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IT 1972
Originaltitel:Al tropico del cancro
Alternativtitel:Death in Haiti
aka. Peacock's Place
aka. Tropic of Cancer
Länge:90:49 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Giampaolo Lomi, Edoardo Mulargia (als Edward G. Muller)
Buch:Giampaolo Lomi , Edoardo Mulargia, Anthony Steffen (als Antonio de Teffè)
Kamera:Marcello Masciocchi
Musik:Piero Umiliani
Darsteller:Anthony Steffen, Anita Strindberg, Gabriele Tinti, Umberto Raho, Stelio Candelli, Gordon Felio, Kathryn Witt, Richard Osborne, Alfio Nicolosi, Bob Lemoine, Pierre Richard Merceron, Fred Ade
Vertrieb:Camera Obscura
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:Digibooks im Schuber
DVD-Start:17.04.2012 (Kauf)
Specials:
  • 8-seitiges Booklet von Christian Keßler
  • Featurette: "Shot in Haiti" mit Giampaolo Lomi (31:51 Min.)
  • Featurette: "Bruschini's Place" (11:59 Min.)
  • Deutscher Trailer (2:42 Min.)
  • Bildergalerie (93 Bilder)
Auf Haiti hat der renommierte Wissenschaftler Dr. Williams ein geheimnisvolles Serum entwickelt, dessen Wirkung etliche halbseidene Interessenten auf den Plan ruft. Zuerst versucht man es mit Geld und guten Worten, doch als sich der Doktor verweigert, müssen überzeugendere Argumente herhalten: Eine mysteriöse Mordserie erschüttert das Inselparadies. Die Polizei tappt im Dunkeln, und dann erscheint auch noch ein alter Bekannter von Williams auf der Bildfläche, der mit seiner Ehefrau ein paar Urlaubstage in der Karibik verbringen will. Bald treiben alle Beteiligten in einem Strudel aus Voodoo, Mord und nackter Haut auf eine tödliche Konfrontation zu, die wie ein Hurrikan durch die Palmen fegt.
Es ist gar nicht so leicht, diesen Giallo aus dem Jahr 1972 objektiv zu bewerten, denn trotz ausgeprägter Zuneigung zum Subgenre dürfte sich in vorliegendem Fall selbst bei eingefleischten Fans ein ziemlicher Zwiespalt ergeben. Ein Grund dafür mag der exotische Schauplatz Haiti sein, der ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheint. Doch der Hauptgrund ist vielmehr im streckenweise etwas konfusen Drehbuch zu suchen. Dieses offenbart dem Zuschauer nämlich eine Geschichte, die einen merkwürdigen Mix aus Giallo, Mondo und Erotik-Thriller beinhaltet, wobei das Geschehen sich zu keiner Zeit so wirklich entscheiden kann, in welche Richtung es nun eigentlich tendiert. Durch diesen Umstand entfaltet sich dann auch ein Szenario, das in der Betrachtung selten stimmig, sondern vielmehr äußerst holprig und unrund erscheint, was den Sehgenuss erheblich beeinträchtigt. Zudem kann sich zu keinem Zeitpunkt ein konstantes Maß an Spannung aufbauen, weil die Abläufe sehr vorhersehbar und durchschaubar sind und auch nicht von der außergewöhnlich dichten Atmosphäre begleitet werden, die man ansonsten aus den Vertretern dieser Filmart kennt.


