immer nur um genau ein Thema dreht - ein Umstand, der auch auf die Folgen mit zwei parallel zueinander ablaufenden Handlungssträngen übertragbar ist.


12. Homer kommt in Fahrt

Schon wieder eine perfide "Flintstones"-Hommage, diesmal in der Eröffnungssequenz nach den Opening Credits ... da kann man nicht meckern. Kurz danach eine Interner Link"Das Schweigen der Lämmer"-Anspielung, dann zwei Tagträume von Lisa und Bart mit historischen Figuren (Dschinghis Khan) und Splatter (eine mechanische Riesenameise zerteilt Skinner mit ihren Greifern). Geht gut los.
Und es wird noch besser, sofern man sich gerne darüber amüsiert, wie dumm eigentlich die Masse ist. Massenpsychologie ist eine Sache, die viele Wissenschaftler speziell der Nachkriegszeit beschäftigt hat - hier war es ebenfalls immer ein Thema. Zwar wird die Dummheit bei den Simpsons auch an Individuen zelebriert - ich sage nur Homer - doch die Springfielder sind als zusammenhängende Schar grundsätzlich ein Ausbund an Dummheit, die ins Bodenlose geht. Vielleicht ist dies mit der Hypothese zu erklären, dass die Gruppe immer nur so gut ist wie ihr schwächstes Glied - und das ist schließlich Homer ...
Aus wirtschaftlichem Antrieb heraus wird mit dem Monorail-Mann nun eine neue Figur eingeführt, was deswegen notwendig war, weil der "Verführer" nicht aus dem internen Kreis kommen durfte. Es musste ein Fremder sein, um die Masse nicht zu brechen und sie gemeinschaftlich einer Paralyse zu unterziehen. Das ist ein ganz ähnliches Schema, wie es in Goscinnys und Uderzos Asterix-Episode "Der Seher" verwendet wurde.
Die "Monorail-Bahn" ist dabei für den Zuschauer direkt als Finte zu entlarven, weil sie in höchstem Maße ökonomisch ineffizient und nutzlos ist für die Bedürfnisse der Stadt.
Das Highlight der Folge ist sicherlich die rhetorisch erstklassig inszenierte Debatte im Rathaus, wo der Fremde sich den Fragen der Masse stellt und alle Bedenken der Bevölkerung mit kessen Gegenfragen kontert - ein kleines Meisterstück der Rhetorik. Weiterhin werden bei Rundblicken durch den Saal die sozialen Gruppierungen deutlich. So wuseln im Hintergrund die Senioren herum und fordern Unsinnigkeiten, während ganz vorne die ökonomisch relevantesten Personengruppen sitzen, sprich Männer im besten Arbeitsalter. Im Verlaufe der Folge gibt es auch wieder einiges von den beliebten Seniorenwitzen zu sehen.
Derweil stellt sich auch wieder Marges Immunität gegen die Massenmeinung heraus, da sie als einzige wieder zu ihren Prinzipien steht, auch wenn sie dafür von der reaktionären Masse verurteilt wird. Deswegen heißt die Folge im Original auch "Marge vs. The Monorail". Homer wird dann gegen Ende der rasant eingefangene Actionpart zuteil, der auch sogleich im Großen erfolgt, sprich über ganz Springfield hinweg auf der Monorail in einem "Speed" nicht unähnlichen Szenario auf Leben und Tod. Und der Donut ist mal wieder die Rettung. Danke, o du köstliches Gebäck.


13. Selma will ein Baby

Selma, die dritte. Nach der Heirat mit Sideshow Bob und der Verlobung mit Skinner geht es wieder an Selmas Unzufriedenheit - kein Wunder, war doch David Stern wieder Autor, der Mann, der uns schon "Principal Charming" schrieb in seiner Faszination darüber, wie man solche Nebenfiguren bei den Simpsons so gut zu den Hauptdarstellern einer Episode machen kann.
Wie man dem deutschen Titel schon entnehmen kann, hat sich Selmas Verzweiflung ein Stück weit fortgepflanzt; es geht nicht mehr darum, den richtigen Mann zu finden, sondern einfach nur darum, dem Leben einen Sinn zu geben - schön verbildlicht durch die Beerdigung von Tante Gladys (Tante wer?) zu Beginn. Bei der Gelegenheit stellt sich die Frage, wieso es bei den Simpsons nicht öfter mal eine Beerdigung gibt - die sind stets urkomisch.
Es geht also ganz klar um Vergänglichkeit. Und an dieser Stelle sei durch ein Beispiel auch mal die regietechnische Leistung der Serie hervorgehoben: Wir sehen eine alte Standuhr in Nahaufnahme, die langsam tickt. Mit einer leichten Drehbewegung zieht sich das Stativ zurück und offenbart immer ein Stück mehr vom Hintergrund. Plötzlich wird die Bewegung ganz schnell, und der mythische Augenblick wird "zerstört", als wir sehen, dass die Standuhr hier keine Metapher für die biologische Uhr Selmas sein soll, sondern dass sie einfach nur als Erbstück bei den Simpsons im Kofferraum liegt, als die von der Beerdigung nach Hause fahren. Das ist Humor, der weit über üblichen Slapstick hinausgeht ... das ist fürwahr fast Humor mit einer cineastischen Grundfeste.
Allerdings funktioniert die Folge auch auf weit primitiverer Ebene. Die Selma-Moleman-Kinderkreuzungen in Selmas Vorstellung nach dem Date mit Hans Maulwurf sind zum Schießen, und kurz darauf folgt einer meiner persönlichen Lieblings-Gags, die sich über mehrere Szenen erstrecken: Homers Kampf mit dem Riesensandwich, das inzwischen verfault ist, weil er es nicht auf einmal aufessen konnte. Mit der Zeit entwickelt er fast eine persönliche Beziehung zu dem verfaulten Ding, und als er es, noch hellgrün vor Übelkeit im Gesicht, wieder aus dem Mülleimer holt und liebevoll sein Gesicht daran reibt, da möchte man sich auf dem Boden rollen.
Selmas Kinderwunsch wird derweil provisorisch dadurch befriedigt, dass sie für einen Ausflug in einen Vergnügungspark die Aufsicht über Bart und Lisa bekommt und sich in Sachen Verantwortung beweisen kann. Der surreale Trip durch den Duff Bier-Tunnel erinnert beizeiten daran, was später in "Futurama" in der Slurm-Fabrik wieder aufgegriffen wurde. Bei Lisas Visionen wird bereits mit Surrealismus experimentiert, der in der Chilischoten-Episode seine Vollendung erfahren würde, und zugleich macht man sich einen Spaß mit den Folgen von LSD. Als sich Bart dann auch noch in eine Achterbahn schmuggelt, ist eines klar: Selma ist nicht dafür geschaffen, Kinder zu haben. Aber ihr zum Dank konnten Homer und Marge zu Hause mal wieder etwas ihre Ehe aufleben lassen - mit billigen Erotikfilmchen im Herkules-Setting.


