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IT 1972
Originaltitel:Bianco vestito per Marialé, Un
Alternativtitel:Awaited Death
aka. Bianco vestito per Mariale - Spirits of Death, Un
aka. Bianco vestito per Mariale, Un
aka. Exorcisme tragique
aka. Mueta espera, Lo
aka. Spirits of death
aka. White Dress for Mariale, A
Länge:84:40 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Romano Scavolini
Buch:Remigio Del Grosso, Giuseppe Mangione
Kamera:Romano Scavolini
Musik:Fiorenzo Carpi, Bruno Nicolai
Darsteller:Ida Galli, Ivan Rassimov, Luigi Pistilli, Pilar Velázquez, Ezio Marano, Giancarlo Bonuglia, Gianni Dei, Edilio Kim, Gengher Gatti, Giancarlo Bonuglia, Shawn Robinson, Carla Mancini
Vertrieb:Camera Obscura
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Italienisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Audiokommentar (Englisch)
Verpackung:DigiPack
DVD-Start:01.06.2013 (Kauf)
Specials:
  • 12-seitiges Booklet mit einem Text von Kai Naumann
  • Audiokommentar mit Christian Keßler und Marcus Stiglegger
  • Featurette "Esoteric & Cryptic" (36:40 Min.)
  • Entfallene Szenen (4:42 Min.)
  • Italienischer Trailer (3:25 Min.)
  • Französischer Trailer (3:25 Min.)
  • Fotogalerie (17 Bilder)
Als Kind muss Marialé gar Schreckliches erleben: Ihr Vater erwischt ihre Mutter inflagranti bei einem außerehelichen Techtelmechtel und reicht darauf per Schusswaffe die Scheidung ein. Jahre später ist aus der traumatisierten kleinen Marialé eine erwachsene Frau geworden. Fast ohne Kontakt zur Außenwelt verbringt sie ihr Leben im düsteren Schloss ihres argwöhnischen Ehemannes. Eines Tages jedoch beschließt Marialé, einige Freunde übers Wochenende einzuladen. Doch als die dekadente Party sich in eine zügellose Orgie verwandelt, geschieht der erste grausame Mord. Und das ist nur der Auftakt zu einem scharlachroten Blutbad von epischer Eleganz ...
Schon die Anfangssequenz dieses großartigen Filmes deutet darauf hin, dass der Zuschauer es mit einem Werk voller Ästhetik und kraftvollen Bildern zu tun bekommt. Gleichzeitig erkennt man nach einer relativ kurzen Zeitspanne, dass "Un bianco vestito per Marialé" von Romano Scavolini nicht zu den ansonsten üblichen Vertretern des italienischen Giallo zu zählen ist, sondern eher eine kleine Ausnahmestellung einnimmt. Dies ergibt sich schon allein durch die Erzählweise der dargestellten Ereignisse. Denn die eigentliche Mordserie, die bei dieser Art von Film sonst im Vordergrund steht, nimmt hier eine beiläufige Rolle ein und startet auch erst, nachdem schon gut zwei Drittel der Geschichte erzählt wurden. Das Szenario beginnt mit einer in der Vergangenheit angesiedelten Passage, in der einem das grausame Erlebnis der kleinen Mariale näher gebracht wird, die hilflos mit ansehen muss, wie ihr Vater zuerst seine Ehefrau und deren Geliebten und danach sich selbst erschießt. Auf diesem traumatischen Erlebnis baut sich dann die Story auf, wobei die wichtigen Zusammenhänge erst mit der Zeit immer klarer in den Vordergrund treten.
Nun handelt es sich nicht um den typischen Giallo, in dem die Suche nach der Identität des Killers und dessen Motivlage im Fokus stehen, denn schon beim Durchlesen der Inhaltsangabe kann der geneigte Fan erkennen, auf welche Lösung es am Ende hinausläuft. Doch dieser Aspekt ist auch längst nicht das Wichtigste in dieser extrem gelungenen Genre-Mixtur.


