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USA 2005
Originaltitel:Munich
Länge:157:02 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Steven Spielberg
Buch:Tony Kushner, Eric Roth
Kamera:Janusz Kaminski
Musik:John Williams
SFX:Grégoire Delage
Darsteller:Eric Bana, Daniel Craig, Ciarán Hinds, Mathieu Kassovitz, Hanns Zischler, Ayelet Zorer, Geoffrey Rush, Gila Almagor, Michael Lonsdale, Mathieu Amalric, Moritz Bleibtreu, Valeria Bruni Tedeschi, Marie-Josée Croze, Yvan Attal, Lynn Cohen, Ami Weinberg, Lisa Werlinder, Jonathan Rozen
Vertrieb:Dreamworks / Paramount
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:04.01.2007 (Kauf)
Specials:
  • Einleitung von Steven Spielberg (4:36 Min.)
  • Making of (13:13 Min.)
Olympische Spiele München 1972: Bei einem Terroranschlag werden 11 israelische Teilnehmer von palästinensischen Extremisten auf brutale Weise ermordet. Die Welt ist geschockt. Doch bis heute wissen die wenigsten über die Geschehnisse danach. Auf den Angriff der Palästinenser folgt israelische Vergeltung. Avner ist Kopf des Killerkommandos des israelischen Geheimdienst, das beauftragt wird verschiedene Drahtzieher zu eliminieren. Doch während der Ausführung ihrer Aufträge kommen den Profikillern Zweifel: Wen genau bringen wir da eigentlich um? Wird die Aktion den stetigen Terror zwischen Israeli und Palästinensern beenden ...?
"The world was watching in 1972 as 11 Israeli athletes were murdered at the Munich Olympics.
This is the story of what happened next."


Den Titel gebenden Anschlag im September 1972 bebildert Regisseur Steven Spielberg nur grob; in semidokumentarischen Einzelepisoden demonstriert er den palästinischen Blutakt an israelischen Olympiateilnehmern, kombiniert mit authentischen Fernsehaufnahmen, die dem Zuschauer jene Ereignisse noch einmal nachdrücklich ins Gedächtnis rufen oder zumindest übersichtlich veranschaulichen. Seine Geschichte fokussiert dagegen die Folgen und Auswirkungen eines derartigen Attentats, um in allgemein festgehaltenen Thesen auf die ewig rotierende Gewaltspirale hinzuweisen: Die inoffizielle Vergeltungsodyssee der Mossad-Agenten steht im Mittelpunkt einer Reflexion und Auseinandersetzung über die Entfremdung des Individuums in einem blinden Kampf, der nie gänzlich ausgetragen werden kann. Dabei erweist sich "Munich" als brisanter Politthriller, der meisterlich erzählt und visuell herausfordernd zu den komplexesten Filmen Spielbergs zählt.




Diskussionswürdig ist nicht nur die fiktive Grundlage dieses Stoffes, der Roman Vengeance (1984) von George Jonas, sondern auch die bemühte Vorsicht des Regisseurs, Wertungen vorzunehmen, um Vorwürfen beider Lager Einhalt zu gewähren. Dadurch, dass er sich möglichst unangreifbar in eine Schutzposition zurückzieht, um sich vielmehr einer ganz theoretischen und unspezifischen Abhandlung der Gewalt-Gegengewalt-These zuzuwenden, wurde Spielberg von mehren Seiten kritisiert. Zu naiv, zu weltfremd und kindlich seien seine Vorstellungen vom politischen Nahostkonflikts, der als Beispielinstanz verfremdet würde, um anhand eines menschlichen Schicksals - dem jüdischen Agenten Avner, gespielt von Eric Bana - als Opfer und Täter zugleich ein pazifistisches Plädoyer einzustimmen, das stark manipulierend und kurzsichtig an den Humanismus des Zuschauers appelliere.

So wenig diese Beschuldigungen auf den ersten Blick widerlegt werden können, so sehr verweigern sie den Diskurs mit ihrem Verursacher Spielberg. Dessen natürliche Empathie mit dem organisierten Rachefeldzug Israels sollte nicht als antisemitisches Statement verstanden werden, sondern als Problematisierungsansatz für den Mangel an Kommunikation, der Entscheidungen nur auf Basis von Gewalt in all ihren Formen fällt. Dass die augenscheinliche Lösung nicht einfache Vergeltung in Form und Stil der politischen Gegner sein kann und darf, wird zum polemisch belegten Grundsatz des Films, ohne Spielberg diesen verübeln zu können: Indem er keine Seite konkret anklagt, sondern seine Wut und Zweifel gegen den Weg der Gewalt wendet, forciert der Film die Auseinandersetzung und Diskussion mit seinen Sujets, die er selbst nur fragend in den Raum stellen kann - und welche Barrikaden hätte manch einer erklommen, würde er sie beantworten.




Durch seine Figur Avner, einem patriotischen Diener des Mossad, transzendiert Spielberg eindrucksvoll die Auswirkungen seines schwer greifbaren Gegenstandes, staatlichem Terror. In doppelt kodierten Dialogen, besonders jener Schlüsselszene, als Avner auf einen palästinischen Abgesonderten, der seine Identität nicht kennt, trifft, verweist er auf beide Positionen und den historisch bedingten Hintergrund der jüdischen Diaspora und Staatsgründung. Dieser Moment ist einer der wenigen, in denen der Regisseur zugleich stark kommentiert und Diskussionsstoff anbietet, indem er den gegenseitigen Hass als verselbstständigte Maschinerie erscheinen lässt: Ein Dialog wird gar nicht mehr in Erwägung gezogen, vielmehr müssten neue Söldner produziert werden, um den ewigen Krieg garantieren zu können. Dass die kollektive Erhabenheit längst jeglichen Individualismus zerstört hat, wird Avner - der seinem Gegenüber entsprechend schockiert begegnet - unlängst selbst bewusst. Seine Treue für Israel blendete den Zweck der staatlich verordneten Vergeltung aus, der Verlust der eigenen Souveränität ist deren Folge.