14. Großer Bruder - kleiner Bruder

Der erste Teil dieser auch im Gesamteindruck außergewöhnlichen Folge hat eine ganz kuriose, eigenwillige Atmosphäre, die in der Form eigentlich nie wieder aufgetaucht ist. Zu großen Teilen ist das den kühlen, oft in Blau gehaltenen Schauplätzen zu verdanken, aber auch der Tatsache, dass viele Orte gezeigt werden, die man sonst so gut wie nie sieht - wozu die Badewanne im Elternzimmer gehört oder eben der Fußballplatz. Was Barts Hobby in dieser Folge betrifft, könnte man sich durchaus auch vorstellen, dass sich die Macher etwas damit gedacht haben. Thema der Folge ist schließlich die Tatsache, dass sich Homer mal wieder nicht gut um Bart kümmert. Heute mag es durch den relativen Erfolg der US-Fußballmannschaft (Stand Anfang 2006: 5. Platz der Fifa-Rangliste) etwas anders sein, aber früher war Fußball insgesamt ein sehr unbeliebter Sport im Land der NHL, NBA und NHL. Er wurde überwiegend von Kindern gespielt und von den so genannten "Soccer Mums" dominiert - fanatische Mütter, die jede Sekunde damit verbrachten, ihren Nachwuchs in Sachen Fußball zu managen. Ergo genau das Gegenteil von dem, was Homer hier macht.
So ist der Beginn kurios und schräg, um das Unzufriedensein Barts zu verdeutlichen: Das Herbstwetter schlägt buchstäblich auf den Magen, eine Nonne wird von Winde hinfortgeweht und explodiert am Horizont (!), dann benutzt Bart Telepathie, die aber nur Milhouse in einer Interner Link"Shining"-Reminiszenz erreicht, während Homer in seiner Badewanne (mit einem herrlichen, optisch fein getricksten Übergangsmoment) erst durch einen Traum darauf kommt, was er noch machen muss. Und dann erfolgt der Höhepunkt der Kuriosität: Bei der Nachhausefahrt verwandelt sich Homer für Bart in einen Zombie. Warum, habe ich bis heute nicht verstanden - sofern diese Verwandlung die Entfremdung vom eigenen Vater symbolisieren sollte, so ist das doch ein sehr subtiler Hinweis.
Ausgelegt war die Episode eigentlich mit jeder Faser auf Tom Cruise, der Jon Vitti seinerzeit Interesse an einer Teilnahme bei einer Simpsons-Show bekundet hatte. So schrieben die Autoren die Figur des "großen Bruders" in jedem Detail auf Cruise's Charaktereigenschaften und auf sein Image als Filmstar um - nicht nur der Name, auch solche Feinheiten wie das Vorfahren mit dem Motorrad sind also Tom Cruise zu verdanken - nur leider nahm er selbst dann doch nicht an der Folge teil, obwohl wirklich nichts an dieser Figur in irgendeiner Weise beleidigend war, worüber sich die Simpsons-Macher dann selbst heute noch sehr enttäuscht zeigen.
Das ändert nichts dran, dass der "Partnertausch" ohne Zweifel eine gelungene Sache ist. Der Humor resultiert in der Regel daraus, dass Homer für seinen neuen "kleinen Bruder" Pepi zum Vorbild wird, ihm in seiner Dumm- und Unwissenheit aber nur falsche Fakten beibringt ("Papa Homer, du bist ein Gelehrter!" "Das nennt man Gelernter, Pepi. Gelernter.") Tatsächlich scheint Homer wieder ein Stück dümmer geworden sein: So tritt er wahrhaftig in Kommunikation mit seinem Verstand, welcher irgendwann aufgibt, sagt "I'm gettin' outta here", eine imaginäre Treppe runterläuft und die Tür zuknallt.
Lisa ist derweil mit einem Nebenplot vertreten, in dem ihre Telefonsucht thematisiert wird. Synchronsprecherin Yeardley Smith hatte sich damals wegen dieses Nebenplots beschwert (eines der wenigen Male und nur ganz kleinlaut, wie ihre "Chefs" betonen), weil er ihr in der Nebenspur nicht gut aufgehoben schien - und sie hat insofern Recht, als dass das Thema Potenzial gehabt hätte für eine eigene Folge, zumal beide Stränge nicht so recht zueinander passen mögen. Für sich betrachtet funktionieren allerdings beide Zweige.


