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USA 1993-1994
Originaltitel:Simpsons, The
Alternativtitel:Simpson, Los
aka. Simpsonovi
Länge:484:49 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Mark Kirkland, Rich Moore, Jim Reardon, Wes Archer, David Silverman, Bob Anderson, Jeffrey Lynch, Carlos Baeza, Susie Dietter
Buch:Jeff Martin, Jon Vitti, Conan O'Brien, John Swartzwelder, Bill Oakley, Josh Weinstein, Greg Daniels, Dan McGrath, Bill Canterbury, George Meyer, Frank Mula, David Mirkin, David Richardson, Jace Richdale
Musik:Denny Elfman, Alf Clausen
Darsteller:Dan Castellaneta, Julie Kavner, Nancy Cartwright, Yeardley Smith, Hank Azaria, Harry Shearer, George Harrison, Marcia Wallace, Pamela Hayden, Kelsey Grammer, Maggie Roswell, Tress MacNeille, Russi Taylor, Joey Ramone, Johnny Ramone, Phil Hartman, Pamela Reed, Albert Brooks, James Brown, Ernest Borgnine, Werner Klemperer, Michelle Pfeiffer, Robert Goulet, Sam Neill, Conan O'Brien, James Woods, Kathleen Turner, Buzz Aldrin, James Taylor
Vertrieb:20th Century Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:DigiPack im Schuber
DVD-Start:19.05.2005 (Kauf)
Specials:
  • 12seitiges Booklet
DVD 1:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Ein Wort von Matt Groening (1:33 Min.)
  • Kunst & Animation:
    • Animationspräsentation (8:12 Min.)
    • Animatic (8:31 Min.)
    • Mit illustriertem Kommentar abspielen (9:19 Min.)
    • Originalskizzen (45 Bilder)
  • Werbespots:
    • Butterfinger "Ich wurde bestohlen" (0:31 Min.)
    • Butterfinger "Verbrechen des Jahrhunderts" (0:32 Min.)
    • T.G.I. Friday's "Homer Simpson" (0:32 Min.)
    • Ramada Inn "Ramada's In" (0:31 Min.)
    • THX-Trailer (0:31 Min.)
DVD 2:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Animationspräsentation (5:15 Min.)
  • Animatic (5:15 Min.)
  • Mit illustriertem Kommentar abspielen (5:41 Min.)
DVD 3:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Animationspräsentation (5:10 Min.)
  • Animatic mit opt. Audiokommentar (5:28 Min.)
  • Originalskizzen (5 Bilder)
  • Hidden Feature
DVD 4:
  • Audiokommentar zu allen Episoden
  • Nicht verwendete Szenen mit opt. Audiokommentar (20:32 Min.)
  • Animationspräsentation (4:59 Min.)
  • Animatic mit opt. Audiokommentar (6:00 Min.)
  • Simpsons international:
    • Tschechisch (21:59 Min.)
    • Ungarisch (21:59 Min.)
    • Italienisch (21:59 Min.)
    • Polnisch (21:59 Min.)
  • Ein Rückblick mit James L. Brooks (3:44 Min.)
1. Homer und die Sangesbrüder / Homer's Barbershop Quartet (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 14.08.1994
US-Erstausstrahlung: 30.09.1993


Lisa und Bart vertreiben sich die Zeit auf dem Flohmarkt und machen einen unglaublichen Fund: Eine alte Schallplatte des "Barbershop-Quartetts", auf der auch Homer abgebildet ist. Schnell stellt sich heraus, dass ihr stinknormaler Vater mal ein erfolgreicher Sänger, Songwriter und der absolute Schwarm aller Frauen war ...


2. Am Kap der Angst / Cape Feare (21:53 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 02.10.1999
US-Erstausstrahlung: 07.10.1993


Sideshow Bob ist wieder da. Nachdem er endlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat er nur ein Ziel: Springfield! Dort will er mit Bart eine alte Rechnung begleichen und dafür ist ihm jedes noch so miese Mittel recht ...


3. Homer an der Uni / Homer Goes To College (21:58 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 01.04.1995
US-Erstausstrahlung: 14.10.1993


Mr. Burns hält Homer für ein ziemliches Sicherheitsrisiko in seinem Kernkraftwerk und greift zu drakonischen Maßnahmen: Er schickt Homer auf die Universität! Eine harte Zerreißprobe für die Lehrer, denn Homer gibt alles, um möglichst schnell möglichst viel Chaos zu verbreiten ...


4. Kampf um Bobo / Rosebud (22:03 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 02.04.1995
US-Erstausstrahlung: 21.10.1993


Mr. Burns feiert eine Riesen-Geburtstagsfete, auf der auch die Pop-Gruppe The Ramones auftritt. Doch statt zu feiern, schwelgt Burns lieber in alten Erinnerungen und stellt fest, dass er den Verlust seines Teddys Bobo nie ganz überwunden hat. Als das vermisste Plüschtier zufällig bei Maggie landet, sind die Probleme schon vorprogrammiert ...


5. Die Fahrt zur Hölle / Treehouse Of Horror IV (22:36 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 08.04.1995
US-Erstausstrahlung: 28.10.1993


Akt 1: Homer verkauft seine Seele für einen Donut an den Teufel ...
Akt 2: An Barts Schulbus hängt ein Gremlin, der es auf ihn abgesehen hat ...
Akt 3: Die Simpsons verbringen ein Wochenende in Mr. Burns' Vampir-Schloss, denn der Gastgeber braucht frisches Blut ...


6. Die rebellischen Weiber / Marge On The Lam (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 09.04.1995
US-Erstausstrahlung: 04.11.1993


Marge zieht mit ihrer Nachbarin Ruth Powers um die Häuser. Eigentlich ein ganz normaler Frauenabend, außer dass der Wagen, mit dem Ruth rumfährt, geklaut ist. Er gehört ihrem Ex-Mann, der seine Alimente nicht zahlen will. Als Chief Wiggum den gestohlenen Wagen entdeckt, kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd mit äußerst spektakulärem Ausgang ...


7. Bart, das innere Ich / Bart's Inner Child (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 15.04.1995
US-Erstausstrahlung: 11.11.1993


Homer hat aus einer Laune heraus ein Trampolin gekauft, das dann nur Unglück bringt. Um Homers impulsives Wesen für die Zukunft etwas zu zügeln, wird er von Marge in einen Selbstfindungskurs geschleift. Doch nicht nur Homer kommt an die Reihe, auch Bart ist mit von der Partie und das hat ganz fatale Folgen ...


8. Auf Wildwasserfahrt / Boy-Scoutz 'N The Hood (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 16.04.1995
US-Erstausstrahlung: 18.11.1993


Durch ein blödes Missgeschick landet Bart bei den Pfadfindern, die ihre Mitglieder ausgerechnet mit einer Vater-Sohn-Wildwasserfahrt bei Laune halten wollen. Zu allem Unglück sitzen Bart und Homer auch noch mit Ned Flanders und seinem Sohn in einem Boot. Jetzt heißt es Leinen los für nasse Abenteuer!


9. Homer liebt Mindy / The Last Temptation Of Homer (22:03 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 22.04.1995
US-Erstausstrahlung: 09.12.1993


Homer hat Schmetterlinge im Bauch. Der Grund dafür ist jedoch nicht Marge, sondern seine neue Kollegin Mindy. Als beide zusammen auf eine Geschäftsreise gehen, wird Homers eheliches Pflichtbewusstsein auf eine harte Probe gestellt ...


10. Vom Teufel besessen / Springfield (22:07 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 23.04.1995
US-Erstausstrahlung: 16.12.1993


In Springfield ist der Spielteufel los, denn Mr. Burns hat "zum Wohle der Gemeindekasse" ein Kasino eröffnet. Auch die brave Marge lässt sich vom Spielfieber anstecken und erliegt schnell den Reizen eines einarmigen Banditen ...


11. Die Springfield Bürgerwehr / Homer the Vigilante (22:07 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 29.04.1995
US-Erstausstrahlung: 06.01.1994


In Springfield treibt der gewitzte Einbrecher "Die Katze" sein Unwesen. Um ihm endlich das Handwerk zu legen, gründen die Einwohner unter Homers Leitung eine Bürgerwehr. Und so nimmt das Chaos seinen unaufhaltsamen Lauf!


12. Bart wird berühmt / Bart Gets Famous (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 30.04.1995
US-Erstausstrahlung: 03.02.1994


Bart assistiert dem berühmten Fernseh-Clown Krusty in seiner Show und bringt durch ein Missgeschick die ganze Kulisse zum Einsturz. Als ihm spontan der Satz "Ich hab nichts gemacht!" rausrutscht, hat dies ungeahnte Folgen ...


13. Apu der Inder / Homer And Apu (22:02 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 06.05.1995
US-Erstausstrahlung: 10.02.1994


Dank Homers Einsatz wird bewiesen, dass Apu verdorbenes Fleisch verkauft hat. Als er seinen Job verliert, zieht er kurzerhand bei den Simpsons ein. Doch die WG hält nicht lange, denn Homer reist mit Apu nach Indien, um in der Zentrale der Kwik-E-Mart Corporation ein gutes Wort für ihn einzulegen. Mit dem Emmy-nominierten Song "Who Needs The Kwik-E-Mart?"


14. Lisa kontra Malibu Stacy / Lisa vs. Malibu Stacy (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 13.05.1995
US-Erstausstrahlung: 17.02.1994


Lisa ärgert sich über den sexistischen Blödsinn, den ihre sprechende Malibu Stacy-Puppe von sich gibt. Also beschließt sie, eine neue Puppe auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis ist ein entzückendes Geschöpf namens Lisa Löwenherz, das mit Lisas Stimme kluge Lebensweisheiten von sich gibt. Ein echter Renner, aber auch die Konkurrenz schläft nicht ...


15. Homer der Weltraumheld / Deep Space Homer (21:57 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 20.05.1995
US-Erstausstrahlung: 24.02.1994


Homer wird von der NASA als Astronaut rekrutiert, um deren Image beim gemeinen Volk aufzupolieren. Als frischgebackenes Astronauten-Greenhorn sorgt Homer im All für mächtig Chaos und zu allem Überfluss legt er sich auch noch mit den anderen Astronauten an. Doch das dicke Ende kommt erst noch ...


16. Homie und Neddie / Homer Loves Flanders (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 27.05.1995
US-Erstausstrahlung: 17.03.1994


Flanders lädt ausgerechnet seinen Erzfeind Homer zu einem Footballspiel ein - der Anfang für eine dicke Männerfreundschaft ist gemacht. Homer legt sich sogar so ins Zeug, dass Flanders alles daran setzt, den neuen besten Freund bald wieder loszuwerden ...


17. Bart gewinnt Elefant / Bart Gets An Elephant (22:00 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 03.06.1995
US-Erstausstrahlung: 31.03.1994


Bart hat einen lebendigen Elefanten gewonnen und sorgt so natürlich für Aufregung in Springfield - und für Ebbe in der Simpsons-Kasse. Für Homer steht fest: Der Elefant muss weg! Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Bart will sein neues Schmusetier unbedingt behalten ...


18. Burns Erbe / Burns' Heir (22:01 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 10.06.1995
US-Erstausstrahlung: 14.04.1994


Der steinreiche, aber kinderlose Mr. Burns sucht einen zukünftigen Erben. Seine Wahl fällt ausgerechnet auf Bart, der sich nur allzu gerne in die Geheimnisse von Burns' Bosheiten einweisen lässt. Als er sich jedoch zwischen ihm und seinen Eltern entscheiden soll, wird es schwer ...


19. Freund oder Feind! / Sweet Seymour Skinner's Baadasssss Song (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 17.06.1995
US-Erstausstrahlung: 28.04.1994


Die 100. Episode! Rektor Skinner wurde gefeuert und das nur, weil Barts Hund in der Schule Amok gelaufen ist. Als Nachfolger wurde ausgerechnet Ned Flanders auserkoren und so setzt Bart alles daran, dass Skinner seinen Job wiederbekommt ...


20. Bart packt aus / The Boy Who Knew Too Much (22:02 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 24.06.1995
US-Erstausstrahlung: 05.05.1994


Bart wird Zeuge eines Streits zwischen einem Kellner und Freddy, dem Neffen des Bürgermeisters, den man kurz darauf sogar beschuldigt, den Kellner verprügelt zu haben. Nur Bart könnte die Sache aufklären, doch dann müsste er zugeben, dass er nicht in der Schule war ...


21. Liebhaber der Lady B. / Lady Bouvier's Lover (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 01.07.1995
US-Erstausstrahlung: 12.05.1994


Marges Mutter hat zwei glühende Verehrer: Homers Vater und Mr. Burns. Der reiche Burns macht zwar zuerst das Rennen, hat aber dann trotzdem schnell das Nachsehen, denn kurz vor der Hochzeit brennt die "junge" Braut mit Grandpa Simpson durch ...


22. Ehegeheimnisse / Secrets Of A Successful Marriage (21:57 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 08.07.1995
US-Erstausstrahlung: 19.05.1994


Homer unterrichtet in der Schule als Fachmann für Ehefragen. Als er sich dazu hinreissen lässt, seine eigenen, intimen Eheerfahrungen auszuplaudern, knallt es bei den Simpsons gewaltig. Nun kann er endlich beweisen, wie gut er als Ehemann wirklich ist ...

Never Change A Winning Team?

