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AUS 2009
Originaltitel:Van Diemen's Land
Alternativtitel:Hell's Gate
Länge:100:16 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 18 Jahre
Regie:Jonathan Auf Der Heide
Buch:Jonathan Auf Der Heide, Oscar Redding
Kamera:Ellery Ryan
Musik:Jethro Woodward
SFX:Paul Hasell
Darsteller:Oscar Redding, Arthur Angel, Paul Ashcroft, Mark Leonard Winter, Torquil Neilson, Greg Stone, John Francis Howard, Jonathan Auf Der Heide, Jason Glover, Adrian Mulraney, Ben Plazzer, Matt Wilson
Vertrieb:I-On / Splendid
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,78:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:Digipak
DVD-Start:08.10.2010 (Verleih) / 29.10.2010 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar mit Jonathan Auf Der Weide, Oscar Redding und Ellery Ryan
  • Making Of (26:36 Min.)
  • Originalttrailer (1:41 Min.)
  • Teaser (0:46 Min.)
  • Trailershow:
    • 5150 Elm's Way (2:05 Min.)
    • 7 Days (1:48 Min.)
    • Alexandra's Project (2:15 Min.)
    • In My Skin (1:48 Min.)
    • Martyrium (1:55 Min.)
    • Mysterious Skin (2:09 Min.)
    • Savage (1:24 Min.)
    • The Heart Is Deceitful Above All Love (2:24 Min.)
    • White Lightnin (1:37 Min.)
Australien 1822: Der Verbrecher Alexander Pearce flüchtet zusammen mit sieben anderen aus einem unmenschlichen Gefangenenlager. In der weiten Wildnis von Tasmanien hoffen sie ihren brutalen Verfolgern zu entkommen. Sie ahnen nicht, dass sie für sich selbst die größte Gefahr darstellen. Von Verzweiflung und Hunger geplagt sehen die Flüchtlinge bald nur noch einen Ausweg ... Kannibalismus!
Bitte stellt euch folgende Situation vor. Ihr sitzt in einem Flugzeug, welches abstürzt, und ihr und noch eine paar weitere Überlebende stranden beispielsweise irgendwo in der Einöde der Wüste. Ein paar Tage vergehen und der Hunger wird immer größer, doch Proviant ist keiner vorhanden. Würdet ihr zum Kannibalen werden? Dieser Grundgedanke ist nicht allzu weit hergeholt, sondern hat sich beispielsweise schon bei einem Flugzeugabsturz in den Anden so zugetragen (als Interner Link"Überleben" verfilmt). Aber ob eine solche Extremsituation Kannibalismus rechtfertig? Wer sich nicht in einer derartigen Misere befindet, wird diese hypotethische Frage vermutlich nicht zu beantworten in der Lage sein.



Der Film "Van Diemen's Land" von Jonathan Auf Der Heide beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema, nur dass sich der Handlungsort im australischen Hinterland anno 1822 befindet. Auch bei diesem Verfilmung handelt es sich um einen Fall, der sich so zugetragen haben soll: Innerhalb einer Sträflingskolonie gelingt sieben Gefangenen um den Iren Alexander Pearce die Flucht. Die Tage vergehen und Kälte und Hunger sorgen dafür, dass die ohnehin gewaltbereite Gruppe zum äußersten geht ... der erste Mord aus Hungersnot geschieht und die Gruppe gerät immer stärker aus dem Gleichgewicht.

Die thematische Herangehensweise von Auf Der Heide ist ihm für die Brisanz des Themas außerordentlich gut gelungen. Störend ist allerdings der Gedanke, dass der Handlungsort "Dschungel" eigentlich genug an Essbarem hergeben müsste und sich die Gruppe doch nur bedienen bräuchte. Zwar ist die Gegend des tasmanischen Hinterlandes, bedingt durch die starken Witterungsverhältnisse, alles andere als ein Paradies, doch es scheint etwas hergeholt zu sein, dass man dort so rein gar nichts Verwertes ausfindig machen kann. Auch wenn der Hunger letztlich nachvollziehbar gespielt und inszeniert ist, wirkt er doch ein wenig zu plakativ und macht den Anschein, als ob Auf Der Heide krampfhaft eine Begründung suchte, um seinen Film mit Kannibalismus auszuschmücken. Dabei kommen weitere brauchbare Bedrohungen wie Dauerregen, Schnee und Kälte zum Vorschein, die den Film spannend werden lassen. Die Regie genießt es förmliche, seine Figuren unter diesen unmenschlichen Bedingungen leiden zu lassen, denn es vergeht einiges an Zeit, bis der Erste das Zeitliche segnet und in den Mägen der anderen Beteiligten landet. Allerdings wird das nicht sonderlich explizit zelebriert, es soll sich schließlich viel im Kopf des Zuschauers abspielen.



