Wicked-Vision-Index

Login 18er Bereich

Registrieren

Startseite und Neuigkeiten Reviews
• Filmberichte
• DVD/HD-Reviews
• Bildvergleiche
• Literatur
• Hörspiele Weitere, medienbezogene Informationen
• Hidden Features
• Schnittvergleiche
• Videocover
USA 2010
Originaltitel:True Grit
Länge:105:48 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Ethan Coen, Joel Coen
Buch:Ethan Coen, Joel Coen
Kamera:Roger Deakins
Musik:Carter Burwell
SFX:Steve Cremin
Darsteller:Matt Damon, Jeff Bridges, Josh Brolin, Barry Pepper, Domhnall Gleeson, Hailee Steinfeld, Leon Russom, Elizabeth Marvel, Ed Corbin, Nicholas Sadler, Dakin Matthews, Paul Rae
Vertrieb:Paramount
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2,34:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel:Deutsch, Englisch, Türkisch
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:25.06.2011 (Verleih) / 30.06.2011 (Kauf)
Specials:
  • Trailer vor dem Hauptmenü:
    • Morning Glory (2:10 Min.)
    • Freundschaft Plus (2:20 Min.)
    • Transformers 3 (2:22 Min.)
    • Cowboys & Aliens (2:29 Min.)
  • Matties True Grit (4:59 Min.)
  • Von Reifrock bis Hirschleder - Die Mode um 1880 (7:41 Min.)
  • Die Neuerschaffung von Fort Smith (10:53 Min.)
  • Die Besetzung (5:04 Min.)
Frank Ross wird in einem kleinen Kaff wegen einer Kleinigkeit von dem Feigling Tom Chaney eiskalt erschossen. Seine 14-jährige Tochter Mattie reist an, um den Leichnam abzuholen. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, den Mörder zur Strecke zu bringen. Dafür heuert sie den abgebrühten Haudegen Rooster Coburn an, der widerwillig einschlägt. Die Spur von Chaney führt mitten ins Indianergebiet, wo nicht nur das Mädchen und der alte Mann seine Fährte aufnehmen, sondern auch der Texas Ranger LeBoeuf.
Wenn man nicht genau wüsste, dass es sich bei "True Grit" um ein Remake eines John Wayne-Western aus dem Jahr 1969 handelt, dann hätte diese Story auch ureigenst von den Coen-Brüdern selbst ersonnen sein können. Allein der Gedanke, die treibende Kraft des Geschehens in die Hände eines 14jährigen Mädchens zu legen, passt in seiner Absurdität zum Mikrokosmos des Coenschen Filmuniversums. So betrachtet liegt es nah, dass die Coens sich mit "True Grit" identifizierten konnten, doch sei die Frage gestattet, warum sie diese Story, die damals von ihrer alles überragenden Hauptfigur "Rooster" Cogburn lebte, die John Wayne seinen einzigen Oscar einbrachte, noch einmal erzählen wollten?




Wahrscheinlich genau deshalb, weil die Parallelen zu ihrem bisherigen Filmwerk einerseits so offensichtlich sind, andererseits die Story noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten bot, sie noch konsequenter in ihre bevorzugte Richtung zu bürsten. Das beginnt schon bei Reuben J. "Rooster" Cogburn, die von Jeff Bridges im besten "Dude"-Modus angelegt ist. Immer selbstdarstellerisch glänzend, der Droge Alkohol mehr als zugeneigt, weiß er in penetranter Langsamkeit doch immer, was zu tun ist. Sicherlich im entscheidenden Moment fähiger als der "Dude" in Interner Link"The Big Lebowski", entschlackt Bridges diese Rolle eines alten Westerners endgültig von jeder aufgesetzten Heldenhaftigkeit, ohne ihr die moralische Substanz zu nehmen.
Ähnliches gilt für Matt Damon, als Texas Ranger LaBoeuf. Der Belustigung, der er sich mit seinem an ein Western-Kostüm erinnerndes Outfit zu Beginn ausgesetzt sieht, begegnet er mit stoischer Ernsthaftigkeit. Anders als bei Bridges, dem der Schalk im Nacken sitzt, entsteht der Witz dieser Figur aus seiner völligen Ehrlichkeit und ehernen Moral. Angesichts des Western-Klischees, dass Damon optisch verkörpert, und der irren Umgebung, in der er seiner Aufgabe nachgeht, den flüchtigen Mörder Tom Chaney (Josh Brolin) zu fassen, ist dieser konsequente Verzicht auf jede übertriebene Geste von urkomischer Kraft.




Wenn er der 14jährigen Mattie (Hailee Steinfeld) zu Beginn vermittelt, dass sie bei der Sache als Mädchen nichts zu suchen hat, dann fehlt darin jede Herablassung, die man "Rooster" Cogburn durchaus anmerkt, obwohl er deren Auftrag angenommen hat, den Mörder ihres Vaters zu fassen, und wenn er sich später für seine Fehleinschätzung entschuldigt, dann klingt das nur aufrichtig. Besonders deutlich wird das in einer der komischsten Szenen des Films, wenn sich Cogburn und LaBeouf im Wettschießen auf Maisbrötchen duellieren. Während Cogburn beweisen will, welch hervorragender Schütze er noch im besoffenen Zustand ist, spricht aus LaBeouf nur der Stolz als Texas-Ranger, der selbst nach einem hervorragenden Schuss zuerst die Qualität seines Gewehrs lobt. Durch die Gegenüberstellung dieser zwei so unterschiedlichen, wie eigenständigen Charaktere entstehen in "True Grit" die witzigsten Momente.




