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D 2009
Originaltitel:Geheimnis der Zauberpilze, Das
Länge:90:14 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Christian Markhoff, Werner Timm
Buch:Werner Timm
Kamera:Holger Jahnke
Musik:Carsten Grote, Holger Jahnke
SFX:Holger Jahnke
Darsteller:Christian Markhoff, Werner Timm
Vertrieb:P.S.Y.C.H.O. Productions
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:2,35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:-
Verpackung:KeepCase
DVD-Start:01.08.2009 (Kauf)
Specials:
  • Audiokommentar
  • Making Of (65:54 Min.)
  • Interviews (12:37 Min.)
  • Nicht verwendete Szenen mit opt. Audiokommentar (5:00 Min.):
    • Zweite Fütterung
    • Der mit dem Darm läuft
    • Der animalische Kampf
  • Kurzfilm "Spasti 2 - Der Krüppel" (6:09 Min., mit opt. Audiokommentar)
  • Musikvideo "Die Psychopathen - Everybody dies" (2:53 Min.)
  • Wir brauchen deine Hilfe (3:08 Min.)
  • Trailer:
    • Dt. / engl. Teaser (0:56 Min.)
    • Dt. / engl. Trailer (2:23 Min.)
Zwei Jugendliche zieht es in die Wälder. Zugedröhnt mit Alkohol passiert ein Unfall, der einen der beiden Freunde das Leben kostet. Aber ist der Tod wirklich das Ende? Vielleicht können ihn ein paar der sagenumwobenen Zauberpilze von den Toten auferstehen lassen. Doch die Pilze sind alles andere als leicht zu bekommen ...
Es beginnt eine Odyssee, die ihresgleichen sucht, und dem Protagonisten begegnen die merkwürdigsten Charaktere und Kreaturen. Doch der Wunsch, seinen Freund wieder zum Leben zu erwecken, lässt ihn die wildesten Abenteuer überstehen, und es bleibt nur eine Frage offen: Haben die Pilze wirklich die erhoffte Wirkung?
Für die meisten Cineasten - auch für die, die schon wenig Anspruch haben - dürfte der deutsche Amateurfilm ein ganz heißes Eisen sein, das man am besten nicht mal mit der Kneifzange anrührt. Zu viel lieblos gemachten Schund hat man schon betrachtet, vermutlich noch viel Geld dafür ausgegeben ... von der Zeitverschwendung mal ganz abgesehen: Irgendwann mag man einfach nicht mehr. Leider verpasst man auf Grund dieser Engstirnigkeit dann aber ab und an kleinere (deutsche) Produktionen, die mit viel Elan und Herzblut inszeniert wurden und aus der Masse herausstechen, sich aber "Dank" günstig gewordener HD-Kameras gegenüber der vor allem amerikanischen Konkurrenz behaupten müssen - und leider meist untergehen. Dabei sind die meisten Sachen ganz großer Dreck, der sich im Fahrwasser von Interner Link"Hostel", Interner Link"Saw" und Co. bewegt, wenig Innovatives bietet und das Bekannte noch noch nicht einmal adäquat reproduzieren kann.



"Das Geheimnis der Zauberpilze" mag mit seinem Budget von 1000 Euro im Vergleich zu dem, was sonst so auf den Markt geschmissen wird, geradezu lächerlich billig wirken. Andererseits zeigten Regisseure wie Daniel Flügger, dessen neuer Film "Dead Past" sogar die Gosejohann-Brüder in Gastrollen verpflichten konnte, eindrucksvoll, was aus Minimalbudgets rausgeholt werden kann. Auch der Low Budget-Spaß "Sudden Slaughter - Knochenwald 3" ist wesentlich kreativer und unterhaltsamer als das meiste der Videothenware.

Auch wenn der Name P.S.Y.C.H.O Productions drauf schließen lässt, dass die Budgets hauptsächlich in Alkohol und Drogen investiert werden, macht der Film letztlich nicht diesen Eindruck. Zwar wird nach der Maxime "Wenn schon Alkohol im Film getrunken wird, dann richtig!" gehandelt, doch exzessive Saufgelage machen sich weder vor, noch hinter der Kamera bemerkbar. Vor allem die technische Seite muss lobend erwähnt werden; die Produktionsdauer von einem Jahr spricht für sich - vor allem die mühevolle Nachbearbeitung dürfte ein gutes Stück Zeit gekostet haben. Zwar gibt es so gut wie keine CGI-Effekte, aber der ordentliche Schnitt und die saubere Nachvertonung (Synchronisation, musikalische Untermalung) sind im Genre leider keine Selbstverständlichkeit.