Bevor sich nämlich die eigentlichen Thriller-Elemente richtig zu erkennen geben, vergeht geraume Zeit, in der sich dem Betrachter ein teils bizarres Geschehen präsentiert, das in erster Linie durch seine fantastischen Bilder überzeugt. Der Schauplatz des abgelegenen Schlosses vermittelt einem dabei einen Hauch von Gothic-Flair, das im Zusammenspiel mit einer ausartenden Orgie eine Grundstimmung vermittelt, die sich nur schwerlich in Worte fassen lässt. Auch die vollkommen verschiedenen Charaktere der anwesenden Gruppe geben zunächst einige Rätsel auf, kann man diese doch nur schwerlich einordnen. Obwohl eigentlich alle miteinander bekannt und scheinbar sogar befreundet sind, kommt es untereinander zu immer stärkeren Spannungen. Mit zunehmender Laufzeit ist regelrecht spürbar, dass der Gruppe Unheil naht. Als dieses dann in Erscheinung tritt, nehmen die Ereignisse ihren Lauf, und es entwickelt sich eine Gewaltspirale, die anscheinend durch nichts mehr aufzuhalten ist. Die zu Beginn noch fröhliche und ausufernde Stimmung weicht dem nackten Entsetzen, als einer nach dem anderen auf brutalste Art und Weise das Zeitliche segnet, bis es am Ende zu einem unvermeidlichen Showdown kommt, der zwar keineswegs überraschend, aber absolut passend den mehr als stimmigen Gesamteindruck abrundet, der sich mit der Zeit ergeben hat.


Eine ganz große Stärke dieses außergewöhnlichen Genre-Beitrags ist der hervorragende Cast, in dem insbesondere Ida Galli und Ivan Rassimov absolut glänzen können. Allerdings wäre es ungerecht, nur diese beiden grandios agierenden Darsteller zu würdigen, denn die gesamte Darsteller-Riege überzeugt durch sehr viel Spielfreude und Ausdruckskraft, so dass man das Schauspiel generell als absolut hervorragend bezeichnen darf. Ein weiteres Plus ist der brillante Score der Geschichte, denn die musikalische Untermalung von Fiorenzo Carpi und Bruno Nicolai ist eine Labsal für die Ohren und in sämtlichen Passagen des Filmes nahezu perfekt ausgewählt, um die jeweiligen Einstellungen hervorzuheben. So ergibt sich eine brillante Gesamt-Komposition, die "Un bianco vestito per Marialé" eine Ausnahmestellung im Sub-Genre verleiht. Hauptsächlich verantwortlich ist dafür der aufkommende Bilderrausch, in den der Betrachter hineingezogen wird, denn es ist nahezu unmöglich, sich dessen faszinierender Kraft zu entziehen. Die unglaublich ästhetischen Aufnahmen in Verbindung mit dem herausragenden Schauspiel der Akteure versetzen einen fast schon in einen ekstatischen Zustand, den man erst viel später wieder ablegen kann.


Und so ist "Un bianco vestito per Marialé" alles andere als ein handelsüblicher Genre-Vertreter, sondern ein grandioses Kunstwerk, an dem man sich regelrecht berauschen kann. Im Gegensatz zu etlichen anderen Genre-Vertretern wird ein ungewöhnlicher Weg beschritten, was aber keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist, sondern die Ausnahmestellung dieser brillanten Veröffentlichung noch einmal hervorhebt. Romano Scavolini hat ein Fest für Augen und Ohren geschaffen, das ohne Weiteres als zeitloser Klassiker des Cinema Italiano bezeichnet werden muss und jederzeit zu einer neuerlichen Sichtung einlädt.