15. Ralph liebt Lisa

Al Jean bekam in der dritten Klasse einmal von einem Mädchen eine Valentinskarte, auf der stand "I cho-cho-choosed you", worunter handschriftlich geschrieben stand "I really do." Jean wusste bis heute nicht, ob das wirklich ernst gemeint war - so entstand der Plot zu "I Love Lisa".
Zeit, Ralph Wiggum vorzustellen. Ihm wird erstmals eine größere Rolle zuteil, nachdem er bisher immer für kleinere Background-Gags herhalten musste und kaum Dialogtexte zu verbuchen hatte. Dass er Chief Wiggums Sohn ist, war nicht von Anfang an geplant, sondern hat sich einfach irgendwann ergeben, als Springfield langsam ein festes Gesicht bekam und Familienkonstellationen deutlich wurden. Und da Ralph quasi für die Rolle des Wiggum-Kindes prädestiniert war, hat man ihn dem trotteligen Polizeichef zugeordnet.
Dass dieser wandelnde Witz plötzlich Emotionen transportieren soll, hört sich im ersten Moment allerdings recht problematisch an, bezog Ralph seinen Witz doch durch seine grenzdebile Infantilität, die nie in emotionale Breitengrade hineinreichte - man könnte sagen, Ralph war bisher zu solch komplizierten Prozessen wie der Erzeugung von Emotionen nicht in der Lage. Das sollte sich nun durch einen Mitleidsanflug von Lisa ändern.
Leider stellt sich heraus, dass es wirklich problematisch ist, Ralph mit Liebeskummer zu verbinden. Was ihm hier an menschlichem Ausbau widerfährt, kann sich nicht mit den Anlagen der Figur verbinden, womit die Liebes-Anflüge Ralphs über den Zweck der Story nicht hinauskommen. Nach der Folge wird Ralph also wieder zum dummen Baby degradiert, was so auch in Ordnung ist. Denn besonders Ralphs Performance im abschließenden Schultheaterstück wirkt viel zu erwachsen und besonnen für diese Figur.
Und doch, im Rahmen dieser Episode ist das zeitweilige Aufbäumen des Ralphschen Verstandes nicht störend, denn was die Story anbelangt, fügt sich seine Figur doch gut in die Gesamthandlung ein. Auch die Dramaturgie überzeugt, nimmt sie doch - abgesehen von dem Happy End - die Struktur eines klassischen Theaterstücks an mit einem Klimax während Krustys Show, die für diesen Zweck über ihren normierten Standard auf ein Krusty Special hinausgehoben wurde.
Witzig ist die sehr Simpsons-klassische Idee, die Herz-Schmerz-Thematik durch organische Herzen zu verbildlichen - Bart erlaubt sich einen Scherz mit einem Rinderherzen aus der Caféteria-Lieferung, und bei "Itchy & Scratchy" wird ebenfalls mit Herzen herumgesplattert. Und ein Bild, das aus dieser Episode nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt, ist wohl Wiggum, wie er im Watschelschritt hinter einer Ente herdackelt, die ihm sein Polizeiabzeichen gestohlen hat.


16. Keine Experimente

Ist das etwa das Ende der Simpsons? Homer nix mehr trinken Bier? D'Oh!
Nein, in der nächsten Episode ist natürlich wieder alles beim Alten. Bis dahin haben wir aber die Gelegenheit, die wundervolle Welt des Duff bei einer Brauereibesichtigung näher kennen zu lernen und bei der Gelegenheit natürlich vor den Gefahren des Alkohols zu warnen. Die Duff-Brauerei erscheint selbstverständlich in jeder Hinsicht unsympathisch, schlampig und schlichtweg schlecht für die Gesundheit: Werbeplakate bestehen aus Phrasen wie "Er war ein Kommunist - er trank kein DUFF-Bier!", eine Kuckucksuhr schickt jede volle Stunde einen rülpsenden Fettsack aus dem Kästchen (der stark an Homer erinnert), der Werbefilm ist hypnotisierende Propaganda mit einem Pseudodoktor mit Hypnosespirale auf dem Kopf und bei der Flaschenaussortierung gibt es allerlei Gegenstände auszusortieren, die es besser nicht in den Verkauf schaffen sollten (Hitlers Kopf hat es aber geschafft). Dass das Wort "Duff" im Englischen letztendlich Dummheit und Inkompetenz ausdrückt, ist schließlich kein Zufall, sondern eiskalte Kalkulation. Homers Zuneigung zu Bier ist damit ohne Zweifel keine Glorifizierung des Alkoholkonsums, wie es standhafte Sittenwächter immer wieder behaupten wollen, sondern ganz im Gegenteil die Darstellung negativer Folgen des Bierkonsums. Zu unattraktiv wirken die Stammkunden, die man immer wieder versammelt in Moes Kneipe sieht (allen voran Barney, der in den jüngeren Staffeln von seiner Sucht losgekommen ist und die latent schon immer existierenden Fähigkeiten in arbeitsökonomischer und sogar künstlerischer Hinsicht endlich mal ausleben kann), und zu sehr wandelt sich Homers Charakter zum Negativen, wenn er betrunken ist.
Homer wird also nun zur Rehabilitation geschickt, wo es herrliche Gruppentherapie-Comedy gibt (auch mit Flanders, der in einer Rückblende sein ganzes grausiges Wesen preisgibt). Die Folge des anschließenden Bier-Entzugs sind Bilder für die Ewigkeit, wie Homers Muskelspiel vor dem Spiegel (nach Marges Frage "Do you drink to escape from reality?") oder seine Vision vom alkoholbetankten Auto, mit dem er sich an der Tankstelle eine Zapfsäule teilt ("One for you ... one for me.").
Noch interessanter erscheint aber eigentlich fast der parallele Handlungsstrang um Bart und Lisas Teilnahme am Wissenschaftswettbewerb. Nachdem Bart Lisas genetisch veränderte Riesentomate auf Skinners Hintern geworfen hat, rächt sich Lisa auf ihre Weise durch ein neues wissenschaftliches Projekt mit dem Titel "Is my brother stupider than a hamster?", was letztendlich eine intellektuelle Demütigung des ansonsten in Sachen Demütigungen austeilen stets überlegenen Bruders ist. Einmal mehr kommt hier eine "Clockwork Orange"-Parodie zum Einsatz, als es darum geht, das Konditionierungsverfahren nach Pawlow bei Bart auszutesten. Und diese Idee überzeugt auf der Grundlage, dass Bart eben eine Cartoonfigur ist, womit es in gewissem Maße durchaus möglich ist, dass Bart dümmer erscheint als ein Hamster.


