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AR, ESP 2008
Originaltitel:No moriré sola
Länge:83:26 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ungeprüft
Regie:Adrián García Bogliano
Buch:Martín Frías, Adrián García Bogliano, Ramiro García Bogliano
Kamera:Fabricio Basilotta
Musik:Hernan Penner
SFX:Fabricio Basilotta
Darsteller:Andres Aramburu, Gimena Blesa, Leonardo Canga, Leonardo Cuchetti, Magdalena De Santo, Andrea Duarte, Rolf García, Marisol Tur, Victoria Witemburg
Vertrieb:8-Films
Norm:PAL
Regionalcode:0
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Dt.), Dolby Digital 2.0 Stereo (Dt., Sp.)
Sprache:Deutsch, Spanisch
Untertitel:Deutsch
Verpackung:KeepCase im Schuber
DVD-Start:08.04.2010 (Kauf)
Specials:
  • Teaser (0:43 Min.)
  • Originaltrailer (1:23 Min.)
  • Videoclip (3:23 Min.)
  • Bildergalerie (28 Bilder)
  • 4 Sammelkarten
Auf einem Road Trip sehen die vier Freundinnen Moira, Carol, Leonor und Yasmine ein verletztes Mädchen am verlassenen Straßenrand liegen und kurz darauf drei Typen mit Gewehren im Wald. Die Mädchen bringen das Opfer zur Polizei, werden aber anschließend selber verfolgt und von der Straße abgedrängt. Die jungen Frauen werden im Wald verschleppt und nacheinander brutal missbraucht. Die Überlebenden nehmen blutige Rache an ihre Peiniger. Aber schmeckt Rache wirklich süß ...?
Besonders im Bereich "Rape and Revenge" werden rasch die Zensoren auf den Plan gerufen, denn Filme wie Interner Link"Ich spuck auf dein Grab" sind seit ewigen Zeiten beschlagnahmt und auch bei diesem südamerikanischen Pendant fehlten in der deutschen Fassung etliche Szenen, um genau zu sein: 12 (!) Minuten wurden herausgeschnitten, um das FSK-Siegel draufkleben zu können.
Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Gewalt verherrlichende Szenen entfernt werden, doch wenn gleich die komplette Vergewaltigung fehlt und noch nicht einmal Andeutungen vorhanden sind - so fehlt dem Zuschauer auch die Basis zum Mitfiebern, denn aus Wut über die Tat folgt schließlich die emotionale Genugtuung. Daher ist es nach dem Desaster mit der deutschen Zensur sehr löblich, dass 8-Films ihre Veröffentlichung von "I'll Never Die Alone" nochmal als eine auf 2000 Stück limitierte Auflage bei unseren Nachbarn in Österreich in ungekürzter Form hinterher schob, die diesem Review zu Grunde lag. Somit schafft der Film auch wieder die angesprochene Basis.



Storytechnisch bildet der Streifen ein Bindeglied zwischen dem oben erwähnten Streifen und Cravens Interner Link"Last House on the Left".
Carol, Moira, Leonor und Yasmine befinden sich auf einer Strecke in der argentinischen Pampa, als sie am Wegesrand ein schwer verletztes Mädchen aufgabeln. Während sie die Verletzte ins Auto schaffen, fallen Schüsse, doch ihnen gelingt die Flucht bis zum nächsten Polizeirevier. Danach sind die Jäger jedoch hinter ihnen her ...

Die blasse Farbgebung mit ihren wenigen Kontrasten erinnert von vornherein an frühe Exploitation-Filme und auch die Kamera, die von Beginn an auf Nahaufnahmen der Gesichter setzt, ist angelehnt an die Spelunkenstreifen der Siebziger. Leider schafft man es während der Exposition kaum, den vier späteren Opfern ein ordentliches Charakterprofil zu verleihen. Ohnehin sind die Dialoge auch während der Vorlaufzeit recht spärlich ausgefallen. Was lediglich auffällt, ist die Erwähnung einer Jagdtheorie, die während des Rachefeldzugs konsequenterweise, aber eben auch nicht überraschend, zum Einsatz kommen wird.



Überraschend ist dann eher die Konsequenz, mit der man den brutalen Missbrauch durch die Männer in Szene setzt, ohne dabei die Gewalt vordergründig zu zelebrieren. Denn im Vordergrund stehen die Opfer und somit wird auch die Hilflosigkeit der Mädchen zur Wut des Betrachters, dem beim Ausdrücken einer Zigarette auf der nackten Brust schon mal ein Kloß im Hals stecken bleibt. Die Konzentration liegt dabei jedoch auf den Gesichtern der Opfer, nicht auf den konkreten Handlungen der Männer. Dieses hilflose Gefühl wird primär dadurch verstärkt, indem man in diesem Zeitraum stark auf die Umgebung als Fluchtpunkt setzt, mitten im Wald, einige Vögel zwitschern und der Blick in die endlos hohen Bäume vermittelt diese Gedankenflucht nur allzu deutlich.
Auch auf Audioebene wirkt alles wie ein Alptraum. Manche Geräusche erscheinen weit weg, andere hallen förmlich nach, wie das Auspeitschen mit einem Ast oder der von Erbrochenem erdrückte Schrei eines Mädchens.