Und so begibt man sich dann mit den Protagonisten in eine Mordserie hinein, in deren Mittelpunkt ein ominöses Serum steht, über dessen Zweck und Wirkung man leider nur sehr unzureichende Informationen erhält. Sicherlich von den Machern als Spannungsmoment gedacht, geht dieser Schuss aber nach hinten los, erscheinen die Abläufe doch größtenteils sinnlos und lassen kaum einen Zusammenhang erkennen. Dieser Umstand wird zudem durch die nur oberflächlich eingeführten Charaktere hervorgehoben, denn diverse Figuren werden nur in die Ereignisse hinein geworfen, ohne dass man irgendwelche näheren Erläuterungen über deren Herkunft und Absichten erhält. Dementsprechend gestaltet sich das dargebotene Schauspiel, das zumeist einen extrem mittelmäßigen Eindruck hinterlässt. Lediglich Anthony Steffen fällt an dieser Stelle ein wenig positiv aus der Rolle, ist seine Performance doch gleichzeitig so ziemlich das einzige Highlight in einem Film, der ansonsten nicht unbedingt mit Höhepunkten um sich wirft. Dabei ist dies noch eine relativ diplomatische Beschreibung, denn im Grunde genommen, kommt an etlichen Stellen der Geschichte sogar regelrechte Langeweile auf. Und das ist dann eher selten in diesem Subgenre.


"Inferno unter heißer Sonne" ist, vorsichtig ausgedrückt, ein durchwachsener Film, der aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Mixtur weder Fisch noch Fleisch darstellt und so auch zu keiner Zeit eine richtig flüssige Erzählstruktur erkennen lässt. Phasenweise wirkt die ganze Chose seltsam abgehackt, und man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass viele Passagen lieblos zusammen gestückelt wurden. Manche Umschnitte erscheinen gar so komisch, dass man zum Eindruck gelangt, dass der Geschichte an diversen Stellen einige Minuten fehlen würden, denn die augenscheinliche Willkür, mit der krampfhaft eine Rahmenhandlung konstruiert wurde, korrigiert den von Haus aus maximal mittelmäßigen Gesamteindruck noch ein wenig nach unten. So sollte man dieses Werk vielleicht auch viel eher als einen ziemlich misslungenen Versuch ansehen, der Filmart durch einen exotischen Schauplatz ein neues Gewand zu verleihen, denn ein Giallo sollte in Italien spielen. Manch einer mag das vollkommen anders sehen, doch dieser sehr unausgegorene Mix aus verschiedenen Genres vor einer optisch äußerst ansprechenden Kulisse ist dann doch ein ziemlicher Rohrkrepierer, der mich persönlich nicht überzeugen konnte.


Letztendlich liegt das wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters: Diverse Kritiken zu diesem Werk lassen erkennen, dass manch einer regelrecht in Begeisterung verfallen ist, doch in meinen Augen beinhaltet "Inferno unter heißer Sonne" viel zu viele augenscheinliche Defizite, als dass man von einem überzeugenden Gesamtwerk sprechen könnte. Eine äußerst holprig erzählte Geschichte, größtenteils schwaches Schauspiel und kaum aufkommende Spannung sind als die auffälligsten Mankos auszumachen. Und die fehlende dichte Grundstimmung setzt dem Ganzen die Krone der Unzulänglichkeiten auf. Zwar ist die DVD-Auswertung von Camera Obscura einmal mehr in gewohnt guter Qualität erfolgt, doch dieser Umstand kann den schwachen Genre-Beitrag nicht sonderlich aufwerten, so dass man am Ende selbst mit Bonus nur zu einem durchschnittlichen Eindruck gelangen kann.

Als Nummer sechs ihrer "Italian Genre Cinema Collection" veröffentlicht das ambitionierte Label den Genre-Beitrag mit Anthony Steffen in der Hauptrolle anamorph kodiert im Originalformat von 2,35:1. Qualitativ gibt es kaum etwas zu bemängeln. Das Widescreen-Bild zeigt sich sauber und ruhig, Defekte und Verschmutzungen stellen kein Problem dar, denn sie sind kaum existent. Das Material scheint neu abgetastet worden zu sein, denn die Schärfe und Detailwiedergabe ist für einen Film aus dem Jahre 1972 auf einem konstant hohen Niveau. Nur selten fällt die Schärfe minimal ab, wobei unschärfere Einstellungen eher den technischen Bedingungen während der Produktion zu verdanken sind. Konturen werden sauber gezeichnet und neigen weder zu Doppelkonturen noch zu Treppenmuster. Selbst auf großen Betrachtungsflächen erzeugt die DVD eine gute Plastizität mit ausreichend Tiefe und einer gelungenen Durchzeichnung. Dies ist nicht zuletzt dem hervorragenden Kontrast zu verdanken. Dieser balanciert helle und dunkle Bildbereiche perfekt aus, ohne Details zu verschlucken oder helle Flächen unschön zu überstrahlen. Der Schwarzwert wurde gut gewählt, wirkt nicht zu tief und auch nicht zu blass, während die satten und kräftigen Farben den positiven Gesamteindruck unterstreichen. Bildrauschen spielt keine große Rolle, und die Kompression bleibt tadellos im Hintergrund. Eigentlich schade, dass es bisher keine HD-Version gibt.


