Sporttaucher Mario und seine beiden Begleiterinnen fahren vom Festland aus zu einer kleinen Insel vor der Küste Italiens. Dass sie dort schon das Grauen erwartet, konnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen. Schon vor langer Zeit hat sich diese Insel zum Stützpunkt der Hölle entwickelt. Schon im Mittelalter haben Seefahrer die Gegend gemieden und man erzählt sich die düstersten Legenden über diesen Ort. Beim Tauchen entdeckt Mario auf dem Meeresgrund eine alte Holzkiste. Er holt sie an Land und öffnet sie, ohne dass seine beiden Begleiterinnen etwas davon merken. Er findet ein altes Dämonenmesser und schneidet sich daran. Die Saat der Dämonen ist jetzt in ihm. Können seine beiden Begleiterinnen sich in den alten Burgruinen gegen den Dämon währen?
Lange bevor
Andreas Bethmann seine Sexploitation-Ära begann, nahm er schon die Kamera zur Hand und inszenierte ein paar Amateurhorrorfilme. Während seine
"Weststadt-Massaker"-Trilogie als verschollen und die beiden Teile des
"Totenhügels" als unvermarktbar gelten, gibt es zumindest die Möglichkeit, an seine anderen beiden Frühfilme
"Tanz der Kürbisköpfe" und
"Insel der Dämonen" zu gelangen. Während man sich bei
"Tanz der Kürbisköpfe" noch mit einer Videokassette zufrieden geben muss, gibt es von
"Insel der Dämonen" eine Veröffentlichung in der
X-Rated-Hartboxen-Reihe auf DVD. Im Gegensatz zur Erstvermarktung auf Video wurde die Ursprungsfassung bearbeitet, um einen persönlichen Director's Cut abzuliefern.
Mit seinen heutigen Werken, kann dieses kleine Filmchen, das mit sehr geringen Mitteln und gerade einmal vier Darstellern in Italien gedreht wurde, allerdings nicht verglichen werden.
"Insel der Dämonen" ist noch ein reiner Amateurfilm, der leider etwas an mangelndem Umsetzungsvermögen zu leiden hat, aus diesem Grund aber gut als unterhaltsamer Trash goutiert werden kann. Das liegt besonders am Engagement, das dem Film zu Grunde liegt. Während in anderen Filmen die Knallchargen durch die Wälder rennen, um möglichst mit viel Ketchup eingeschmiert zu werden, behält es sich
Bethmann vor, neben den Splatterszenen auch etwas fürs Auge zu bieten. Damit sind keine nackten Frauen gemeint, wie man sie in seinen heutigen Werken immer wieder antrifft, sondern die Kulisse in der sein Film spielt: Schöne Ruinen, einsame Strände und sogar Unterwasseraufnahmen sorgen für eine gelungene Atmosphäre. Dem steht ein sehr dürftiges Drehbuch gegenüber, das vermutlich auf einen Bierdeckel gepasst hat und bei dem auch nicht allzu viel erwartet werden sollte.
Die Geschichte beginnt irgendwo in einem italienischen Dorf. Der urlaubende Sporttaucher Mario trifft auf die einheimische Maria, die sich eine Knöchelverletzung zugezogen hat. Da sich beide sympathisch sind, wird am nächsten Tag ein Treffpunkt auf einer nahe liegenden Insel arrangiert. Zahlreiche Geschichten ranken sich um den Ort, der einst Dämonen beherbergt haben soll. Noch immer sollen unheimliche Dinge zwischen den verwahrlosten Ruinen geschehen. Das stellt jedoch kein Hindernis für Mario dar, der nebenbei noch die Unterwasserwelt erforschen möchte. Maria nimmt zum Treffen mit ihrem Traummann noch ihre beste Freundin Anita mit, die ebenfalls sichtlich angetan ist von Mario. Nach anfänglichen Flirtversuchen wird es Mario aber etwas zu heiß und er beschließt sich Abkühlung im Wasser zu holen. Bei einem Tauchgang findet er einen menschlichen Schädel und kurz darauf eine alte Kiste. Sein Interesse ist geweckt und er nimmt sich der vermeintlichen Schatzkiste an. In der Kiste findet Mario ein antikes Messer, an dem er sich auch direkt schneidet. Nun darf sich der Fluch der Dämonen wieder erfüllen, denn innerhalb kürzester Zeit mutiert Mario zu einem menschenfressenden Dämon der nun Jagd auf die beiden Freundinnen macht ...
Bei der Maske des Dämons weiß man allerdings zuerst nicht, ob man lachen oder weinen soll, so billig wirkt das entstellte Gesicht. Besonders der Bereich um die Augenpartien hätte etwas sorgsamer geschminkt werden sollen, denn dort sieht man sehr deutlich, dass es eine schlecht sitzende Maske ist. Gleiches gilt für Szenen, in denen der Hinterkopf zu sehen ist, denn auch dort erkennt man die einfachen Mittel, also den Tragegurt der Maske. Das wirkt billig, allerdings auch sehr trashig und passt zum Gesamtkonzept des Films. Die wenigen Bluteffekte sind dank Blutpumpe und Plastikglieder ganz akzeptabel, kommen aber erst in der zweiten Hälfte des Films richtig zum Einsatz. Zuvor muss man sich mit üblen Dialogen und sehr bescheidenen Laiendarstellern anfreunden. Zumindest
Erich Ammerkamp genießt mittlerweile höheren Bekanntheitsgrad im amateur- und semiprofessionellen Bereich. Die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen dürften hingegen aus dem Freundeskreis stammen und auch der Kurzauftritt von
Werner Kila ist neben jenem in
Bethmanns
"Der Todesengel" sein einziger geblieben.