In der deutschen Verleih- und Kauffassung bleibt von alledem nichts, die Handlung setzt an der Stelle wieder ein, als sich die nackten Opfer anziehen und danach orientierungslos durch den Wald laufen. Die erschlagende Situation der Geschändeten ist somit am Betrachter vorbeigegangen, der sich anschließend wundert, warum die Frauen so vehement versuchen, ihre Peiniger zur Strecke zu bringen, was der Zensur diesbezüglich nicht ganz so stark zum Opfer fiel.



Was die Handlung noch ein wenig schonungsloser gestaltet, sind lange Einstellungen, die fast wie Realzeit anmuten. Wenn da jemand in einem frisch ausgebuddelten Loch eingegraben wird, mag das auf den ersten Blick langatmig erscheinen, verstärkt jedoch die Situation des Handelnden und somit die Authentizität. Auch wenn die Darsteller auf kompletter Ebene eher auf Anfängerniveau anzusiedeln sind, so mühen sich doch alle um Glaubwürdigkeit und sind mit Herzblut bei der Sache.

Im Endeffekt scheitert die Geschichte ein wenig an den austauschbaren Charakteren. Die Figuren wirken zu formelhaft und teilweise auch zu distanziert, als dass ein Mitfiebern auf hohem Niveau möglich wäre, obgleich man den Betrachter auf emotionaler Weise durchaus anspricht.
Denn handwerklich gibt es kaum etwas anzukreiden. Die Gefühlswelt der Hauptfiguren wird in audio-visuell adäquate Bilder und Sounds verpackt, ohne dabei zum reinen Voyeurismus für Sadisten zu verkommen. Insofern eine leicht verpasste Chance, aus dem simpel gestrickten Grundmuster eine mitreißende Geschichte zu entfalten. Denn an dem sichtlich niedrigen Budget krankt die Inszenierung gewiss nicht ...



Die Stilmittel des anamorphen Transfers, auf die schon einige Zeilen zuvor eingegangen wurde, tragen zur Atmosphäre des Films bei. Die blassen Farben und auch der steil eingestellte Kontrast wirken wie eine Zeitmaschine, die den Zuschauer zurück in die 1970er Jahre transportiert. Die Natürlichkeit geht dadurch fast vollkommen verloren, doch nur so funktioniert der Film. Auch fehlen kontrastbedingt einige Details, weil besonders helle Bereiche sehr deutlich überstrahlen. Dunkle Bildbereiche bieten hingegen ein angenehmes Detailniveau, was u.a. dem guten Schwarzwert zu verdanken ist. Generell ist die Schärfe als gut zu bezeichnen, gerade Nahaufnahmen können mit einer tollen Detailzeichnung überzeugen. Dies ist gerade im Independentbereich keine Selbstverständlichkeit. Abzüge gibt es lediglich für etwas Rauschen und für einige Unruhen der Kompression, die gelegentlich unschöne Blockbildungen hervorbringt. Da ansonsten keine Bildfehler oder anderweitige Probleme vorhanden sind, wird das Bild mit 4 Punkten bewertet.

Der Ton des Film kann nicht mit dem Bild mithalten. Wie schon angesprochen sind die Dialoge zweitrangig für die Handlung und auch die Klangkulisse fällt allgemein etwas spärlich aus. Deswegen erscheint der deutsche 5.1-Mix überflüssig, auch weil die hinteren Effektboxen nur selten auf das Geschehen einwirken. Etwas Musik und den wenigen Hintergrundgeräuschen gelingt es leider nicht einen überzeugenden Raumklang zu erschaffen. Weil der spanische Originalton lediglich in Stereo vorhanden ist, kommt der Verdacht auf, dass für den 5.1-Mix getrickst wurde und lediglich ein Upmix der Stereospur erstellt wurde. Zumindest bezüglich der Dynamik hat der 5.1-Mix die Nase vorn, denn er weist eine kräftigere Abmischung auf, die besonders den Soundtrack unterstützt. Alternativ gibt es eine deutsche Stereospur, die bis auf etwas aufgesetzte Dialoge dem Originalton ebenbürtig ist. Die Sprachverständlichkeit aller drei Fassungen ist perfekt. Insgesamt kann man also mit den Stereospuren wirklich zufrieden sein. Und auch wenn man bei der 5.1-Spur den Surround-Effekt vermisst, wird immerhin eine solide Abmischung geboten. Anzumerken sei noch, dass sich zum Original deutsche Untertitel zuschalten lassen.


Der Bonusbereich fällt etwas spärlich aus. Neben Originaltrailer und Teaser gibt es lediglich noch einen Musikvideoclip vom Filmthema und eine Bildergalerie mit Artworks und Filmszenen. Im KeepCase selbst befinden sich 4 Sammelkarten mit Filmmotiven.

Die argentinisch-spanische Koproduktion "I'll Never Die Alone" ist eine kleine Überraschung im Genre-Einheitsbrei, u.a. wegen seines Retrostils. Besonders die teils realistischen Szenenabfolgen machen diesen Rape & Revenge-Thriller zu einem schwer verdaulichen Film. Vorsicht ist nur vor der deutschen Fassung geboten, denn knapp 12 Minuten fehlen dem Film und lassen kaum noch die unerträgliche Wirkung entstehen, welche die Stärke von "I'll Never Die Alone" darstellt. Also bei unseren Nachbarn in Österreich oder der Schweiz zugreifen, falls das Interesse geweckt wurde.


Film++++--
Bild++++--
Ton+++---
Bonus+/----


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