Dem Simpsons-Team flogen die Autoren davon. Nach 4 Jahren stand eine Rekapitulation an, viele Mitarbeiter wollten neue Wege gehen, und plötzlich musste mitten im laufenden Gefüge ein fliegender Wechsel vonstatten gehen. Produktionsleiter David Mirkin wurde engagiert, um das Projekt "Season 5" in die Tat umzusetzen. Panik, Amokläufe, Massenselbstmorde und verzweifeltes Geflenne mussten die unmittelbare Folge sein. Aber das Leben geht weiter, unerbittlich, und am 19.05.1994 hatte der US-Amerikaner gerade die letzte der 22 Folgen der fünften Staffel gesehen, einer Staffel, die gegen einen vorläufigen Höhepunkt mit der Season 4 antreten musste. Ein schier unmögliches Unterfangen, das zu toppen, sollte man meinen. Was wird der US-Amerikaner am 20.05.1994 getan haben? Hat er den Glauben an Gott verloren, weil die 22 zurückliegenden Simpsons-Folgen des fünften Jahres so aussahen, als hätte Matt Groening in seiner Verzweiflung ein paar Affen eingefangen und sie an Schreibmaschinen gekettet? Ist der Serie vielleicht jegliches subversive Feingefühl flöten gegangen? Ist Springfield durch die Hände von ein paar Idioten der Ironie zum Opfer gefallen, plötzlich von jenen erschaffen zu werden, die nicht viel intelligenter sind als Springfield selbst? Nun, das wird sich zeigen, wenn wir uns durch die nächsten 22 Abenteuer gekämpft haben. Freuen wir uns vorerst einmal über den Fortbestand der Serie und hoffen wir, dass das Jubiläum der 100. Folge in einem würdigen Ambiente zelebriert werden kann.

1. Homer und die Sangesbrüder

Recht unverhohlen beginnt die fünfte Staffel mit einer Hommage an eine der bedeutendsten Bands des letzten Jahrhunderts: die Beatles. War Paul McCartney als Solo-Musiker und Privatperson bereits in einer vorhergehenden Staffel zu Gast bei der gelben Familie, so hat es im übertragenen Sinne nun die komplette Band hineingeschafft. Tatsächlich als Gastsprecher anwesend war außerdem der im November 2001 an Krebs verstorbene George Harrison - er darf sich selbst auf einer Party und später aus einem fahrenden Auto heraus synchronisieren.
Betrachtet man die musikhistorische Bedeutung der Beatles und ihren Einfluss auf die Nachwelt, so war es sicher nicht ganz verkehrt, wieder das Simpsons-erprobte Flashback-Konzept zur Anwendung zu bringen. Den Beatles wird somit der mythische Klassikercharme zuteil, der mit ihrem Namen in der Gegenwart nun einmal unweigerlich verbunden ist.
Für das Konzept der Simpsons birgt das leider ein paar Probleme, denn ungeachtet der Tatsache, dass es sich hier "nur" um eine Zeichentrickserie handelt, wirkt der Brocken, den uns die Drehbuchautoren hier auf die Nase binden, ein wenig gewöhnungsbedürftig. Homer soll also mal mit Apu, Skinner und Barney bei einer Band gespielt haben, die ein Gleichnis auf die Beatles darstellt, die also von höchster Bedeutsamkeit für die musikalische Nachwelt ist? Selbst für eine Trickserie ist das, wenn man davon vier Staffeln lang bisher nie etwas gehört hat, zu unglaubwürdig, um toleriert zu werden; zumindest, wenn (wie hier) nicht gekennzeichnet wird, dass man sich dieser Problematik bewusst ist.
Auch hatte man sich zu Beginn der fünften Staffel in den Flashbackepisoden bereits zwei Mal auf die Achtziger Jahre konzentriert, die Beatles feierten ihre Erfolge allerdings in den Sechzigern und trennten sich im Jahre 1970. Konkrete Zeitbezüge konnten in dieser Folge deswegen nicht verarbeitet werden, doch zeigen Jeff Martin (Drehbuch) und Mark Kirkland (Regie), dass die Geschichte der Band zeitlos genug ist, um auch in den Achtzigern zu funktionieren. Gewissermaßen macht genau das auch den Reiz aus, nämlich die Anwendung des Materials einer Epoche auf die andere und die gleichzeitige Verbindung mit dem Simpsons-Universum.
Dennoch hätte die Idee auf eine noch bessere Umsetzung hoffen können, würde die vier Mitglieder der "Be-Sharps" irgendwas Persönliches verbinden, denn Thema ist das Funktionieren einer Gruppe, die Individualität der Einzelpersonen, ihre gegenseitige Ergänzung und das Erhalten der Freundschaft. Homer, Apu, Skinner und Barney wirken leider allzu beliebig zusammengewürfelt, um diese Botschaft noch mit einem persönlichen Hintergrund zu stärken.
Dafür überzeugen aber die Referenzen auf die echten Beatles. Was Bart auf dem Flohmarkt findet, ist bezeichnenderweise eine witzige Anspielung auf das letzte Beatles-Album "Abbey Road" aus dem Jahre 1969, das Ende einer Ära, das für Homer die alten Erinnerungen wieder aufrollt. Innerhalb der Flashbacks spielt dann das Album "Let it Be" (beziehungsweise dessen Ebenbild "Baby on Board") eine zentrale Rolle, welches für die Beatles eine Auseinandersetzung mit Reibereien innerhalb der Band war. Den Plotverlauf dieser Folge bestimmen dann auch jene Reibereien, denn im Zeitraffer werden die verschiedenen Stadien der Karriere aneinandergereiht, die Kurzlebigkeit des Erfolgs betont und die Querelen danach. In nur gut zwanzig Minuten wird der komplette Lebenslauf einer Band erfolgreich abgehandelt.
Die gelungenen Gags werden über das fünfte Mitglied, Chief Wiggum bezogen, der per Management aus der Gruppe geworfen wurde und nun stetig versucht, wieder hinein zu gelangen. Vorsprechen wie bei "A Streetcar Named Marge" versprechen gewohnt hochwertigen Ulk und wenn ein Matrose mit den Worten "Dieses Riesenweib wird uns alle verschlingen" referierend auf die Freiheitsstatue kreischend ins Wasser springt, findet der Spaß kein Ende. Gesungen und auch im Design nachempfunden werden die "Be-Sharps" übrigens von dem Quartett "The Dapper Dans", das in verschiedenen Disney-Parks tätig war / ist. Trotz struktureller Probleme im Ansatz, die Simpsons mit den Beatles zu verbinden, letztendlich also ein gelungener Auftakt für die fünfte Runde.


2. Am Kap der Angst

Eine Filmparodie, die sich über eine ganze Episode erstreckt? Kann das gut gehen? Hier wird bewiesen: Ja, kann es. Es kann sogar brillant sein. Zumindest, sofern man den parodierten Film kennt, denn ansonsten ergibt doch so manche Szene von "Cape Feare" keinerlei Sinn.
Die Veralberung von Interner Link"Kap der Angst" (parodiert werden sowohl Elemente des Originals mit Gregory Peck und Robert Mitchum als auch des Scorsese-Remakes mit De Niro und Nolte), eigentlich noch ein Restbestand aus der vierten Staffel, stellt in Symbiose mit seiner filmischen Vorlage, allerdings auch nur da, einen der großen Höhepunkte der Simpsons-Geschichte dar. Sie gilt als eine der besten zehn Folgen überhaupt. Dabei ist ihre Idee im Grunde gewöhnungsbedürftig. Werden spezielle Filme üblicherweise jeweils nur in einer Szene parodiert, so geschieht dies hier über volle Distanz. Narrativ muss diese Form der Parodie automatisch irgendwann auf ihre Grenzen stoßen. Dass der Fall hier etwas anders aussieht, ist dem wohl eher zufälligen Umstand zu verdanken, dass die Bart-vs.-Sideshow-Bob-Rivalität, die sich seit "Der Clown mit der Biedermaske" aus Season 1 herauskristallisiert hat, wie ein Deckel auf den Plot von "Kap der Angst" passt. Man baute also geschickt den ohnehin hochwertigen Sideshow Bob-Handlungsstrang, einer der wenigen episodenübergreifenden bei den Simpsons, aus und verband dies scheinbar mühelos mit dem Erfolgsthriller, um nicht nur ihn, sondern auch sein Genre mit einer Hommage zu würdigen.
Was sich bei der Folge um die Heirat zwischen Patty und Sideshow Bob angekündigt hatte, wird nun fortgeführt, nämlich ein visuell und regietechnisch den Standard übertreffendes Kriminalkonstrukt. Aufgezogen wie ein Theaterstück in drei Akten, betont Regisseur Rich Moore unter Berücksichtigung des Skripts von Drehbuchvirtuose Jon Vitti den formalen Aufbau der Folge viel stärker als dies in einer gewöhnlichen Folge der Fall ist. Die narrative Struktur gehört mit zum Ensemble des zu Parodierenden.
Ausgestattet mit dem originalen Soundtrack von Elmer Bernstein mit seinen dominanten, düsteren Streichern kommt sofort das klassische Interner Link"Cape Fear"-Flair auf; wilde Kamerafahrten (herausragend: die rasend schnelle Montagesequenz von den Simpsons in die Gewitterwolken hinein schräg nach unten ins Springfielder Staatsgefängnis zu Sideshow Bob) verstärken die Atmosphäre um ein Vielfaches.
Für Nichtkenner der Vorlage werden nun einige der konkreten Anspielungen auf einzelne Filmszenen zum Problem, wenn diese sich nicht logisch mit dem Drehbuch verknüpfen, so dass sie für sich alleine stehen können. So erscheint die Kinosequenz ohne Vorwissen vermutlich etwas merkwürdig, auch die Stolperseilverdrahtung im Simpson-Haus könnte für Probleme sorgen. Weiß man jedoch um die Herkunft jener Szenen, so kommt man in den Genuss perfekt ausgeklügelter Comedy - wenn Homer sich im Kino beispielsweise noch rüpelhafter verhält als der ungebetene Gast in der ersten Reihe.
Auch sonst ist "Cape Feare" eine hochfrequentierte Comedyshow. Homer darf hier, als er von Spezialisten gedrillt werden soll, auf einen anderen Namen zu hören, seinen berühmten Satz "Ich glaube, er meint Sie!" ablassen und der hochintellektuelle Sideshow Bob wird einmal mehr Opfer banalster Slapstick, die eigentlich weit unter seiner Würde ist. Die Szene mit dem Rechen wird so oft wiederholt, dass die stetige Wiederholung den Witz ausmacht, wobei der Gag eigentlich nur deswegen so stark ausgewalzt wurde, weil man Probleme hatte, auf 22 Minuten Laufzeit zu kommen. "Cape Feare" macht Spaß, denn die Parodie funktioniert über die volle Laufzeit besser, als man erwarten könnte und ist zudem regietechnisch auch noch ein kleines Meisterstück. Ein Höhepunkt nicht nur dieser Staffel, sondern auch generell.


3. Homer an der Uni

Gegensätze machen Spaß, und wenn man Homer auf die Uni loslässt, muss dabei eine Party herauskommen, auf der jeder gerne eingeladen wäre.
Haben wir uns nicht sowieso schon immer gefragt, mit welchem Recht Homer Sicherheitsinspektor in einem Atomkraftwerk ist? Nun, endlich hat es auch Mr. Burns kapiert! Er schickt also Homer wegen Inkompetenz zurück aufs College, und schon haben wir unseren Campushelden, der jeden Will Ferrell dieser Welt in den Schatten stellt.
Die Episode spielt viel mit Collegeklischees und stellt auch einen vor Klischees überbordenden Film voran, den sich Homer mit Begeisterung ansieht. Enthalten sind Streber, Cool Cats, freizügige Mädels, spießige Rektoren und viel Alkohol. Wie ein Schwamm saugt Homer all das im Fernsehen dargestellte Material auf (hier sind wir wieder bei der Medienkritik) und nimmt sich selbstverständlich vor, der coolest guy on campus zu werden. Drollig wie eh und je versucht er, sich dem vom Fernsehen idealisierten Lifestyle, der eigentlich eine Karikatur der 50er Jahre ist, anzupassen. Genial ist es, wie die Autoren diesen mit Erwartungen vollgestopften Homer auf eine vollkommen andere Welt treffen lassen und damit sämtliche Klischees umdrehen: Der Rektor ist eben nicht der biedere Schnösel, sondern ein junger Kerl, der den Kontakt zu den Studenten sucht. In den Hörsälen wird tatsächlich ernsthaft gelehrt und wenn man heimlich Alkohol in die Bowle schüttet, gilt man nicht als forscher Revoluzzer, sondern als Störenfried.
Wie wir Homer kennen, lässt er nicht locker und dreht sich eben alles so, damit es in seine Vorstellung von einem Campus passt. Das Production Design ist genial retro (Homer baut sein Heim zu einer Studentenbude um, mit Einsteinposter, Schallplattenspieler und Backsteinen als Regalhalterung, die dann auch noch mit einem witzigen Schwenk auf die Baustelle als vermisst gekennzeichnet werden und zeigen, wie fehl am Platz Homers Ideen eigentlich sind). Homer erschafft sich vor Ort eine konstruierte Welt, die er sich so hinbiegt, wie er es gerne hätte. Mit Hilfe dreier perfekt getroffener Nerds entführt er unter anderem das Schweinemaskottchen des Footballteams und erntet wiederum keine Anerkennung dafür, sondern Buh-Rufe. Das Verdrehen der Klischees ist einfach hervorragend gelungen, nicht zuletzt weil es Homers spontaner Charakterzeichnung entgegenkommt. Es ist diese naive Art zu glauben, der König der Welt zu sein, während die rationale Umwelt darüber nur die Augen verdrehen kann. Fast sämtliche Gags dieser Folge bauen darauf auf: Homers Tanz vor dem brennenden Diplom ("I'm so smart! I'm so smart! I'm so s-m-r-t ... I mean s-m-a-r-t!"), die Tatsache, dass er sich eine Gang aus Nerds zusammenstellen muss, um cool zu sein, seine einsame Flucht aus dem Hörsaal und das anschließende Eichhörnchen-Jagen. "Homer an der Uni" ist aufgrund des perfiden Spiels mit College-Klischees eine wahre Spaßgranate.


