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D, YU, IT 1971
Originaltitel:Malastrana
Alternativtitel:Corta notte delle bambole di vetro, La
aka. Malastrana - Das Todessyndrom
aka. Paralyzed
aka. Short Night of the Glass Dolls
aka. Todessyndrom, Das
aka. Unter dem Skalpell des Teufels
Länge:92:43 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Aldo Lado
Buch:Aldo Lado, Ruediger von Spiess
Kamera:Giuseppe Ruzzolini
Musik:Ennio Morricone
Darsteller:Ingrid Thulin, Jean Sorel, Mario Adorf, Barbara Bach, Fabijan Sovagovic, José Quaglio, Relja Basic, Piero Vida, Daniele Dublino, Sven Lasta, Luciano Catenacci, Michaela Martin, Vjenceslav Kapural, Jürgen Drews, Semka Sokolovic-Bertok, Sergio Serafini, Franca Sciutto, Hrvoje Svob, Joza Seb, Petar Dumicic, Rikard Brzeska, Vladimir Bosnjak, Petar Buntic, Ivo Kadic
Vertrieb:Koch Media
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 (Mono)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Audiokommentar von Darsteller Jürgen Drews
  • Abenteuer Filme machen: Mario Adorf erzählt ... (29:44 Min.)
  • Englischer Originaltrailer (2:58 Min.)
  • Bildergalerie (27 Bilder)
  • DVD Credits
  • 8seitiges Booklet
Gregory Moore (Jean Sorel), amerikanischer Auslandskorrespondent, wird in Prag tot aufgefunden. Eine Todesursache ist auf Anhieb nicht erkennbar und auch die Leichenstarre will sich nicht in der üblichen Zeitspanne einstellen. Doch während die Mediziner ebenso wie Moores Freunde und Kollegen noch am Rätseln sind, ahnt niemand, dass der vermeintliche Tote in Wirklichkeit noch lebendig und bei Bewusstsein ist. In einen Zustand todesähnlicher Katalepsie ohne jegliche nachweisbare Lebensfunktionen versetzt und unfähig sich auf irgendeine Art zu artikulieren, verfolgt Moore verzweifelt die Untersuchungen der Ärzte. Nach und nach kehren auch seine Erinnerungen zurück und der Zuschauer erfährt durch die Gedanken des Scheintoten die seltsame Vorgeschichte: Moore wollte seiner tschechischen Geliebten Mira (Barbara Bach) die Ausreise in die USA ermöglichen und hatte schon alle erforderlichen Papiere besorgt. Doch eines Tages verschwand das Mädchen spurlos. Moore, der der einheimischen Polizei misstraut, beginnt - unterstützt von seinen Kollegen Jack (Mario Adorf) und Jessica (Ingrid Thulin) - auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Seine Recherchen ergeben, dass in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe junger Frauen spurlos in Prag verschwand und schließlich kommt er einem mysteriösen Geheimbund auf die Spur...
"Tot? Ich, tot? Unmöglich. Ich lebe! Seht ihr nicht, dass ich lebe!"

Die deutsch-italienische Coproduktion "Malastrana" entstand 1971 in der Regie von Aldo Lado, der u. a. auch für den exzellenten Giallo "Chi l'ha vista morire?" (Interner Link"The Child - Die Stadt wird zum Alptraum", 1972) und den ebenso beeindruckenden wie unangenehmen "L'ultimo treno della notte" (1975, Interner Link"Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien", 1975) verantwortlich zeichnet.