17. Prinzessin von Zahnstein

"Kostenersatz!"
"Lisa braucht Zahnspangen!"
"Kostenersatz!"
"Lisa braucht Zahnspangen!"
"Kostenersatz!"
"Lisa braucht Zahnspangen!"
...
Ein Gag macht die Runde und gehört heute vielleicht nicht zu den besten, aber doch zu den einprägsamsten und spontan betrachtet witzigsten Momenten der Simpsons-Geschichte. Das kuriose daran ist die Tatsache, dass es sich hier um die Art von Gag handelt, der durch beharrliche Wiederholung an Humor dazugewinnt - und dabei ist die Folge gespickt mit jede Menge Story und noch viel mehr Parodien und Flashbacks in alle möglichen Richtungen, so dass eigentlich gar kein Platz für einen solchen Zeitfresser dagewesen ist.
Es handelt sich um einen der unbestrittenen Höhepunkte der vierten Staffel (12 Nerds von einer TV-Zeitschrift wählten "Last Exit To Springfield" laut Audiokommentar zur besten Folge aller Zeiten), was neben der erzählerischen Rastlosigkeit vor allem daran liegt, wie geschickt hier Homers Arbeitsleben mit seinem familiären Alltag verbunden wird. Auch deswegen funktioniert der vorangesetzte Gag so gut, weil hier das kausale Verhältnis auf Homers dumme Art und Weise so schön klargemacht wird. Die Unterbrechung der Gedankenkette durch den Bleistift macht die Szene perfekt.
Das Thema ist an sich schon recht mutig; nicht, weil es brisante Dinge aufgreift, sondern einfach deswegen, weil vertragliche Regelungen bei der Arbeitsstelle nicht gerade zu jenen Bereichen zählt, die gerne von Cartoons aufgegriffen werden - zu trocken, seriös und hochgegriffen erscheinen sie für den Durchschnittscartoon, der eben nichts als unterhalten will.
Um so wichtiger wird die Inszenierung, die sich dem schwer umzusetzenden Thema mit schier endlosem Ideenreichtum und verrücktesten Verzweigungen entgegenwirft, um die ganze Sache interessant zu gestalten. Somit sehen wir folgende Ausbrüche aus dem konventionellen Erzählmuster:
1. Eine Actionparodie in Form eines Ausschnitts aus einem McBain-Film
2. Einen Flashback ins Springfield des Jahres 1909, wo wir Klein-Burns mit seinem Lockenköpfchen und einem Lolly im frisch industrialisierten Amerika erste Erfahrungen in Sachen Angestelltenbehandlung sammeln sehen
3. Einen Flashback aus Homers Erinnerung von einem Streik, bei dem er sich eine Narbe holte
4. Eine ausführliche Interner Link"Der Pate II"-Parodie, in der Homer als Mafiaboss durch die Straßen geht und Donuts futtert
5. Ein surrealer Traum der betäubten Lisa im "Yellow Submarine"-Stil während ihrer Zahnbehandlung
6. Eine melancholisch aufbereitete Streik-Szene, unterlegt mit Gitarre und Gesang
7. Eine Burns-Vision davon, wie er mit Smithers ganz alleine problemlos den Laden bzw. das Kraftwerk schmeißt.
Nicht einbezogen sonstige Parodien im "normalen" Handlungsverlauf wie Interner Link"Der Grinch" oder jede Menge "Batman".
Trotz dieser unglaublichen Vielfalt an narrativen Stilmitteln wird der zentrale Plot nie aus dem Auge gelassen, da sämtliche Ausflüge in vergangene Zeiten, luzide Träume oder blauäugige Visionen darauf abzielen, den Verlauf des Streiks zum einen und die Konsequenzen des Kriegs zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die Familie zum anderen zu verdeutlichen. In der ausgesprochen perfekten Art und Weise, wie das gelingt, ist zuguterletzt das Geheimnis dafür zu finden, dass diese Episode so gut ist, wie sie ist; so witzig und gleichzeitig pointiert muss man 22 Minuten erstmal füllen können.


18. Nur ein Aprilscherz ...

"So It's Come To This ...". Einen besseren Titel hätten sich die Herren aus der Kreativschmiede nicht ausdenken können, denn der ist wenigstens selbstironisch. Clip-Shows sieht eigentlich niemand gerne, denn sie sind lediglich bessere Resteverwertung - wer standhafter, regelmäßiger Simpsons-Gucker ist, dem wird eben nur wenig neuer Stoff geboten, und die alten Brötchen kann man sich ja schließlich auch in den Wiederholungen anschauen.
Die Motivation zur Realisierung einer solchen ungeliebten Show lag dementsprechend auch nicht in künstlerischen Ambitionen, sondern im Arbeits- und Zeitmanagement. Die Staffeln zwei und drei hatten viel Kraft gekostet, letztere umfasste gar volle 24 Episoden. Im Audiokommentar wird von 80-Stunden-Wochen gesprochen, und selbst wenn das ein wenig überspitzt sein sollte, so lagen doch Beschwerden der Autoren und Animatoren auf der Hand. Die ursprüngliche Idee - und jetzt kommt's - war sogar die, das Episoden-Pensum auszuweiten und pro Staffel vier (!) Clip-Shows einzubauen. O Graus! Weil man damit aber die Fans verprellt hätte, wurde dieser Plan ausgegeben, so dass die vierte Staffel nur noch 21 reguläre Episoden neben der vorliegenden beinhaltete.

