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FR, ESP 1966
Originaltitel:Miss Muerte
Alternativtitel:Dans les griffes du maniaque
aka. Diabolical Doctor Z
aka. Diabolical Dr. Z, The
aka. Diabolique docteur Z, Le
aka. Geheimnis des Doktor Z, Das
aka. Miss Death
aka. Miss Death and Dr. Z in the Grip of the Maniac
Länge:83:28 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Jesús Franco
Buch:Jesús Franco
Kamera:Alejandro Ulloa
Musik:Daniel White
Darsteller:Antonio Jimenez Escribano, Guy Mairesse, Howard Vernon, Mabel Karr, Fernando Montes, Estella Blain, Marcelo Arroita Jauregui, Alberto Bourbon, Ana Castor, Alberto Dalbés, Jesus Franco, Cris Huerta
Vertrieb:Subkultur Entertainment
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,66:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0 Mono
Sprache:Deutsch, Französisch
Untertitel:Deutsch, Französisch, Audiokommentar
Verpackung:KeepCase mit O-Card Schuber
DVD-Start:21.12.2012 (Kauf)
Specials:
  • 8-seitiges Booklet
DVD 1: Französische Kinofassung (83:28 Min.)
  • Einführung von Regisseur Jess Franco bei Disc-Start (3:36 Min.)
  • Audiokommentar von Tim Lucas
  • Original-Trailer (1:02 Min.)
  • Bildergalerie (5:16 Min.)
  • Restaurierte Deutsche Kinofassung (82:52 Min.)
  • Hidden Feature
DVD 2: Deutsche Kinofassung (82:52 Min.)
  • Diverse Hidden Features
  • Deutscher Trailer (2:47 Min.)
  • Jess Franco Filmographie
  • Bildergalerie (5:03 Min.)
Der geniale, aber exzentrische Wissenschaftler Professor Zimmer entwickelt eine Technik, mit der die Menschen kontrollieren kann. Als er seine Entdeckung einem neurologischen Kongress vorstellt, erteilt ihm dieser ein Berufsverbot. Am Boden zerstört, erleidet Professor Zimmer einen Herzinfakt. Doch seine Tochter schwört, seine Arbeit fortzusetzen. Gleichzeitig sinnt sie nach Rache für den Tod ihres Vaters. In der exotischen Tänzerin Nadia findet sie das perfekte Instrument, ihren perfiden und sadistischen Racheplan in die Tat umzusetzen.
Ein gewisses Faible für Ärzte scheint Jess Franco ja schon zu haben. Zu seinen frühsten Erfolgen zählte Interner Link"Der schreckliche Dr. Orloff" ("Gritos en la noche" / "The Awful Dr. Orloff", 1962). Titelgebender Dr. Orloff wird hier sogar von Dr. Zimmer erwähnt, und später gab es dann z. B. noch Dr. Johnson in Interner Link"Sie tötet in Extase" oder Dr. Flamand in Interner Link"Faceless" ("Les prédateurs de la nuit", 1988) sowie einige andere Arzt- oder "Mad Scientist"-Figuren. Der später entstandene Interner Link"Sie tötete in Extase" hat mit "Das Geheimnis des Doktor Z" sogar einiges gemeinsam und wirkt wie ein Remake. Durch die Abweisung durch seine Kollegen stirbt der Arzt in beiden Filmen, und seine Frau bzw. Tochter beginnt einen Rachefeldzug. Im Gegensatz zu "Das Geheimnis des Doktor Z" setzt sich die Frau in Interner Link"Sie tötete in Extase" selbst als Köder ein, während hier eine hübsche Frau von der verbliebenden Tochter manipuliert und vorgeschickt wird. In diesem Sinne nimmt "Das Geheimnis des Doktor Z" sogar etwas von Terence Fishers Interner Link"Frankenstein schuf ein Weib" ("Frankenstein created Woman", 1967) vorweg, wo jener Doktor ein weibliches Wesen reanimiert, das dann zu morden beginnt.