Das drückt sich ebenso radikal wie - natürlich - diskussionswert in einer an David Cronenbergs Interner Link"A History of Violence" erinnernden Sexszene aus, die, gemessen an der Spielbergschen Prüderie, erstaunlich offensiv die bittere Erkenntnis nicht nur jener verlorenen Sicherheit durch die Freunde, sondern auch die Angst vor weiteren Racheakten heraufbeschwört. Selbst in der intimsten Sphäre des Menschen kann es keinen Schutz und keine Rückkehr zur Normalität mehr geben, grelle Schreckensbilder haben sich in Avners Kopf unwiderruflich festgesetzt und drohen ihn zu zerstören. Das mag populistisch und überstilisiert sein, doch kann nicht die eindringliche Kraft dieser ambitionierten Aufforderung schmälern, berechtigte Fragen stellen zu dürfen.




"We have 11 Palestinian names, each one of them had a hand in planning Munich. We want them all dead." - Ephraim

Die hier vorliegende, im Januar 2007 erschienene DVD ist identisch mit der Erstauflage, welche im Sommer 2006 erschien, befindet sich jetzt jedoch im "Nice Price"-Segment und der Vertrieb ist von Universal zu Paramount gewechselt.
Bild und Ton hinterlassen einen guten Eindruck, wobei hier sicherlich noch deutlich mehr möglich gewesen wäre. Doch tendenziell können wir hier von einem angenehmen Widescreen-Transfer sprechen, bei die Schärfe durchaus gute Werte erzielt, jedoch in puncto Detail- und Kantenschärfe ein wenig hinterher hinkt und mitunter ein wenig matschig wirkt. Der Kontrast wurde sehr hart gewählt, wodurch helle Flächen durchweg überstrahlen. Zudem wirkt das Bild häufig sehr milchig - ein Stilmittel, welches auf den Schwarzwert zurückzuführen ist, welcher absichtlich nicht immer gut ausfällt. Zudem wurde die Farbgebung deutlich verfremdet, wodurch wir einmal warme Erdtöne zu sehen bekommen, dann wieder kühle Blautöne, oder aber eine blasse, teilweise ausgewaschene Farbkomposition. Bildrauschen wird hier ebenfall als Stilmittel verwendet und ist in verschiedenen Stärken vorhanden. Die Kompressionen arbeiten für einen Film mit über 160 Minuten Laufzeit jedoch recht sauber und zeigen nur selten leichte Blockbildung. Defekte und Verschmutzungen sind hier ebenfalls kaum zu finden und wenn, dann sind sie nicht der Rede wert.

Dass wir bei einem Film wie "München" keine bombastisches Effektfeuerwerk erwarten dürfen, versteht sich von selbst und doch bietet man uns immer wieder Sequenzen, welche den ansonsten sehr Dialog lastigen Film aus seinem Winterschlaf herausreißen und eine sehr stimmige und vor allem kraftvolle Klangkulisse verbreiten. Da wären z.B. Explosionen bei Bombenanschlägen, welche mit einem sehr kraftvollen Bass das Heimkino zum Beben bringen. Aber auch in Schießereien löst sich das Klangbild von der Front und wartet mit den einen oder anderen gut platzierten Surround-Effekt auf. Für allgemeine Räumlichkeit sorgen die Umgebungsgeräusche und der Score, welche auf sämtliche Kanäle verteilt wurden. Die Dialoge sind ebenfall sehr gut zu verstehen und klingen sehr natürlich. Die gesamte Abmischung hätte vielleicht noch ein Tick dynamischer sein dürfen, ansonsten gibt es aber kaum etwas auszusetzen. Der englische Mix klingt in den Stimmen etwas dumpfer, passt sich dafür insgesamt aber besser dem restlichen Klangspektrum an, wobei die deutsche Spur etwas weiträumiger und sauberer wirkt. Optional gibt es noch deutsche Untertitel.
Die Extras sind leider mager ausgefallen und mehr als eine kurze Einleitung des Regisseurs, sowie ein 13minütiges Making of wird uns nicht geboten. Letzteres ist zudem sehr kurz und werbelastig ausgefallen. Eigentlich schade, denn in den USA erschien eine streng limitierte Doppel-DVD-Edition mit massig Extras.



Ein Film wie "München" hat mehr verdient als eine mager ausgestattete Amaray-DVD. Hier fehlt es an richtigen Extras, sowie einen Audiokommentar; da Spielberg ohnehin keine spricht, bleibt dies eher den Darsteller vorbehalten, wäre aber sicherlich interessant gewesen. Von daher ist diese Veröffentlichung ein wenig enttäuschend, wobei Bild und Ton wirklich gut ausgefallen sind und der Preis stimmt auch.
Wer sich "München" bisher noch nicht gegönnt hat und auf Bonusmaterial verzichten kann, sollte jetzt zuschlagen, bei dem Preis kann man nichts falsch machen.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+-----


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NewsDie Oscar-Nominierungen 2006!
Steven Spielbergs Meisterwerk "München"
Spielbergs "Munich" auf DVD
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