Auch der deutsche Mono-Mix, der auf die beiden Frontkanäle gelegt wurde, klingt aufgeräumt und dem Alter entsprechend weder auffällig dumpf noch kratzig. Verzerrungen im Dialogbereich sind gering, und Musik und Nebengeräusche werden sauber und klar wiedergegeben. Natürlich sollte man hier keinen Dynamikumfang erwarten, doch für eine mehr als 40 Jahre alte Synchronisation ist der Zustand ausgezeichnet. Rauschen und altersbedingte Defekte sind ebenfalls nur geringfügig herauszuhören. Die damals gekürzten Szenen liegen in Italienisch mit deutschen Untertiteln vor. Da kann der italienische Monoton nicht mithalten, denn er klingt sehr dumpf und die Stimmen sind kratzig bzw. zischen hörbar. Verzerrungen im Hochtonbereich sind sehr störend und gehen zu Lasten der restlichen Geräuschkulisse. Defekte und Rauschen sind auch kaum wahrzunehmen, und auf Wunsch lassen sich deutsche und englische Untertitel hinzuschalten. Dennoch sollte man den Film in der deutsch synchronisierten Fassung genießen.


Eigentlich enttäuschend, aber für "Inferno unter heißer Sonne" gibt es doch tatsächlich keinen Audiokommentar mit den üblichen Verdächtigen. Dafür gibt es neben dem deutschen Trailer und einer Bildergalerie noch zwei sehenswerte Features. "Shot in Haiti" ist ein 31-minütiges Interview mit Drehbuchautor und Regisseur Giampaolo Lomi. Dieser spricht über die Entstehung des Films, seinen Wunsch auf Haiti zu drehen sowie die Dreharbeiten und Darsteller. "Bruschini's Place" fällt mit 12 Minuten etwas kürzer aus und ist eine kleine Abhandlung des mittlerweile verstorbenen italienischen Filmhistorikers Antonio Bruschini, der interessante Hintergründe zu den Dreharbeiten und der Regieaufteilung zwischen Mulargia und Lomi bespricht. Auch im Bonusmaterial kann zwischen deutschen und englischen Untertiteln gewählt werden. Zweisprachig geht es auch im 8-seitigen Booklet von Christian Keßler weiter, der für diese Veröffentlichung einen lesenswerter Text zum Film beisteuert.


Wir waren sehr gespannt auf diesen Giallo "unter heißer Sonne", doch nach der Sichtung stellte sich verhältnismäßig schnell die Ernüchterung und Enttäuschung über das Gesehene ein. Von den wirklichen Größen seiner Gattung ist der Film soweit entfernt wie die Sonne von der Erde, und so kann man dieses Werk nicht in einem Atemzug mit Meisterwerken wie Interner Link"Der Killer von Wien" oder Interner Link"Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" nennen. Technisch gibt es allerdings nichts auszusetzen. Camera Obscura liefert mit dieser auf 2000 Stück limitierten DVD eine Top-Veröffentlichung ab. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Ausgeliefert wird die Edition wie gewohnt im Digipack mit Schuber.


Film+++---
Bild++++/-
Ton+++---
Bonus++/---


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News"Inferno unter heißer Sonne" (Italian Genre Cinema Collection No. 6) ab April 2012
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