Dabei ist ein Film entstanden, der zwar inhaltlich eigentlich pures Exploitationkino darstellt, aber durch die Inszenierung durchaus etwas Stil entwickelt und auch die eine oder andere gut gemachte, atmosphärische Szene zu bieten, allerdings auch mit kleineren Längen zu kämpfen hat. Nach dem Prolog des Films, wo der Häftling Bergen aus dem Gefängnis flüchtet, ist man direkt bei Zimmer in seinem Labor, wo er eine seltsame Maschine bedient. Diese hat zwei extrem lange mechanische Arme, die nicht wirklich stabil aussehen und Geräusche entwickeln, als ob alles gleich zusammenbräche. Von der Gefängnisflucht direkt in einen Science-Fiction-B-Movie der 1950er? Nicht ganz, aber der erste Eindruck geht durchaus in diese Richtung. Die Manipulation der Opfer wirkt daher auch etwas banal und billig gelöst, indem ihnen nur irgendwelche Elektroden in die Körper gebohrt werden und auf einer Armatur einige Lichter leuchten. Den größten Trash-Faktor erreicht der Film immer dann, wenn diese Apparatur ins Spiel kommt.


Worin "Das Geheimnis des Doktor Z" allerdings durchaus zu gefallen weiß, ist die Kameraarbeit von Alejandro Ulloa. Stellenweise gibt es wirklich gelungene Bildkompositionen und Kamerafahrten. Zum Beispiel wenn Irma in der Totalen einsam im Strandcafe sitzt, Dr. Vicas Begegnung im abgedunkelten Zugabteil mit Nadja, die Verfolgung Moronis durch nebelverhangene Gassen oder diverse Einstellungen von Estella Blain als Nadja. Hier wurden die Szenen noch schön herausgearbeitet und entstanden nicht auf die Schnelle, wie es später bei Franco der Fall sein sollte, wenn er teilweise zwei Filme gleichzeitig drehte. Es gibt sogar eine Einstellung von einer Wendeltreppe, wie man sie aus Mario Bavas Interner Link"Die toten Augen des Dr. Dracula" ("Operazione paura", 1966) kennt. Und für einen Jess Franco-Film schon erstaunlich, wurde hier fast komplett auf Zooms verzichtet. Der Soundtrack von Daniel White unterstützt die Handlung entweder mit jazzigen Kompositionen oder Stücken, die mehr wie Klangcollagen wirken und so eine eher verstörende Wirkung erzielen. Diese werden dann auch meist in den spannungsgeladeneren Szenen eingesetzt.


Mit der Spannung ist es allerdings so eine Sache. Zwar versucht der Film durchaus, dichtere Thrillermomente aufzubauen, so ganz will dies allerdings nicht glücken, da es doch ein wenig an der Ausführung hapert, und etwas dumme Momente fallen doch auf. Auf eine Warnung Irmas hört Barbara natürlich nicht, was sich als fatal erweist. Irma verbrennt sich ihr Gesicht, weil sie am Auto hantiert, nachdem sie es entzündet hat, und Irmas vorheriger Liebhaber erkennt nicht mal, dass die gefundene Leiche nicht Irma ist. Die Handlung bleibt relativ vorhersehbar, und der größtenteils ruhige Erzählstil lässt nur selten etwas mehr Tempo zu. Es fehlt an Elan in der Erzählung, allerdings ist der Film mit 83 Minuten auch nicht gerade sehr lang geraten.


Einen weiteren Pluspunkt kann sich "Das Geheimnis des Doktor Z" aber immer dann erarbeiten, wenn Estella Blain ins Bild rückt. Ins passende Licht getaucht, kann die Blondine durch ihre Ausstrahlung und ihr Gesicht manche Szenen alleine tragen und verkörpert sowohl körperliche Lust als auch Angst vor weiteren Gewalttaten. Sie ist es auch, die für etwas Sex-Appeal sorgt. Wer jetzt allerdings einen Sleazer erwartet, wie man es z. B. von Francos Produktionen aus 1970er oder späteren Jahren kennt, der dürfte enttäuscht werden. Der Film entstand 1966, und damals konnte man noch nicht direkt so viel zeigen. Selbst Franco beschränkt sich hier auf Andeutungen oder erotische Kleidung. Sehr positiv fallen auch die vereinzelt eingestreuten surrealen Szenen auf. Nadjas Tanz, die Bändigung Nadjas durch Irma mit Stuhl und Peitsche wie bei einem Zirkustier, und mit einem Faustkampf im Finale, der in ein klassisches Schwertduell eines Abenteuerfilms mündet, hätte man nun auch nicht unbedingt gerechnet. Der Beginn des Films in den Gefängniskatakomben während eines Gewitters lässt sogar Erinnerungen an klassische Universal-Horrorstreifen wach werden.


