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RS 2009
Originaltitel:Zivot i smrt porno bande
Alternativtitel:Life and Death of a Porno Gang, The
Länge:107:20 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Mladen Djordjevic
Buch:Mladen Djordjevic
Kamera:Nemanja Jovanov
SFX:Miroslav Lakobrija
Darsteller:Mihajlo Jovanovic, Ana Jovanovic, Predrag Damnjanovic, Radivoj Knezevic, Srdjan Jovanovic, Ivan Djordjevic, Bojan Zogovic, Natasa Miljus, Aleksandar Gligoric, Mariana Arandjelovic, Srdjan Miletic, Nemanja Jovanov
Vertrieb:Bildstörung
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,97:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Serbisch
Untertitel:Deutsch, Englisch
Verpackung:im Pappschuber
DVD-Start:01.07.2011 (Kauf)
Specials:
  • 28-seitige Booklet
  • Audiokommentar mit dem Regisseur Mladen Djordjevic und dem Kameramann Nemanja Novanov
  • Kommentierte Bildergalerie (22:18 Min.)
  • Behind the Scenes (26:57 Min.)
  • Interviews:
    • Regisseur Mladen Djordjevic (41:21 Min.)
    • Kameramann Nemanja Jovanov (24:02 Min.)
  • Deleted Scenes:
    • Sremska Trava Zaborava (4:18 Min.)
    • Der erste Kameramann (3:58 Min.)
    • Der Dorftyrann (7:25 Min.)
    • Lapot (0:44 Min.)
  • "Gespenster des Krieges" - Auszüge aus dem Dokumentarfilm "Warriors" (13:22 Min.)
  • "Der weiße Quaida" - Auszüge aus dem Dokumentarfilm "Ali Hamads Story" (12:16 Min.)
Eros und Thanatos ...
Als der junge Filmabsolvent Marko sich voller Ideale und Tatendrang daran macht, das serbische Kino zu revolutionieren, muss er bald feststellen, dass niemand auf ihn gewartet hat. Nach ein paar Werbeclips, die an seinen ausgefallenen Ideen scheitern, heißt es für ihn bald: Endstation Porno. Doch so leicht gibt er nicht auf. Angetrieben von der großen Vision bricht er mit einer bunten Truppe unangepasster Rebellen auf, um mit einem Live-Porno-Cabaret das ländliche Serbien ordentlich aufzumischen. Sex and Drugs and Rock 'N' Roll! Doch die Realität siegt. Nach ausbleibendem Erfolg und einigen unerfreulichen Begegnungen mit "rechtschaffenen Bürgern" scheint das Ende nah. Da taucht plötzlich ein Mann auf und macht Marko ein unerhörtes Angebot ...
In den jungen Menschen von Belgrad brodelt es, verrät Regisseur Mladen Djordjevic in einem Interview zu seinem Film "Život i smrt porno bande", hierzulande als "Leben und Tod einer Pornobande" vertrieben. Und ein Blick auf das serbische Kino bestätigt dies, befasst sich doch nicht nur Djordjevics Spielfilmdebüt mit dem historiokulturellen Erbe des Kosovokriegs, sondern zuletzt auch Srđan Spasojević mit seinem Enfant terrible Interner Link"A Serbian Film" (OT: Interner Link"Srpski film"). Beide Filme arbeiten die Narben auf, die dieser Konflikt hinterlassen hat, und auch die Wunden, die der Westen immer wieder neu aufreißt. Die ähnliche Intention beider Filme ist evident, auch wenn Djordjevic letztlich einen anderen Weg als Spasojević einschlägt.


Hier spielt Mihajlo Jovanovic den jungen Marko, einen Filmschulabsolventen, der letztlich in der Pornobranche versackt. Cumshots statt Arthouse also. Die neue Zielrichtung gibt Markos Arbeitgeber, der tyrannische Porno-Produzent Cane (Srdjan Miletic), sogleich vor: "Das hier hat nichts mit Kunst zu tun. Das ist reines Handwerk". Umso zorniger gerät Cane, als Marko dennoch einen Hybriden aus Arthouse, Porno und Horror abliefert. Nun schuldet Marko seinem Boss Geld und ergreift die Flucht - gemeinsam mit anderen Leidensgenossen. Als ihr ambitioniertes Porno-Kabarett in Belgrad verboten wird, tingeln sie mit einem Bus durch die Dörfer. Doch hier soll ihr eigentlicher sozial-moralischer Niedergang erst anfangen.