Viele Filminteressierte werden sicherlich nach dem Grund suchen, warum ausgerechnet
"Insel der Dämonen" trotz der Einfachheit der debilen Geschichte und der teils minderwertigen Umsetzung nicht als Rohrkrepierer abgestempelt wird. Dabei ist die Antwort recht einfach, denn wie sagt man so schön: Es gibt Filme, die so schlecht sind, dass sie wiederum gut sind. Genau das trifft auf
"Insel der Dämonen" zu, denn trotz fehlender Logik und kaum ansteigendem Spannungsbogen vergehen die knapp 70 Minuten sehr zügig. Zwar benötigt der Film anfangs eine Weile, um an Fahrt zu gewinnen, doch stört das nicht weiter. Hauptsächlich liegt das an den etwas in die Länge gezogenen Landschaftsaufnahmen. Ist man schließlich auf der Insel angekommen und wird Mario vom Dämon besessen, darf die Post abgehen. Die Kameraarbeit überzeugt und besitzt einige wirklich nette Aufnahmen im Wasser als auch zu Land. Würde man diese Szenen zusammenschneiden, hätte man ganz nebenbei noch ein gut 20minütiges Urlaubsvideo aus Italien.
Aber hatte diese Marotte nicht auch ein gewisser Herr
D'Amato? Ja, denn nicht umsonst möchte
"Insel der Dämonen" an den italienischen Horrorfilm der 1980er Jahre erinnern, was dem Regisseur in kleinem Rahmen gelungen ist.
"Insel der Dämonen" mag dilletantisch sein, ist aber zumindest sehr unterhaltsam in geselliger Runde. Nur das Gehirn ausschalten, denn die Intelligenz des Zuschauers wird nicht gefordert. Aber gerade diese Unbeschwertheit ist es auch, die den Film zu einem netten kleinen Amateurwerk werden lässt.
Bedingt durch das verwendete Equipment darf man bildtechnisch nichts Überragendes erwarten. Es sieht allerdings so aus, als ob das, was möglich gewesen ist, aus dem Ausgangsmaterial herausgeholt wurde. Der Film selbst liegt in zwei Fassungen auf der DVD vor: als digitale Version und als künstlich erstellte 16mm-Fassung. Inhaltlich unterscheiden sich beide Fassungen nicht, weswegen wir uns entschieden bei der Bildbewertung für die digitale Fassung entschieden haben. Die Schärfe ist angenehm und überrascht mit einer durchweg soliden Detailwiedergabe. Rauschen hält sich in Grenzen und auch der Kontrast bewegt sich auf einem guten Niveau. Dies dürfte den Tageslichtaufnahmen zu verdanken sein, weil dadurch das Lichtverhältnis stimmt und keine Probleme beim Ausleuchten entstehen. In den dunkleren Unterwasseraufnahmen ist Rauschen deutlicher auszumachen, wenn auch nicht in einer störenden Intensität. Die Farbgebung ist gut getroffen, jedoch kommt es gelegentlich zu leichten Verfälschungen. Auch die Kompression geht für eine Amateurproduktion in Ordnung; leichte Unruhen sind zwar erkennbar, doch selbst schwierigere Szenen wie die Unterwasseraufnahmen können überzeugen. Die 16mm-Fassung sieht dunkler aus und besitzt ein intensiveres Bildrauschen. Schmutzpartikel und anderweitige Verschlechterungen wurden nachträglich eingebaut, um das Aussehen einer abgenutzten Kinokopie zu erzielen. Grundsätzlich sind diese Effekte sehr gelungen, die digitale Aufnahmetechnik können sie allerdings nicht verbergen.
Extra für die Neuauflage innerhalb der hauseigenen
X-Rated-Reihe ließ
Andreas Bethmann eine Synchronisation für den Film erstellen. Die Sprecher sind eher mäßig besetzt und neigen besondern was die weiblichen Rollen betrifft etwas in Richtung "Pornosynchro". Hört man darüber hinweg, wird aber ein ordentlicher Stereoton geboten, der sehr aufwendig mit neuer Musik und Effekten aufbereitet wurde. Zwar wirken die Dialoge etwas dominanter als der restliche Mix, Homogenität wird dennoch geboten. Weiterhin fällt die gute Dynamik auf, die besonders im Bereich der Musik eine echte Unterstützung ist. Für eine Amateurproduktion darf man somit von einem sehr gelungenen Mix sprechen, der ähnlichen Genre-Vertreter deutlich voraus ist.
Beim Bonusmaterial sticht besonders das
"Hinter den Kulissen"-Feature hervor, in welchem man dem Regisseur über die Schulter schauen darf, wie er einige Szenen inszenierte. Besonders interessant ist der Teil, der den Spezialeffekten gewidmet ist, denn wenn man bedenkt, wie einfach die Effekte gehalten sind, verblüfft das Ergebnis schon. Weiter geht es mit einem
Musikvideo von
Bethmanns ehemaligen Musikcombo "Materialschlacht", die den Titelsong beisteuerten. Eine
Fotogalerie und sogar das
Drehbuch sind als Slideshow vertreten. Abgerundet wird der Bereich schließlich durch eine umfangreiche
Trailershow weiterer Werke
Bethmanns. Der Trailer zu
"Insel der Dämonen" darf natürlich auch nicht fehlen.
"Insel der Dämonen" ist netter Amateurtrash, der kurzweilige Unterhaltung bietet. Fans von
Bethmanns Sexploitation-Werken sollten aber erstmals einen vorsichtigen Blick riskieren, denn wer ausschließlich auf Sex und Gewalt hofft, wird bei diesem Frühwerk vermutlich enttäuscht werden. Die Trashfraktion, die auch dem Amateurfilm nicht abgeneigt ist, kann hingegen mit einem spaßigen Gehirnschuss rechnen.