In Jess Francos gesamten Werk betrachtet, bietet "Das Geheimnis des Doktor Z" einige Elemente, die man im Laufe seiner Karriere immer wieder in seinen Filmen finden wird. Der Doktor, ein Rachemotiv, ein erotischer Tanz in einem Nachtclub, die folgenschwere Verführung mehrerer Männer durch eine Frau usw. Dabei hat der Film aber im Gegensatz zu den meisten seiner späteren Filme durch die durchdachte Belichtung und die gute Kameraarbeit eine gehobene Qualität. Inhaltlich ist dies Werk, das zu den letzten von Francos schwarz-weiß-Horrorphase gehörte, etwas wechselhaft ausgefallen, rein produktionstechnisch aber mehr als zufriedenstellend. Franco-Fans sollten auf alle Fälle einen Blick riskieren.


Jess Franco ist außerdem selbst auch noch als Polizeiinspektor zu sehen, der sich ständig über zu wenig Schlaf beschwert, weil seine Frau Drillinge bekommen hat. Auch Soundtrackkomponist Daniel White spielt hier eine Nebenrolle als Scotland-Yard-Inspektor Green (wobei man sich allerdings die Frage stellt, warum man bei einem Mordfall in Österreich die Hilfe von Scotland Yard benötigt). Daniel White sollte noch viele Filme Jess Francos vertonen. Die Zusammenarbeit zieht sich über den Verlauf der ganzen Karriere beider Personen. Als Drehbuchautor betätigte sich auch Jean-Claude Carriere, der schon mit Luis Buñuel z. B. an "Tagebuch einer Kammerzofe" ("Le journal d'une femme de chambre", 1964) oder "Belle de Jour - Schöne des Tages" ("Belle de Jour", 1967) mitarbeitete.


Antonio Jiménez Escribano sah man sonst in Nebenrollen in Interner Link"Minnesota Clay" (1965), Interner Link"Die Vampire des Dr. Dracula" ("La Marca del Hombre-lobo", 1968) oder Interner Link"Das Geheimnis von Schloß Monte Christo" ("Ivanna", 1970). Guy Mairesse spielte in Thrillern oder Western wie "Netz der Angst" ("Avec la peau des autres", 1966) bzw. Interner Link"Sie verkaufen den Tod" / "Der Dicke und das Warzenschwein" ("Una Ragione per vivere e una per morire", 1972) mit. Howard Vernon sollte ja auch zeitlebens ein treuer Begleiter in Francos Werken bleiben und war nach diesem Film auch in "Necronomicon - Geträumte Sünden" (1968) oder Adrian Hovens "Im Schloß der blutigen Begierde" (1968) dabei.


Estella Blain hieß gebürtig Micheline Estallatund und wurde 1934 in Paris geboren. Sie stand an der Seite von Lino Ventura in "Das Raubtier rechnet ab" ("Le fauve est lâché", 1959) vor der Kamera, in dem französischen "Die nach Liebe hungern" ("Les Dragueurs", 1959), neben Lex Barker in "Die Küste der Piraten" ("I pirati della costa", 1960) oder auch dem Romy Schneider-Vehikel "Das wilde Schaf " ("Le mouton enragé", 1974). Sie starb allerdings 1982 tragisch, indem sie sich mit einer Pistole selbst das Leben nahm. Mabel Karr, die eigentlich Mabel Campolongo hieß, war bis zu seinem Tode die Ehefrau des Schauspielers Fernando Rey. Zu ihren bekannteren Werken gehören Interner Link"Der Koloß von Rhodos" ("Il Colosso di Rodi", 1961), "Im Netz der goldenen Spinne" ("Missione speciale Lady Chaplin", 1966) oder "The Killer Tongue" (1996).


Das anamorph kodierte Bild liegt im Format von 1,66:1 vor und kann sich in Angesicht des Alters sehen lassen. Das Schwarzweißbild überzeugt mit einem ordentlichen Kontrastwert und arbeitet die Graustufen sauber aus, wobei in dunklen Szenen die Durchzeichnung nicht immer optimal ist und feine Details oft absaufen. Verschmutzungen und Defekte sind kaum wahrzunehmen, und auch der Bildstand fällt sehr ruhig aus. Die Konturen könnten etwas knackiger wirken, und die Schärfe ist nicht sonderlich ausgeprägt. Zudem wirkt das Bild etwas gefiltert und zeigt sich schwammig und kaum detailliert. Bildrauschen ist konstant wahrzunehmen, fällt aber nicht sonderlich störend auf. Insgesamt ein ordentlicher Schwarzweiß-Transfer der ungekürzten französischen Fassung, bei dem die Kompression im Hintergrund leider zu unruhig arbeitet.