4. Kampf um Bobo

Rosebud ... woher war dieses Wort noch gleich? Richtig, dieser Film mit der Schneekugel und dem letzten ausgehauchten Wort, dessen Bedeutung niemand kennt ...
Wes Archers Arbeit atmet durch und durch den Geist von Orson Welles' Meisterwerk "Citizen Kane". Es handelt sich dabei nicht um eine slapstickhafte Anordnung von parodistischen Szenen wie noch beim "Cape Feare", sondern vielmehr um eine subtile Verwandtschaft, die sich durch Artdesign, Erzählstruktur, dezente Dialoge und Parallelen des Montgomery Burns zu Charles Foster Kane ergibt.
Wie "Citizen Kane" in Rückblenden aufgezogen, erfahren wir mehr über Burns' Vergangenheit, die uns bis in seine Kindheit entführt. Nostalgischer Wert, der an einem simplen Gegenstand haftet, steht zur Debatte, als zwei hilflose Wesen, ein Baby und ein alter Mann, sich um einen alten Teddybären streiten, der seit Jahrzehnten unbemerkt seinen Weg durch die Weltgeschichte gegangen ist (von Hitlers Bunker in Apus Eisfach). Die Geschichte ist so herzzerreißend wie Tom Hanks' Kampf um Wilson, den Volleyball, und jeder möchte am liebsten sowohl der unschuldigen Maggie als auch dem fiesen Burns auf der Stelle sein Allerliebstes zurückgeben ... außer Homer, der natürlich Profit riecht. Der Springfielder Pöbel spielt auch wieder eine Rolle, weil Burns mit seiner infantil eingesetzten Macht der Bevölkerung so sehr auf den Geist geht, dass die sich wünscht, dass endlich Ruhe einkehrt. Genial die hierbei eingebundene Satire auf Sitcoms, als Burns und Smithers die Belegung der TV-Kanäle nutzen, um eine einfallslose Sitcom an den Start zu bringen, wo bei jedem "Hallo" und "Wie geht es Ihnen" ein Studiolacher reingeschnitten wird. Homer findet natürlich Gefallen daran.
Und dann der Einbruch als weiteres Mittel, Burns und Smithers eine Nacht lang an der Küchendecke hängend, während Homer genüsslich 68 Scheiben amerikanischen Käse verputzt. Er mag tragisch sein, der Kampf um Bobo, aber er ist auch unglaublich sehenswert, mitsamt seines dystopischen Ausgangs. Und Ramones-Fans werden ihre ganz besondere Freude haben.


5. Die Fahrt zur Hölle

Es ist dunkel, als plötzlich Blitz und Donner im Himmel explodieren. Eine geisterhafte Orgel und wispernde Theremins bringen sich in die Musik der Natur ein, verleihen dem Szenario eine Atmosphäre voller Grusel und Nostalgie. Blutend trieft der Schriftzug "The Simpsons" über die Mattscheibe, eine Kamerafahrt durch die verrotteten Grabstätten des Springfielder Friedhofs erfolgt und führt uns in Windeseile ins Wohnzimmer der Simpsons. Der Boden bricht unter anschwellender Musik auf und zum Vorschein kommen vier - nein, ich vergaß Maggie, fünf verrottete Zombies und kriechen auf die Couch zu, um fernzusehen.
Eigentlich wie immer, oder?
Nun, nicht ganz, denn es ist mal wieder Zeit für drei phantastische Kurzepisoden zusammengefasst unter dem Titel "Treehouse of Horror IV".
Nicht zu vergessen ist wie immer das Drumherum der Halloween-Episode, der Kleister, der nicht selten selbst fasziniert wie eine der drei Geschichten. Rod Serlings "Night Gallery", ein Follow Up der ersten "Twilight Zone"-Serie, hält diesmal her - das vierte "Treehouse" gestaltet sich also nach der amerikanischen TV-Kultur der Siebziger Jahre und verwendet dessen Konzept. Bart führt dabei durch eine Bildergalerie, die mit sehr viel Kreativität berühmte Werke mit den Simpsons-Köpfen verschandelt. Dann macht Marge alles kaputt und Bart kriegt gerade noch so den Dreh, mit viel Dramatik den ersten Titel anzukündigen.


1: The Devil & Homer Simpson
Wenn Homer einen Schwachpunkt hat, dann ist es der Donut. Grund genug für die Autoren, ihn für das ringförmige Gebäck auf ewig zu verdammen. Dabei stellt sich Homer zunächst sehr geschickt an, trickst er den Teufel doch mit Prinzipienreiterei aus. Wie er dann doch noch seine Seele an den Teufel verliert, würde man in einer anderen Serie als Faulheit der Autoren bezeichnen, vielleicht sogar als Unverschämtheit beschimpfen, doch dank Homers Naivität und Sorglosigkeit möchte man den Schreibern am liebsten den Kopf strubbeln und die Hand schütteln dafür, dass Homer nachts im Halbschlaf einfach das letzte Stück Donut verputzt, obwohl es mit Warnschildern vollgepflastert ist.
Aufgezogen wie ein klassisches Gerichtsdrama mit Biegen und Wenden der Justiz, überzeugt diese bizarre Posse vor allem durch die Absurdität der Gesetzeslage. Homers Seele befindet sich voll und ganz in den Händen der Drehbuchautoren, die scheinbar willkürlich damit spielen, wie es ihnen gefällt. Die Schlüsse, die durch Gericht und Geschworene (urkomische, beliebig zusammengewürfelte historische Persönlichkeiten) gezogen werden, sind an Schwachsinn bisweilen kaum zu überbieten, und das überzeugt nicht nur als Parodie auf Justizthriller, sondern auch in Bezug auf die Prämisse, die hinter den Halloweenfolgen steht, nämlich die Regeln der Serie zu brechen, um so in der Lage sein zu können, vollwertige Gruselcomedy zu produzieren, die nicht nur so heißt, sondern wirklich gruselt. Echte Horrorelemente sind Pflicht in diesen Shows, und so sehen wir, wie Homer in der Hölle malträtiert wird. Dahinter verstecken sich herrliche Cartoon-Referenzen: Wird Homer von dem Höhlentroll in diverse Teile zerlegt, so ist das eine Anspielung auf die "Tiny Toons", die mit dieser Art von Gag gerne selbst auf den dekonstruktivistischen Ansatz ihrer Cartoon-Herkunft referierten (Schnabel ab, Augen am Hinterkopf etc.). Hier wird die Referenz mit dem Humor der Simpsons verbunden, was einen hervorragenden Gag zur Folge hat (Homers "Abfallprodukte" - Schuhe und Mundpartie - werden zu Hot Dog-Fleisch verarbeitet, was wiederum einen Bezug darstellt zur Episode mit Lisa als Vegetarierin, die sich vorstellt, woraus Hot Dog-Fleisch gemacht ist). Zum anderen wird eine zum Schreien komische Anspielung auf "Schweinchen Dick" geboten, als Homer vor die Donut-Maschine gesetzt wird und mechanisch Hunderttausende von Donuts verputzt.
Auch optisch bietet dieser erste Teil der neuen Halloween-Trilogie einiges fürs Auge: Große Spezialeffekte und ausgefallene Kamerafahrten veredeln diesen Abschnitt und machen ihn zu einem Highlight der Saison.


2: The School Bus
In seiner Rod Serling-Rolle gibt Bart schon auf, was die dramatische Ankündigung betrifft, als einem irren Lachen ein enttäuschtes Senken der Schultern folgt ... eine Horrorepisode namens "The School Bus"? Wie langweilig ...
Aber das mal wieder durch "Twilight Zone" inspirierte Kammerspiel überzeugt auf ganzer Linie - nicht einmal so sehr als Komödie bzw. Satire, sondern wirklich auf der Horrorschiene. Was sich hinter dem absichtlich drögen Titel verbirgt, ist ein voll funktionsfähiges Horror-Echtzeitkonstrukt. Sicherlich ist auch hier alles vollgestopft mit Gags, die fast alle optimal zünden, dennoch steht die situativ begründete Spannungszange im Vordergrund. So wie sich langsam der Bus von außen durch den grünen Ghul (den Machern zufolge eine Art Mischung aus Otter und Affe) in Wohlgefallen auflöst, steigt die dramatische Kurve steil nach oben. Immer neue Handlungsfaktoren ergeben sich durch Hans Maulwurf in seinem mitleiderregenden Gremlin-Auto, durch Homer, der ebenfalls auf der Straße vorbeifährt, durch Skinner im Bus, durch Uter. Dem Helden der Geschichte, Bart, werden Optionen genommen und geboten und im Affekt ist er dazu angehalten, das Beste aus der Situation zu machen. Wie es gelingt, dieses Thrillerkonstrukt ohne Einbußen umzusetzen und dennoch Gags zu bringen, ist bemerkenswert. Nebenbei werden Kang und Kodos auf witzige Art wieder in den Horrorplot eingebunden, obwohl sie eigentlich gar nichts mit der Geschichte zu tun haben.


3: Dracula
Zum Abschluss ist mal wieder ein Horrorklassiker an der Reihe, nämlich das meistverfilmte Filmmonster aller Zeiten, der Vampir - in Form von Dracula. Allerdings stützt man sich hauptsächlich auf Coppolas Verfilmung, nicht auf Brownings Original mit Bela Lugosi. Ausstattungstechnisch mit viel Aufwand wird das Schloss dargestellt, erzählerisch bewegt man sich anfangs auf den Pfaden des Originalskripts, bis die Simpsons auf eine ganze Horde von Vampiren stoßen, was dann in eine Interner Link"Lost Boys"-Anspielung mündet (Barts Vampir-Jugendgang). Unvergessen bleibt Burns' Sekunden-Wiederaufstehung, um Homer noch schnell zu feuern, und am Ende wird alles sehr kurios aufgelöst, denn auf einmal ist Weihnachten und Knecht Ruprecht tanzt den Snoopy-Dance ...


6. Die rebellischen Weiber

Mit Kontinuität haben die Simpsons bekanntlich nie viel am Hut gehabt. Alleine diesmal sieht man wieder eine neue Erklärung, weshalb Homer die Haare ausgefallen sind (und zugleich eine Erklärung für den Gehirnschaden, den Homer ohne Zweifel hat und der sich in den folgenden Episoden immer stärker bemerkbar machte) - was sich gar nicht mit dem deckt, was sonst so an Erklärungen dafür geliefert wird ... man erinnere sich, dass Homer mal mit jeder neuen Ankündigung einer Schwangerschaft mehr Haare verlor, diesmal ist eben ein wissenschaftliches Experiment daran schuld, dass er eine Glatze hat.
Manchmal wird jedoch auf ältere Episoden und deren Auswirkungen zurückgegriffen. Als Bart sich mal in ein älteres Mädchen aus der Nachbarschaft verliebte, wurde nicht nur dieses Mädchen salopp in die Kompletthandlung integriert, sondern auch ihre Mutter: Ruth Powers. Nun sieht man sie nach langer Zeit mal wieder, erstmals mit einer gewichtigen Nebenrolle. Und zwar distanziert sie Marge und Homer voneinander, indem sie Marge eine Welt voller Rebellion zeigt, ihr einen Ausbruch aus ihrem ewigen Muster der treuen Hausfrau bietet.
Ganz unzweifelhaft vor allem im Finale durch "Thelma & Louise" inspiriert, konzentriert sich die Folge durch eine geschickte Parallelmontage zwischen den Abenteuern Marges und dem Leiden Homers ohne seine Frau primär auf das komplementäre Verhältnis zwischen beiden, das im normalen Alltag manchmal etwas untergeht.
Der Subplot um Marge und Ruth lebt vor allem davon, wie die ewig moralische Hausfrau aus dem Simpsons-Haushalt plötzlich in Discos und Kneipen gedrängt wird, also gegen ihre Natur einen auf den Putz haut - und zwar auf eine drollige Art und Weise erfolgreich. Beginnt Marge mit ihrem biederen Kleid und ihrem Turmhaar in der fremden Welt aus Lichtern, Musik und Menschen damit, ausgelassen zu tanzen, so ergibt sich ein Bild, das unpassender und doch zugleich integrativer nicht sein könnte. Das Gefühl wird mitgetragen, dass Marge, obgleich sie durch die draufgängerische Ruth dazu gedrängt wurde, langsam Gefallen findet an dieser neuen Welt. Jenseits Homers direkten Einflusses gleitet sie langsam ab in eine Ebene, auf der Homer sie nicht erreichen kann.
Dessen Handlungsstrang ist daher auch untersetzt mit Verzweiflung und Orientierungslosigkeit. Kaum ist seine Frau nicht da, passieren Homer wieder die eigenartigsten Dinge, bleibt er doch unter anderem mit beiden Händen in Colaautomaten stecken und bekommt seine Extremitäten beinahe abgesägt, als gerade noch jemand feststellt, dass Homer immer noch die Coladosen festhält. In simplen praktischen Ausführungen ist er ohne Führungskraft verloren, und diese Führungskraft ist Marge.
Sehr geschickt wird die parallele Erzählweise verdeutlicht; es sind nicht immer nur zeitlich parallele Schnitte, manchmal kommt Homer auch einfach nur an einem Ort an, an dem sich Sekunden zuvor noch Marge und Ruth befanden. Es sind Orte, die beide auf einer mentalen Ebene verbinden. Ohne die hyperaktive Ruth wäre Marge noch länger am "Springfield"-Hügel geblieben und beide hätten sich dort gefunden, wo sie sich laut Rückblenden einst näher kennengelernt hatten. Homers Figur gewinnt in diesen Momenten sehr stark an Charakter, wirkt durch seine Verlorenheit nebst seiner Treue unheimlich liebenswert und ehrlich.
Das wird auch in das actionreiche Finale mit Wiggum und Gefolgschaft hineingetragen. Hier sind wir in der 1:1-Reminiszenz an "Thelma & Louise" angelangt, inklusive Schnitt und Kamera. Freilich geht die Aussage hier in eine etwas andere Richtung, weshalb der als ursprünglich als Schlussstrich gezogene Fade Off diesmal noch nicht das Ende bedeutet. Zurück bleibt eine liebenswerte Geschichte mit hohem Knuffelfaktor, der die Simpsons auch nach 16 Jahren noch einzigartig macht, konnten die Nachfolger um Interner Link"Family Guy" & Co. doch bislang nur den Sinn für Slapstick und Satire weiterkonstruieren, nicht aber die menschliche Nahbarkeit der Charaktere. Auch wenn das in den letzten Simpsons-Staffeln leider ebenfalls etwas gelitten hat.