Worum geht es im Film eigentlich? "Das Geheimnis der Zauberpilze" ist weder ein Dokumentarfilm, noch ein Spielfilm im klassischen Sinne, sondern eines weitgehend entspanntes und ziemlich abgedrehtes Stück Amateurkino ohne wirkliche Handlung - quasi ein leichter, auf "Zelluloid" gebannter Drogenrausch. Auch wenn es stellenweise schon vorher extrem verschroben und durchgeknallt zugeht, hat der Film seine surrealen Momente erst in seinen letzten 20 Minuten, dann aber richtig: Hat schon mal jemanden einen vergewaltigenden Riesenpilz gesehen? Ich genauso wenig die jungen Männer, die sich in der Rahmenhandlung des Films den eigentlichen Streifen im heimischen Wohnzimmer antun.



Dazu wird der Film aus der Videothek frisch ausgeliehen und erstmal mit einer Mischung aus ziemlicher Selbstbeweihräucherung ("Der Herr der Ringe des No Budget Movies!") und Selbstironie ("Den Scheiß will doch niemand ernsthaft sehen!") herum gescherzt, bevor sich die beiden Suffköppe flugs im eigentlichen Streifen wiederfinden. Denn sämtliche Rollen, wie auch der Großteil der technischen Seite, wurde von gerade mal zwei Leuten besetzt. Das kann ziemlich nach hinten losgehen, hier hat man allerdings zu keiner Sekunde das Gefühl, das Master W in seinen dutzend Rollen lächerlich wirkt. Großes Schauspiel darf man zwar weder von ihm, noch von seinem Kumpel Crippler Criss erwarten, aber für ein derartig sinnloses Großprojekt sind die Leistungen vor der Kamera schon mehr als gediegen.

Der Plot: Zwei Typen betrinken sich im Wald. Bei einem bescheuerten Saufspiel erschlägt der Hüne Crippler Criss den kleinen Master W und erinnert sich an dessen seltsame Geschichte vom Zwerg mit den Zauberpilzen, auf dessen Suche er sich begibt, um den Tod seines Freundes doch irgendwie rückgängig zu machen. Zu seinem Glück erfährt er, dass die Zauberpilze Tote wieder zum Leben erwecken können; zu seinem Unglück sind dem Zwerg leider die Vorräte ausgegangen, so dass sich Crippler Criss selber auf die Suche begeben muss. Auf seiner Odyssee durch den Wald begegnet er allerhand seltsamer Gestalten, die seinen Weg kreuzen ...

Über den Sinn der Handlung lässt sich am ehesten streiten, aber es wäre unfair, "Das Geheimnis der Zauberpilze" ob seines simplen Plots voreilig abzustempeln. Immerhin macht sich dieser deutsche Amateurfilm mal die Mühe, trotz seiner Wald-und-Wiesen-Kulisse mal etwas anderes als nur die übliche Zombiethematik zu bieten. Vergleiche zur deutschen Märchenkultur mögen sich kurz auftun, doch seine wahren Wurzeln hat der rund 90 Minuten lange, aber selten langwierige Film eher im Horrorgenre, was sich mit Charakteren wie dem kannibalischen Einsiedler oder dem am Ende kurz auftauchenden Riesenpilz zeigt. Auch die dezent eingeflochtenen, nie aufgezwungenen wirkenden Splattereffekte lassen die filmischen Vorlieben der Macher erkennen.



Zwar wird wegen der Präsenz von nur zwei Leuten und der ziemlichen Dialoglast nur in wenigen Momenten Spannung aufkommen, aber der Film ist auch von vornherein als Spaßfilm konzipiert wurden, bei dem groteske Szenen und hanebüchene Dialoge im Vordergrund stehen. Atmosphäre ist dafür in vielen Szenen gegeben, denn der irrsinnige Plot mit seiner unberechenbar voranschreitenden Handlung überrascht mit mach intensiver Szene. Vor allem die letzten 20 Minuten mit dem vergewaltigenden Riesenpilz sind wie ein halluzinogener Pilztrip: Bild-in-Bild-Effekte, verworrene Traumszenen und psychedelische Musik tragen ungemein zu dieser sonderbaren Bildabfolge bei. Aber auch der Rest wirkt alles andere als "normal". Man merkt schon die ganze Zeit über, dass es ein Film von und für Freaks ist.

Die freuen sich natürlich über Späße wie das plötzlich auftauchende Schwarzbild, während der Ton weiterläuft - man hat eine gekürzte Fassung erwischt. Die Tricks sind zwar technisch einfach gehalten, Goreeinlagen wie die (aus Marzipan geformten) abgetrennten Finger und andere amputierte Gliedmaße sind dank sauberen Schnitt jedoch gleichermaßen unappetitlich wie auch köstlich anzusehen und wirken nie plump oder billig. Ziemlich überrascht war ich übrigens von der Machart der blutigen CGI-Blutspritzer bei einer Erschießung. Respekt, das sah wirklich Klasse aus! Von der technischen Seite her ist dieser Amateurfilm also wirklich gelungen, da gibt's absolut nichts zu meckern. Vor allem der Titelvorspann ist absolut Top.