"Malastrana" ist eines der ungewöhnlichsten Kapitel in der italienischen Thrillergeschichte. Der Film ist keinesfalls ein typischer Giallo; die für dieses Subgenre typischen Zutaten wie maskierte Killer, kunstvoll inszenierte Morde oder das Spiel mit erotischen Obsessionen sucht man hier vergebens, der Anteil von Blut und nackter Haut hält sich Grenzen. Stattdessen verbinden sich Stilmittel des Horror- und Kriminalfilms zu einem bitterbösen Paranoia-Thriller mit okkulten Elementen. Im Schnittwechsel zwischen Gegenwart (= Leichenschauhaus) und Vergangenheit (= Moores Untersuchungen) baut sich die Story puzzlegleich auf und strebt mit schleichendem, aber sich stetig steigernden Grauen dem schrecklichen Finale entgegen. Der Film bietet keine Tour de Force der Schockeffekte, sondern nimmt sich ausgiebig Zeit, um die Handlung zu entwickeln, die Charaktere vorzustellen und die beklemmende Atmosphäre wachsen zu lassen. Die okkulte Facette der Story - ein Bund unsterblicher Greise, der sich auf Kosten der Jugend turnusmäßig das ewige Leben und die Macht sichert - ist eigentlich nichts anderes, als eine politische Metapher auf Totalitarismus und menschenverachtende Systeme (man bedenke in diesem Kontext auch, dass der Prager Frühling noch nicht lang zurücklag). Das Individuum findet sich hilflos in einem alles umspannenden Netz aus Kontrolle, Intrigen und Lügen wieder; einer System-Maschinerie ausgeliefert, die zur Erreichung ihrer Ziele ohne Probleme über Leichen geht. Natürlich ist diese verrottete Moral machtbesitzender Zeitgenossen ein grenzübergreifendes Übel und fand sich ebenso dies- wie jenseits des Eisernen Vorhangs. Dass es möglich war, "Malastrana" in der damaligen CSSR zu drehen, erstaunt im Nachhinein trotzdem; offensichtlich hatten die verantwortlichen Funktionäre kein sonderlich ausgeprägtes Interesse an dem Drehbuch. Die titelgebende Malá Strana ist übrigens einer der ältesten Stadtteile von Prag und bot eine wirklich wunderschöne Kulisse für die hier erzählte Geschichte - ein faszinierendes Gespinst verwinkelter Altstadtgassen, die zugleich einladen, zugleich aber auch dunkle und uralte Geheimnisse erahnen lassen. Der mysteriöse Zauber der Stadt Kafkas trug gewiss nicht unwesentlich zu der gelungenen Stimmung des Films bei. Da die Produzenten jedoch befürchteten, dass das Publikum mit dem rätselhaften "Malastrana" nichts anfangen könnte, kam der Film in Italien schließlich unter dem nicht minder mysteriösen Titel "La corta notte delle bambole di vetro" (zu deutsch: Die kurze Nacht der gläsernen Puppen) in die Kinos.
"Malastrana" war das Regiedebüt Aldo Lados und mutet dafür erstaunlich gelungen und professionell an. Kameraführung, Ausleuchtung, Schnitttechnik und der Einsatz von Geräuschen und Musik - all das wirkt gekonnt, stets passend und lässt den Film vortrefflich funktionieren. Der düstere Soundtrack von Ennio Morricone tut ein übriges, um die Atmosphäre subtil zu verstärken. Auch an der Besetzung gibt es wenig auszusetzen: Jean Sorel - ein französischer Schauspieler, der in den 60er/70er Jahren in zahlreichen italienischen Thrillern mitwirkte - ist perfekt in der Hauptrolle des immer paranoider werdenden Gregory Moore. Ihm zur Seite stehen die Schwedin Ingrid Thulin (die u. a. auch mit Regisseuren wie Bergman und Visconti zusammenarbeitete) und der großartige Mario Adorf, dessen Rolle hier zwar nicht sonderlich groß ist, von ihm aber wieder einmal souverän und überzeugend ausgefüllt wird. Barbara Bach - deren Charakter hier recht schnell das zeitliche segnet - machte später u. a. als Bond-Girl in "The Spy Who Loved Me" Furore. Eher in den Bereich des Obskuren fällt der Kurzauftritt des Ballermann-Schlagerhelden Jürgen Drews, der hier als Hippiebarde zur Wanderklampfe den Song "The Short Night Of The Butterflies" zum Besten geben darf.


"Ich muss mich bewegen. Ja, einen Finger! Ich kann es nicht! Ich ... muss!
Lasst mich nicht so fliegen! Helft mir!"