7. Bart, das innere Ich

Patrick Swayze ist uns in seiner famos-fiesen Rolle als Persönlichkeitsentwicklungs-Guru aus Richard Kellys Interner Link"Donnie Darko" noch in wohliger Erinnerung. Der Film lässt die 80er Jahre rekapitulieren, das Aufkommen solcher Gurus scheint aber nicht unbedingt spezifisch für das Jahrzehnt gewesen zu sein, denn auch in den Neunzigern waren sie immer noch allgegenwärtig genug, um bei den Simpsons mal gehörig ihr Fett weg zu kriegen.
So stehen irgendwann die Simpsons als Familie auf der Bühne und werden von einem solchen Wohlfühl-Psychologen mal eben analysiert. Dieser Moment, indem Homer, Marge und die Kinder auf der Bühne stehen und sich frontal dem Publikum zuwenden, um beäugt und beurteilt zu werden, ist nicht nur inhaltlich zu entschlüsseln; es ist ein Moment der Rekapitulation von fünf Jahren "Die Simpsons". Matt Groening stellt seine Kreation in diesem Moment nicht nur den Zuschauern zur Schau, die in der Folge der Veranstaltung beiwohnen; nein, er präsentiert sie auch dem Zuschauer vor dem Bildschirm nochmals, wie in einer Art Zwischenstation, nach dem Motto: "So, fünf Jahre vorbei. Wie hat sich das Versuchsobjekt entwickelt?" Und die Antwort auf die unverfrorenen Befunde, die dieser Guru über die gelbhäutige Familie verzapft, ohne sie zu kennen? Bart verarscht diesen komischen Vogel und der lacht auch noch darüber. Es ist bei allen Veränderungen im Detail also alles beim Alten geblieben: Die Simpsons sind immer noch die Simpsons.
Obwohl der kleine Rüdiger - ähm Verzeihung, der kleine Bart - an dieser Stelle in den Mittelpunkt gerückt wird und der Titel sowieso eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Barts Wesen vermuten lässt, ist das so nicht ganz richtig. Die Story entwickelt sich Richtung Hinweis auf die Notwendigkeit von sozialen Regeln und Normen, ohne die wir in Anarchie versinken würden. Denn würde jeder nur das tun, was dem eigenen Vorteil zugute käme, würden Interessen miteinander kollabieren: Hat der Handwerker mal keine Lust zu arbeiten, so kracht das schlampig zusammengebaute Podest ineinander. Man soll sich zwar Freiheiten gönnen, aber nicht seine Pflichten vernachlässigen.
Obwohl - eigentlich geht es auch nicht darum. Es geht vielmehr darum, die Gurus und ihre Methoden ins Lächerliche zu ziehen und ihnen die Hosen herunterzuziehen. Dazu ist den Simpsons-Vätern jedes Mittel recht, also kommen sie mal eben mit einer moralischen Aussage an, die den gut gemeinten Ratschlägen ("Macht es wie der kleine Rüdiger! Tut, wonach euch ist!") zuwiderläuft. Das ist klassisch: Die so träumerisch und einfach erscheinende Aussage aus dem Munde eines verhassten Objektes nehmen und sie mit dem Gesetz der kühl-rationalen Logik demontieren, ihr jegliche Magie nehmen, die Rhetorik der Aussage gegen sie selbst verwenden. Aus diesem Grund fürchten sich auch Politiker so sehr vor Groenings Satire in Gelb (ich verweise auf die Bush-Kontroverse).
Die Opening Story mit dem Trampolin gehört zu den wirklich lustigen, auch wenn sie wie so oft mit dem eigentlichen Hauptstrang nicht wirklich etwas zu tun hat. Eingebaut wurde zur Abwechslung mal nicht eine Outtake-Montage von Homer (besonders beliebt in dieser Kategorie sind ja seine "D'OH!"s und seine "Mmmmmh ... Food"s), sondern eine von Marge und ihren Nörgeleien. Weiterhin findet man mit dem Trampolin, das ja nun auch wirklich ein klassischer ACME-Gegenstand ist, eine Hommage an die Road Runner-Cartoons und ein Spiel mit den Gesetzen des Zeichentricks, die hier aufgebrochen werden, als Homer sagt "In einem Zeichentrickfilm würde der Fels jetzt brechen" und die Zeichner mit einem Jump Cut weitermachen, um Homer erst Stunden danach seiner gerechten Zeichentrick-Strafe zuzuführen.


8. Auf Wildwasserfahrt

Survival-Programme gehören ja zu den Archetypen, war eines dieser Abenteuer doch schon in der ersten Staffel vertreten ("Vorsicht, wilder Homer") und auch später mochte man noch nicht darauf verzichten ("Kamp Krusty" war ja sogar ursprünglich als Kinofilm geplant). Nun geht's weiter mit einer besonders selbstlosen, demzufolge aber auch weichgespülten Vereinigung: den Pfadfindern. Die aufrechten Donald Duck-Neffen Tick, Trick und Track hatten ihr "Fähnlein Fieselschweif" und konnten dort aufwachsende Kinder, die die "Lustigen Taschenbücher" lasen, mit moralischen Werten versorgen. Wie süß und ehrenhaft ... also genau das, was Bart Simpson freiwillig nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde.
Wie also verfrachtet man den verzogenen Bengel dennoch in diesen Verein? Ganz klar, per Drogentrip, unter dessen Einfluss man sich aus Versehen als Pfadfinder registriert hatte. Der einleitende Opener bringt eine hübsch surreal verschnittene Montage aus dem subjektiven Blickfeld von jemandem, der gerade auf einem Trip ist. Da Bart und Milhouse hier unsere Protagonisten sind, handelt es sich freilich "nur" um einen Zuckerschock, der von einem megasüßen Squishee aus dem Kwik-E-Mart herrührt, welcher durch eine 20-Dollar-Note bezahlt werden konnte, die Homer unter dem Sofa gefunden hatte und die ihm anschließend durch einen Windstoß durch das offene Fenster in Barts und Milhouse' Arme flog, nachdem Homer ursprünglich da unten eine Erdnuss gesucht hatte, die er verputzen wollte, als er gerade fernsah. Soviel zur rückwärtsgewandten Kausalität ... Es ist jedenfalls mit blinkenden Großstadtlichtern, sich bewegenden Farbklecksen, Sinatra-Songs und einem bösartig lachenden Apu in einer Farbspirale (er wird als Verkäufer des Squishees hier quasi zum Dealer dämonisiert) eine nette Anspielung auf diverse Drogen- und Sufffilme wie "Leaving Las Vegas", die mit der Haupthandlung eigentlich nur insofern etwas zu tun hat, als dass sie rechtfertigt, weshalb Bart es überhaupt zustandebringt, sich bei den Pfadfindern anzumelden.
Schließlich gibt es nach langer Zeit endlich mal wieder so etwas wie eine Beleuchtung des Vater-Sohn-Verhältnisses, das sich seit den ersten Staffeln etwas rar gemacht hat. Die ehrbare Pfadfindervereinigung birgt darüber hinaus endlich mal wieder die Möglichkeit, Flanders sinnvoll in den Plot einzubinden, wodurch dessen Marotten diesmal nicht nur besonders gut präsentiert werden können ("101 Do-de-li-don'ts Using Knives"), sondern das Verhältnis zwischen Bart und Homer ähnlich wie bei der Minigolf-Episode einen zusätzlichen Push von außen bekommt.
Dass Homer und Bart mit Neddie in ein Schlauchboot gesetzt werden und Homey alles vergeigt (sprich: mal wieder ein schlechter Vater ist), um am Ende doch das entscheidende Talent zu besitzen, alle zu retten, versteht sich von selbst. Mit Realismus hat das herzlich wenig zu tun; das wird sogar in der diesmaligen "Itchy & Scratchy"-Episode rekapituliert, wo Itchy Scratchy als Zelt in den Boden schlägt, der Neu-Pfadfinder Bart sich daraufhin über fehlenden Realismus beschwert, Lisa erklärt, dass in einem Zeichentrick nicht immer alles realistisch sein muss und plötzlich am Fenster ein Homer vorbeiläuft, obwohl bereits einer auf der Couch sitzt. Die Ereignisse im Schlauchboot sind daher oft meilenweit entfernt von der Realität und unzweifelhaft konstruiert (ein Krusty Burger auf einer Bohrinsel?), aber selbstverständlich mit voller Absicht.
Optisch wieder mit sehr viel Aufwand versehen, überzeugt die Folge vor allem in der zweiten Hälfte mit rasant geschnittenen Kamerafahrten durch einen wilden Fluss, mehrfarbige Sequenzen im Wald und pfiffigen Animationen.


9. Homer liebt Mindy

Homer Simpson. Es gab mal eine Zeit, da nannte man ihn "Colonel Homer". Diese Zeit war ein Prüfstein in der Ehe zwischen Marge und Homer Simpson, denn eine gewisse Lurleen, eine hübsche, beruflich aber erfolglose Countrysängerin, verliebte sich damals in den Colonel und gefährdete seine Ehe.
Nun kommt die zweite, schwierigere Prüfung mit der neuen Arbeitskollegin Mindy (gesprochen von Michelle Pfeiffer). Auf den Blick scheint es nur eine Neuauflage der alten Geschichte zu sein, doch das Gespann Frank Mula (Drehbuch) und Carlos Baeza (Regie) würde nicht unter Groening arbeiten, böte es einfach nur reine Selbstwiederholung. "The Last Temptation of Homer" birgt eine vollkommen andere Situation, denn diesmal fühlt sich Homer ebenso zu Mindy hingezogen wie sie zu ihm.
Die Geschichte mit Lurleen war damals eher eine einseitige Angelegenheit. Homer wurde vom Drehbuchautoren als begriffsstutziger Dummkopf gezeichnet, der die Annäherungsversuche der Countrysängerin erst viel zu spät entziffern konnte und nicht merkte, wie er seine eigene Ehe kaputt machte. Über seine fehlende Fähigkeit, zwischen den Zeilen der Countrysongs zu lesen, wurden damals die Späße gemacht, die fehlende Weitsicht für die dramatische Situation war der Spannungspunkt.
Diesmal ist sich Homer der Situation durchaus bewusst und Marge ist diejenige, die nichtsahnend zu Hause sitzt, während ihr Mann mit starken Gefühlen einer anderen Frau gegenüber zu kämpfen hat, wahrhaftig mit einer Versuchung kämpfen muss, wie sie im Originaltitel genannt wird. Obgleich diese Frau die gleichen Gefühle für ihn hegt, forciert sie das Zusammenkommen nicht, sondern sie verhält sich genauso wie er: beschämt, verunsichert, natürlich. Mindy ist vollkommen anders gezeichnet als Lurleen: Sie hat viel mit Homer gemein, sie ist nicht das Yang zu seinem Yin, sondern sein Ebenbild. Sehr attraktiv designt, ist es ein merkwürdiger, anziehender Anblick, diese Frau wie Homer Donuts in sich hineinschaufeln zu sehen und sie dabei zu betrachten, wie sie die Augen verdreht und mit heraushängender Zunge das "Rrrrrrr"-Geräusch macht, das bislang Homer allein bestimmt war, wenn er über Köstlichkeiten nachdachte.
Der Kampf gegen die nach außen drängenden Gefühle findet seinen Höhepunkt, als sich beide in einem engen Aufzug begegnen und in einer peinlichen Situation gefangen sind. Die Versuchung liegt also im Schicksal begraben, da es keiner von beiden erzwingt. Zum Schicksal gehört auch die Tatsache, dass die Familie plötzlich total unattraktiv wirkt: Marge hat sich erkältet und Bart mutierte in der Episodeneinleitung aus gesundheitlichen Gründen zum Nerd mit Hornbrille und Schmalztolle. Die komplette Fügung der Umstände schreit dem verwirrten Familienvater förmlich zu, er solle sich von seiner Familie abwenden.
Dabei geht Boeza sehr tief in Homers Innenleben hinein, um seine Beweggründe zu verdeutlichen. Da Homer nicht irgendein normaler Mensch ist, sondern eine höchst komplizierte Kreatur, gestaltet sich der innere Dialog ebenso kompliziert: Von den Visionen im Fischteich ("Homer liebt Mindy! Homer liebt Mindy!") bis zur historischen Persönlichkeit, die Homer als Vorbildsfigur erscheint, die er aber gar nicht kennt und die sich deswegen alsbald in eine TV-Figur verwandelt.
Der Happy End-Faktor ist dann vom Betrachterstandpunkt abhängig, endet aber doch letztendlich wie zu erwarten. Das gilt zumindest für die Auflösung von Homers innerem Konflikt - Bart hingegen hat in seiner Erfahrung mit dem Nerd-Outfit und der von ihm gezogenen Moral nicht ganz so viel Glück, wie er wohl dachte.