Matt Groening behauptet nun, dass diese hier für eine Clip-Show allerdings wirklich gut sei - und er hat Recht. Zunächst einmal gibt es für ein Best Of außerordentlich viel neues Material. So dauert es bis 5:39 Min., bevor der erste Zusammenschnitt alter Folgen auftaucht. Bis dahin erleben wir eine gewohnt witzige Storyline, die dazu führt, alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Weiterhin wurde gar ein besonders beliebter Rückblick, der noch öfters posthum verwurstet wurde, mit neuen Szenen angereichert: Das betrifft Homers "Teufelssprung" über die Klippe, nach dessen Versagen er mit dem Krankenwagen abtransportiert wird, der aber gegen einen Baum knallt und Homer nochmals die Klippe hinunterfällt - hier kommen wir in den Genuss neuer, schöner und brutaler Szenen von Homers vertikaler Odyssee.
In der Gegenwart erholt sich Homer gerade von seinem Ausflug ins Koma, wo durchaus geschickt neue Späße mit alten Ausschnitten gekoppelt werden. Als Homer etwa Lust auf Schokolade bekommt, was bietet sich da besser an als die "Land der Schokolade"-Sequenz aus "Burns Verkaufen der Kraftwerk" der dritten Staffel? Jene Sequenz wird sehr klug zweckentfremdet für Homers aktuelle Situation - und kurz darauf liegt er erschlagen von einem Süssigkeitenautomat auf dem Krankenhausflur, während ihm Schokoriegel in den Mund fallen und die Atemwege versperren.
Weitere Anregungen für Rückblenden werden durch den wechselnden Besuch geboten, der durchaus über die eigene Familie hinausgeht; und da jeder Springfield-Bürger andere Erfahrungen mit Homer teilt, kann man hier bei den Best Of-Szenen aus dem Vollen schöpfen. Ganz nebenbei schafft es das Grundgerüst der Clips, Momente einzufangen, die in einer regulären Folge durch die Verpflichtung, eine Handlung zu erzählen, keinen Platz hätten. Es macht einen vollkommen anderen Eindruck, Homer mal einfach nur eine Folge lang im Krankenhaus liegen zu sehen, ohne dass er in einen stringenten Plot eingebunden wäre.
Davon abgesehen ist es bei aller Meckerei über Clip-Shows natürlich trotzdem zwischendurch mal eine schöne Sache, die schönsten Szenen des bisherigen Schaffens der Serie zusammengefasst zu sehen - es hat irgendwo seinen eigenen Charme, solange man es nicht überreizt. Bleibt selbstverständlich dennoch festzuhalten, dass dies überspitzt ausgedrückt der "Tiefpunkt" der Staffel ist ...


19. Wir vom Trickfilm

Unglaublich, dass selbst solche verrückten Stories auf wahren Begebenheiten beruhen. So ereignete sich eine ganz ähnliche Geschichte offenbar bei der Cartoonserie "Tiny Toons", wo zwei Kinder dem ausführenden Produzenten Steven Spielberg eine Storyline zuschickten, diese ihm gefiel und er die Kinder daraufhin einlud, in die Studios zu kommen und den Autoren über die Schulter zu gucken, während ihre Ideen zu Papier gebracht wurden. Die unrealistischsten Geschichten schreibt doch immer noch das wahre Leben ...
Nun, wie dem auch sei: Selbstverständlich steht diesmal die "Itchy & Scratchy"-Show im Vordergrund, obwohl sie von der Front aus (trotz des Originaltitels) weniger betrachtet wird als vielmehr von innen, von der Prozedur aus. Das macht bei diesen Stories so viel Spaß, denn Autoren und Animatoren kennen sich, wie schon die Staffel 2-Folge "Itchy & Scratchy & Marge" unter Beweis stellte, in ihrem eigenen Sujet am besten aus. Die Mechanismen der Zeichentrickproduktion kommen daher ausgesprochen realistisch und doch karikativ zur Geltung, da sämtliche Details den Tatsachen entsprechen und man dabei doch nicht darauf verzichtet, sich selbst zu verarschen. Der diesbezügliche Höhepunkt ist ein wundervoller Insider, als Grampa Simpson in einen schäbigen Autorenraum geführt wird, wo sämtliche Simpsons-Erfinderköpfe sich in einer Karikatur ihrer selbst gefangen wiederfinden. Später bei der Preisverleihung ist dann gar der Meister himself im Publikum zu erhaschen. Weiterhin fehlt auch hier wieder kein Späßchen über Hanna Barbera, als Bart und Lisa durch die Gänge des Studios gehen und sich der infinite Hintergrund stetig wiederholt - inklusive Putzfrau.
Neben der überproportionalen Anzahl an "Itchy & Scratchy"-Folgen kann man sich daran erfreuen, wie fehlbesetzt Grampa mal wieder in seiner Umgebung ist - ganz unbedacht avanciert er zum Kultgeschöpf, während die wahren Schreiberlinge Bart und Lisa ihre Anonymität wahren. Es ist auch ein witziger Gedanke, wie eine Story auch davon abhängig ist, unter welchen Umständen sie geschrieben wurde. Als Produkt der Simpsons-Kinder wäre sie nicht ernst genommen worden, unter dem Gesichtspunkt, dass ein alter verbitterter Mann sie geschrieben hat dagegen durchaus.
Während Homer durch ein Klassentreffen mal wieder seine vergangene Jugend seinem Alter nach unangemessen aufleben lässt, bleibt man am Ende der Folge verdutzt am Bildschirm kleben: Da wird plötzlich ein Schild runtergelassen mit dem Titel "The Adventures of Ned Flanders" und lustig-fröhlicher Musik, und es folgt ein etwa 15-sekündiges Episödchen aus dem Hause Flanders mit einem grottenschlechten Witz, das überhaupt nichts mit der vorangehenden Storyline zu tun hat. Diese vom Schema her als Parodie auf "Archie" und Konsorten ausgelegte Parodie ist so dermaßen aus dem Zusammenhang gerissen, dass es einfach nur noch witzig ist ... Interner Link"South Park" griff die Idee später dann auch mit dem Charakter Butters auf ("Butters - das bin ich!").