"Das Gefühl immer tiefer zu sinken, hat mich ausgefüllt, im positiven Sinne", bemerkt Marko zu Beginn. Derart besessen von seinen künstlerischen Ambitionen lässt er sich nicht einmal von der Bombardierung Belgrads 1999 oder dem Sturz von Slobodan Milošević ablenken. Nach Markos Auffassung wollen die Menschen Neues und Außergewöhnliches sehen, daher auch seine Idee zum Porno-Theater. Anfang 2001 geht er mit dem Bodensatz der jugoslawischen Gesellschaft (zwei gescheiterte Schauspielerinnen, ein Voyeur, ein Dorftrottel, ein Transvestit, zwei Drogenjunkies und zwei aidskranke Schwule) auf "Tournee". Ihr Ziel: Die Landsleute sexuell zu erziehen. Wie sich herausstellt eine Mission: Impossible.


Vom Hof gejagt, eingesperrt und sogar vergewaltigt wird Markos illustre kleine Gruppe. An sexueller Erziehung ist das kriegsverstörte Volk nicht interessiert, dafür erweckt das Porno-Theater die Aufmerksamkeit des deutschen Kriegskorrespondenten Franz (Srboljub Milin), der sich in den Balkan verliebt hat ("Eine beeindruckende Mischung aus Grausamkeit und Kreativität") und nun Snuff-Filme für westliche Kunden produziert. Notgedrungen lassen sich Marko und Co. hierzu rekrutieren und instrumentalisieren. "Wahre Künstler sollten das ausloten, was andere noch nicht gewagt haben", becirct Franz seinen neuen Protege. Und tatsächlich nutzt Marko verstärkt die Snuff-Filme als Forum seines kreativen Prozesses.


Ähnlich wie in Interner Link"Srpski film" trifft das Publikum also auch in "Život i smrt porno bande" auf einen Bruder in der Pornoindustrie und einen Bruder bei der Polizei. Und in beiden Fällen verkommt das Pornografische schlussendlich zum Morden, wenn Porno-Darsteller beginnen, in Snuff involviert zu werden. Aus Künstlern werden somit Kriminelle. "Sex und Tod passen perfekt zusammen", behauptet Franz und ruft zugleich die Verknüpfung von Eros und Thanatos in Erinnerung, die auch Djordjevic nicht müde wird im Bonusmaterial anzusprechen. Wobei diesem Thanatos nichts mehr von seiner ursprünglichen griechischen Versprechung eines sanften Todes zu tun hat. Gestorben wird hier stattdessen blutig und gewalttätig.


Zu Opfern verkommen dabei nicht Unschuldige, sondern willentliche Opfer, die sich für Geld vor der Kamera abschlachten lassen. Zuerst ein psychisch-labiler Masochist, dann ein todkranker Kriegsverbrecher und irgendwann führt das Ganze zu Lapot, einem legendären serbischen Brauch des Senizids. Zu diesem Zeitpunkt ist die Pornobande schon zu einem Teil versprengt. Sie seien gekommen, um zu ficken, nicht zu töten, heißt es an einer Stelle. Das Handeln der Gruppe zieht erwartungsgemäß Konsequenzen nach sich, die in den meisten Fällen nicht sonderlich schön verlaufen. Bis das Gefühl, immer tiefer zu sinken, Marko endgültig ausfüllt - nur inzwischen nicht mehr im positiven, sondern negativen Sinne.


Nun bietet "Život i smrt porno bande" unterschiedliche Lesarten an. So lässt sich Djordjevics, wie auch Spasojević, filmische Inszenierung von pornographischem Inhalt als kulturell-liberale Aufarbeitung verstehen, wie sie auch zum Beispiel von Pedro Almodóvar nach Francos Tod in der Madrider Bewegung entstand. Man zeigt, was man vorher nicht durfte - in doppelter Hinsicht. Zugleich wird auch ein vom Krieg gebeuteltes Volk präsentiert, teils sogar sprichwörtlich verunstaltet. Der Staatsapparat ist wie bei Spasojević durchzogen von Korruption, während einfache Serben gezwungen werden, zur Unterhaltung des Westens eine für diesen "beeindruckende Mischung aus Grausamkeit und Kreativität" zu liefern.


Grausamkeit und Kreativität als Synonyme für Thanatos und Eros, die Hand in Hand gehen, weil der eine nicht ohne den anderen kann. Nur was lebt, kann auch sterben und somit ist der Tod die natürliche Entwicklung des biologischen Prozesses. Marko wiederum ist im Grunde eine Figur, die an ihrem eigenen Intentionen scheitert. Zwar will er dem serbischen Volk mit seinem Theater voller Transvestismus, Zoophilie und Homosexualität etwas Neues und Außergewöhnliches bieten, für den nächsten Schritt, die Symbiose von Eros und Thanatos, fühlt er sich jedoch selbst noch nicht bereit. So mutiert Marko vom anfänglichen Eros-Opfer, dessen Lebenswillen unterminiert wurde, zum Opfer des thanatos'schen Todestriebs.