10. Vom Teufel besessen

"Springfield" ... wenn ein solcher Titel herausgekramt wird, kann wieder nur die Heimatstadt der Simpsons, ihre Geschichte und ihre Bewohner im Vordergrund stehen. Diese Stadt, die deswegen "Springfield" getauft wurde, weil der Name zur Zeit, als die "Simpsons" gegründet wurden, der meistgebrauchte für eine US-amerikanische Stadt war (sonst wäre es "Fairview" geworden - auch nicht schlecht!). Das erlaubt Späße mit der kartografischen Einordnung des Handlungsortes in unsere Welt, und die Serie macht sich immer wieder Späße damit, kleine Hinweise einzustreuen, ob nun das Springfield in Illinois gemeint ist oder das in Florida oder das in Nebraska oder ...
Es steht aber auch für den Durchschnittsamerikaner, für die breite Masse, für das Ordinäre und das Normale, das die Simpsons persiflieren sollen und mit Erfolg tun. Andererseits sind die Simpsons natürlich Satire. Satire übertreibt, das ist ihr Job, und so geschehen in Springfield Tag für Tag Dinge, die niemand als gewöhnlich einordnen würde. Diesmal eröffnet Mr. Burns von heute auf morgen mal eben ein großes Kasino - extravagant genug, auch wenn Springfield noch weit absurdere Geschichten zu erzählen hat. Als Modellfunktion sind allerdings (in der Regel) immer reale Sachverhalte zu extrahieren. Diesmal ist es der negative Einfluss gewinngerichteter Unternehmen in der Makrostruktur auf Individuen.
Wer nun nach Homer ruft, liegt ausnahmsweise mal falsch. Vermutlich erstmalig mit einer Schwäche zu sehen ist Marge, als die Drehbuchautoren ihr eine Spielsucht zuschrieben, die sie bis heute verfolgt. Ausgerechnet sie, die bei früheren "Springfield"-Episoden immer die vernünftige Stimme aus dem Hintergrund war (siehe etwa "Marge vs. The Monorail"). Daran wird natürlich besonders die Hilflosigkeit Einzelner gegen die Macht großer Konzerne deutlich, denn selbst wenn die standfeste Marge dem nicht entsagen kann, wer soll es dann tun?
Klar, dass Homer nun zu Hause in Abwesenheit von Marge allerhand Probleme mit den Bedürfnissen der Kinder bekommt, das hatten wir nun schon mehrmals, zuletzt in dieser Staffel ("Die rebellischen Weiber"). Diesmal gibt es aber andere Beweggründe dafür, dass Homer seine Tochter für den Schulwettbewerb verkleidet wie einen Kaugummi anstatt wie Florida, eben nicht die Ehe, sondern die Spielsucht ist ausschlaggebend. Ohnehin bleibt das Chaos mit Homer als einziger Autoritätsperson nach wie vor witzig anzusehen ("Bart, ich will dich nicht erschrecken, aber möglicherweise sind einer oder mehrere Buh-Männer im Haus") und die Aufsichtspflicht von Eltern über ihre Kinder wird auch angeschnitten (Barney, nachdem Maggie beinahe von einem weißen Tiger angegriffen worden wäre: "Hey Marge, du musst ein bisschen besser aufpassen. Dein kleiner Bart wäre fast von einem Pony aufgefressen worden").
Zunächst mit vielen Rückblenden auf die Geschichte Springfields verfeinert, wird der Glanz und Glamour der Casinowelt schließlich mit einem Mix aus hübschen Parodien und Gastdarstellern verfeinert. Robert Goulet klettert ein Baumhaus hinauf, um einen Auftritt zu geben, Homer trifft den Rain Man und Mr. Burns wird zum Ebenbild von Howard Hughes. Bis schließlich Homer endlich mal seiner Frau ihre Fehler vorwerfen kann ("... aber DUUU bist vom Spielteufel besessen!").


11. Die Springfield Bürgerwehr

Edel und raffiniert strukturiert geht die elfte Episode vonstatten, die sich von Fritz Langs "M" zu Interner Link"Der rosarote Panther" über Kubricks "Dr. Seltsam" bis zu "It's a Mad Mad Mad World" vieler Referenzen und Konzepte bedient und im Gesamten eine erzählerisch Simpsons-atypische Kriminalgeschichte ist, die allerhand Elemente gleichzeitig bedient und dabei nicht versagt. Denn trotz der stilistischen und thematischen Darstellungsvielfalt wird Homers Bürgerwehr-Attacke auf den mysteriösen, unbekannten Einbrecher "Die Katze" ausgesprochen flüssig erzählt.
Die Krimi-Struktur ist in erster Linie angelehnt an die Sneakerfilme der Sechziger, zeigt aber auch Besonderheiten aus anderen Epochen und Stilrichtungen, die dem Gesamtbild ein sehr retrospektives Antlitz verleihen, das aber nicht davor zurückscheut, auch Aktuelles aufzugreifen. Und auch nicht davor, die Charakterprofile vieler Springfielder sinnvoll einzusetzen ... und nicht zuletzt schon wieder, nachdem doch gerade erst die Folge "Springfield" on Air war, die Stadt selbst mit ihrer grenzenlosen Debilität zu charakterisieren.
Denn da ist ein Unbekannter, ein Außenstehender (rätselhaft gesprochen von Sam Neill), der offenbar Springfield durchschaut wie seine eigene Westentasche. Der eine ganze Stadt verarscht und dies scheinbar ohne Mühe. Als man am Ende sieht, um wen es sich handelt (dabei wird er nach altem Krimi-Muster, wie es David Fincher mit Interner Link"Sieben" auch wieder übernahm, vor der Auflösung schon beiläufig in den Handlungsverlauf integriert), steht die Stadt natürlich ganz schön dumm da, sich von so jemandem so überrumpelt haben zu lassen.
Die Einbrüche gehen ins Persönliche, weil jedem Bürger ein individueller Gegenstand geraubt wird. Damit ist ausgeschlossen, dass der Diebstahl von Wertgegenständen primärer Beweggrund ist; offenbar will jemand der Stadt eine Lektion erteilen, ihr die eigene Dummheit auf die Nase binden. Und das hat sie offenbar verdient, da Homer Simpson doch in einer sehr absurden Versammlungsszene durch reinen Populismus zum Anführer der Bürgerwehr gewählt wird, nachdem man mit Flanders eigentlich schon einen gewissenhaften Mann gefunden hatte. Die Sprecher des Audiokommentars verleitete das nebenbei dazu, eine süffisante Parabel auf die hierarchische Ordnung in der aktuellen Regierung festzustellen: "Wer ist noch mal gerade Präsident?" Darauf aufbauend verfällt der gemütliche Ort plötzlich in puren Protektionismus: in einer maßlosen Überreaktion werden sämtliche Häuser mit High Tech-Anlagen abgesichert gegen die außenstehende Bedrohung, die eigentlich nichts weiter ist als ein einzelner Einbrecher. Die außenpolitischen Parallelen sind dabei geradezu erschreckend, einerseits auch vorausschauend, andererseits wohl doch eher generell geltend und nicht auf eine einzelne Amtsperiode eines bestimmten Präsidenten abzuwälzen.
Mit Auflösung der Identität der "Katze" erleidet die Folge dann einen leichten Bruch, fängt sich aber wieder durch die große Schnitzeljagd, die Springfield endgültig die Krone des "Königs Dummheit" aufsetzt. Denn zunächst ist die Schnelle des Vergebens der Verbrechen im Angesicht der Schmeicheleien des Diebes unfassbar blauäugig, und die Spitze ist erreicht, als die Springfielder sich noch ein letztes Mal vom Dieb austricksen lassen und ihm den Ausbruch ermöglichen. Eine kleine Charakterabwandlung muss hier aus Storygründen leider Chief Wiggum erfahren, der trotz der Vergebung durch die Bürger tatsächlich mal richtig seinem Job nachgeht und dem Gesetz gemäß handelt, indem er "Die Katze" einsperrt. Ansonsten gilt aber: Hoch lebe die Dummheit, Springfield!


12. Bart wird berühmt / Bart Gets Famous

Es geht endlich mal wieder ins Showbusiness, was selbstredend mit einem Wiedersehen von Krusty, dem Clown einhergeht. Regisseurin Susie Dietter verließ sich in der Anfangsphase auf einen stechenden Kontrast, um die Entertainment-Welt aus Schein und Glanz noch lebhafter zu gestalten: Bart erlebt einen Schulausflug in die Kartonfabrik. Die Monotonie des Designs in Kombination mit dem Sounddesign (mechanisches Klicken, regelmäßiges Klopfen etc.) gibt eine Geschmacksprobe davon, welche Stimmungen mit dem reinen Production Design zu erzeugen sind. Die Kunst, die John Lasseter (heute Pixar) damals für nicht umsetzbar hielt, ist diejenige, das Langweilige darzustellen und genau daraus den Witz zu beziehen. Susie Dietter setzte ihre Idee konsequent um, und zwar mit Erfolg. Sieht man genau hin, hat "Futurama" nämlich daraus auch einen Vorteil bezogen, da das Volk der "Neutralen" ähnlichen Humor bedient. Ausgezeichnet funktioniert in diesem Ambiente die Begeisterung der Langweiler Skinner und Martin, die im Alltag schon die Freude am Langweiligen teilten und nun im Paradies angelangt sind, während sich Bart in einer Ausbruchssituation künstlich Aufregung verschafft.
Aber schauen wir aus dem Fenster des eintönigen Ziegelstein-Kubus und konzentrieren uns auf die lebhafte Welt des Showbusiness und seine 15-Minuten-Ruhm-Regel. Bart wird über Umwege zum Star von Krustys Show und lernt die Vergänglichkeit des Ruhms kennen. Der Zuschauer wird dabei hinter die Kulissen geführt, wobei die gelackte Fassade aufgebrochen und das Gesetz der Natur, das dahinter wütet, aufgezeigt wird. Streits zwischen Krusty und Nachrichtensprecher Kent Brockman um eine Zuckerschnecke, ein verbitterter Sideshow Mel, der seinen Druck am kleinen Assistenten ablässt, geldgierige, Anzug tragende Produzenten. Dann wendet sich das Blatt in Windeseile und mit einem eher zufällig herausgerutschten Satz wird Bart zum Star. Man könnte sagen, dass Bart seine eigene Medizin hier im Literfass zu schmecken bekommt, definierte er sich doch in der Vergangenheit oft über Einzeiler wie "Aye Caramba" oder "Eat my Shorts". Die Drehbuchautoren konfrontieren ihn mit dem Fluch der Eindimensionalität, der Satz "I didn't do it" wird zu Barts Martyrium. Er merkt das Übel darin, auf eine Belanglosigkeit reduziert zu werden und macht fortan etwas, das er früher niemals freiwillig getan hätte: er lernt freiwillig, um wirklich etwas Sinnvolles sagen zu können.
Referenzen auf die Funktion der Comicfigur Bart Simpson sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Nach Drehbuchvorgabe fügt sich Bart im Gespräch mit seiner Mutter in sein Schicksal, auf ewig der kleine Rotzlöffel einer Comedyshow zu sein, dessen Aufgabe es ist, sich selbst zu wiederholen. Daher auch am Ende der Episode die Bart-Actionfiguren, die sich während seiner Zeit als Star angesammelt haben. Selbstironie, die begeistert.
Auf Parallelismen in die Realität wird auch nicht verzichtet, da ein Stargastauftritt von Talkmaster Conan O'Brien integriert wird. O'Brien verpflichteten die Simpsons-Macher Anfang der Neunziger als Produzent, nachdem er mit "Saturday Night Live" aufgehört und einen Piloten ("Lookwell") produziert hatte, der aber nie in Serie ging - kurz: als O'Briens Karriere gerade etwas in der Luft hing. 1993 übernahm O'Brien dann David Lettermans "Late Night"-Show. Als "Bart wird berühmt" produziert wurde, war O'Brien bei den Kritikern gerade auf dem Tiefpunkt angelangt. Seine Arbeit wurde nicht geschätzt - was war da sinnvoller, als sich bei den Simpsons selbstironisch verewigen zu lassen in einer Folge, die sich um die Kurzlebigkeit des Erfolgs dreht.
Die weitere Entwicklung von O'Briens Karriere verlief übrigens erfolgreich: Aus Mangel an Ersatzformaten ließen die Produzenten "Late Night" weiterlaufen und über die Jahre wurde die Show immer erfolgreicher, bis sie seit 1996 jährlich für den Emmy nominiert wurde. Inzwischen ist sie in den USA die erfolgreichste Sendung ihrer Art.