20. Das Schlangennest

Es scheint die Staffel der Inspiration durch wahre Ereignisse zu sein, denn auch das Ritual des "Schlangenprügelns" existiert irgendwo in einer kleinen Stadt in Mexiko. Dabei klingt die Sache schon wie aufbereitet für eine Zeichentrickserie, eben wie eine klassische satirische Überspitzung - dass es derartiges wirklich gibt, ist natürlich schon erschreckend genug. Dabei ist das katalanische Ritual der Stierkampfveranstaltung im Prinzip auch nichts anderes.
Da es auch um Konventionalismus und Traditionalismus geht, kommt Jebediah Springfield ins Spiel, der die hier verurteilte Angewohnheit erst einführte. Die Verankerung wird als derart unangreifbar dargestellt, dass überhaupt nicht die Frage aufkommt, ob man eine solche Tradition überhaupt weiterführen sollte oder nicht. Aus diesem Sachverhalt heraus bezieht die Folge auch ihre Stärke: Lisa, einmal mehr die einzige Individualistin, sieht sich einer verbohrten Kultur ausgesetzt, die überhaupt nicht daran denkt, ihre Gewohnheiten aufzugeben. So verhalten sich die Charaktere allesamt in grenzenloser Euphorie auf den anstehenden "Whacking Day", der gar in die Melodie eines Weihnachtsliedes (immerhin das Fest der Liebe) verpackt wird. Um die Irritation für Lisa perfekt zu machen, versetzten die Autoren Marge, ansonsten Lisas einzige Bezugsperson in schweren Zeiten, mit unmissverständlichen sexuellen Schwingungen, sobald Homer seinen "Knüppel" auspackt ... ein kleiner Hieb am Rande, der Lisa vollkommen isoliert.
Sehr gelungen ist mal wieder das Auftreten von Quimby, der immer dann in Hochform ist, wenn es darum geht, die Wankelmütigkeit des Volkes aufzuzeigen. Prominente Unterstützung bekommt der Tierschutz auch: Barry White setzt seinen dunklen Bass ein, um Liebe und Frieden über die Menschen zu bringen. Das ist zweifellos etwas schmalzig, aber weil das Ganze mal wieder mit sinnvollem Sachwissen sehr schön verbunden wird (Schlangen reagieren auf Bassgeräusche, Barry White verfügt über den gewaltigsten Bass, also werden die Schlangen durch Barry Whites Stimme in eine bestimmte Richtung gelockt), wird der übliche Klischeeschmalz mal wieder vermieden. Als leicht störend erweist sich die leichte Vermenschlichung der Schlangen (eine wischt sich den Unterleib an der Fußmatte ab, bevor sie eintritt), die stattfindet, obwohl man sich bemühte, sie dennoch wie Tiere agieren zu lassen.
Ansonsten glänzt die Folge durchgehend mit schönen Gags (Itchy & Scratchy directed by Oliver Stone, Grampa Simpson macht im Zweiten Weltkrieg Hitler an und Homer fährt mehrmals gedankenlos in die Garage, während Marge Bart dort unterrichtet), die auch teilweise überdurchschnittlich gut inszeniert wurden (Homers Eastern-parodistisches Training für den Whacking Day).


21. Marge wird verhaftet

Der Fokus lag in dieser Staffel bislang nicht allzu sehr auf Marge, deshalb wenden wir uns kurz vor Ende doch nochmal ihr zu. Um sie aus der Reserve zu locken, wird allerdings ganz schön schweres Geschütz aufgefahren. Und zwar ist eine Osaka-Grippe erforderlich, um mal wieder eines zu verdeutlichen: Marge ist diejenige, die immer für alles vorgeschickt wird, wenn alle anderen sich lieber zurücklehnen. Die Grippe sorgt dann dafür, dass sich ganz Springfield einheitlich zurücklehnt, so dass Marge als einzige aus dem Haus muss, um die Familie zu versorgen. Aller Druck liegt also auf ihr, so dass sie aus Versehen im Kwik-E-Mart etwas mitgehen lässt - der Start für ein Plädoyer gegen Vorurteile.
Sehr cool kommt aber zunächst die Ausbreitung der Grippe rüber, die schön absurd im Slasher-Stil gehalten ist. Wo sonst hat man schließlich die Möglichkeit, die Ego-Perspektive einer Grippe (!) und eines Schwalls Kotze (!!!) einzunehmen?
Später entwickelt sich der Plot zu einer Mischung aus Gerichtsdrama und Vorverurteilung im Alltag. Nebencharaktere wie die Lovejoys oder die Hibberts sprühen Gift und Galle hinter Marges Rücken, der Tratsch steht in der Luft Springfields wie eine dichte Wolke und kulminiert in einer Interner Link"Psycho"-Hommage im Haus der Flanders, wo Marge selbst auf der Toilette beobachtet wird. Schmuddelanwalt Hutz hat natürlich auch wieder einen sensationellen Auftritt mit seiner Krawatte-Verschwindibus-Nummer vor Gericht.
Als man den Simpsons ihre Mutter dann schließlich nimmt, geschieht das, was immer geschieht, wenn sie weg ist: Die Küche mutiert demonstrativ zum Saustall und aus der Toilette kommen prompt die Alligatoren gekrochen - übrigens ist es ein Genuss zu sehen, wie der Alligator mit aufgehellter Miene demonstrativ glücklich Grampas Gebiss zerkaut, während der hilflos mit seinem Saugnapf dasteht.
Marges Bekanntschaft mit der stämmigen Knasttante will allerdings nur bedingt funktionieren; es ist einfach zu wenig Zeit für einen Nebenplot dieser Art da, so dass diese ganze Sache im Sande verläuft. Um gänzlich zu überzeugen, ist die Episode daher insgesamt doch von zu vielen Brüchen durchzogen.