Doch die Coens nehmen ihren Film durchaus ernst, wodurch Bridges und Damon erst die Basis für ihr Spiel bekommen - und für diese Ernsthaftigkeit sorgt ausgerechnet das 14jährige Mädchen, das sämtliche Protagonisten an Intelligenz und sympathischer Coolness aussticht. Den Coens gelingt diese emanzipierte weibliche Figur gerade durch den Verzicht auf jede Übertreibung - und auch wenn im Film mehrfach von ihr als hässlich gesprochen wird, ist das natürlich völliger Unsinn, aber Hailee Steinfeld verzichtet auf jede lolitahafte Attitüde oder auch nur leichte Koketterie, ohne deshalb ihre Weiblichkeit zu verleugnen. Ihre Fähigkeiten, Situationen klar einzuschätzen und hart verhandeln zu können, hat sie bei ihrer Arbeit mit dem Vater gelernt und ihre natürliche Überlegenheit, die ohne nerviges Beiwerk auskommt, entspringt einfach der Tatsache, dass die sonstige Ansammlung an Sheriffs und Banditen nur wenig Wert auf Bildung legen.




Die weiteren Figuren im Coenschen Panoptikum können bei dieser Dreier-Konstellation nur noch Nebenrollen einnehmen. Das gelingt ihnen durchaus auf originelle Weise, wie etwa Barry Pepper als nachdenklicher, erstaunlich fairer Gangsterboss oder Josh Brolin als einfältiger Killer. In dieser Figur wird letztlich der entscheidende Schachzug der Coens sichtbar, mit dem sie "True Grit" endgültig ihrem Filmkosmos einverleiben. Tom Chaney ist ein gefährlicher Mörder, aber es bedarf keines Revolverhelden oder charismatischen Bösewichts, um wehrlose Menschen zu erschießen, wie Matties vertrauensvollen Vater oder den texanischen Senator. Die Coens nehmen dem Film damit nicht seine Spannung, die grundsätzlich keine übertriebene Dramatik benötigt, aber ihnen gelingt damit die endgültige Entschlackung der Rache- und Selbstjustiz-Thematik, die der Film prinzipiell erzählt.


Paramount veröffentlicht "True Grit" leider ohne FSK-Wendecover, dafür aber in guter Bild- und Tonqualität. Die warme Farbgebung harmoniert mit dem ausgewogenen Kontrast, der mit einem ordentlichen Schwarzwert aufwartet und selbst in dunklen Szenen kaum Details verschluckt. Die Schärfe könnte insgesamt aber etwas besser sein, weil im Detailbereich noch deutliches Potenzial besteht. Hinzu kommt die leichte Bewegungsunschärfen und die teilweise etwas schwammigen Kanten. Hier hätte auch bei einer DVD das Bild knackiger ausfallen dürfen. Die Kompression arbeitet weitgehend ruhig und störendes Bildrauschen oder Defekte sind nicht auszumachen.
Auch die beiden Abmischungen überzeugen mit einer guten Sprachverständlichkeit. Insgesamt wird ein angenehmer Raumklang geboten, bei dem sämtliche Kanäle ordentlich ins Geschehen einbezogen werden. Filmbedingt sind keine brachialen Soundeffekte zu erwarten und auch direktionale Effekte sind nicht wirklich auszumachen. Dafür kommen Nebengeräuschen und Effekte sehr natürlich aus den Kanälen und der Score sorgt für eine kräftige und durchaus dynamische Soundkulisse. Optional gibt es diverse Untertitel.




Das Bonusmaterial ist leider nicht sehr umfangreich. Neben einer handvoll Trailer zum DVD-Start, gibt es mit "Matties True Grit" ein 5minütiges Featurette über die 14jährige Mattie, die von Hailee Steinfeld gespielt wird. Sie spricht hier ein wenig über ihre Rolle. In "Vom Reifrock bis Hirschleder" wird in 8 Minuten die Mode um 1880 beleuchtet. Macher und Darsteller kommen zu Wort, wir bekommen Aufnahmen vom Set zu Gesicht und erfahren mehr über das Kostüm-Design. Durchaus nett, insofern man sich dafür interessiert. Sehenswert ist auch die 11minütige Dokumentation "Neuerschaffung von Ford Smith". In dieser wird ein sehr ausführlicher Einblick in das Setdesign geboten und erklärt, wie die Macher eine moderne Stadt in das Jahr 1880 zurückversetzten. Das 5 Minuten lange Featurette zur "Besetzung" ist hingegen sehr werbelastig und kaum sehenswert. Ein richtiges Making of oder Trailer zum Film gibt es leider nicht. Dafür wurden sämtliche Featurettes optional deutsch untertitelt.

"True Grit", der so viel wie "wahrer Mut" heißt, wird damit nicht in Frage gestellt, sondern trifft letztlich auf alle drei Protagonisten zu, in seiner von jeder Heroisierung befreiten ureigensten Bedeutung. Die DVD überzeugt mit einem soliden Bild und einem guten Ton, sowie netten Extras. Leider gibt es kein FSK-Wendecover.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus++----


Druckbare Version
IMDb.com OFDb.de



Alle Bilder und Texte sind Eigentum des jeweiligen Rechteinhabers

Copyright by Wicked-Vision 2000-2013/Designed by Daniel Pereé 2000-2013.