13. Apu der Inder

Wir nähern uns mit Riesenschritten der 100. Folge. Ist das Verfallsdatum nicht langsam abgelaufen? Dachten sich wohl auch die Animatoren von "Apu der Inder" und hängten in Apus Kwik-E-Mart Schinken mit einem Verfallsdatum, das auf Februar 1989 datiert ist. Wir erinnern uns, was in diesem Jahr passierte? "Die Simpsons" gingen on Air.
Doch Homer verputzt den Schinken immer noch mit Freude - wie können wir seinem Urteil misstrauen?
Leider sehen das nicht alle Simpsons-Charaktere so, und damit gerät Apu in den Mittelpunkt, Apu und seine fragwürdige Geschäftspolitik.
Und nun geschieht folgendes: Die Drehbuchautoren heben eine absolute Randfigur aus dem Simpsons-Universum in den Vordergrund, um sie für eine Episode zur Hauptfigur zu machen ... und lassen sie ganz schlecht aussehen. Wie also kann man es wagen, eine Figur mit einem derart unsympathischen Charakterzug (Lebensmittelmissbrauch ist nicht gerade ein Kavaliersdelikt) in die Scheinwerfer zu hieven? Muss so etwas nicht zwangsläufig zum Misserfolg führen, kann es überhaupt ernsthaft gelingen, einen Charakter auf diese Art näher zu beleuchten, wo er doch gewissermaßen durch die Beleuchtung seiner Privatprobleme kurzzeitig zur Identifikationsfigur wird?
Die Macher erklären das wie folgt: Nicht eine einzige Figur oder Randgruppe wird bei den Simpsons von Kritik verschont. Der größte Sünder ist ja eigentlich ein US-Amerikaner christlicher Herkunft mittleren Alters in einer Familie: Homer Simpson. Der Gedanke ist: Wenn selbst Homer mit seinen unzähligen Fehlern einen Draht zum Publikum herzustellen imstande ist, muss das auch mit jeder anderen Figur funktionieren können, die im Ansatz menschlich gezeichnet ist. Und wahrhaftig, die Rechnung geht auf. Sämtliche dauerhaft integrierte Charaktere (von Ausnahmen wie Maude Flanders abgesehen, die vielleicht genau deswegen in einer späteren Staffel eliminiert wurde - Zahnfleischbluter Murphy und Dr. Marvin Monroe waren ja ähnlich undurchsichtig, obwohl letzterer eigentlich wegen der anstrengenden Synchronisation gestrichen wurde) sind derart komplex gezeichnet, dass sie nicht in den Gut-Böse-Schemata einer ordinären Zeichentrickserie gefangen sind und sich dementsprechend auch verdorbene Charakterzüge leisten können, ohne deswegen sogleich als Bösewicht zu gelten.
Dass Homer und Apu in der zweiten Hälfte der Episode einen Trip nach Indien zum Ur-Kwik-E-Mart veranstalten, soll diesen Gedanken unterstützen. Auch hier sehen wir eine verschrobene, kauzige Welt aus seltsamen Dogmen und verquerer Bürokratie, hier wie dort ist das Leben verrückt und alles andere als ideal. Das gibt den Produzenten die Berechtigung, sich über alles und jeden lustig zu machen. Es ist ihre Philosophie und in letzter Konsequenz die definitive Entsprechung des Comedy-Konzepts, dessen sich die Serie bedient. Darauf ist der Humor aufgebaut, die "bewegliche Realität", das Charakterdesign, der Look, einfach alles.
Obwohl mit James Woods ein toll eingebauter Gaststar anwesend ist, der das Method Acting von sich und seinesgleichen auf den Arm nimmt, und obwohl einige sehr gelungene Gags enthalten sind (Homer mit dem riesigen Kamerahut ist schon einen Beifall wert), erscheint mir persönlich der Storyverlauf der Folge etwas zu geladen. Allerdings kommt die Philosophie der Serie im Ganzen so authentisch herüber wie bislang in keiner anderen Folge.


14. Lisa kontra Malibu Stacy

Barbie, 1959 von der amerikanischen Spielzeugfirma Mattel auf den Markt gebracht, ist eigentlich ein deutsches Mädchen. Der Karikaturist Reinhard Beuthin erschuf 1952 für die Bild-Zeitung die Comicfigur Lilli, die mit ihren Kurven vor allem die männliche Leserschaft ansprach, verkörperte sie doch das Idealbild der perfekten Frau.
Nach der Übernahme durch Mattel und der Umbenennung auf den amerikanischen Namen "Barbie" sollte sich an den Adressaten rein gar nichts ändern: Heute mit den umgerechneten Maßen 99-46-84 gesegnet, ist sie nach wie vor der begehrenswerte Idealtypus einer Frau, der Männern den Kopf verdrehen und Frauen ein Vorbild sein soll. Über 500 "chirurgische Veränderungen" am Design der Puppe seit ihrer Einführung auf den Markt zeigen, wie die "Barbie" jeweils dem Schönheitsideal der Zeit angepasst wurde.
Dass das Frauenrechtler und feministische Bewegungen auf die Palme bringen würde, war eigentlich abzusehen. Neuer Stoff also für eine neue Lisa-Folge, die zwar schon immer konsequent ihre etwas abseitige Linie verfolgt hat, nun aber erstmals direkt mit feministischen Inhalten verbunden wird.
Interessanterweise wird im Kommentar enthüllt, dass Fox damals - ein Schachzug, den man auch Pro7 zutrauen würde - im Preview zur Folge den Inhalt so zusammenschnitt, dass all das verkörpert wurde, was inhaltlich eigentlich angeprangert werden sollte: Frauen wurden zu Objekten degradiert. Es fielen Schlagwörter wie "sexy" und "hot" und dann sah man, wie Bart einer Puppe unter den Rock schaute. Erstaunlich daran ist einerseits, dass dem Sender die Inhalte an sich recht gleichgültig zu sein scheinen und wichtig nur ist, wie sich die Sache am besten vermarktet. Es dreht sich ja immerhin um Puppen und feministische Ansätze, das wirkt für die Masse nun mal eher abschreckend. Andererseits erstaunt aber auch die Freiheit, mit der sich die Verantwortlichen über ihren Sender auslassen können, was ja auch immer wieder den Weg in die Serie fand.
Nun, tatsächlich ist der moralische Grundton im Ansatz doch sehr laut, vielleicht ein wenig zu laut. Die "Lisa Lionheart"-Puppe ist leider aufdringlich pionierhaft und Lisas Motivation wirkt in Anbetracht ihrer Intelligenz bisweilen übermäßig naiv, dementsprechend natürlich auch mitleidfördernd, wie beabsichtigt. Gastsprecherin Kathleen Turner (die übrigens aus Springfield, Missouri stammt - ist ihre Besetzung etwa ein dezenter Hinweis auf das Springfield, in dem die Simpsons leben?) gibt dem Ganzen als desillusionierte Realistin jedoch einen schönen Strich, verfällt ihre Rolle doch nie in den gleichen kindlichen Optimismus und lässt die unvermeidliche Entwicklung ein wenig wie eine Lehre aussehen, die Lisa in ihrem noch jungen Leben zu lernen hat. Die konventionell erzogene Marge fungiert diesmal nicht als Rückhalt für ihre Tochter - dazu ist Turners "Malibu Stacy"-Erfinderin da - sondern im Gegenteil als Fallbeispiel für deren Theorie vom niederen Frauenbild, das ihrer Gesellschaft anhaftet. Eine stets zurücksteckende, kochende, putzende Hausfrau, die es sich selbst nie erlaubt, sich zu entfalten.
Durch den Einbezug eines Nebenplots um Grampa Simpson (endlich mal wieder) beim Job in einem Schnellimbiss erweitert sich die Kritik um die letzten Endes ja auch von Fox in Anspruch genommene bevorzugte Behandlung gewisser Personengruppen. Alte Menschen und sehr junge, Intelligente und emanzipierte Frauen werden als Minderheiten in unserer Gesellschaft dargestellt, die von den bestimmenden Institutionen und Personen, wie etwa Homer ("I'm a white male, aged 18 of 49, everyone listens to me, no matter how dumb my suggestions are"), ignoriert werden, obwohl es nicht selten die bestimmenden Instanzen sind, die ignoriert werden sollten.
Überraschend kurzweilig und witzig gehen die 22 Minuten vorüber. Gespickt mit Interner Link"Big"-Hommagen, privaten Einblicken in die Welt des Waylon Smithers und anderen themenverwandten Bereichen, ist "Lisa vs. Malibu Stacy" trotz der moralischen Ansätze eine sehr unterhaltsame Angelegenheit geworden.


15. Homer der Weltraumheld

Dass Homer Simpson ins All geschossen wird, ist von großer symbolischer Bedeutung und wird seine Tentakel über diese Momentaufnahme hinaus erstrecken. Dazu muss man eigentlich nur die Frank Grimes-Story aus einer späteren Staffel beachten, wo die Angelegenheit besonders deutlich wird: Wie kann ein Trottel wie Homer zu der Ehre kommen, einen Weltraumausflug zu machen? Ganz einfach, es ist eine Nachzeichnung des (allen Zeichentrick-Regeln zum Trotz) realistischen Weltbildes, das durch die Serie aufgezeichnet wird. Tiere verfügen hier über keinerlei menschliche Gesichtsausdrücke, ein kleiner grüner Außerirdischer erscheint Homer allenfalls in Anspielung auf die "Flintstones" und die Gewinner der Gesellschaft sind eben nicht die guten Menschen - es sind Menschen wie Homer. Aber auch Menschen wie die anonymen Anzugträger, die eine große Kooperation vertreten und im Abspann nicht mit Namen aufgelistet werden würden, wäre dies eine Real-Sitcom. Vom Realismus abweichende Elemente gibt es nur in metaphorischer, symbolischer oder ironischer Funktion, alles weitere ist eine authentische Nachzeichnung des US-Mittelstands, wie er sich in den Gedanken der Autoren manifestiert.
Und so ist Homers Ausflug ins Weltall die überspitzte Darstellung eines Mannes, der nichts versucht und dabei alles erreicht, eine im kosmischen Gleichgewicht schreiende Ungerechtigkeit. Da sind diese NASA-Mitarbeiter, die sich durch geistige (oder doch eher kommerzielle?) Umnachtung plötzlich denken, dass der Jedermann erreicht werden muss, dass man eine Person aus dem ordinären Pöbel picken und ihr eine Ehre zuteil werden lassen soll, die sie rein technisch nicht verdienen würde - und auf diese Idee kommen sie durch den Konsum von Sitcoms (Ausschnitte von Interner Link"Eine schrecklich nette Familie" und "Hör mal, wer da hämmert" im Simpsons-Style werden gezeigt). Wenn die Menschen Al Bundy vergöttern, ist bewiesen, dass der Pöbel gesiegt hat.
Diesen etwas fehlgeleiteten Gedankengang verarbeitet das verantwortliche Skript/Regie-Team David Mirkin und Carlos Baeza zu einer kleinen Anklage, indem jede Gelegenheit genutzt wird, die Gesellschaft als dumm darzustellen - nicht dumm in Bezug auf den wissenschaftlichen Fortschritt, immerhin ist die Raumfahrt das zentrale Thema, sondern dumm in Bezug auf die Fehlbarkeit im menschlichen Wesen. Allen voran bei Homer kennt man keine Gnade und lässt ihn nochmals eine Spur dümmer werden - in einer Szene will er lesen, was auf seinem Hinterkopf steht und dreht sich um die eigene Achse wie ein Hund, der seinen Schwanz fangen will. Die Familie als Publikum lacht, doch Homer hört nicht auf sich zu drehen, und ab einem gewissen Punkt weicht das Amusement der Besorgnis. Die Dummheit wird erschreckend in ihrem Ausmaß, wozu auch der Gag mit den Telefontasten gehört ("Homer, du hast schon gewählt").
Aber auch der Rest der Menschheit bekleckert sich nicht mit Weisheit. Die reine Idee, solche Zivilisten ins All zu schicken, würde von manchen Leuten mit einem Sanatoriumsaufenthalt belohnt werden; und bei den TV-Nachrichten gibt es eine Wiederauferstehung des 50er-Jahre-Monstertrashs, als aus einer Videoaufnahme aus dem Inneren der Raumkapsel die Attacke von Riesenameisen geschlussfolgert wird. Barney, Homers großer Konkurrent im Kampf um den Platz im Raumgleiter, bekommt seine tragische Seite ab, die ihn zu Homers absolutem Gegenteil macht, dem Verlierer der Gesellschaft. Dieser Saufbold hat seine Lage nicht unbedingt selbst zu verantworten, sie wurde von Menschen wie Homer mitverursacht. Seine Talente blieben lange Zeit verborgen, obwohl Barney in der Simpsons-Geschichte eine Veränderungskontinuität mitmachte, ist er doch inzwischen nicht mehr der alte Saufbold - ein Stück Optimismus und ein Beweis für die Vielschichtigkeit aller Charaktere, die es auch ermöglicht, dass man einen Typ wie Homer trotz aller Fehler so liebgewinnen kann.
Inszenatorisch ist "Deep Space Homer" eher an Kubricks Interner Link"2001" denn an eine TV-Space-Opera angelehnt, inklusive Walzer (in einer tricktechnisch beeindruckenden Sequenz mit umherfliegenden Chips und Ameisen) und dem berühmten Jump Cut, der zu einer netten Pointe über Fox führt und damit eine mehr als bedeutsame Episode schließt.