22. Krusty, der TV-Star

Es ist mal wieder soweit und mit einer sehr guten Episode geht eine neue Staffel zu Ende. Dabei war der Abschluss eine schwere Geburt, die beinahe abgesagt worden wäre, weil man es nicht schaffte, die ganzen Gaststars unter einen Hut zu bringen. Der Aufwand war also offenbar mit Risiken versehen, die zu Lasten der Qualität der Storyline hätten gehen können.
Bei der Folge um den ominösen "Gabbo" kommt in mir jedes Mal der Gedanke an "Daewoo" auf - eine Automarke, die irgendwann in den Neunzigern nach dem gleichen Prinzip in die Medien gelangte wie Gabbo, nämlich durch die reine Nennung des Namens mit strikter Zurückhaltung von sonstigen Informationen. Ein Werbegag, der erst Recht die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen soll, welcher einfach nur wissen will, was sich hinter dem vorgeschickten Namen verbirgt.
Im Zuge des vorläufigen Erfolgs der Bauchrednerpuppe Gabbo wird Krusty immer mehr zum tragischen Verlierertypen des Business, der zwar irgendwo schmierig und billig ist, aber ebenso ein liebenswertes Original mit Charakter - ein Wesenszug, der dem hier dargestellten Gabbo-Spieler fehlt. Die ersten Fernseh-Teaser zeigen ein pompöses Puppenspielorchester mit aufwändiger Pyrotechnik und viel Schnickschnack. Es ist ganz ähnlich wie die spätere Folge, als sich Knecht Ruprecht gegen den neuen Rassehund durchsetzen muss, den Bart mit Homers Kreditkarte gekauft hat - Krusty ist Knecht Ruprecht und der Gabbo-Mann der Rassehund - viele Qualitäten, aber keine Persönlichkeit. Insofern könnte man die Story als Bejahung von Authentizität und Charakterstärke auslegen.
Echte Originale des Showbizz, nämlich Bette Midler und die Red Hot Chili Peppers, haben es dann als die Message unterstützende Promis in die Serie, genau genommen in Krustys Jubiläumsshow geschafft, wo die Verhältnisse wieder gerade gebogen werden. Das "Live Aid"-Feeling der Show hat zwar irgendwo was Erbärmliches für den Entertainment-Clown ist aber fast so amüsant wie der Chili-Auftritt in Unterwäsche. Down & Out.


Die vierte Staffel ist auf DVD einerseits eine Überraschung, andererseits eine kleine Enttäuschung. Letzteres bezieht sich auf die Verpackung. War es bisher ein mehrfach aufklappbares DigiPack in einem halb offenen Pappschuber, der die DVDs umschlang, gestaltet sich die Verpackung nun etwas einfacher. Zwei Amarays ersetzen nun das DigiPack, wobei Matt Groenings schriftliche Ansprache zur DVD-Box auf der Rückseite einer der beiden Amarays zu finden ist. Der Pappschuber ist nun ohne offenes Sichtfenster, deswegen aber nicht minder edel.
Den Hauptteil der Extras hat man gleich auf DVD gepackt. Dazu gehört das etwas lieblose "Wort von Matt Groening", einem Kurzabriss der vierten Staffel, aber auch das sehr witzige, 14minütige Werbe-Video, das viel mehr beinhaltet als platte Anpreisungen der Serie. Unter "Kunst & Animation" darf man die Folge über die Blickwinkeltaste des Players auf insgesamt vier verschiedene Arten anschauen: Neben dem üblichen Modus lassen sich Storyboards, also einfache Konzeptzeichnungen, und Animatics, die nächste Vorstufe zur fertigen Folge zusammen mit der Folge einblenden. Dieses Extra begegnet den Zuschauer noch in zwei weiteren Folgen. Die Cajun-Kontroverse beinhaltet eine kompakte Schilderung des kleinen Skandals, den die "Simpsons"-Macher mit ihrem New Orleans-Musikstück entfachten. Per Audiokommentar wird der Hergang kurz erzählt und mit Zeitungsartikeln und Ausschnitten aus der betreffenden Folge verdeutlicht. Eine etwas andere Kontroverse offenbart sich unter "Bush gegen die Simpsons", wo die Simpsons eine Schelte von Seiten des damaligen Präsidenten und seiner Gattin hinnehmen mussten, dabei aber mit einer netten Idee parieren konnten. Wer die Synchronisation der Simpsons mal in anderen Sprachen erleben möchte, der kann dies unter "Die Simpsons international" tun. Anstatt aber nur kurze Ausschnitte in vier Sprachen zu zeigen, wie es bei den Interner Link"Akte X"-Staffeln von Fox getan wurde, kann man hier aber eine komplette Folge lokalisiert anschauen.
DVD 2 bietet vier lustige Werbespots (u.a. für die TV-Ausstrahlung der "Simpsons"), während man auf DVD 3 und 4 gekürzte Szenen zu je einer Folge anschauen kann, die sich auch in die fertige Episode reintegrieren lassen. Außerdem darf man sich Animationsvorlagen anschauen und wird sich hoffentlich auch über die tollen Animationen der Figuren in den Menus erfreuen. Man sieht immer wieder andere Späße, nur kann es sein, dass diese Übergangssequenzen manchmal etwas nerven, wenn man schnell durch die Menus möchte.
Das ganz besondere Extra versteckt sich aber wieder hinter dem Audiokommentar, den es zu jeder Folge gibt. Man hat also nicht nur die Möglichkeit, sich jede Folge in deutscher und englischer Version anzuhören, sondern auch dem Produzenten/Regie/Sprecher-Teams in wechselnder Konstellation bei ihren meist heiteren Gesprächen zur jeweiligen Folge zuzuhören. Besonders interessant wird's, wenn die stets von Matt Groening eingeleiteten Kommentare ein wenig vom Thema abweichen und über Gott und die Welt gejuxt wird.
Auch dieser Box liegt wieder ein Booklet bei, welches eine grobe Auflistung der Extras und der Folgen mit Kapitelliste und ihren Inhalten enthält.