Ein wenig Kritik muss man allerdings auch anbringen: Manche Szene wirkt etwas langatmig und zäh (z.B. das Treffen mit dem geistig umnebelten Soldaten, der sich immer noch im Krieg wähnt). Glücklicherweise fangen sich diese Momente in letzter Sekunde. Auch das durchweg aggressive Auftreten von Crippler Criss (insbesondere in den Zwischenszenen) stört die ansonsten entspannte Atmosphäre, die den Streifen durchzieht. Das war teilweise doch etwas sehr anstrengend, ebenso wie das Satzanhängsel "Alter" irgendwann auch erlahmte.

Wie es sich gehört, wurde der Film in Eigenproduktion gemastert und auf DVD herausgebracht. Das Bild ist deswegen typisch Amateurfilm: Die Qualität entstammt vermutlich einer billigen HD-Kamera, die selten eine tolle Schärfe liefert und Probleme mit Farben (zu gelblicher Teint) und Kontrast hat. Deswegen sind Innenaufnahmen immer etwas düster, Außenaufnahmen dafür etwas zu überhellt, was die Figuren manchmal mit einem überstrahlenden Schimmer umhüllt. Ein paar Dreckspratzer auf der Optik stammen von der Aufnahmetechnik selbst. Gerade im ländlichen Drehgebiet ist das aber passend, dass es ein wenig schmutzig aussieht. Ein bisschen Rauschen ist seltsamerweise auf einigen Hintergründen erkennbar, in die sich die Kompression etwas mischt.



Der Ton wurde stellenweise nachsynchronisiert, manchmal aber auch vom Live-Ton übernommen. Letzteres bietet kaum noch annehmbare Ergebnisse, weil die Dialoge bei weitem nicht so klar verständlich sind, wie sie sein sollten. Außerdem neigen laute Geräusche des ohnehin laut abgemischten Tons zu Übersteuerungen. Positiv fällt dagegen die Nachvertonung auf, die klanglich entspannende Momente bietet und auch die Möglichkeiten von Stereo auszunutzen weiß. Den englischen Ton haben die Darsteller anscheinend selbst erstellt, klanglich weicht er nicht vom deutschen O-Ton ab.

Wer dem Film nicht abgewinnen konnte, muss bei den Extras gar nicht erst einschalten - zumindest nicht beim Audiokommentar, der vom Regie- bzw. Hauptdarsteller-Duo eingesprochen wurde. Dort geht es ähnlich niveauvoll bzw. unterhaltsam wie im Film zu, denn es wird eine Menge neben der Reihe erzählt. Kamera- und Musikmann Holger Jahnke ist ebenfalls am Start, erzählt allerdings nur wenig. Sehr interessant ist das Making Of, denn es steigt sogleich mit der Entstehung der Spezialeffekte ein. Leider geht's hier ziemlich schnell, denn innerhalb von 5 Minuten werden ungefähr zehn Spezialeffekte beschrieben. Danach folgen diverse Aufnahmen, z.B. vom Dreh, die zeigen, dass es manchmal etwas alkohollastig zuging. Die Interviews sind eine dynamisch geschnittene Persiflage auf die Unart in Making Ofs, alles schönreden zu müssen. Die nicht verwendeten Szenen kann man ebenso mit Audiokommentar versehen wie den etwa 1998 gedrehten Kurzfilm "Spasti 2", in dem sich ein Jugendlicher unter Einfluss von Horrorfilmen selbst auseinander nimmt. Die Effekte sind zwar noch etwas hakelig, die Schlusspointe aber sehr gelungen. Das nachfolgende Musikvideo könnte bedeuten, dass die beiden Filmschaffenden selber ein Metal-Projekt am Start haben, das mit Szenen aus dem Film versehen wurde und ziemlich interessant klingt. Zum Schluss gibt es noch einen Aufruf um Mithilfe fürs nächste Filmprojekt und den Trailer und Teaser jeweils in deutscher und englischer Sprache. Das Switzerdütsch auf Englisch ist auf jeden Fall ein paar Lacher wert. Wenn man's alles zusammenrechnet, kommt die DVD auf ganz stattliches Bonusmaterial, das den typischen Humor der Macher trägt und deswegen nicht langweilig wird.


Dass "Das Geheimnis der Zauberpilze" keine wirkliche Handlung hat, ist so beabsichtigt. Trotzdem beinhalten die 90 Minuten so gut wie keinen Moment, der zum Vorspulen animiert. Damit hätte ich nun nicht gerechnet. Wer also Spaß am trockenen, bisweilen sehr wilden und überzeichneten Humor hat, Amateurfilmen prinzipiell eine Chance gibt und vielleicht auch gerne mal einen durchzieht: Lasst Euch ein auf diesen Trip!


Film++++/-
Bild+++---
Ton+++---
Bonus+++/--


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