16. Homie und Neddie

"Theeeee Fliiiiimpsooooons ..."
Gemeinsam bilden Homer und Ned als Erzfeinde einen der größten Spannungspunkte in der Serie. Nicht so sehr, weil der eine das Negativ des anderen wäre; vielmehr wegen Homers Ignoranz gegenüber seinem Nachbarn und wegen seiner fehlenden Bereitschaft, sich ein wenig auf die Art von Flanders einzulassen. So ist es eigentlich ein Leichtes für die Autoren, die beiden zusammenzubringen, denn die Erzfeindschaft ist sozusagen von parasitärer, nicht von symbiotischer Art: Nur Homer hält Flanders für seinen Feind, umgekehrt ist dies nicht der Fall. Will man also die beiden mal für eine Episode (länger nicht, Gott bewahre!) zusammenbringen, muss man Flanders für Homer einfach nur was Gutes tun lassen - Kinderspiel, schließlich ist er tiefgläubiger Christ. Und umgekehrt? Wenn man Homer wirklich eine richtige Freude macht, etwa durch gute Plätze im Footballstadion, ist er so leicht rumzukriegen wie kein anderer Charakter im diesseitigen oder jenseitigen Universum. Und wenn sich Homer einmal in etwas reingesteigert hat, wird es selbst denen zu viel, die ursprünglich die ganze Sache forciert haben.
Die Feststellung lautet: Die Autoren müssen ebenso faul wie genial sein. Die Frage lautet: Wieso ist man auf diesen Plot nicht früher gekommen? Die Reaktion beider Lager macht die Substanz in Wes Archers Arbeit aus. Für Flanders entwickelt sich Homers Besessenheit langsam, aber sicher zur göttlichen Probe, die passenderweise in der Kirche aufgelöst wird. Homer derweil beginnt sich langsam für die Familie zu interessieren, mehr als für die eigene, und ist auf einmal zu spitzfindigen Schlussfolgerungen über die Persönlichkeiten der Flanders in der Lage ("... und Maude steht auf mich, versucht dies aber hinter einer Maske der Ablehnung zu verbergen"). Bei Flanders führt es zu Interner Link"Vertigo"-inspirierten Fieberträumen, bei Homers Verhalten zu einer köstlich-unheimlichen Interner Link"Terminator"-Parodie.
Nebenbei hat Lisa in genau dieser Folge den Grund ihrer Existenz gefunden, indem sie haargenau das Episodenschema der TV-Serie wiedergibt, in dem sie mit ihrer Familie gefangen ist. Sie fügt sich, weil sie keinen anderen Ausweg sieht, Bart, weil er das Konzept nicht erkennt, mit einem herzlichen "Ay Caramba!". Warum auch nicht, denn letztendlich ist doch immer alles wieder genauso, wie es vorher war ...


17. Bart gewinnt Elefant

So ein Unfug! Aber: Laut Matt Groening ist dies ein "quintessenzielles John Swartzwelder-Projekt", und der ist schließlich einer der meistbeschäftigten Autoren im Team. So begnügen wir uns mit der umwerfenden, hypothetischen Annahme, ein Radiosender würde auf Wunsch eines kleinen Jungen tatsächlich einen Elefanten verschenken, der eigentlich nur eine Gag-Option war. Und die Eltern würden dies auch noch erlauben. Nun, nehmen wir das doch einfach so hin, denn immerhin geht es vielmehr um die Aussage (*moralisier* *schleim*), und die dreht sich um die Verantwortung gegenüber anderen Lebewesen.
Die sorgsame Darstellung der Problematik brachte der Serie erwartungsgemäß Preise und Respekt von Tierschutzorganisationen bei. Besonders in Momenten wie diesen kommt es dem Thema zugute, dass die Tiere bei den Simpsons allesamt tatsächlich mit tierischen Eigenschaften ausgestattet sind. Anthropomorphismen, wie man sie üblicherweise in Cartoons immer wieder findet ("Garfield" ist z.B. ein Sonderfall, da Garfield selbst wie seine Freunde menschliche Züge trägt, der Hund Odie hingegen nur ein Hund ist), sind dieser Serie in den meisten Fällen fremd. Das erlaubt es, in Angelegenheiten, welche die Tierwelt betreffen, auf sehr dokumentarische und realistische Art zum Kernpunkt zu gelangen.
Wenngleich die Herleitung der Situation konstruiert wirkt (aber eben auf witzige und überhaupt nicht störende Weise), kann man dies nicht von der Haltung des Elefanten behaupten. Die Darstellung des Problems ist absolut vorbildlich, werden doch sämtliche Klischees widerlegt und Fakten authentisch dargestellt. Abgesehen von Lisa spekulieren alle Figuren mit dem vorgezeichneten Bild eines Comic-Elefanten, der Erdnüsse mag und sich wie ein riesiges Kuscheltier verhält. Der Witz dieser Episode resultiert daraus, dass diese Erwartungen enttäuscht werden. So zerstört der Elefant den Vorgarten und beinahe das Haus und Bart stopft er hin und wieder in sein Maul und bedeckt ihn mit einer Schleimschicht.
Aus dieser Situation heraus beginnen die Simpsons-Haustiere Knecht Ruprecht und Snowball II. plötzlich, der Aufmerksamkeitserregung wegen menschliche Eigenschaften anzunehmen - sie erlernen das Laufen auf zwei Pfoten und knurren mühsam "Ich liebe dich", brechen aus ihrem realistischen Muster also aus und geraten in den Antropomorphismus, der sämtliche andere Comic-Tiere (nicht einmal Interner Link"Family Guy" wollte darauf verzichten) schon längst befallen hat.
Leider wirkt die Rettung aus der Teergrube etwas künstlich, ansonsten überzeugt die Folge aber mit einer Behandlung des Themas Tierschutz, wie es durch die besondere Darstellung von Tieren keiner zweiten Zeichentrickserie gelingen könnte.


18. Burns Erbe

Hat sich eigentlich schon mal überlegt, dass Bart theoretisch von seiner Boshaftigkeit her der Sohn von Mr. Burns sein könnte?
Jace Richdale schon.
Der Autor wurde frisch ins Simpsons-Boot geworfen und hatte Vorschläge zu machen für ein paar neue Folgen. Warum also nicht Bart zum Erben von Burns' Vermögen machen? Zumindest theoretisch kein ganz so abwegiger Gedanke. Das lässt eine nette Spekulation über genetische und erzieherische Verhaltensformung zu und führt einen letztendlich gerichtlichen Streit unter Beziehungsberechtigte nach sich, der ausnahmsweise mal nicht zwischen Vater und Mutter stattfindet, sondern zwischen den leiblichen Eltern und einem alten, reichen Mann. Unterschwellige Aussagen gehen diesmal aber noch weiter, beinhalten auch die Suche eines seinem Lebensende entgegengehenden Mannes nach dem Sinn des Lebens, die Darstellung von Geld als Machtfaktor und so weiter.
Die Vielfalt an insgesamt nur wenig greifbaren Interpretationsebenen verleiht der Episode ein großes Maß an emotionaler Dichte, sorgt zugleich aber für eine hohe Gagdichte. Zu nennen wäre da Lisas Kompensation der Lücke, die Bart in der Familie hinterlassen hat, Homers plötzliches Interesse an Hans Maulwurf, die erbärmliche Imitation der Familie durch Schauspieler, die Bart davon überzeugen sollen, dass er überhaupt nicht vermisst wird oder auch Homers "schändliches Geheimnis" (wer will's wissen? Nun gut ... er isst BLUMEN!). Und freilich das ultimative Highlight: Burns, der nach Homers Auffassung doch bitte Bienen auf Homer loslassen möge oder Hunde oder Hunde mit Bienen im Maul, so dass sie, wenn sie bellen, Bienen spucken.
Die langsame Transformation Barts in einen Nachwuchs-Burns wirkt bisweilen schon fast gruselig und der daraus entstehende emotionale Konflikt ist distanzierter, als man das von den üblichen Vater-Sohn, Vater-Tochter, Mutter-Sohn oder Mutter-Tochter-Plots gewohnt ist. In den späteren Staffeln tendierte man noch öfter in diese Richtung und viele der Familienprobleme wurden über dritte Instanzen wie ein Gericht verhandelt. Irgendwann wünscht man sich auch wieder die liebenswerten Geschichten aus den ersten Staffeln zurück, aber für den Anfang ist das so auch mal etwas anderes.


19. Freund oder Feind!

Yee-Haaaw, jetzt darf ich gemeinsam mit dem guten alten Matt feiern - mein 100. Simpsons-Review, seine 100. Episode. Zu diesem Anlass packt sich Homer beim Couchgag das Fox-Logo, das auf der Innenseite des Bildschirms klebt wie ein nerviger Parasit, wirft es auf den Boden und tritt verächtlich drauf herum. Was sich liebt, das neckt sich halt.
Und beim 100. Mal geschieht etwas Großes. Man nannte es den schlimmsten, gewaltigsten Streich, den Bart jemals jemandem gespielt hat, und in Anbetracht der Ausgangslage könnte man es als die süße Rache sehen, auf die er fünf Jahre gewartet hat, während er durchweg in der vierten Klasse versauerte. Denn endlich ist es soweit: Bart hat es geschafft, Skinner feuern zu lassen.
Das Witzige daran ist, dass Bart dies ausgerechnet im Moment des Triumphs niemals beabsichtigt hat und dass er sich letzten Endes gar schuldig fühlt. Es ist einfach alles nur ein unglaubliches Spiel des Zufalls. Alles passiert zur falschen Zeit, so dass Skinner eines Hundes wegen die Autorität über seinen Lebensinhalt verliert - weil das Schicksal zugeschlagen hat und weil Superintendant Chalmers Skinner nicht sonderlich mag.
Das Spiel des Zufalls schlängelt sich äußerst gelungen durch den ersten Akt und findet sein Alpha in einem Schulprojekt und Barts Sorglosigkeit um dieses. Erst als der Schulbus draußen hupt, schnappt sich Bart das Erstbeste, was er sieht: seinen Hund. Der richtet dann in der Schule ein apokalyptisches Chaos aus. Eine Reminiszenz an Interner Link"Aliens" inbegriffen, erleben wir die Schule von Seiten, von denen wir sie bisher noch nicht kennen gelernt haben, während ein Mann mit Verantwortung unbemerkt einem großen Verlust entgegenleitet.
Der Schuldgefühle Barts wegen erfolgt nun eine weitere Stärkung des Liebe-Hass-Verhältnisses zwischen Schüler und Lehrer. Die Fox-Sache im Couch-Gag ist nicht umsonst gewählt worden, denn diese Hassliebe hat etwas Rührendes. Skinners Privatleben wird näher beleuchtet, seine Army-Vergangenheit inbegriffen. Zwischenzeitlich werden die beiden ungleichen Rivalen zu Freunden, während die Schule unter Leitung des christlichen Flanders langsam, aber sicher zugrunde geht. Schließlich muss auch Chalmers zähneknirschend feststellen, dass Skinner ein unterschätzter Mann ist, dass seine Korrektheit zwar unglaublich nervtötend, irgendwo aber vielleicht auch notwendig ist, um das System aufrecht zu erhalten. Man kann die 100. Folge irgendwo als Zelebration der Unterschiede betrachten, als Einsatz für Grenzen überschreitende Freundschaften, als Toleranz verschiedener Lebenseinstellungen, als Respektierung der Ordnung. Der Folge haftet irgendwo etwas Universelles an, nichts, das man irgendwie erklären müsste, etwas, das bedeutender ist als der Plot, in dem Bart Skinner feuern lässt und ihm dann hilft, wieder zurückzukehren. Ein wundervoller Schluss für ein Kapitel.


20. Bart packt aus

Der Originaltitel "The Boy Who Knew Too Much" spielt auf einen (bzw. zwei) Hitchcock-Klassiker an und Suspense ist es tatsächlich, den man in den folgenden zwanzig Minuten zuhauf bekommt. Hatten Bart und Skinner ihre Beziehung doch gerade erst in der Jubiläumsepisode verinnerlicht, sind sie jetzt wieder alte Feinde, was durch eine längere, ebenfalls Suspense-haltige Interner Link"Westworld"-Hommage noch verstärkt wird, in der Skinner zum Yul Brynner-Gedächtnis-Killbot mutiert und den mutmaßlich die Schule schwänzenden Bart unerbittlich verfolgt.
Aus Bart Sicht der Dinge heraus erleben wir nun einen von Komponist Alf Clausen originell herausgestellten Thrillerplot mit dem besonderen Kniff, dass wir zwar beim alles entscheidenden Geschehen - einer Auseinandersetzung zwischen zwei neu eingeführten Charakteren, Quimbys Neffe und dem Kellner - im betreffenden Zimmer mit anwesend sind, uns allerdings ein Blick auf jenes Geschehen nicht gewährt wird, statt dessen eine Aufnahme von Barts Gesicht in dem Moment, wo er alles beobachtet. Der Clou daran ist, dass wir nicht hundertprozentig wissen, ob wir Bart glauben können, denn immerhin kennen wir ihn als kleinen Rotzlöffel und Quimbys Neffe ist kein besonders angenehmer Zeitgenosse, so dass die Anschuldigungen des Kellners durchaus plausibel klingen.
Im folgenden Gerichtsteil schwanken wir nun zwischen dem, was verborgen ist und dem, was wir zu glauben wissen, es aber nicht unbedingt immer tun. Was aber offensichtlich ist, das ist der Zwiespalt, den Bart erlebt, weil er zur betreffenden Zeit, in der er das Geschehene live miterlebt hat, eigentlich hätte in der Schule sein müssen. Hilfe sucht er bei seiner Mutter, die ihm allerdings nicht helfen kann (tatsächlich wird eine dieser kleinen psychischen Unterdrückungen in Marges Seelenleben gezeigt, wie sie immer mal wieder auftauchten), Lisa hingegen schon etwas mehr. Homer befindet sich dagegen unter den Geschworenen und sorgt für Lacher, als er erfährt, dass bei einer Vertagung des Gerichts ein Gratisurlaub drin ist. Es werden intelligent Schuldfragen, moralische Prinzipien und der Umgang mit Vorurteilen beleuchtet. Ein wenig Slapstick ist dabei, einige Parodien ("Ein seltsames Paar" kommt auch vor, ebenso eine Clint Eastwood-Karikatur in einem Copthriller im Fernsehen), von allen Zutaten etwas, und zwar gewürzt mit einem knackigen Suspense-Plot, der sich selbst flott vorantreibt und eine gesunde Mischung ergibt. Pure Hitchcock.