Der deutsche Monoton wurde entrauscht und klingt aufgeräumt. Es gibt kaum Verzerrungen, selbst im Hochtonbereich klingen die Stimmen weitgehend natürlich, und die Musik wurde ebenfalls klar abgemischt. Altersbedingte Dumpfheit fällt nicht sonderlich störend auf. Der französische Mono-Track klingt dem deutschen Pendant sehr ähnlich, fällt insgesamt aber natürlicher aus. Jedoch klingt der Mix auch etwas klirrender als das deutsche Pendant. Deutsche Untertitel sind optional.
Dies gilt auch für den Audiokommentar vom Filmkritiker Tim Lucas, der förmlich im Sekundentakt Unmengen Hintergrundinformationen zu der Produktion, den Darstellern und dem Stab abliefert. Das ist teilweise extrem anstrengend und bedarf drei oder auch vier Anläufe, um die lexikalischen Ausmaßen des Kommentares zu erfassen. Er spricht über diverse Szenen, über Standfotos, deren Sequenzen in der fertigen Fassung nicht auftauchen und natürlich auch über Jess Franco. Herausragend, aber schon fast zu viel des Guten ...

Vor dem Hauptfilm gibt es noch ein 4-minütiges Grußwort Francos, das in Berlin anlässlich einer Hommage an sein Werk aufgenommen wurde. Zudem befinden sich auf der Disc der Original-Trailer zum Film sowie eine Bildergalerie. Als besonderer Höhepunkt darf die um knapp 30 Sekunden gekürzte deutsche Kinofassung in restaurierter Form bezeichnet werden. Die alte Filmkopie, die es in unbearbeiteter Form auf die zweite DVD geschafft hat, wurde liebevoll aufgearbeitet und schaut sehr ansprechend aus, ohne den nostalgischen Flair einer Kinorolle zu verfälschen. Die Fassung kann man wahlweise in deutscher oder französischer Sprache gucken. Man darf sogar sagen, dass diese bildtechnisch etwas besser aussieht und nicht so schwammig und gefiltert wie die französische Version.

Erwähnenswert ist auch der filmhistorische Aspekt beider Fassungen. In der deutschen Kinoversion wurden nicht nur unzählige Bildpassagen eingedeutscht, sondern der titelgebende Doktor Dr. Zimmer in Dr. Zarowski umbenannt. Verweise zur Nazizeit zu Beginn des Films wurden entfernt bzw. anders übersetzt. Somit wurden alle Hinweise Francos auf Deutschland vom damaligen Inter-Verleih gekonnt zensiert. Neben der unbearbeiteten Kinofassung mit altersbedingten Abnutzungserscheinungen als Beilage auf der zweiten Disc, befinden sich hier noch ein deutscher Trailer, eine weitere Bildergalerie und eine Auswahlfilmographie zu Jess Francos Schaffenswerk. Hidden Features sind zudem auf beiden DVDs vorhanden. Das achtseitige Booklet enthält ein Essay von Stephan Oberparleiter, der sehr ausführlich auf den Kultregisseur, die vielen Mitwirkenden der Produktion und den Film selbst eingeht.


Mit "Das Geheimnis des Doktor Z" veröffentlicht Subkultur einen frühen Klassiker des 2013 leider verstorbenen Exploitation-Regisseurs Jess Franco. Als Nummer 1 in der "Edition Grauwert" liefert man eine überzeugende Veröffentlichung ab, die in keiner Franco-Sammlung fehlen darf. Limitiert auf 1000 Stück enthält die 2-Disc Edition kein richtiges Cover für das KeepCase, dafür aber einen O-Card-Schuber mit dem alten deutschen Kinomotiv. Die zwei DVDs sind Pictures-Discs und sehen wie Filmrollen aus. So etwas bekommt man selten zu Gesicht. Es sollte zudem erwähnt werden, dass es keine Selbstverständlichkeit für ein kleines Label ist, Audiokommentare deutsch zu untertiteln. Unsere regelmäßigen Leser wissen, dass wir sehr viel Wert auf eine deutsche Untertitelung legen. Deswegen nochmal ein großes Lob an das aufstrebende Label. Weiter so!


Film++++--
Bild+++---
Ton++/---
Bonus++++/-


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Geheimnis des Dr. Z, Das (Edition Grauwert No. 1)
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