Im chicen Digipack mit Schuber und Prägschrift erschienen, spendiert uns Koch Media den gleichen Transfer wie seinerzeit Anchor Bay und legt uns den Film im anamorphen Widescreen-Format von 2,35:1 vor. Das Ergebnis ist nicht überragend, aber für eine italienische Produktion, die über 30 Jahre auf dem Buckel hat, ist das Bild wirklich gut geworden. Die Farbgebung ist sehr kräftig und satt ausgefallen und der Kontrast macht eine gute Figur und wartet mit einem gelungenen Schwarzwert auf. Lediglich feine Details werden in dunklen Szenen etwas verschluckt. Das Schärfeverhalten darf hierbei als recht wechselhaft angesehen werden. Erscheinen Nahaufnahmen angenehm detailliert und scharf, so neigt das Bild des Öfteren dazu, etwas zu weich zu wirken. Unscharf wird es zwar nie, aber aufgrund einer nicht immer gänzlich guten Kantenschärfe, erscheint das Bild nicht kontinuierlich plastisch. Zudem lässt sich im Hintergrund immer wieder ein dezentes Rauschen erkennen, welches nur in wenigen Aufnahmen wirklich störend auffällt. Dafür arbeiten die Kompressionen sehr sauber und Blockrauschen oder gar Defekte und Verunreinigungen treten ganz selten auf. Dafür fallen in Kameraschwenks hin und wieder leichte Bewegungsunschärfen auf.
Die deutsche Monospur klingt recht dumpf und neigt zu leichten Verzerrungen. Die Stimmen sind dafür gut zu verstehen, obgleich sie recht kratzig erscheinen und vor allem die Musik leidet unter dem dumpfen Grundklang des Monotons, und hin und wieder fällt auch leichtes Rauschen im Hintergrund auf. Der englische Track wirkt in den Stimmen nicht so dumpf wie der deutsche Track, wurde in den Dialogen aber etwas leiser abgemischt. Sauber klingt das Ganze aber ebenfalls nicht, sondern lässt die Stimmen ebenfalls etwas blechern erscheinen und auch Verzerrungen lassen sich ausmachen. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten. Die damals geschnittenen Szenen wurden nicht deutsch synchronisiert und liegen hier im englischen Format mit deutschen Untertiteln vor.


"Was ist mit mir passiert?. Ich muss mich erinnern. Mal sehen ... Ich bin Greg ... Gregory Moore."

Kommen wir nun zum Bonusmaterial, welches sich auf den ersten Blick recht merkwürdig liest. Ein Audiokommentar mit Jürgen Drews? Was soll das denn? Ungewöhnlich, aber überraschend gut geworden, erzählt Drews doch alles über seine kleine Nebenrolle und die Bekanntschaften, die er zu dieser Zeit gemacht hat. Und egal was man von dem "König von Mallorca" hält, er spricht gut gelaunt und sehr offen über seine Karriere, seine Höhen und Tiefen, ohne dass es langweilig oder albern wird. Ganz im Gegenteil: Nach diesen Kommentar dürfte Jürgen Drews einiges an Sympathiepunkte bei den Filmfans gesammelt haben. In der knapp 30minütigen Dokumentation "Abenteuer Filme machen: Mario Adorf erzählt" geht es weniger um "Malastrana", als vielmehr um Mario Adorfs Karriere. Hierbei gibt er eine Menge über seine Filme und seiner Karriere preis. Störend sind dabei aber die vielen Filmausschnitte und der fehlerhafte Ton, was zufolge hat, dass seine Stimme recht schwer zu verstehen ist. Zum Schluss dürfen wir noch den englischen Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie bewundern. Insgesamt nicht sonderlich viel, aber allein die Dokumentation und der Audiokommentar machen dieses Manko wieder wett. Zudem offenbart die hübsche Verpackung noch ein 8seitiges Booklet mit einem Text von Christian Kessler.


Koch Media veröffentlicht mit "Malastrana" einen der wohl besten italienischen Psychothriller und das zum ersten Mal völlig ungekürzt. Das schöne Digipack, so die ansprechende Qualität tragen dazu bei, dass Liebhaber deutsch-italienischer Kost an dieser Veröffentlichung nicht vorbei kommen.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++----
Bonus++----


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Short Night of the Glass Dolls
Malastrana
Unter dem Skalpell des Teufels
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