Camera Obscura veröffentlicht mit "Un bianco vestito per Marialé" die Nummer 11 ihrer begehrten "Italian Genre Cinema Collection". Ein weiterer Titel, den es bisher nicht in Deutschland gab, weshalb man auf eine deutsche Synchronisation verzichten muss. Somit liegt die DVD, welche wie gehabt in einem wertigen DigiPack im Schuber ausgeliefert wird, lediglich im italienischen Original-Mono-Mix vor. Dieser wurde optional deutsch bzw. englisch untertitelt und bietet eine gut verständliche Klangqualität. Der leicht dumpfe Ton ist dem Alter des Materials geschuldet. Dies gilt auch für gelegentlich wahrnehmbares Rauschen oder Knacker, was aber niemals störende Ausmaße annimmt. Im Großen und Ganzen klingt der Mono-Mix, der auf die beiden Stereo-Kanäle gelegt wurde, gut aufgeräumt und sauber. Klangdynamik darf man zwar ebenso wenig erwarten wie eine verzerrungsfreie Sprachwiedergabe, doch insgesamt kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Dialoge zischen zeitweise stark, was aber nur marginal zu Lasten der Verständlichkeit geht. Musik und Nebengeräusche werden ordentlich wiedergegeben, doch auch hier greift das Alter des Materials in die Klarheit der Tonspur ein.

Der anamorphe Transfer liegt im Format von 2,35:1 vor und überzeugt mit einer angenehmen, aber nicht übermäßig hohen Schärfe und einer soliden Detailwiedergabe. Das Bild zeigt eine natürliche, aber durchaus sichtbare Körnung. Eine nachträgliche Filterung fand nicht statt. Kontrast und Farbbalance dürfen als ausgewogen bezeichnet werden, und der Schwarzwert zeigt sich satt und tief. Details werden in dunklen Szene nur selten verschluckt. Unschöne Doppelkonturen aufgrund einer Nachschärfung sind nicht auszumachen, und für einen Film aus den frühen 1970er Jahren wirkt der Transfer sehr frisch und farbenfroh. Defekte und Verschmutzungen sind kein großes Thema, und selbst die Kompression arbeitet unauffällig im Hintergrund.


Überzeugen kann auch das Bonusmaterial. Angefangen mit einem Audiokommentar der beiden von uns sehr geschätzten Filmhistoriker Christian Keßler und Marcus Stiglegger, die sich nicht nur auf den vorliegenden Film konzentrieren, sondern ihr fundiertes Fachwissen über den italienischen Genre-Film sowie die Darsteller und Macher hinter "Un bianco vestito per Marialé" an den Zuhörer weitergeben. Lustig ist, dass sie den Film nicht in den Himmel loben, sondern erklären, warum der Film in ihren Augen nicht wirklich funktioniert. Im 36-minütigen "Esorteric & Cryptic" spricht Regisseur Romano Scavolini über seinen Werdegang als Regisseur und geht auf die Produktionsgeschichte von "Un bianco vestito per Marialé" ein. Des Weiteren enthält die DVD den französischen und italienischen Trailer, eine Bildergalerie sowie knapp 5 Minuten an entfallenen Szenen. Diese sind etwas unspektakulär und teilweise ohne Ton, liegen aber ebenfalls in einer guten Bildqualität und anamorph kodiert vor. Alle Extras wurden, soweit nötig, deutsch und englisch untertitelt. Das 12-seitige Booklet enthält einen informativen Text von Kai Naumann, der, wie in dieser Edition üblich, auf deutsch und englisch abgedruckt wurde.


"Un bianco vestito per Marialé" erzählt eine Geschichte, die den Zuschauer in einen wahren Rausch versetzt, der durch brillant agierende Darsteller, kräftige Bilder und einen äußerst stimmigen Score unterstützt wird. Es ist unmöglich, sich der Faszination des Filmes zu entziehen, der sich doch so wohlwollend von anderen Gialli abhebt und ein nahezu perfektes Film-Erlebnis bietet, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut. Die Veröffentlichung von Camera Obscura ist als absolut gelungen zu bezeichnen, liegt diese Filmperle doch in einer bestechenden Qualität vor und beinhaltet auch noch lohnenswerte Extras, so dass letztendlich ein Gesamtpaket vorliegt, das jedem Liebhaber das Herz im Leibe höher schlagen lässt.


Film+++++/
Bild++++/-
Ton+++---
Bonus++++/-


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