21. Liebhaber der Lady B.

Hiermit wagt man sich definitiv an ein Extremtabu: Liebe unter Alten! Symbolischerweise mit Maggies erstem Geburtstag eröffnet (Klasse Witz nach 5 Jahren Simpsons), gewährt man uns nun einen tiefen Blick in die Welt der Runzeln und Krampfadern. Alte Menschen sind, weil sie nicht mehr zur Zielgruppe gehören, ein Running Gag bei den Simpsons, und eigentlich immer noch einer der besten. Die Alten werden verniedlicht, verharmlost, als naiv dargestellt, ignoriert und missbraucht, wo es nur geht. Immer in dem Wissen, selbst auch mal alt zu sein, gibt man dieser Gruppe voll Kontra und macht sie zur Reflexionsfläche für allerlei Gags über die dem Menschen innewohnende Debilität, Senilität und Hilflosigkeit.
Obwohl diese Folge tief in die emotionalen Gefühlswelten von Grampa, Burns und Marges Mutter geht, wird dieser ironische Blick konsequent beibehalten wie einst schon bei Abes Flirts mit seiner Altenheimliebe Beatrix, die kurz darauf verstarb. Noch konsequenter, weniger schmalzig und noch verharmlosender wird nun das Dreierverhältnis erzählt, das dem Klischee einer beliebigen Romantikkomödie gleichkommt, durch den Altenhumor aber ganz neue Facetten offenbart.
Dazu tragen die altmodischen Wertevorstellungen der Protagonisten bei, aber auch physische Gags kommen nicht zu kurz, da speziell Grampa oft wirkt wie ein junger Kerl, der in einer verschrumpelten Pflaume gefangen ist. Burns hingegen bekommt einen ganz neuen Charakterzug ab; während Smithers langsam neidisch wird, spielt Burns seine Lebemann-Ressourcen aus und wird auf einmal zum Schwerenöter, der mit der üblichen Schwächlichkeit nicht mehr viel zu tun hat.
Der Kampf der Alten um die alte Frau ist einfach so ausgesprochen drollig, obwohl er, würde man in der Inhaltsangabe das Attribut "alt" weglassen, dramatisch klingen würde. Optisch nähert man sich "Casablanca" und Konsorten an, mit Nadelstreifenanzügen, einsamen Silhouetten, die im Schein der Straßenbeleuchtung stehen und Cool Jazz. Man macht sich gar einen Running Gag daraus, dass Grampa unwissentlich Urheberrechtsverletzungen von Chaplins und Bogarts Filmen begeht. Die verflossene Zeit der Protagonisten regt zum Mitleid, aber zugleich zum Lachen an. Es ist einfach zu niedlich.


22. Ehegeheimnisse

Zum Schluss noch ein paar Fettnäpfchen Homers, was den Umgang mit seiner Ehe anbelangt. Die erste Regel des Fight Clubs lautet: Sprich niemals über den Fight Club. Denn gestritten und ausgekämpft wird alles intern. Das sollte der gesunde Menschenverstand eigentlich automatisch signalisieren, aber bei Homer ist da nun mal etwas falsch gelaufen, er steht in einer ganz besonderen Kommunikation mit seinem Gehirn und wartet nicht immer ab, was es zu sagen hat, bevor die Informationen aus seinem Mund sprudeln.
So wird diesmal gezeigt, was denn alles passiert, wenn Homer seine Eheprobleme nach draußen trägt. Der Plot wirkt sehr "sitcomish" in seiner Anlage, Interner Link"King of Queens" hatte beispielsweise ähnliche Themen, inklusive der Abendkurse; nur, dass diesmal die Bürger selbst die Lehrer sind und Homer einen Kurs über die Ehe anbietet. Es ist schon irgendwie ein Running Gag, dass Homer immer wieder als Autoritätsperson in wichtige soziale Positionen versetzt wird, ob nun als Lehrer, als Geschworener, als Anführer einer Bürgerwehr, als Abgeordneter des Kraftwerks oder als Weltraumastronaut, und wie er sämtliche Posten total missbraucht. Der Witz daran ist nicht Homer selbst, sondern viel mehr die Verantwortlichen, die es Homer überhaupt ermöglichen, in solche Positionen zu rücken.
Nun ist es nicht das Schicksal eines Einzelnen oder das der ganzen Welt, welches von Homers Unsinnsstiftungen abhängt, sondern die Ehe mit Marge, die aufs Äußerste auf die Probe gestellt wird - mal wieder. Homers Unfähigkeit, zu erkennen, weshalb Marge ihn aus dem Haus geworfen hat ist erschreckend, dennoch bleibt beim Zuschauer durchweg das Verständnis für ihn vorhanden, auch weil gezeigt wird, wie Marge unter der Abwesenheit ihres Mannes zu leiden hat. Wiederum sind Marge und Homer zwei symbiotische Einzelbestandteile, die getrennt voneinander nicht überleben können. Die kleine Geste Marges, Homers Lumpen vom Tisch zu lösen, woran sie sich verknotet hatten, wird symbolisch in verzerrten Einzelframes ablaufen gelassen. Die Aussprache wirkt für eine Trickserie allerdings sehr schal. Wenn Homer beginnt, von totaler Abhängigkeit zu reden, wirkt das irgendwie nicht richtig. Den Machern ist dies aber absolut bewusst, wollten sie damit doch vollkommen bei der Realität verweilen und sich keinerlei romantischen Motiven unterwerfen, da sich ihrer Aussage nach zwei Menschen auch lieben können, obwohl vielleicht nicht alles so perfekt zusammenpasst wie in einem Märchen. Es ist etwas schwierig, sich bei den Gewohnheiten, die man von Trickserien kennt, darauf einzulassen, aber es kann durchaus funktionieren.



Die erste Neuigkeit im Bonusmaterial der Staffel 5-Box erscheint direkt nach Einlegen der DVD: Auch "Die Simpsons"-Gucker sind mittlerweile Raubkopierer, obwohl man doch immer dachte, dass es sich bei diesem Klientel um die harmloseste Sorte Mensch handelt. Die zweite Neuigkeit ist etwas erfreulicher: Fox hat zurückgefunden zum alten Aufbau der Boxen mit hübschem DigiPack im halboffenen Glanzschuber. Also darf man die KeepCase-Geschichte der vierten Staffel getrost als misslungenes Experiment ablegen. Juchhe!
Ein zweite Neuerung ergibt sich bei den Menus, die einfach großartig gelungen sind. Man hat (nicht nur) im Hauptmenu kleinere Szenarien eingebaut, die jeweils zu einer Folge auf der DVD passen. Meist kann man auch irgendwo einen versteckten Gegenstand anwählen, um eine Aktion auszulösen. Wer abwartet, kann sich einfach an den Animationen erfreuen, die automatisch ablaufen, z.B ein Mister Burns, der als Vampir verkleidet den schlafenden Homer an seinem Arbeitsplatz aussaugt. Einfach großartig und mit viel Liebe zum Detail gemacht!
Bei den richtigen Extras geht den Machern anscheinend die Puste aus. Auf jeder DVD gibt es verschiedene Animationsphasen einer Folge zu sehen, teilweise mit gesprochenem, manchmal sogar mit gezeichnetem Kommentar, bei dem die Mitwirkenden direkt mit blauer Farbe auf den Bildschirm zeichnen. Weiterhin sind verschiedene Konzeptzeichnungen dabei, die Folge "Freund oder Feind!" in vier zusätzlichen Sprachen und zwei Einleitungen zur Staffel, eine von Jim Brooks, eine von Matt Groening. Interessant sind definitiv die Werbespots, die allesamt im witzigen Simpsons-Stil gehalten sind. Ebenfalls zum Bonusmaterial zählt ein bissiger Einleitungstext von Matt Groening im Innenteil des DigiPacks, ein Booklet mit Inhalt und Kapitelliste der einzelnen Folgen und natürlich der Audiokommentar zu jeder (!!) Folge. Den sollte man sich nicht entgehen lassen, denn hier wird der Simpson-Fan nicht nur fündig auf der Suche nach Hintergrundinformationen, sondern auch bestens unterhalten. Die teilweise hier angesprochenen, gekürzten Szenen befinden sich aneinandergereiht auf DVD 4 und besitzen wie alle Extras (inkl. dem Hidden Feature) deutsche Untertitel.

Für ein anamorphes Bild ist es mit der fünften Staffel noch zu früh. Ich bin eigentlich auch ganz froh, dass Fox hier das Originalformat anbietet und nicht einfach für die DVD-Auswertung abdeckt, was bei "Die Simpsons" auch zuemlich seltsam aussehen würde. An der Bildqualität hat sich kaum was geändert, sie ist immer noch ein wenig geprägt vom Stil der Zeichnungen, die ja hier noch nicht digital erarbeitet wurden. Das mag auch den Unterschied zwischen den messerscharfen Menu-Animationen und den nicht ganz so plastischen Folgen ausmachen, die beim Vorspann kurzzeitig ein paar Kratzer und Unreinheiten zeigen, dann aber einen durchgängigen Stil besitzen. Auch wenn man sehr zufrieden sein kann, wie die Folgen auf DVD gebannt wurden, existieren immer noch kleinere Fehler wie die nicht ganz sauberen Konturen, das leichte Rauschen auf einfarbigen Flächen, auch etwas verursacht durch die Kompression, und die damit nur etwas über Mittelmaß anzusiedelnde Schärfe. Dafür sind Kontrast und Farben hervorragend ausbalanciert und lassen den Comic-Spaß richtig knallig erscheinen.

Auch beim Ton setzt sich der Eindruck fort, den bereits die letzte Staffel erbrachte. Die Abmischung ist beinahe identisch und so werden die hinteren Lautsprecher besonders in Szenen genutzt, die einen kräftigen Einsatz des Scores versprechen. Neben der Titelmusik passiert das hin und wieder auch merklich dynamisch bei einigen Folgen. Beispielsweise ist James Brown "I Feel Good" in der Folge "Bat, das innere Ich" perfekt dafür angelegt, im 5.1-Modus zu erklingen. Ansonsten wird ein nicht überwältigender, aber passender Klang geboten, der besonders Wert auf die Comic-Geräusche und die Sprecher legt, was in beiden Fassung einen gleichweg guten Eindruck hinterlässt. Für Untertitel ist natürlich wieder gesorgt.

Wäre ich Amerikaner, ich hätte am 20.05.1994, einen Tag nach der Ausstrahlung der letzten Episode, ein riesiges Fass aufgemacht. Der Teamwechsel hat keinesfalls einen Qualitätsverlust zur Folge gehabt. Im Gegenteil, trotz gelegentlicher kleinerer Schwächen wurde nochmals eins draufgesetzt und zum vierten Mal in Folge konnte ein Qualitätsanstieg verzeichnet werden. Die fünfte Staffel ist weniger schmalzig geworden als die vierte, ohne deren hohen Gehalt an Gesellschaftskritik aufs Spiel zu setzen. Alle Charaktere im Simpsons-Universum haben ihre absolute Hochform erreicht und zeigen mit die größten Gags in den größten Plots überhaupt. Die Superlative, die ich als Fazit über diese Staffel ergießen möchte, sind unerschöpfbar. Grandios, fantastisch, genial, brillant, bei der Fülle an Geniestreichen ist es eigentlich von Notwendigkeit, den Wortschatz für Euphorismen beständig auszuweiten, um nicht Gefahr zu laufen, sich beständig zu wiederholen. Ich möchte gerne kritisch an die Folgen herangehen, die Gelegenheit wird mir bis hierhin aber einfach noch nicht im größeren Maß geboten. Würde ich mehr kritisieren, täte ich definitiv den Errungenschaften des Teams Unrecht, das es geschafft hat, 22 aufeinander folgende Episoden bereitzustellen, die kaum qualitative Schwankungen aufweisen. Gaststars wie Sam Neill, Michelle Pfeiffer oder Kathleen Turner werden gleitend ohne jegliche Selbstpräsentation in die Plots eingebunden, die Haupt- und Nebenfiguren bekommen abwechselnd alle die gleiche Aufmerksamkeit, wiederkehrende Storymuster werden soweit alterniert, dass subversiv teils vollkommen entgegengesetzte Richtungen angepeilt werden, optisch, narrativ und musikalisch wird sich sehr stark um Kontraste und Abwechslung bemüht. Es gelingt jedes Mal, potenziell schmalzige Enden zu entschärfen, ohne der Botschaft ihre Wirkung zu nehmen und durch Eigenarten der Serie können Aspekte thematisiert werden, zu der keine andere Serie jemals imstande wäre. Die "Season 5" vereint alles in sich, was "Die Simpsons" langfristig so genial macht. Der Klimax der Entwicklung wird auch von den Verantwortlichen bemerkt, die mehr denn je selbstreferenzielle Anspielungen einbauen und sich auf das immer wiederkehrende Muster einspielen. Es ist ihre Mission und ihr Schicksal, jedes Jahr aufs Neue 22 bis 25 frische Stories zu liefern, immer wieder. "Aye Caramba", "Ausgezeichnet", "Ha-Haaa", "Hmmmm", "Neinnn!", "Hey-Hey", "Wenn mich jemand sucht, ich bin in meinem Zimmer". Die Figuren fügen sich ihrem Schicksal, sich immer und immer zu wiederholen, weil es der Zuschauer so will. Dabei ist den Figuren nicht bewusst, dass es nur die Manierismen sind, die sich wiederholen, nicht jedoch die Geschichten. Und von denen können wir einfach nicht genug bekommen. Aus weiter Ferne höre ich bereits die sechste Staffel rufen, und so wahr ich Hans Maulwurf heiße, sie wird kommen. Hol's der Teufel, und dann geht der Spaß von vorne los. Vielen Dank.


Film++++++
Bild+++/--
Ton+++/--
Bonus++++--


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