Viel hat sich nicht geändert an der Bildqualität des originalen TV-Vollbildes. Es liegt wohl immer noch ein wenig am Zeichenstil, dass nicht mehr erreicht wird, aber vielleicht auch am Alter des Materials. Die sehr weichen Konturen, um die sich nur geringfügige Kompressionsartefakte bilden (lediglich bei sehr genauem Betrachten zu sehen), machen das Bild insgesamt nicht sehr scharf und sind auch nicht sonderlich klar gezeichnet. Einen Detailbereich gibt es nur selten, was ebenso dem typischen Comic-Stil anzulasten ist. Farblich ist man wieder auf gutem Niveau, wobei einige Szenen vielleicht noch einen Tick mehr Sättigung vertragen könnten. Während Schmutz eigentlich kaum zu sehen ist, drückt immer wieder mal Rauschen durch, was auf Grund der vielen einfarbigen Flächen stets ein wenig stärker zur Geltung kommt als bei einem herkömmlichen Spielfilm. Betrachtet man den Entstehungszeitraum, ist die fünfte Staffel auf DVD aber bereits eine sehr runde Sache.

Selbiges gilt für die beiden Tonspuren, die den englischen Originalton und natürlich die deutsche Synchro enthalten. Wie immer wird der "Simpsons"-Fan nicht umhin kommen, sich beide anzuhören. Zwar hat man eine großartige Synchro in Deutschland, die sicherlich auch zum Kultstatus der Serie beitrug, aber im Englischen lässt sich noch einmal viel Wort- und Situationswitz herausholen. Da beide im 5.1-Modus vorliegen und ein sehr ähnliches Klangbild besitzen, muss man beim Umschalten keine Qualitätseinbußen hinnehmen. Natürlich ist der Surround-Modus nur eine Aufarbeitung. Das merkt man daran, dass selbst in actionreichen Episoden wie "Homer kommt in Fahrt" lediglich der Score dafür da ist, um die hinteren Lautsprecher einzubeziehen. Das wird neben dem Beginn aber in wirklich jeder Musikszene versucht, so dass der 5.1-Modus auch Sinn macht, zumal der Score nun auch eine sehr kräftige Komponente erhält und sogar im Bassbereich aktiv wird. Was auf den Frontlautsprechern abläuft, ist wieder mal tadellos. Auch hier stehen deutsche und englische Untertitel zur Anwahl.

Mit ruhigem Gewissen lässt sich am Ende ein nochmaliger qualitativer Aufschwung gegenüber der dritten Staffel konstatieren. Die vierte Staffel vollbringt das Kunststück, in Sachen Humor leichtfüßiger, pointierter und treffender zu werden, dabei aber die satirischen Aspekte gar noch intelligenter zu gestalten. Das ist kein Widerspruch, es ist vielmehr das Glanzstück des intelligenten, subversiven Humors, wie ihn die Simpsons nun schon seit Jahrzehnten pflegen.
Der Zuschauer lacht wechselseitig über dumme Kalauer, die aus eigenem Antrieb einen ebenso unwiderstehlichen wie unerklärlichen Charme entwickeln (Groenings Lieblingsgag: "I call the big one Bitey!") und facettenreiche Satire, die ihre Treffsicherheit der Vielschichtigkeit von Anspielungen auf Popkultur, Historie, Aktuelles oder Selbstreferenzielles entzieht. Kurzzeitig scheint es, als würden einzelne Charaktere in ihrer individuellen Entwicklung darunter Schaden nehmen (Ralph Wiggum in "I Love Lisa"), aber das wären erstens Opfer, die man in Anbetracht der positiven Neuerungen in Kauf nimmt und zweitens sind sie sowieso nicht von Dauer oder gar irreversibel, da etwa ein Ralph trotz seiner emotionalen und fast intelligenten Geistesanflüge in späteren Folgen wieder problemlos als dummer Nasenpopler aus der letzten Sitzreihe vom Publikum angenommen wird. So kommt es, dass die Season 4 trotz vereinzelter kleiner Schwächen alle Kompetenzressourcen der Macher voll ausreizt und wir langsam, aber sicher auf dem Höhepunkt der Serie gestrandet sind.


Film++++++
Bild+++/--
Ton+++/--
Bonus++++--


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