Die Darsteller liefern eine echte Glanzleistung ab, obwohl ihre Figuren nur oberflächlich behandelt werden. Damit wahrt der Zuschauer eine gewisse Distanz zum Geschehen, u.a. auch, weil keine Identitätsfigur geboten wird. Das wiederum lässt dem Film etwas Zeit, denn der Zuschauer wird kaum Erwartungen stellen. Trotzdem fiebert man später mit der gesamten Gruppe auf ihren Weg mit, ohne sich auf eine einzelne Person zu versteifen, und beobachtet die Konfrontationen quasi aus dem Hintergrund. "Van Diemen's Land" wird deswegen, wegen dieser Kühle und der unbarmherzigen Darstellung als sehr realistisch empfunden. Die musikalische Untermalung untermauert die langsam aufkommende Bedrohung ungemein. Die überwältigende Kulisse wird trotz der eigenwilligen, aber sehr passenden Optik von Ellery Ryan mit der Kamera grandios eingefangen.



Wo wir auch schon beim Bild angekommen wären: Dieses wurde anamorph codiert und besitzt einen sehr eigenwilligen Stil, der die Situation des Films aber treffend wiedergibt. Tagesszenen werden ausgeblichen und völlig unterkühlt dargestellt, während nachts das Bild in Sepia-Tönung getaucht wird. Durch diesen Stil entsteht kaum ein natürlicher Eindruck, lässt den Film aber älter aussehen und die Empfindungen der Darsteller werden treffend rübergebracht. Leichte Unruhen bedingt durch die Kompression sind kaum von Bedeutung, da sie nur bei genauem Hinsehen ersichtlich werden - beispielsweise dann, wenn die letzten Überlebenden sich am reißenden Fluss befinden, sind minimale Artefaktbildungen in den Strömungen zu erkennen. Die Schärfe gibt sich szenenabhängig wechselhaft, kann aber über weite Strecken als angenehm bezeichnet werden. Unscharf wird das Bild aber zu keiner Zeit. Die Stilmittel wirken sich auf den Kontrast aus, der aber gut damit umzugehen weiß und ein Gleichgewicht zwischen hellen und dunklen Bildbereichen schafft. Der Schwarzwert hätte allerdings etwas satter ausfallen können, Details werden jedoch keine unkenntlich.



Die Akustik ist hingegen zu frontlastig abgemischt worden, was die deutsche als auch englische Fassung betrifft. Gerade bei einer derartigen Naturkulisse hätte man sich einen kontinuierlichen Einsatz der hinteren Effektlautsprecher gewünscht, damit nicht nur das Auge, sondern auch das Gehör an dieser auswegslosen Situation teilnimmt. Dem ist leider nicht so, denn nur selten werden die Rears angesprochen. Dafür weiß die Front stets zu gefallen: Angefangen mit einer dynamischen und gut verständlichen Dialogwiedergabe überzeugt der Mix in beiden Fassungen mit einem homogenen Klangbild. So erreicht man zwar keinen Raumklang, aber zumindest kann die Atmosphäre wiedergegeben werden. Lediglich der Klang der Dialoge ist im Original etwas harmonischer ausgefallen - der einzige Unterschied beider Sprachfassungen. Optional gibt es deutsche Untertitel.


Diese gibt es auch beim Bonusmaterial, das mit einem ausführlichen und sehr informativen Making of glänzen kann. Neben einem Blick hinter die Kulissen gibt es Interviews mit Crew und Darstellern, die über den Produktionsweg von "Van Diemen's Land" berichten. So erfährt der interessierte Zuschauer, dass die verfilmte Geschichte eigentlich als Abschlussarbeit des Regisseurs und lediglich als Kurzfilm angedacht war. Aufgrund der guten Kritiken und des Erfolges, den Jonathan Auf Der Heide mit diesem knapp 20minütigen Film verbuchen konnte, war der Weg für die Langversion schließlich geebnet. Wie viel Herzblut in "Van Diemen's Land" steckt, wird dann auch klar, wenn man erfährt, dass alle Beteiligen ohne Gage arbeiteten. Noch ausführlicher, aber ohne begleitende Untertitel ist der Audiokommentar ausgefallen. Auf der Heide und sein Team nehmen Szenen genau unter die Lupe, um diese zu analysieren, berichten von Schwierigkeiten am Set und setzen sich auch kritisch mit der Handlung auseinander. Der Originaltrailer, ein Teaser und Werbematerial zu weiteren Veröffentlichungen aus dem Hause I-On beenden schließlich diese Sektion. Damit aber noch nicht genug, gibt es im DigiPak noch ein Booklet mit einem exklusiven Interview mit Jonathan Auf Der Weide und Hauptdarsteller Oscar Redding, die nochmals einiges Wissenswertes über den Film und dem wahren Alexander Pearce berichten.

Die DVD-Veröffentlichung von "Van Diemen's Land" durch I-On ist uneingeschränkt empfehlenswert. Neben guter Bild- und Tonqualität erhält man informatives Bonusmaterial, was aber viel wichtiger sein dürfte: ein beeindruckendes Survival-Drama, das stellenweise richtig unter die Haut geht.


Film++++/-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+++---


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Van Diemen's Land
Van Diemen's Land - Interview mit Jonathan auf der Heide
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