Während Spasojević seine Inszenierung ganz in den Dienst seiner sozialpolitischen Botschaft stellte, was sich wiederum auf sein narrativ-dramaturgischen Konstrukt negativ auswirkte, lässt Djordjevics Film dagegen etwas von der kommentatorischen Wucht eines Interner Link"Srpski film" vermissen, präsentiert dafür jedoch die stringentere Handlung. Wo Spasojević seinen Polit-Kommentar in das Gewand eines Torture Porns kleidete, wählte sein Landsmann den Deckmantel des Arthouse-Kinos. Hierbei drehte Djordjevic weitestgehend ohne Beleuchtung und folglich mit natürlichem Licht, dennoch will und kann der pseudo-dokumentarische Charakter von "Život i smrt porno bande" nicht sonderlich überzeugen.
Im Grunde würde sich eine komplementäre Kombi-Box der beiden serbischen Werke anbieten, hat der eine doch politisch mehr zu sagen, während der andere den überzeugenderen Spielfilm darstellt. In beiden Fällen scheint Serbien (noch) hoffnungslos in seiner Vergangenheit gefangen, ein Ausweg für sein Volk nicht möglich. Im direkten Vergleich kann Djordjevics Film dabei als der gelungenere der beiden "Brüder" bezeichnet werden, ohne dass sein Werk jedoch einen sonderlich nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Vermutlich werden "Život i smrt porno bande" und Interner Link"Srpski film" aber nicht die letzten Beiträge ihrer Art gewesen sein. Denn laut Djordjevic brodelt es auch in anderen jungen Menschen von Belgrad.

Bildstörung veröffentlicht "Život i smrt porno bande" auf DVD und Blu-Ray. Bildtechnisch hat sich Djordjevic bewusst für eine semi-dokumentarische Qualität entschieden, was sich auch in der Grobkörnigkeit der Bilder niederschlägt. Diesbezüglich gilt es aufgrund der Intention des Regisseurs deutliche Abstriche in der Schärfe hinzunehmen. Die Farbgebung überzeugt mit schmutzigen, reduzierten Farben, passend zur trostlosen Optik des Films. Der Kontrast ist passend gewählt und je nach Sequenz zeigt das Bild deutliches Rauschen. Die Kompression arbeitet dafür ruhig und sauber im Hintergrund. Klanglich kommt der Ton, hier nur im serbischen Original mit deutschen oder englischen Untertiteln, runder als das Bild daher und verfügt über eine gute Sprachverständlichkeit. Auf einen passenden Raumklang muss man aber leider verzichten, lediglich die Musik erstreckt sich über die Effektkanäle, ansonsten beleibt das Geschehen sehr frontlastig.


Höhepunkt der Veröffentlichung ist jedoch die umfangreiche Ausstattung. Neben klassischen Trailern, einer umfangreichen Bildergalerie und entfallenen Szenen, wartet Bildstörung mit einem 26minütigen Behind-the-Scenes-Bericht auf, welcher unkommentiertes B-Roll-Material zeigt. Im Audiokommentar kommen Regisseur Mladen Djordjevics und Kameramann Nemanja Novanov zu Wort und sprechend über die Dreharbeiten, über die Orte, die technische Umsetzung und die Schwierigkeiten, Schauspieler für das Projekt zu bekommen. Beide werden auch noch einmal interviewt. Im 41minütigen Interview des Regisseurs geht dieser ausführlich auf seine Karriere ein, spricht natürlich über "Leben und Tod einer Pornobande", sowie über die serbische Filmindustrie. Dem Kameramann Novanov stehen 24 Minuten zu Verfügung. Er erzählt, wie er zum Projekt kam und geht auf die visuelle Gestaltung des Films ein. Zudem spricht er über Interner Link"A Serbian Film", bei dem er selbst als Kameramann beteiligt war. Wie auch der Kommentar, wurden beide Interviews Deutsch untertitelt. Zum Schlus gibt es noch Auszüge aus Mladen Djordjevics Dokumentationen "Warriors" und "Ali Hamad's Story" zu beschauen.


Zusätzlich liegt ein Booklet mit zwei Essays zum Film bei. Djordjevics themennahe Dokumentation "Made in Serbia" hätte das Bild vollends abgerundet, ist jedoch nur in der auf 1.000 Stück limitierten 3-Disc-Editionen enthalten. Das KeepCase wird mit einem Schuber ausgeliefert. Das FSK-Logo befindet sich auf einer Banderrole um den Schuber und kann mühelos entfernt werden. Der Schuber selbst besitzt ein leicht verändertes Front- und Backcover.


Film+++/--
Bild+++/--
Ton++++--
Bonus+++++-


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